mini|Berghain, 2025 mini|Berghain (2022)
Das Berghain ist ein Nachtclub im Berliner Ortsteil Friedrichshain. Sein Name leitet sich aus dem Bezirksnamen Friedrichshain-Kreuzberg ab. Das Berghain ist der bekannteste Club in Berlin und gilt als einer der bekanntesten Techno-Clubs der Welt.
Geschichte Das Berghain entstand aus dem 1998 eröffneten Berliner Technoclub Ostgut, der wiederum Vorläufer in der Berliner Technokultur der frühen 1990er Jahre hatte. Der Club befand sich in einer Lagerhalle eines ehemaligen Güterbahnhofs (Alter Ostbahnhof/Küstriner Bahnhof) und galt als eines der Zentren der Berliner Technokultur – eine der „Kultstätten des Techno in Berlin“. Die Adresse des Ostgut war Mühlenstraße 26–30.
Anfänge im Bunker mini|Reichsbahnbunker Friedrichstraße in den 1990er Jahren Der Reichsbahnbunker Friedrichstraße wurde von 1992 bis 1996 als Ort für Technopartys genutzt. Zu den wiederkehrenden Veranstaltungen im Bunker gehörte der Snax-Club. Die schwulen Fetisch-Partys des Snax-Clubs im Bunker hießen Pervy Party. Dieses waren die ersten Partys, die von den späteren Berghain-Eigentümern Michael Teufele und Norbert Thormann veranstaltet wurden. Publikum waren vor allem junge homosexuelle Männer aus Ostdeutschland.
Snax-Club und Lab-Oratory Nachdem der Bunker Ende 1996 als Partylocation geschlossen worden war, fanden Snax-Partys in verschiedenen Orten statt. Einer davon war der Milchhof in der Anklamer Straße. Laut Szene-Fotograf und Türsteher Sven Marquardt kam der Snax-Club auch in die Location des Clubs Planet am Spreeufer. Ein anderer Veranstaltungsort war 1997 in der Revaler Straße 99 in Friedrichshain. Der Snax-Club nutzte 1995 auch das Vrieshuis Amerika in Amsterdam als Veranstaltungsort. Eine weitere Location war 1995 der Pfefferberg in Berlin-Prenzlauer Berg.
Anstatt wie zuvor nur wiederkehrender „Gast“ in einem bestehenden Club zu sein, eröffnete man 1998 einen eigenen Veranstaltungsort. Dieser wurde dann das Lab-Oratory (Eigenschreibweise Lab.oratory). Das erste Lab-Oratory in der Mühlenstraße war eine Verstetigung des Snax-Clubs, hatte jedoch eigene Öffnungszeiten, auch wenn keine Snax-Party stattfand. Laut DJ Daniel Wang war der Snax-Club in der Mühlenstraße monatlich („on certain nights of the month“). Bei Lab-Oratory und Snax-Club war – und ist immer noch – ausschließlich Männern Zutritt gestattet. Der beliebteste Fetisch-Style des Snax-Publikums orientierte sich zu dieser Zeit vor allem an Skinheads.
Ostgut und Panorama-Bar
Das Ostgut entstand als „Ableger“ des Lab-Oratory. Teufele und Thormann bekamen ein Angebot, eine weitere Lagerhalle in direkter Nähe des Lab-Oratory zu mieten. Das Ostgut öffnete 1998. Das war der Beginn der Techno-Partys im Ostgut in der Mühlenstraße. Im Gegensatz zu Lab-Oratory und Snax-Club war das Ostgut prinzipiell offen für alle Geschlechter. Ein Großteil des Publikums waren jedoch weiterhin homosexuelle Männer. Das Alleinstellungsmerkmal des Ostguts war, dass es eine Schnittmenge zwischen Techno- und Schwulenszene bildete. Alexis Waltz: „Die Hauptbar befand sich hinter der Tanzfläche, ebenso wie Darkrooms – eine Irritation für das Partyvolk aus Mitte. In den Technoclubs von Mitte spielte schwules Leben nur eine Nebenrolle. Und umgekehrt: Die meisten Schwulenclubs legten wenig Wert auf moderne Clubmusik.“
2000, zwei Jahre nach Eröffnung des Ostguts 1998, kam die Panorama-Bar (Eigenschreibweise Panorama Bar) als dritter Ort – neben Lab-Oratory und Ostgut – hinzu. Das Publikum der Panorama-Bar war deutlich weniger queer als im Ostgut. Die Adresse von Lab-Oratory, Ostgut und Panorama-Bar war Mühlenstraße 26–30. Diese Adresse galt jedoch auch für weitere Clubs auf demselben Gelände, wie das Casino. Am 6. Januar 2003 wurde im Ostgut die letzte große Klub-Nacht veranstaltet.Morgens halb zehn im Heizkraftwerk. In: Berliner Zeitung, 11. November 2006. Die wöchentlich regelmäßigen Partys, die Samstagabend begannen, hießen schon im Ostgut Klub-Nacht (Eigenschreibweise Klub Nacht oder Klubnacht). Vom Veranstaltungsort existieren nur wenige Fotos und vereinzelte Videoaufnahmen.
