Die Damen in Weiß () sind eine Gruppe kubanischer Frauen, die sich für die Beachtung der Menschenrechte in ihrem Heimatland einsetzen.
Die Frauengruppe der kubanischen Opposition entstand 2003 als Zusammenschluss von Angehörigen und Lebenspartnern 79 regierungskritischer Journalisten, Oppositionspolitiker und Menschenrechtsaktivisten (der sogenannten „Gruppe der 75“), die im Rahmen der kubanischen staatlichen Gewaltwelle des „Schwarzen Frühlings“ verhaftet und zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden waren und für deren Befreiung die Gruppe mit der kubanischen Regierung stritt. Durch diesen öffentlich ausgetragenen, vor allem international viel beachteten Kampf und die dabei erlittenen, teilweise gewaltsamen Verfolgungsmaßnahmen durch die kubanischen Staatsorgane wurden die Damen in Weiß zu Kubas bekanntester Menschenrechtsgruppe. Mit der Freilassung der letzten der im Jahr 2003 inhaftierten politischen Gefangenen im März 2011 und der zwischenzeitlichen Ausreise eines großen Teils ihrer ursprünglichen Mitglieder hat die Gruppe ihre Aktivitäten nicht eingestellt, sondern protestiert in öffentlichen Demonstrationen weiterhin gegen Verletzungen der Menschenrechte durch die kubanische Regierung. Zu Ehren ihrer im Oktober 2011 verstorbenen Sprecherin nahmen die Damen in Weiß wenige Tage später den Zusatz Laura Pollán in ihren Gruppennamen auf.Damen in Weiß: Carta Damas de Blanco Erklärung der Damas de Blanco vom 18. Oktober 2011, im Blog Damas de Blanco vom 7. Juni 2012, abgerufen am 17. Juli 2012 (spanisch)
Aktivitäten mini|Sonntägliche Demonstration der Damen in Weiß in Havanna (April 2012) Die größte Gruppe der Damen in Weiß marschiert jeden Sonntag in der kubanischen Hauptstadt Havanna mit Gladiolen in Händen entlang der Quinta Avenida im Anschluss an den Besuch der Messe in der Kirche Santa Rita de Casia im Stadtteil Miramar. Ähnliche, jedoch wesentlich kleinere und weniger beachtete Aktivitäten werden auch in anderen Teilen des Landes durchgeführt. Die Damen in Weiß tragen weiße Kleidung, die sowohl für Frieden als auch für die Unschuld der verhafteten Männer und Söhne steht. Bis zu deren Entlassung trugen die Frauen Bilder der Gefangenen mit sich, um öffentlich auf ihr Schicksal aufmerksam zu machen. Im Lauf der Jahre haben sich den unmittelbaren Angehörigen der politischen Gefangenen zahlreiche Sympathisantinnen angeschlossen – die sogenannten Damas de Apoyo („Unterstützungsdamen“), die sich an den Schweigemärschen beteiligen.Tracey Eaton: . In: Along the Malecón vom 30. Mai 2011, abgerufen am 12. Juni 2011 (englisch) Zur Vermeidung von Unterwanderung der Gruppe durch kubanische Geheimdienstmitarbeiter werden die Damas de Apoyo jedoch nicht am Entscheidungsprozess der eigentlichen Damen in Weiß beteiligt, die sich allein aus Lebenspartnern und direkten weiblichen Angehörigen der im Frühjahr 2003 Verhafteten zusammensetzen.Pedro Pablo Arencibia: , in: La Nueva Patria (ohne Datum), abgerufen am 9. Oktober 2011 (spanisch)
Die Damen in Weiß entstanden, nachdem sich ihre ersten Vertreterinnen ab dem 30. März 2003 den sonntäglichen Versammlungen des Mütterkomitees „Leonor Pérez“ (siehe eigener Abschnitt unten) in der Kirche Santa Rita angeschlossen und hierzu weitere Angehörige der „Gruppe der 75“ animiert hatten. Der Name Damas de Blanco wurde etwa ab Juni 2003 verwendet, nachdem ihn eine unabhängige Journalistin in einem Bericht über die Demonstrationen der Frauen eingeführt hatte.Germán Acero: María Elena Alpízar, la mujer que bautizó a las “Damas de Blanco” in: Libre Online vom 4. April 2011, abgerufen am 9. Oktober 2011 (spanisch) Lediglich etwa drei oder vier der Damen in Weiß hatten sich bereits vor der Verhaftung ihrer Ehemänner bzw. männlichen Angehörigen regierungskritisch betätigt. Viele der Frauen lernten sich erstmals in oder am Rande der Geheimdienstzentrale kennen, wo die Verhafteten verhört wurden., in: infobae.com vom 25. April 2010, abgerufen am 9. Oktober 2011 (spanisch)
