mini|Furunkel

Ein Furunkel (Maskulinum oder Neutrum;Der Sprach-Brockhaus. Eberhard Brockhaus Verlag, Wiesbaden 1949, S. 198.Duden – Die deutsche Rechtschreibung. Band 1. 25. Auflage. Dudenverlag, Mannheim / Leipzig / Wien / Zürich 2009, ISBN 978-3-411-04015-5, S. 460. Adjektiv furunkulös; von , „kleiner Dieb“ oder auch „kleiner Spitzbube“;Duden – Das Herkunftswörterbuch (= Der Duden in 10 Bänden, Band 7: Etymologie). Bibliographisches Institut, Mannheim / Wien / Zürich 1963, ISBN 3-411-00907-1, S. 192.Duden – Das Wörterbuch medizinischer Fachausdrücke. 7. Auflage. Bibliographisches Institut, Mannheim / Leipzig / Wien / Zürich 2003, ISBN 3-411-04617-1, S. 306. deutsch auch BlutgeschwürLingen Lexikon. Helmut Lingen Verlag, Redaktion Friedrich Arnold Brockhaus Verlag, Ausgabe 1976/77, Köln, Band 7, S. 75. oder veraltet BlutschwärJohann Georg Krünitz: Oeconomische Encyclopädie. Verlag von Joachim Pauli, Berlin 1779; 2. Auflage 1787. Band 15, S. 490, und Band 17, S. 498.Synonymangabe nach: Furunkel. In: Der Neue Herder. Erster Halbband. Freiburg 1949, Spalte 1252.Das große Wörterbuch der Medizin. Vehling Verlag, Köln / Luzern / Wien [ohne Jahr], S. 146.Dagobert Tutsch (Hrsg.): Lexikon der Medizin. Verlag Urban & Schwarzenberg, München / Berlin / Wien 1975, ISBN 3-541-07081-1, S. 146.) ist eine tiefe, schmerzhafte Entzündung des Haarbalgs und des umliegenden Gewebes, die meist durch Staphylokokken (Staphylococcus aureus) oder eine Mischflora unterschiedlicher Krankheitserreger entsteht.Maxim Zetkin, Herbert Schaldach: Lexikon der Medizin. 16. Auflage. Verlag Ullstein Medical, Wiesbaden 1999, ISBN 3-86126-126-X, S. 681. Eine Infektion mit multiresistenten Staphylokokken (MRSA) wird beschrieben; hier spricht man von einem Zytotoxin namens Panton-Valentine-Leukocidin (PVL).Gerard Lina, Yves Piémont, Florence Godail-Gamot, Michèle Bes, Marie-Odile Peter, Valérie Gauduchon, François Vandenesch, Jerome Etienne: Involvement of Panton-Valentine leukocidin-producing Staphylococcus aureus in primary skin infections and pneumonia. In: Clinical Infectious Diseases. Band 29, 1999, Nummer 5, S. 1128–1132. PMID 10524952, doi:10.1086/313461. Sind mehrere benachbarte Haarfollikel oder die Konfluenz mehrerer nebeneinander liegender Furunkel betroffen, spricht man von Karbunkel.

Der Furunkel zählt zu den Staphylodermien und zu den Geschwüren (Ulcera)Aloys Greither: Dermatologie und Venerologie. (= Heidelberger Taschenbücher). 3. Auflage. Springer-Verlag, Berlin / Heidelberg / New York 1978, ISBN 3-540-08586-6, S. 18. und damit zu den Hautkrankheiten. Die Entzündung des umliegenden Gewebes bewirkt die Schmerzhaftigkeit des Bereichs. Außerdem kann es zu Fieber, Müdigkeit und Lymphknotenschwellungen sowie selten auch zur lebensbedrohlichen Sepsis (Blutvergiftung), zu einer Osteomyelitis (Knochenmarksentzündung), zu einer Endokarditis (Herzinnenhautentzündung) oder zu einer Pneumonie (Lungenentzündung) kommen.

Durch Gewebsuntergang (Nekrose) und zentrale Einschmelzung (Eiter) entsteht ein „Pfropf“ („kleiner Eiterpfropf, kleines Eitergeschwür“Markwart Michler, Jost Benedum: Einführung in die Medizinische Fachsprache. 2. Auflage. Springer-Verlag, Berlin / Heidelberg / New York 1981, ISBN 3-540-10667-7, S. 232.), der die Hautoberfläche durchbrechen und sich somit spontan entleeren kann. Die Abheilung erfolgt unter Narbenbildung.DocCheck: Flexikon.Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie für die gebildeten Stände – Conversations-Lexikon. 11. Auflage. Band 6. F. A. Brockhaus-Verlag, Leipzig 1865, S. 690. Die Narben entstehen durch die unvollständige ReparationBedeutung des Wortes Reparation in der Medizin: „Erneuerung oder Ersatz von Körpergeweben“. Quelle: Heinz Walter, Günter Thiele (Hrsg.): Reallexikon der Medizin und ihrer Grenzgebiete. Band 5 (Mem–Rz). Verlag Urban & Schwarzenberg, München / Berlin / Wien 1973, ISBN 3-541-84005-6, S. R 81. eines ulzerösen Defektes; punktförmige Närbchen bilden sich nach umschriebener Nekrose.Walter Burckhardt: Atlas und Praktikum der Dermatologie und Venerologie. Verlag von Urban & Schwarzenberg, München / Berlin 1955, S. 18.

