Heinz Höher (* 11. August 1938 in Leverkusen; † 7. November 2019 in Nürnberg) war ein deutscher Fußballspieler und -trainer. Seine Spielerkarriere begann bei Bayer 04 Leverkusen und führte ihn über den Meidericher SV und den FC Twente Enschede zum VfL Bochum. Als Trainer betreute er unter anderem den VfL Bochum, den MSV Duisburg und Fortuna Düsseldorf in der Bundesliga sowie den 1. FC Nürnberg. Zudem hatte er Engagements in Griechenland bei Ethnikos Piräus, PAOK Saloniki und Olympiakos Piräus.Hardy Grüne, Lorenz Knieriem: Spielerlexikon 1890 bis 1963, S. 153.Hermann Schmidt, Miriam Bernhardt: TRAINERLEXIKON. J. P. Bachem. Köln 2017, ISBN 978-3-7616-3180-5, S. 99–101.

Leben und Karriere Jugend und Spieler in Leverkusen, bis 1963 Heinz Höher wuchs in Leverkusen in der Hauptstraße auf. Durch seinen Bruder Hannes, der bei Preußen Dellbrück von 1950 bis 1954 in der Oberliga West spielte, bestand Bezug zum Fußball.Harald Landefeld, Achim Nöllenheidt (Hrsg.): „Helmut, erzähl mich dat Tor ...“. Neue Geschichten und Porträts aus der Oberliga West 1947 bis 1963. Klartext Verlag. Essen 1993, ISBN 3-88474-043-1, S. 147. Zudem war sein Vater Ballwart bei Bayer 04.

Mit 14 Jahren spielte Höher mit den 18-Jährigen in Bayers Jugendelf.Ronald Reng: Spieltage. Die andere Geschichte der Bundesliga, S. 77. Mit 19 Jahren debütierte er bei Bayer 04 in der 2. Liga West unter Trainer Edmund Conen. Bei den DFB-Amateuren debütierte er am 15. April 1959 in Enschede beim Länderspiel gegen die Niederlande im damaligen WM-System auf Halbrechts. Höher wurde von Trainer Sepp Herberger auch in das Aufgebot der A-Nationalmannschaft für das Freundschaftsspiel am 6. Mai 1959 in Glasgow gegen Schottland (2:3) berufen, verpasste aber das Spiel, da er ohne Reisepass nicht nach Großbritannien einreisen durfte.

Unter Trainer Erich Garske steigerte sich Bayer 1960 auf den 3. Rang und stieg in der Saison 1961/62 als Meister der 2. Liga West in die Fußball-Oberliga West auf. Höher absolvierte für Bayer von 1957 bis 1962 insgesamt 130 Ligaspiele in der 2. Liga und erzielte dabei 58 Tore.Deutscher Sportclub für Fußballstatistiken (DSFS): West-Chronik. Fußball in Westdeutschland 1958 bis 1963. DSFS 2013, S. 21, 69, 118, 166. Von 1959 bis 1962 wurde er zu neun Länderspielen in der deutschen Amateur-Nationalmannschaft berufen. In der U-23 des DFB kam er unter Bundestrainer Sepp Herberger in den Jahren 1959 und 1961 zu zwei weiteren internationalen Auswahleinsätzen.

Trotz einer guten Saison im Abschlussjahr der alten erstklassigen Westoberliga, 1962/63, in der Leverkusen nur eines der Spiele gegen die fünf späteren Gründungsmitglieder der Bundesliga verlor, konnten sich die Rot-Schwarzen vom Ulrich-Haberland-Stadion mit 30:30 Punkten auf dem 9. Rang nicht für die neue Eliteliga qualifizieren. Höher hatte unter Trainer Fritz Pliska an der Seite von Mitspielern wie Werner Biskup, Werner Görts, Uwe Klimaschefski, Manfred Manglitz, Hans-Otto Peters und Werner Röhrig 25 Oberligaspiele bestritten und zwei Tore erzielt.Deutscher Sportclub für Fußballstatistiken (DSFS): West-Chronik. Fußball in Westdeutschland 1958 bis 1963. DSFS 2013, S. 208.