Bis März 2011 wurden die 79 im Jahr 2003 verhafteten und in der Folge zu langjährigen Haftstrafen verurteilten Oppositionellen vorzeitig auf Bewährung freigelassen. Die größte Zahl von ihnen reiste mitsamt ihren Angehörigen unmittelbar nach Spanien aus, was ihnen von Vertretern der kubanischen und spanischen Regierung sowie der Katholischen Kirche Kubas nahegelegt worden war. In Spanien befindet sich somit inzwischen auch die Mehrheit der ursprünglichen Damen in Weiß, die den Kontakt zum in Kuba verbliebenen Rest der Gruppe ebenso aufrechterhalten wie das öffentliche Eintreten für die Rechte der friedlichen Opposition in ihrer Heimat.Spanien: „Die weißen Damen“ aus Kuba. Video aus ARTE Journal vom 13. August 2010, abgerufen am 12. Juni 2011 Im Vorfeld des Papstbesuches von 2012 hatte die Gruppe ihre Aktivitäten verstärkt, worauf rund 30 Personen vorübergehend festgenommen wurden.Polizei verhaftet «Damen in Weiss», NZZ, 19. März 2012
Seit dem Abschluss der acht Jahre lang als Hauptziel geforderten Entlassungen haben die Damen in Weiß ihre Gruppe als für alle Kubanerinnen offene Bewegung des zivilen Widerstands neu definiert. Sie wollen ihre öffentlichen Proteste gegen die Regierung fortsetzen und sich auch weiterhin gegen jede Art von Menschenrechtsverletzung in ihrem Land einsetzen. Dabei soll insbesondere das in der kubanischen Gesellschaft und Politik verbreitete, traditionelle Phänomen des Machismo bekämpft und die Position der Frau gestärkt werden.“Ojalá que un día todas las mujeres de Cuba sean damas de blanco” in: Cuba Encuentro vom 19. September 2011, abgerufen am 11. Oktober 2011 (spanisch)Damas de Blanco: “Ahora somos un frente feminista defensor de los derechos humanos” in: Cuba Encuentro vom 20. September 2011, abgerufen am 11. Oktober 2011 (spanisch, mit Video) Außerdem wollen sie verstärkt auch außerhalb Havannas in Erscheinung treten. in: Martí Noticias vom 19. September 2011, abgerufen am 11. Oktober 2011 (spanisch, mit Audio) Nach eigenen Angaben wächst die Gruppe in mehreren Landesteilen, in Havanna gebe es 82 Damen in Weiß, in der östlichen Provinz Santiago de Cuba 34 (Stand: August 2011).Castro vs. the Ladies in White in: Wall Street Journal vom 29. August 2011, abgerufen am 11. Oktober 2011 (englisch)
Abspaltung der Bürgerinnen für die Demokratie Im September 2014 formierte sich in der ostkubanischen Provinz Santiago de Cuba die Menschenrechtsgruppe Bürgerinnen für die Demokratie (spanisch: Ciudadanas para la democracia). Bei ihrer Gründung bestand die Gruppe mit rund 30 von 60 Frauen aus ehemaligen Angehörigen der Damen in Weiß, die kurz zuvor im Streit aus der von Berta Soler geführten Organisation ausgeschieden waren. Bürgerinnen für die Demokratie wird von Belkis Cantillo angeführt, die 2003 als damalige Ehefrau des politischen Gefangenen José Daniel Ferrer zu den Gründungsmitgliedern der Damen in Weiß gehört hatte und später als Repräsentantin der Organisation im Osten des Landes fungierte. Unter Behinderung durch die kubanische Staatssicherheit und zahlreichen vorübergehenden Festnahmen setzen die Bürgerinnen für die Demokratie die Praxis der sonntäglichen Protestdemonstrationen an der Wallfahrtskirche der Virgen de la Caridad del Cobre in der Nähe Santiagos fort und tritt für dieselben Ziele ein wie die weiterbestehenden Damen in Weiß.Un grupo de Ex Damas de Blanco crea Ciudadanas para la Democracia, in: Europa Press vom 12. September 2014, abgerufen am 22. Dezember 2014 (spanisch)Domingo de respiro para las Damas de Blanco, in: 14 y medio vom 22. Dezember 2014 (spanisch)