Synonyme und Etymologie Synonyme sind Eitergeschwür,Duden – Das Herkunftswörterbuch (Der Duden in 10 Bänden, Band 7, Etymologie). Bibliographisches Institut, Mannheim / Wien / Zürich 1963, ISBN 3-411-00907-1, S. 192. Eiterbeule, Furunculus,Peter Reuter: Springer Klinisches Wörterbuch 2007/2008. Springer-Verlag, Heidelberg 2007, ISBN 978-3-540-34601-2, S. 632. Furunculus simplex,Albert Eulenburg (Hrsg.): Real-Encyclopädie der gesammten Heilkunde. Band VII. Urban & Schwarzenberg, Wien / Leipzig 1886, S. 372–376. Furunculus vulgaris,Roche Lexikon Medizin. 5. Auflage. Urban & Fischer, München / Jena 2003, ISBN 3-437-15156-8, S. 656.Günter Thiele (Hrsg.): Handlexikon der Medizin. Verlag Urban & Schwarzenberg, München / Wien / Baltimore ohne Jahr , Teil II (F–K), S. 832. Perifollikulitis abszedens,Walter Burckhardt: Atlas und Praktikum der Dermatologie und Venerologie. Verlag von Urban & Schwarzenberg, München / Berlin 1955, S. 56. Perifolliculitis abscedens et suffodiens,Aloys Greither: Dermatologie und Venerologie. 3. Auflage. (= Heidelberger Taschenbücher). Springer-Verlag, Berlin / Heidelberg / New York 1978, ISBN 3-540-08586-6, S. 45. Staphylodermia follicularis et perifollicularis profunda, Staphylodermia follicularis profunda und Staphylodermia follicularis profunda necrotisans.Peter Altmeyer: Therapielexikon: Dermatologie und Allergologie. 2. Auflage. Springer-Verlag, Berlin / Heidelberg 2005, ISBN 3-540-23781-X, S. 304 f.

Besondere Formen sind die Furunculosis orientalis (Orientbeule, Hautleishmaniase) sowie die Leishmaniosis furunculosa,Duden – Das Wörterbuch medizinischer Fachausdrücke. 7. Auflage. Bibliographisches Institut, Mannheim / Leipzig / Wien / Zürich 2003, ISBN 3-411-04617-1, S. 306. die Furunculosis blastomycetica oder Furunculosis cryptococcica (Kryptokokkose),Heinz Walter, Günter Thiele (Hrsg.): Reallexikon der Medizin und ihrer Grenzgebiete. Band 3 (F–Hyperlysinämie). Verlag Urban & Schwarzenberg, München / Berlin / Wien 1969, ISBN 3-541-84000-5, S. F 225. die Furunculosis vulvae,Willibald Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 268. Auflage. Verlag Walter de Gruyter, Berlin / Boston 2020, ISBN 978-3-11-068325-7, S. 574. die Furunculosis diabetica, die Furunculosis diabetica laryngis (Kehlkopfgeschwür),Willibald Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 61.–84. Auflage. Verlag Walter de Gruyter, Berlin 1944, S. 226. der Furunculus anthracoides, der Furunculus atonicus Alibert (Periporitis, Morbus Judassohn), die Staphylodermia follicularis profunda necrotica Judassohn,SNOMED Systematisierte Nomenklatur der Medizin. Band I: Numerischer Index (M41760, M41790). Springer-Verlag, Berlin / Heidelberg 1984, ISBN 978-3-662-22413-7, doi:10.1007/978-3-662-22412-0. der Furunculus gangraenescens sive gangraenosus sive malignus (Milzbrandkarbunkel) und der Carbunculus simplex (alte Bezeichnungen: Brandschwär, Anthrax benignus, Kohlenbeule),Albert Eulenburg (Hrsg.): Real-Encyclopädie der gesammten Heilkunde. Band VII. Urban & Schwarzenberg, Wien / Leipzig 1886, S. 372. der Furunculus vespajus (Siebfurunkel) und der tropische Furunkel (Mangobeule).Günter Thiele: Handlexikon der Medizin. Verlag Urban & Schwarzenberg, München / Wien / Baltimore ohne Jahr , Teil II (F–K), S. 832.

