Floyd Patterson (* 4. Januar 1935 in Waco, North Carolina; † 11. Mai 2006 in New Paltz, New York) war ein US-amerikanischer Boxer. Er war Olympiasieger im Mittelgewicht und unumstrittener Weltmeister im Schwergewicht.
Biographie Patterson wuchs in schwierigen sozialen Verhältnissen in Yonkers, New York City auf und kam als Jugendlicher mit dem Gesetz in Konflikt. Er begann mit dem Boxen in einer Besserungsanstalt, wo ihn der legendäre Trainer Cus D’Amato entdeckte.
Amateur Patterson gewann 1951 und 1952 die „Golden Gloves“, das bedeutendste Amateurturnier der Vereinigten Staaten, sowie die nationale Meisterschaft des Jahres 1952. Daraufhin wurde er als US-amerikanischer Vertreter für die im gleichen Jahr stattfindenden Olympischen Spiele in Helsinki nominiert. Dort sicherte er sich, erst 17-jährig, durch einen Erstrunden-K.-o. im Finale gegen den Rumänen Vasile Tiță die Goldmedaille im Mittelgewicht.
Profikarriere Seinen ersten Kampf als Profi bestritt Patterson gegen Eddie Godbold am 12. September 1952 in New York. Er siegte durch Technischen K. o. in der 4. Runde. Seine erste Niederlage musste er nach Punkten im Juni 1954 gegen den Halbschwergewichtler Joey Maxim hinnehmen. Unter der Führung seines Managers Cus D’Amato wechselte er in die lukrativere Schwergewichtsklasse. Nach dem Rücktritt des ungeschlagenen Meisters Rocky Marciano (genau wie Patterson 84 kg schwer) am 27. April 1956 eröffnete sich für ihn die Chance auf den Weltmeistertitel. In einem Ausscheidungskampf am 8. Juni 1956 schlug er Tommy „Hurricane“ Jackson (USA) nach Punkten und qualifizierte sich für den Entscheidungskampf gegen die Halbschwergewichtslegende Archie Moore.
Am 30. November 1956 errang er in Chicago den vakanten Weltmeistertitel im Schwergewicht durch einen K.-o.-Sieg in der fünften Runde über den 43-jährigen Moore. Patterson, damals erst 21 Jahre alt, war damit der bis dahin jüngste Schwergewichtsweltmeister. Der 20-jährige Mike Tyson brach seinen Rekord dann im November 1986 (allerdings wurde Tyson vorerst nur nach WBC-Version anerkannt; unumstrittener Weltmeister wurde er im August 1987 mit 21 Jahren).
In seiner zweiten Titelverteidigung trat Patterson am 22. August 1957 gegen Pete Rademacher in dessen Profidebüt an. Es war das erste und bisher einzige Mal, dass jemand in seinem ersten Kampf um einen Weltmeistertitel boxen durfte. Rademacher hatte im Jahr zuvor bei den Olympischen Spielen des Jahres 1956 in Melbourne die Goldmedaille im Schwergewicht gewonnen und anschließend vollmundig behauptet, dass er fähig sei, in seinem ersten Profikampf Weltmeister zu werden. Patterson ließ sich vom großen Medienrummel provozieren und gab Rademacher die Titelchance. Im Kampf gelang Rademacher zwar in der zweiten Runde ein Niederschlag, jedoch musste er selbst insgesamt sechs Mal zu Boden und verlor schließlich durch K. o. in der sechsten Runde.
1959 ließ Patterson sich am 26. Juni in New York auf einen Kampf gegen den Schweden Ingemar Johansson ein. Der hatte Eddie Machen, gegen den Patterson ursprünglich boxen sollte, in der ersten Runde K. o. geschlagen und diesem seine erste Niederlage zugefügt. Der Außenseiter schickte Patterson jedoch überraschend mit einem gewaltigen rechten Cross in der dritten Runde zu Boden. Nach sechs weiteren Niederschlägen verlor Patterson seinen WM-Titel durch Technischen K. o. in der 3. Runde. Patterson bezeichnete Johansson später als den härtesten Puncher, gegen den er in seiner langen Karriere antreten musste, und stellte ihn sogar über Sonny Liston.
Im Rückkampf gegen Johansson am 20. Juni 1960, wiederum in New York, holte sich Patterson durch K.-o.-Sieg in der fünften Runde den Titel zurück. Dies war vor ihm noch keinem ehemaligen Schwergewichtsweltmeister gelungen. Bis dahin hatte die Regel „They never come back“ gegolten. Auch in der anschließenden dritten Begegnung konnte er sich gegen Johansson durchsetzen.
Patterson verteidigte in der Folge seinen Titel, bis er am 25. September 1962 in Chicago gegen Sonny Liston in der ersten Runde k. o. ging. Der direkte Rückkampf brachte das gleiche Resultat. Dennoch konnte sich Patterson wieder eine WM-Chance erboxen, indem er in Stockholm Eddie Machen unstrittig über zwölf Runden nach Punkten besiegte. Am 20. November 1965 boxte er in Las Vegas das erste Mal gegen Muhammad Ali, der seinen gegen Sonny Liston gewonnenen Titel aber durch Technischen K. o. in der zwölften Runde verteidigte.
