Die Daimler-Motoren-Gesellschaft (DMG) war ein deutsches Unternehmen in der Automobilindustrie, gegründet im württembergischen Cannstatt, später mit Werken in Stuttgart-Untertürkheim und Berlin-Marienfelde. Der Sitz des Unternehmens war zuletzt Berlin. Sie war eines der Vorläuferunternehmen der Daimler-Benz AG.

Geschichte mini|Mitarbeiter der Daimler-Motoren-Gesellschaft in Cannstatt mini|DMG-Lastkraftwagen, 1896 mini|Dernburg-Wagen, 1907 mini|Schmalspur-Dieseltriebwagen der Otavibahn von 1914, Höchstgeschwindigkeit 138 km/h 1887 kaufte Gottlieb Daimler ein Grundstück mit Werksgebäuden der ehemaligen Vernicklungsanstalt Zeitler & Missel auf dem Grundstück Ludwigstraße 67 (heute Kreuznacher Straße) im Cannstatter Stadtteil Seelberg, im November 1890 gründete er dort mit den finanzkräftigen Partnern Max Duttenhofer und Wilhelm Lorenz die Daimler-Motoren-Gesellschaft (DMG).Gründung der Daimler-Motoren-Gesellschaft DMG, in: Das digitale Archiv von Mercedes-Benz Classic Max Duttenhofer und Wilhelm Lorenz brachten je 200.000 Mark ein und Gottlieb Daimler seine Fabrikationsanlagen, Patente und Inventarwerte. Wilhelm Maybach wurde Chefkonstrukteur.Wilhelm Maybach, in Mercedes-Benz Group-Unternehmen Doch bereits am 11. Februar 1891 verließ er wieder das Unternehmen und entwickelte weiter mit Daimler privat.Wilhelm Maybach verlässt die DMG, in: Das digitale Archiv von Mercedes-Benz Classic Ab 1893Transportjournal: internationale Eisenbahn- und Navigationsrevue, Paris, 21. Januar 1905, in der Bibliothèque nationale de France (franz.) baute die DMG Schienentriebwagen für Württemberg, die Schweiz und Ungarn in Cannstatt (s. a. Illustrierte Zeitschrift für Klein- und Strassenbahnen und 1887 die Ausstellungsbahn „Daimler-Wagonnet“ im Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart-Untertürkheim). Das erste Modell vom Dezember 1893 hatte 24+8 Plätze und einen 14-PS-4-Zylinder-Verbrennungsmotor. Am 10. Oktober 1894 trennte sich Gottlieb Daimler von der DMG und widmete sich zusammen mit Wilhelm Maybach der Weiterentwicklung des Automobils.Gottlieb Daimler verlässt die DMG, in: Das digitale Archiv von Mercedes-Benz Classic Auf Drängen von Frederick R. Simms wurden im November 1895 Daimler und Maybach wieder zurück zur DMG geholt.Aus Daimler Motor Syndicate wird British Motor Syndicate, in: Das digitale Archiv von Mercedes-Benz Classic

1896 wurde der erste von einem Verbrennungsmotor getriebene Lastkraftwagen der Welt bei der DMG gebaut und nach Großbritannien geliefert. Im März 1900 starb Gottlieb Daimler. Im selben Jahr wurden 185.000 m² neues Gelände für eine neue Motorenfabrik in Untertürkheim gekauft.

Am 29. Juli 1902 übernahm die Daimler-Motoren-Gesellschaft die Motorfahrzeug- und Motorenfabrik Berlin AG (MMB) in Marienfelde bei Berlin als Zweigniederlassung, nachdem bereits 1899 von Vorstandsmitgliedern der DMG die in Marienfelde ansässige Motorenfabrik Adolf Altmann & Co. zum Bau von Motorwagen nach System Daimler genutzt wurde.Jan Boyd: Oldtimer-Busse. Komet-Verlag, Köln o. J., S. 29. Im Jahr 1902 ließ die DMG den Namen „Mercedes“ als patentamtlich geschützten Markennamen eintragen. 1903 wurden für die Great Western Railway fünf Schienenbusse mit 16 PS, einer Geschwindigkeit von 25 km/h und einer Transportkapazität bis 22 Personen gebaut.Transportjournal: internationale Eisenbahn- und Navigationsrevue, Paris, 29. August 1912, in der Bibliothèque nationale de France (franz.)