Früher nannte man einen Furunkel auch Blutschwäre, „Kernabsceß“Julius Mahler: Kurzes Repetitorium der medizinischen Terminologie. 4. Auflage. Verlag von Johann Ambrosius Barth, Leipzig 1922, S. 87 f. oder Abscessus sanguineus,Ludwig August Kraus: Kritisch-etymologisches medicinisches Lexikon. 3. Auflage. Verlag der Deuerlich- und Dieterichschen Buchhandlung, Göttingen 1844, S. 401. . als eitriges Geschwür oberdeutsch auch EißVgl. Nabil Osman (Hrsg.): Kleines Lexikon deutscher Wörter arabischer Herkunft. C. H. Beck, München 1971 und (7., unveränderte Auflage) 1993, S. 77. oder Eiße,Vgl. Gundolf Keil Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 349 (Eysz: jede Eiter bildende Stelle unter der Haut, Furunkel).Vgl. auch Gerhard Wahrig: Deutsches Wörterbuch. Mit einem „Lexikon der deutschen Sprachlehre“. Völlig überarbeitete Neuausgabe besorgt von Ursula Hermann. Gütersloh / München 1980 sowie 1991 (= Nachdruck der 2., von Ursula Hermann, Renate Wahrig-Burfeind, Klaus Rühme und Norbert Raum besorgten Auflage von 1986), S. 401. und die Furunkulose (Furunculosis) auch Dothienesie,Heinz Walter, Günter Thiele (Hrsg.): Reallexikon der Medizin und ihrer Grenzgebiete. Band 3 (F–Hyperlysinämie). Verlag Urban & Schwarzenberg, München / Berlin / Wien 1969, ISBN 3-541-84000-5, S. F 225.SNOMED Systematisierte Nomenklatur der Medizin: Band I Numerischer Index (M417Y0). FischkrankheitMeyers Kleines Lexikon. 9. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1933, Band 1, S. 766. oder Schwärsucht.Wilhelm Kühn: Neues medizinisches Fremdwörterbuch. 3. Auflage. Verlag von Krüger & Co., Leipzig 1913, S. 54 f.

Das dem deutschen Wort Furunkel (deutsch seit 1588 bei Tabernaemontanus) zugrundeliegende lateinische Wort furunculus („elender Dieb, Nebenschössling, Frettchen, Furunkel, Geschwür“)Vgl. Alois Walde: Lateinisches etymologisches Wörterbuch. 3. Auflage. (neubearbeitet von Johann Baptist Hofmann). 2 Bände. Carl Winter’s Universitätsbuchhandlung, Heidelberg 1938–1954 (= Indogermanische Bibliothek. Erste Abteilung, II. Reihe, 1), ergänzt um einen Registerband von Elsbeth Berger, 1956; Neudrucke ebenda. Band 1 (A–L), S. 569 (fūr). ist eine Verkleinerungsform („kleiner Dieb, kleiner Spitzbube“) zu lateinisch fur („Dieb“) bzw. furo („Dieb, Frettchen“, vgl. auch verwandtes „Frettchen“). Bei römischen Winzern wurde mit furunculus ein Nebentrieb am Rebstock bezeichnet, da dieser dem Haupttrieb die Kraft entzieht. Aufgrund der Ähnlichkeit des Blutgeschwürs mit der Knospe (Auge oder GemmaDuden – Das Herkunftswörterbuch (Der Duden in 10 Bänden, Band 7: Etymologie). Bibliographisches Institut, Mannheim / Wien / Zürich 1963, ISBN 3-411-00907-1, S. 192.) am Rebstock wurde der Furunkel bereits von Ärzten im Alten Rom ebenfalls als furunculus bezeichnet.Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage. Hrsg. von Walther Mitzka. Verlag Walter de Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 226.

Nicht vom „kleinen Dieb“ (gestohlen werden KörpersäfteBrockhaus Enzyklopädie. 19. Auflage. Verlag F. A. Brockhaus, Mannheim 1989, ISBN 3-7653-1108-1, 8. Band, S. 59.) oder Spitzbuben leiteten zu Beginn des 20. Jahrhunderts Walter Guttmann und Julius Mahler das lateinische Wort furunculus noch „entweder von furo [= ich rase; Infinitiv: furere, siehe Furor, Furie und Furore] = rasen oder von furvus = dunkelschwarz“ ab.Julius Mahler: Kurzes Repetitorium der medizinischen Terminologie. 4. Auflage. Verlag von Johann Ambrosius Barth, Leipzig 1922, S. 87 f.Walter Guttmann: Medizinische Terminologie. 1. Auflage. Verlag Urban & Schwarzenberg, Berlin / Wien 1902, Spalte 339.

Auf Englisch heißt der Furunkel boilLexikon Medizin. 4. Auflage. Verlag Naumann & Göbel, Köln ohne Jahr , ISBN 3-625-10768-6, S. 589. wie das deutsche Wort Beule. Es ist nicht zu verwechseln mit lateinisch bulla = Blase. Auf Brabantisch nennt man einen Furunkel steenpuist = Steingeschwür. In Niedersachsen sagte man früher Schweinsbäule oder Viehbäule.Johann Georg Krünitz: Oeconomische Encyclopädie, Band 17, Berlin, Verlag von Joachim Pauli, 1. Auflage 1779, 2. Auflage 1787, S. 498.

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