Spieler in Meiderich, Enschede und Bochum, 1963 bis 1970 Nachdem sich anfänglich aussichtsreiche Verhandlungen mit dem VfB Stuttgart zerschlagen hatten, schloss sich Höher wenige Tage vor Trainingsbeginn zur ersten Bundesligasaison dem in die neu gegründete Bundesliga aufgenommenen Meidericher SV an.Ronald Reng: Spieltage. Die andere Geschichte der Bundesliga, S. 36. Höher gehörte am ersten Spieltag der Bundesliga, dem 24. August 1963, unter Trainer Rudi Gutendorf der MSV-Elf an, welche mit einem 4:1-Auswärtserfolg im Wildparkstadion Gastgeber Karlsruher SC deutlich besiegte. Meiderichs Angriff mit Helmut Rahn, Werner Krämer, Heinz Versteeg, Höher und Hartmut Heidemann hatte klare Tempo- und Technikvorteile demonstriert. Im Spielbericht in der Bundesliga-Chronik 1963/64 wird dazu notiert: „Balltechnisch gekonnt rührten Krämer und Höher hinter den flotten Spitzen um Altmeister Rahn vielfältige Ideen an, so dass der KSC-Deckung alsbald nur das Nachsehen blieb.“Ulrich Merk, Andre Schulin: Bundesliga Chronik 1963/64. Agon Sportverlag. Kassel 2004, ISBN 3-89784-083-9, S. 34. Bis einschließlich dem sechsten Spieltag, dem 5. Oktober 1963, als im Heimspiel gegen München 1860 ein 3:0 gelang und die „Zebras“ mit 7:5 Punkten den 6. Rang belegten, gehörte Höher jeweils der Formation des Meidericher SV an. Danach folgte in der Hinrunde nur noch sein Einsatz am 30. November bei einer 0:2-Niederlage beim 1. FC Nürnberg. Trainer Gutendorf hatte immer mehr mit den weiteren Offensivkräften Horst Gecks, Werner Kubek und Gustav Walenciak experimentiert. Die Abwehrreihe mit Doppelstopper verlangte nach dem Verzicht auf einen Stürmer, davon war Höher betroffen.Ronald Reng: Spieltage. Die andere Geschichte der Bundesliga, S. 71. In der Rückrunde wurde er lediglich in drei Ligaspielen eingesetzt.

Nach einer Zeit unsteter LeistungRonald Reng: Spieltage. Die andere Geschichte der Bundesliga, S. 51. kam Höher im zweiten Bundesligajahr 1964/65 auf zehn Bundesligaeinsätze und der MSV belegte mit 32:28 Punkten den 7. Rang. Seinen letzten Bundesligaeinsatz bestritt er am 27. März 1965 unter Trainer Wilhelm „Ömmes“ Schmidt bei einer 0:2-Auswärtsniederlage bei Hannover 96 im Angriff neben Krämer, Friedhelm Bruns, Rudolf Schmidt und Versteeg.Ulrich Merk, Andre Schulin: Bundesliga Chronik 1964/65. Agon Sportverlag. Kassel 2004, ISBN 3-89784-084-7, S. 130. Höhers Vertrag endete zum 30. Juni 1965,Ronald Reng: Spieltage. Die andere Geschichte der Bundesliga, S. 90. die geplante Rückkehr zu Bayer 04 Leverkusen kam allerdings nach einem Probetraining bei Bayer-Trainer Theo Kirchberg nicht zustande.