Ein Großbrand in den Werkshallen in Cannstatt zerstörte 1903 alle Produktionsmaschinen und 93 fertige Mercedes-Fahrzeuge; als Notlösung begann die Produktion im Dezember 1904 vorzeitig im Werk Untertürkheim. Im folgenden Jahr fand der vollständige Umzug von Cannstatt nach Untertürkheim statt. 1907 wurde bei der DMG das „erste Personenfahrzeug mit Allradantrieb für den Alltagsbetrieb“ konstruiert, der so genannte Dernburg-Wagen, nachdem das niederländische Unternehmen Spyker 1903 mit dem Spyker 60 H.P. das erste allradgetriebene Automobil mit Verbrennungsmotor als zweisitzigen Rennwagen vorgestellt hatte. 1909 wurde der Dreizackstern, das Symbol des Unternehmens, vom Künstler Otto Ewald gestaltet und Daimler zur Verfügung gestellt. An der Börse in Stuttgart wurden die Aktien der Daimler-Motoren-Gesellschaft 1911 eingeführt.

Seit 1909 beschäftigte man sich bei der DMG mit der Entwicklung und dem Bau serientauglicher Flugmotore. 1912 berichtete manDaimler-Motoren, in der Publikation Les moteurs d'aviation von Étienne Taris und Émile Berthier, 1912, in der Bibliothèque nationale de France (franz.) von einem 115-PS-4-Zylinder-Flugzeugmotor, 50-PS(Flug-)Motoren der Daimler-Motoren-Gesellschaft (50 und 125 PS), auf S. 200 in der Publikation Mois scientifique et industriel, Paris, April 1912, in der Bibliothèque nationale de France (franz.) - und 75-PS-Flugmotoren, einer Serie von 30–240-PS-Ballonmotoren sowie 8-Zylinder-Motoren für die Schütte-Lanz-Luftschiffe in Mannheim.8-Zylinder-250-PS-Daimlermotoren für Schütte-Lanz-1, auf S. 538 in der Publikation L'Aérophile, Paris, 1. Januar 1911, in der Bibliothèque nationale de France (franz.) Um der wachsenden Bedeutung der Luftrüstung bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs gerecht zu werden, erfolgte 1915 der Aufbau einer eigenen DMG-Flugzeugbau-Abteilung. Hierfür errichtete die DMG in Sindelfingen im Sommer 1915 ein eigenes Werk, dessen Gelände unmittelbar an den Militärflugplatz Böblingen angrenzte. Im DMG-Flugzeugbau entstanden während des Krieges zunächst Groß- und Riesenflugzeuge, die in Lizenz für die Flugzeugbau Friedrichshafen gebaut wurden. Ab 1918 entstanden eigene Jagd- und Beobachterflugzeuge mit Daimler V8-Motoren, die aber nicht mehr in Serie gebaut wurden.

Um das DMG-Werk Untertürkheim weitgehend für die Motorenproduktion frei zu machen, erfolgte ab Herbst 1915 auch die Verlagerung der Automobilproduktion von Untertürkheim nach Sindelfingen. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Flugzeugbau in Sindelfingen weitgehend eingestellt. Das Werk Sindelfingen konzentrierte sich mit seiner Serienfertigung auf den Karosseriebau. Mit einer Reihe von Versuchsflugzeugen entwickelte sich der DMG-Flugzeugbau zwischen 1919 und 1925 zur Wiege des auflebenden deutschen Leicht- und Sportflugzeugbaus. Der DMG-Flugzeugbau wurde 1926 an die Leichtflugzeugbau Klemm GmbH verkauft. 1922 wurde der Unternehmenssitz der DMG von Untertürkheim nach Berlin verlegt. Die Inflation veranlasste die DMG, eigenes Notgeld herauszugeben. 1926 erfolgte die Fusion mit Benz & Cie. zur Daimler-Benz AG.

Zeitleiste der Daimler- und Mercedes-Modelle von 1889 bis 1926

Einschätzung des Daimler-Motors 1896 Das Brockhaus’ Konversationslexikon lobte den Daimlerschen „Petroleummotorwagen“ 1896 über alle Maßen und ging insbesondere auf den Motor selbst ein (mit „M.“ meint der Artikel den Motorwagen):

mini|Werbung für Daimler-Lastkraftwagen, 1913

Werk Berlin-Marienfelde 1898 beteiligten sich die DMG an dem Maschinenbauunternehmen von Adolf Altmann in Berlin, was zur Gründung der Motorfahrzeug- und Motorenfabrik Berlin (MMB) führte. Die MMB erhielt einen Lizenzvertrag für sämtliche Patente der DMG. 1899 verlegte die MMB ihren Sitz nach Berlin-Marienfelde. Neben Verbrennungsmotoren und Kraftfahrzeugen wurden hier auch Fahrzeuge mit Batterie-elektrischem Antrieb hergestellt.Werner Oswald, Manfred Gihl: Kraftfahrzeuge der Feuerwehr und des Sanitätsdienstes. 2. Auflage, Motorbuch-Verlag, Stuttgart 1977, ISBN 3-87943-440-9, S. 10/11 und S. 18.