Nachdem Ali 1967 der Weltmeistertitel aberkannt wurde, fand ein Ausscheidungsturnier um den vakanten Titel statt, an dem auch Patterson teilnahm. Er scheiterte jedoch im Viertelfinale knapp nach Punkten an Jerry Quarry und war wieder zweimal am Boden. Trotz dieser Niederlage erhielt er ein Jahr später eine weitere Chance, um den Titel zu boxen; er verlor hierbei jedoch mit 6 zu 9 Runden – allerdings umstritten – gegen Jimmy Ellis.
Pattersons letzter Kampf fand am 20. September 1972 in New York gegen Muhammad Ali um den Nordamerikanischen Schwergewichts-Titel statt. Floyd verlor durch Technischen K. o. in der siebten Runde.
Floyd Patterson bestritt in seiner Karriere 64 Kämpfe, in denen er 55 Mal siegreich blieb, achtmal verlor und ein Unentschieden errang. Der körperlich vergleichsweise schmächtige Patterson (ca. 85 kg) war bekannt für seine überfallartige Angriffstaktik, bei der er den Gegner förmlich ansprang und versuchte, einen linken Haken ins Ziel zu bringen. Dies war der von D'Amato entwickelte „Peek-a-boo“-Stil. Wie viele aus unteren Gewichtsklassen ins Schwergewicht aufgestiegene Boxer verfügte Patterson über begrenzte Nehmerfähigkeiten. Er wurde oft niedergeschlagen, konnte dies aber mit Kampfgeist und eigener Schlagkraft kompensieren. Seinen Kämpfen wurde meist ein beträchtlicher Unterhaltungswert beigemessen. „Wenn Floyd boxt ist immer etwas los, es ist immer jemand am Boden - am Anfang oft er, am Ende der Gegner“, war eine unter Box-Kennern gängige Aussage. mini|Pattersons Grab 1991 fand Patterson Aufnahme in die International Boxing Hall of Fame.
Pattersons Adoptivsohn Tracy Harris-Patterson gewann in den 1990er Jahren den WBC-Titel im Halbfedergewicht sowie den IBF-Titel im Halbleichtgewicht.
Floyd Patterson litt zuletzt, bedingt durch eine Alzheimererkrankung, an Gedächtnisverlust sowie an Prostatakrebs. Er starb am 11. Mai 2006 im Alter von 71 Jahren in seinem Haus in New Paltz, einem Dorf nördlich von New York.
Liste der Profikämpfe 55 Siege (40 K.-o.-Siege), 8 Niederlagen, 1 Unentschieden Jahr Tag Ort Gegner Ergebnis für Patterson 1952 12. September St. Nicholas Arena, New York, USA Eddie Godbold Sieg / TKO 4. Runde 6. Oktober Eastern Parkway Arena, Brooklyn, USA Sammy Walker Sieg / TKO 2. Runde 31. Oktober , New York, USA Lester Jackson Sieg / TKO 3. Runde 29. Dezember Eastern Parkway Arena, Brooklyn, USA Lalu Sabotin Sieg / TKO 5. Runde 1953 28. Januar Chicago Stadium, Chicago, USA Chester Mieszala Sieg / TKO 5. Runde 13. April Eastern Parkway Arena, Brooklyn, USA Dick Wagner Punktsieg (geteilte Entscheidung) / 8 Runden 1. Juni Eastern Parkway Arena, Brooklyn, USA Gordon Wallace Sieg / TKO 3. Runde 19. Oktober Eastern Parkway Arena, Brooklyn, USA Wes Bascom Punktsieg (einstimmig) / 8 Runden 14. Dezember Eastern Parkway Arena, Brooklyn, USA Dick Wagner Sieg / TKO 5. Runde 1954 15. Februar Eastern Parkway Arena, Brooklyn, USA Yvon Durelle Punktsieg (einstimmig) / 8 Runden 30. März Turner's Arena, Washington, USA Sammy Brown Sieg / TKO 2. Runde 19. April Eastern Parkway Arena, Brooklyn, USA Alvin Williams Punktsieg (einstimmig) / 8 Runden 10. Mai Eastern Parkway Arena, Brooklyn, USA Jesse Turner Punktsieg (einstimmig) / 8 Runden 7. Juni Eastern Parkway Arena, Brooklyn, USA Punktniederlage (einstimmig) / 8 Runden 12. Juli St. Nicholas Arena, New York, USA Jacques Royer Crecy Sieg / TKO 7. Runde 2. August Eastern Parkway Arena, Brooklyn, USA Tommy Harrison Sieg / TKO 1. Runde 11. Oktober St. Nicholas Arena, New York, USA Esau Ferdinand Punktsieg (einstimmig) / 8 Runden 22. Oktober , New York, USA Joe Gannon Punktsieg (einstimmig) / 8 Runden 19. November , New York, USA Jimmy Slade Punktsieg (einstimmig) / 8 Runden 1955 7. Januar , New York, USA Willie Troy Sieg / Aufgabe 5. Runde 