Umzug ins Heizkraftwerk Friedrichshain mini|Berghain, Zustand Oktober 2014 Wegen der Bauarbeiten zur Errichtung einer Mehrzweckarena wurden die Lagerhallen 2004 abgerissen, etwa ein Jahr nach der Schließung von Ostgut und Panorama-Bar. Heute befindet sich auf dem Grundstück des ehemaligen Ostgut das Parkhaus der Mehrzweckarena in der Helen-Ernst-Straße. Das ehemalige Lab-Oratory befand sich dort, wo heute die Mildred-Harnack-Straße auf die Helen-Ernst-Straße trifft.
Eine der Partys im Ostgut hatte den Namen Restrealität. In den Monaten nach der Ostgut-Schließung fanden mehrere „Ostgut- und Panoramabar-Gedächtnispartys“ unter dem Motto Restrealität statt. Im Onlineforum Restrealitaet.de wurde die Ostgut-Schließung diskutiert und betrauert. In der Zeit von Januar 2003 bis Dezember 2004 waren die Betreiber des Ostgut damit beschäftigt, eine neue Location zu finden und einen neuen Club als Berghain zu gründen. Mit dem Umbau des ehemaligen Heizkraftwerkes Friedrichshain zum Club beauftragte man die Architekten Thomas Karsten und Alexandra Ehrhard – heute Studio Karhard. Für die Nutzung als Technoclub wurde das Haus weitgehend entkernt und bis 2004 umgebaut.
Nachdem die ehemalige Schaltwarte des Heizkraftwerks als neue Panorama-Bar am 15. Oktober 2004 eröffnet worden war, fand die offizielle Eröffnung des Berghain in der ehemaligen Maschinenhalle des Heizkraftwerks am 18. Dezember 2004 statt. 2005 eröffnete dann im Erdgeschoss des Gebäudes ein neues Lab-Oratory. Im In- und Ausland wurde regelmäßig über den Club berichtet. Die Panorama-Bar wird umgangssprachlich auch als Pannebar (oder Panne-Bar) bezeichnet.
Im Jahr 2010 wurde das Berghain umgebaut und renoviert, um den Raum im Gebäude besser zu nutzen und ihn neu einzurichten. In: tip 2014 feierte der Club sein zehnjähriges Bestehen mit einer Ausstellung und verschiedenen Partys.Jens Balzer: So feiert Deutschlands bekanntedter Techno-Club. In: Berliner Zeitung. 1. August 2014, abgerufen am 14. April 2022. Gerüchte bezüglich einer bevorstehenden Schließung wurden im Oktober 2022 im Musikmagazin Groove in Abrede gestellt.Kristoffer Cornils: „Das Berghain schließt für immer!“ – Nope. Über ein journalistisches Totalversagen mit Ansage In: groove.de, 17. Oktober 2022, abgerufen am 19. Oktober 2022.
Veranstaltungsort mini|Das Berghain aus der Nähe
Das Berghain befindet sich in einem ehemaligen Fernheizwerk auf dem Gelände des ehemaligen Wriezener Güterbahnhofs in der Nähe des Ostbahnhofs. Das Gebäude wurde zwischen 1953 und 1954 im Stil des Sozialistischen Klassizismus gebaut. Es steht als Bestandteil des Gebäudeensembles Karl-Marx-Allee unter Denkmalschutz. Anfänglich mieteten die Betreiber es von dem Energieunternehmen Bewag/Vattenfall (ähnlich wie später der Techno-Club Tresor das Kraftwerk Berlin). 2010 stand das Gebäude zum Verkauf. Die Berghain-Betreiber erwarben es von Vattenfall.
Clubgebäude hochkant|mini|Eingang zum Lab-Oratory an der Westseite des Gebäudes mit dem Hinweis, dass der Zugang für Frauen und der Konsum von Drogen verboten ist Das viergeschossige Gebäude besteht aus den folgenden Teilen: Erdgeschoss mit Kassenbereich, zentraler Garderobe und einer kleinen Bar. Der ursprünglich größere Darkroom wurde im Frühjahr 2017 zu einer weiteren Veranstaltungsfläche namens Säule umgebaut. Ein raumprägendes Element war die großformatige Wandinstallation des Künstlers Piotr Nathan mit dem Titel Rituale des Verschwindens (2004). Das Werk bestand aus 175 bemalten Aluminiumplatten auf einer Fläche von 4,8 Meter × 25 Meter. Dargestellt wurden die vier Elemente als Naturschauspiele, die auf stark vergrößerten historischen Stichen basierten.Dominic Eichler: In: db artmag, 04/2005. Die Installation wurde 2017 wegen Umbauarbeiten abgebaut und in ihren Einzelteilen verkauft. Von dieser Ebene führt ein Durchgang zu den Räumlichkeiten des Lab-Oratory. Für die zweimal jährlich am Ostersamstag und im November (bzw. Dezember) stattfindende schwule Fetischparty Snax werden beide Clubs zusammengelegt, und nur Männer haben Zutritt. Bei den meisten Veranstaltungen im Lab, das einen eigenen Zugang von außen hat, ist dieser Durchgang für Besucher nicht passierbar. Dieser wird in der Regel lediglich zur Snax und zur Lab.dance genutzt.