Am 2. Oktober 1902 übernahm die Daimler-Motoren-Gesellschaft (DMG) die marode Motorfahrzeug- und Motorenfabrik Berlin AG in Marienfelde. Am Anfang wurden neben Fahrzeugen für Lkw- und Bus-Aufbauten auch noch Boots- und Schiffsmotoren gebaut. Während des Ersten Weltkriegs wurde 1917/1918 der erste deutsche Panzer A7V in Marienfelde entwickelt und gefertigt.

mini|Werk Untertürkheim 1911 Werk Untertürkheim Das Verhandlungsgeschick des Untertürkheimer Schultheiß Eduard Fiechtner mit Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach gab 1900 den Ausschlag, dass die DMG nach Untertürkheim kam und nicht nach Schorndorf ging. Fiechtner garantierte Daimler einen Gleisanschluss und Elektrizität aus dem neu gebauten Wasserkraftwerk. Am 15. August 1900 unterzeichneten Vertreter der Gemeinde und des Automobilunternehmens den Kaufvertrag über 185.000 Quadratmeter Baugebiet im Untertürkheimer Gewann Kies.

Mitte 1904 bis Anfang 1905 zog die Daimler-Motoren-Gesellschaft vom Cannstatter Seelberg nach Untertürkheim um. Auf einer Grundfläche von 45.000 Quadratmetern entstanden eine Schmiede, ein Arbeiterunterkunfts- und Verwaltungsbau, ein Sheddachbau, die Werkstätte für Bremsen- und Klempnerarbeiten und schließlich der sogenannte Betonbau für insgesamt 2200 Beschäftigte.

Werk Sindelfingen

1914 wurde der Bau des dritten Werks in Sindelfingen beschlossen, das schon im Herbst 1915 den Betrieb aufnahm. Im Werk Sindelfingen wurden hauptsächlich Flugzeuge und Flugmotoren (siehe auch: Mercedes D III) produziert, zu diesem Zweck verfügte das Werk über eine einzige Start- und Landebahn.

Austro-Daimler Austro-Daimler ist die Kurzbezeichnung für das ehemalige österreichische Tochterunternehmen der Daimler-Motoren-Gesellschaft in Wiener Neustadt.

Bilder

Siehe auch Mercedes-Benz Veteranen Club von Deutschland

Literatur Harry Niemann: Die Daimler Motorengesellschaft 1890–1926. Delius Klasing, Bielefeld 2002, ISBN 3-7688-1242-1. Jörg Kraus: Für Geld, Kaiser und Vaterland. Max Duttenhofer, Gründer der Rottweiler Pulverfabrik und erster Vorsitzender der Daimler-Motoren-Gesellschaft. Heidelberger Lese-Zeiten-Verlag, Heidelberg 2014, ISBN 978-3-943137-25-5. Harry Niemann: Paul Daimler. König des Kompressors. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 2020, ISBN 978-3-613-04267-4. Paul Zöller: Klemm-Flugzeuge. Band I. Books on Demand, Norderstedt 2020, ISBN 978-3-7526-2580-6.

Weblinks

100 Jahre Motorenwerk in Untertürkheim Entstehungsgeschichte des Daimler-Werks Sindelfingen der AG Böblinger Flughafengeschichten

Einzelnachweise

Kategorie:Ehemaliger Pkw-Hersteller (Deutschland) Kategorie:Ehemaliges Unternehmen (Berlin) Kategorie:Ehemaliger Omnibushersteller (Deutschland) Kategorie:Ehemaliger Lkw-Hersteller (Deutschland) Kategorie:Ehemaliges Unternehmen (Stuttgart) Kategorie:Produzierendes Unternehmen (Stuttgart)

Kategorie:Deutsche Flugzeugindustrie (Erster Weltkrieg) Kategorie:Gottlieb Daimler Kategorie:Untertürkheim Kategorie:Unternehmensgründung 1890 Kategorie:Aufgelöst 1926