17. Januar Eastern Parkway Arena, Brooklyn, USA Don Grant Sieg / TKO 5. Runde 17. März Auditorium, Oakland, USA Esau Ferdinand Sieg / TKO 10. Runde 23. Juni Newcastle, New Brunswick, Kanada Yvon Durelle Sieg / Aufgabe 5. Runde 6. Juli , New York, USA Archie McBride Sieg / KO 7. Runde 8. September Moncton, New Brunswick, Kanada Alvin Williams Sieg / TKO 8. Runde 29. September , San Francisco, USA Dave Whitlock Sieg / KO 3. Runde 13. Oktober Olympic Auditorium, Los Angeles, USA Calvin Brad Sieg / KO 1. Runde 8. Dezember Olympic Auditorium, Los Angeles, USA Jimmy Slade Sieg / TKO 7. Runde 1956 12. März New Britain, Connecticut, USA Jimmy Walls Sieg / TKO 2. Runde 10. April Memorial Hall, Kansas City, USA Alvin Williams Sieg / KO 3. Runde 8. Juni , New York, USA Tommy Jackson Punktsieg (geteilte Entscheidung) / 12 Runden 30. November Chicago Stadium, Chicago, USA vakante NBA-Schwergewicht-Weltmeisterschaft Sieg / KO 5. Runde 1957 29. Juli , New York, USA Tommy JacksonNBA-Schwergewicht-Titelverteidigung Sieg / TKO 10. Runde 22. August Sicks' Stadium, Seattle, USA NBA-Schwergewicht-Titelverteidigung Sieg / KO 6. Runde 1958 18. August Wrigley Field, Los Angeles, USA Roy HarrisNBA-Schwergewicht-Titelverteidigung Sieg / Aufgabe 12. Runde 1959 1. Mai , Indianapolis, USA NBA-Schwergewicht-Titelverteidigung Sieg / KO 11. Runde 26. Juni , Bronx, USA NBA-Schwergewicht-Titelverteidigung Niederlage / TKO 3. Runde 1960 20. Juni , New York, USA NBA-Schwergewicht-Weltmeisterschaft Sieg / KO 5. Runde 1961 13. März Convention Center, Miami Beach, USA NBA-Schwergewicht-Titelverteidigung Sieg / KO 6. Runde 4. Dezember , Toronto, Kanada Tom McNeeleyNBA-Schwergewicht-Titelverteidigung Sieg / KO 4. Runde 1962 25. September , Chicago, USA WBA-Schwergewicht-Titelverteidigung Niederlage / KO 1. Runde 1963 22. Juli Convention Center, Las Vegas, USA WBA-Schwergewicht-Weltmeisterschaftvakante WBC-Schwergewicht-Weltmeisterschaft Niederlage / KO 1. Runde 1964 6. Januar Johanneshov, Stockholm, Schweden Sieg / TKO 8. Runde 5. Juli , Stockholm, Schweden Punktsieg / 12 Runden 12. Dezember , San Juan, Puerto Rico Charlie Powell Sieg / KO 6. Runde 1965 1. Februar , New York, USA Punktsieg (einstimmig) / 12 Runden 14. Mai Johanneshov, Stockholm, Schweden Tod Herring Sieg / TKO 3. Runde 22. November Convention Center, Las Vegas, USA WBC-Schwergewicht-Weltmeisterschaft Niederlage / TKO 12. Runde 1966 20. September , London, Großbritannien Sieg / KO 4. Runde 1967 13. Februar Auditorium, Miami Beach, USA Willie Johnson Sieg / KO 3. Runde 30. März , Pittsburgh, USA Bill McMurray Sieg / KO 1. Runde 9. Juni , Los Angeles, USA Unentschieden (Mehrheitsentscheidung) / 10 Runden 28. Oktober Olympic Auditorium, Los Angeles, USA Punktniederlage (Mehrheitsentscheidung) / 12 Runden 1968 14. September , Stockholm, Schweden WBA-Schwergewicht-Weltmeisterschaft Punktniederlage / 15 Runden 1970 15. September , New York, USA Charley Green Sieg / KO 10. Runde 1971 15. Januar Convention Center, Miami Beach, USA Levi Forte Sieg / KO 2. Runde 29. März Arena, Philadelphia, USA Roger Russell Sieg / TKO 9. Runde 26. Mai Arena, Cleveland, USA Terry Daniels Punktsieg (einstimmig) / 10 Runden 17. Juli Erie Arena, Erie, USA Charley Polite Punktsieg (einstimmig) / 10 Runden 21. August Peace Bridge Arena, Buffalo, USA Vic Brown Punktsieg (einstimmig) / 10 Runden 23. November Multnomah County Expo Center, Portland, USA Charlie Harris Sieg / KO 6. Runde 1972 11. Februar , New York, USA Punktsieg (einstimmig) / 10 Runden 14. Juli Singer Bowl, New York, USA Pedro Agosto Sieg / TKO 6. Runde 20. September , New York, USA NABF-Schwergewicht-Meisterschaft Niederlage / Aufgabe 7. RundeQuelle:
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Kategorie:Boxer (Vereinigte Staaten)