Kontroverse und Referendum 2015 In den ersten Monaten des Jahres 2015 kam es zu heftigen Auseinandersetzungen innerhalb der Gruppe, die vor allem den Führungsstil Berta Solers zum Gegenstand hatten. Ein via Internet öffentlich gewordenes Video eines internen Streits führte damals auch zu Protesten von Gruppenmitgliedern im Ausland. Soler ließ daraufhin im März ein gruppeninternes Referendum über ihren Verbleib als Sprecherin durchführen, bei dem nur die auf Kuba lebenden Mitglieder stimmberechtigt waren, die Soler mit großer Mehrheit in ihrem Amt bestätigten. Das Verfahren führte jedoch zu keiner Überwindung der internen Kritik. So verkündete Laura María Labrada Pollán, Tochter der langjährigen Gruppensprecherin Laura Pollán, dass sie sich von der Gruppe distanziere und ihr untersage, weiter den Namen ihrer Mutter als Zusatz zu verwenden. Labrada begründete diesen Schritt mit dem Verhalten der Sprecherin Soler, das im Widerspruch zu von Laura Pollán stets verteidigten Prinzipien stehe.La crisis en las 'Damas de Blanco' se intensifica pese a una elección interna. In: El Mundo vom 20. März 2015, abgerufen am 16. Juni 2016 (spanisch)http://www.20minutos.com/noticia/b70992/hija-de-laura-pollan-rompe-con-lider-de-damas-de-blanco/Kuba: Der Kampf für politische Gefangene Frankfurter Rundschau vom 30. März 2015 Im Zusammenhang des Austritts von „Laurita“ Labrada verlor die Gruppe im März 2015 ihren bisherigen Sitz im ehemaligen Wohnhaus der verstorbenen Laura Pollán im zentral gelegenen Stadtteil Centro Habana.Berta Soler: “No vamos a recibir órdenes de personas que viven fuera”. In: El Nuevo Herald vom 20. März 2015, abgerufen am 16. März 2016 (spanisch) Kurz darauf zogen die Damen in Weiß in ein eigens erworbenes Haus im Stadtteil Lawton, das seitdem als Versammlungsort und Sitz der Gruppe dient und als solcher auch wiederholt Schauplatz von Verhaftungen und anderer Repressionen von Seiten der Behörden ist.Rodeada la sede de las Damas de Blanco en Lawton. In: AméricaTeVe vom 18. Dezember 2015, abgerufen am 16. Juni 2016 (spanisch)Detienen a veintena de Damas de Blanco antes de misa del Papa en Cuba. In: Univisión vom 20. September 2015, abgerufen am 16. Juni 2016 (spanisch)
Reaktionen Durch ihre Aktionen hat die Frauengruppe die Blicke der internationalen Öffentlichkeit auf sich gezogen. Das Regime beobachtet die Vereinigung mit großer Aufmerksamkeit durch den Staatssicherheitsdienst und hat bisher mit einer Strategie aus mehreren Maßnahmen reagiert: In den staatlich kontrollierten Medien werden die Damen in Weiß regelmäßig als Feinde Kubas dargestellt, deren Aktionen Teil der aggressiven Politik der USA gegen Kuba seien. Die Gruppenmitglieder wurden wiederholt als geldgierig diffamiert,Aday del Sol Reyes: Las Damas de Blanco y su pasión por el DÓLAR in ihrem Blog Latidos de Cuba vom 19. Juli 2011, abgerufen am 5. Dezember 2011 (spanisch) aber auch als „Damen der NATO“ verunglimpft.Manuel H. Lagarde: Las nuevas Damas de la OTAN y las últimas mentiras de El Nuevo Herald in seinem Blog Cambios en Cuba vom 23. September 2011, abgerufen am 5. Dezember 2011 (spanisch) Die kubanischen Medien geben den so Angegriffenen grundsätzlich keine Möglichkeit, sich zu den Vorwürfen zu äußern oder ihre eigenen Argumente zu präsentieren, ebenso wenig existiert das in vielen Rechtsstaaten etablierte Instrument der gerichtlich zu erwirkenden Gegendarstellung. Im April veröffentlichte die zur Verteidigung des internationalen Bildes der kubanischen Regierung eingerichtete spanische Webseite Cubainformación TV einen Artikel, der die Organisation als zerstritten und ihre Führung als korrupt darstellte.Escándalo de corrupción en las Damas de Blanco empaña premio del Parlamento europeo dotado con 50.000 euros. Exclusiva en video de Cubainformación TV. In: Cubainformación TV vom 23. April 2013, abgerufen am 24. Oktober 2013 (spanisch) Die Mitglieder der Gruppe, deren Interviewaussagen in einem zweiminütigen Begleitvideo zum Beleg dieser Behauptung gezeigt wurden, erklärten später, von den Machern getäuscht worden zu sein und distanzierten sich von dem Artikel und den teilweise in verfälschtem Kontext gezeigten Aussagen. Über die Zurückweisung der Vorwürfe durch die Interviewten sowie die Gruppe berichtete die Webseite dagegen nicht.Camilo Ganga: auf der Website des Institute for War and Peace Reporting vom 22. Juli 2013, abgerufen am 24. Oktober 2013 (englisch)