Über eine Stahltreppe gelangen die Besucher in den eigentlichen Clubraum des Berghain. Der Raum und die Tanzfläche sind für rund 500 Leute ausgelegt. Die Tanzfläche wird umgeben von vier Dance-Stack-Lautsprechern des Unternehmens Funktion-One, über die Musik- und Licht-Anlage im Berghain. dem DJ-Pult und fünf als Tanzfläche geeigneten Podesten. Der Dancefloor ist 18 Meter hoch. In dieser Etage befinden sich hinter einer großen Glaswand eine weitere Bar mit einem langen Bartresen und diversen Sitzmöglichkeiten sowie ein Darkroom.
Das Berghain nimmt lediglich die Hälfte des Gebäudes ein; die andere Hälfte wurde bis 2013 als Halle am Berghain neu erschlossen. Sie ist im Clubbetrieb normalerweise nicht zugänglich. Dort finden mitunter andere kulturelle Veranstaltungen wie Ausstellungen oder Klanginstallationen statt. Bei wenigen Sonderveranstaltungen im Jahr ist dieser Bereich, der sich parallel zu der Berghain-Tanzfläche hinter der nordöstlichen Front befindet, jedoch ebenfalls vom eigentlichen Berghain aus zugänglich, wodurch sich die Aufnahmekapazität des gesamten Clubs stark erhöht.
Auf der südwestlichen Seite der Berghain-Ebene gibt es eine separate Bar (die sogenannte Klobar), hinter der sich Unisex-Toiletten befinden. Auf dieser Seite führen zwei separate Treppen zur oberen Etage, in der sich die Panorama-Bar befindet. Sie wird von einer großen Fensterfront dominiert, die mit Rollläden abgedunkelt werden kann. Tagsüber werden sie mitunter für die Lichtperformance für wenige Momente geöffnet, dann fallen Sonnenstrahlen direkt auf die Tanzfläche. In der Bar sind großformatige Fotografien von Wolfgang Tillmans sowie Skulpturen von Isa Genzken und Anna Uddenberg ausgestellt. In: Spex – Magazin für Popkultur. Der gesamte Club bietet Platz für 1500 Gäste.
Außengelände Außerhalb des Gebäudes befinden sich auf dem Gelände weitere Veranstaltungsorte: Der Garten bietet Clubgästen in den Sommermonaten eine Tanzfläche im gärtnerisch gestalteten Außenbereich an. Die separate Kantine am Berghain wird vorrangig für Konzerte genutzt, der Bierhof Rüdersdorf wird saisonal als öffentlich zugänglicher Biergarten betrieben.
DJs und Musik mini|A l’Arme! Festival Vol. IV, Konzertvorbereitung Laniakea, 2016 im Berghain
Gespielt wird in den regulären Klubnächten hauptsächlich Techno. In der Panorama-Bar legen zudem bekannte House- und Deep-House DJs auf. Zu den Resident-DJs zählen Marcel Dettmann, Nick Höppner, Tama Sumo, Ben Klock oder Virginia. Mehrere der Resident-DJs veröffentlichten auf dem an das Berghain angeschlossenen und 2021 eingestellten Label Ostgut Ton.
Mitunter finden im Berghain (bzw. in der angrenzenden Halle am Berghain) kulturelle Veranstaltungen jenseits der Clubkultur statt, so etwa die Berlin Alternative Fashion Week, der Tanzabend Shut Up And Dance in Kooperation mit dem Staatsballett Berlin, der monatlich stattfindende Elektroakustische Salon oder die Fotoausstellung 13 Monde, in der unter anderem Sven Marquardt, einer der Türsteher des Clubs, seine Fotoarbeiten ausstellte.
Seit einiger Zeit finden in den Räumlichkeiten der Haupthalle gelegentlich Konzerte statt, darunter Auftritte von Künstlern und Künstlerinnen wie Fever Ray, Zola Jesus, Swans, Fixmer/McCarthy, Laibach und Matmos. Diese Konzerte werden in der Regel an Werktagen und außerhalb des regulären Clubbetriebs veranstaltet. 2023 entstand das Album Live at Berghain von Gellért Szabós Ideal Orchestra.
Öffnungszeiten und Besonderheiten mini|Türsteher Sven Marquardt