Makler Raymond Schwab vermittelte ihn 1965 an den holländischen FC Twente Enschede. Nach der 0:2-Niederlage am 15. Mai 1966 gegen Ajax Amsterdam erhielt Höher von Twentes Präsidenten eine schriftliche Abmahnung. Höher unterschrieb zum Saisonschluss einen Vertragsspielervertrag für die Regionalliga West beim Zweitligisten VfL Bochum. Zusätzlich wurde er in der Werbeabteilung der Schlegel-Brauerei angestellt. Höher debütierte am 21. August 1966 bei einem 2:0-Heimerfolg gegen Viktoria Köln als Halbstürmer. Abschließend belegte der VfL mit 45:23 Punkten den 4. Rang, punktgleich mit Arminia Bielefeld auf dem 3. Rang. Beide Spiele gegen Meister und Bundesligaaufsteiger Alemannia Aachen gingen verloren. Verletzungsbedingt absolvierte Höher nur 18 Einsätze und erzielte drei Tore. In seinem zweiten Bochumer Jahr, 1967/68, unter Trainer Hermann Eppenhoff, steigerte sich auch Werner Balte in seinem ersten offiziellen Ligajahr auf 14 Tore. Wiederum kam Höher nicht verletzungsfrei durch die Runde, die der VfL als Fünfter beendete, und er konnte in dieser Runde 18 Einsätze mit sieben Toren verzeichnen. Der eigentliche Höhepunkt glückte im DFB-Pokal mit dem Einzug in das Pokalfinale. Die ersten beiden Spiele gegen den Karlsruher SC (3:2) und den VfB Stuttgart (2:1) verpasste er, beim Viertelfinale am 11. April 1968 gegen die Weisweiler-Elf von Borussia Mönchengladbach (2:0) kam er zum Einsatz. Der damalige Mittelfeldkollege von Heinz Höher, Erich Schiller, meinte in der Rückbetrachtung: „Wenn nicht die Bochumer Mannschaft mit der Mittelfeldreihe Höher, Schiller, Eversberg später durch Verletzungspech zurückgeworfen worden wäre, hätte ihr noch Großes gelingen können. Ich bin überzeugt, dass wir vor Mönchengladbach den ‚Fohlen-Weg‘ gegangen wären. Bochum hatte ein unheimliches Potenzial zum damaligen Zeitpunkt.“Markus Franz: Die Jungs von der Castroper Straße, S. 204. Am 15. Mai 1968 glückte die nächste Sensation: Mit 2:1 im Halbfinale wurde der FC Bayern München mit Sepp Maier, Franz Beckenbauer und Gerd Müller aus dem Wettbewerb geworfen und der VfL zog ins Finale ein. Am 9. Juni 1968 fand das Pokalendspiel im Südweststadion in Ludwigshafen gegen den 1. FC Köln statt. „Es begann gut“, schrieb Wolfgang Hellmich im VfL-Jahrbuch von 1968, „wie gestochen kamen die Pässe von Heinz Höher. Unsere Außen zogen ein schnelles Spiel auf. Gustav Eversberg öffnete seine Trickkiste...“,Markus Franz: Die Jungs von der Castroper Straße, S. 207. jedoch gewann Köln den Pokal mit 4:1.Markus Franz: Die Jungs von der Castroper Straße, S. 212.

Im dritten Jahr beim VfL, 1968/69, erzielte Höher in 26 Ligaspielen zehn Tore. Nach einer glänzenden Hinrunde baute die Mannschaft in der Rückrunde ohne die zwei durch Verletzung ausfallenden Leistungsträger Gustav Eversberg und Erich Schiller ab und fiel durch den schlechteren Torquotienten gegenüber den punktgleichen Rot-Weiss Essen auf den 3. Rang zurück. Die 0:4 Punkte am 30. März 1969 gegen Fortuna Düsseldorf (1:3) und am 7. April 1969 gegen den TSV Marl-Hüls (0:2) verdarben Bochum den Einzug in die Bundesligaaufstiegsrunde. Als 1969/70 der Meistertitel geholt werden konnte, kam Höher nur noch in sieben Ligaspielen zum Einsatz. In der Bundesligaaufstiegsrunde im Juni 1970 wurde er hingegen in fünf Spielen eingesetzt und erzielte ein Tor.

Bereits 1969 hatte Höher unter Lehrgangsleiter Hennes Weisweiler in Köln eine Ausbildung zum Fußball-Lehrer durchlaufen und trat im Sommer 1970 die von Präsident Wüst eingeführte Stelle als Trainerassistent unter Cheftrainer Eppenhoff beim VfL Bochum an. Da Eppendorf es gewohnt war, alleine zu arbeiten, gestaltete sich die Zusammenarbeit schwierig. Es wurde ein Kompromiss erreicht, indem Höher als Assistent die Schulung der Ersatzspieler zusätzlich zum normalen Training übernahm. Als im Herbst 1970 der Zweitligist Schwarz-Weiß Essen einen Trainer suchte, fiel die Wahl auf Höher.Ronald Reng: Spieltage. Die andere Geschichte der Bundesliga, S. 128–131.

Trainer SW Essen und VfL Bochum, 1970 bis 1979 Seine Trainerkarriere begann Höher 1970 beim VfL Bochum als Co-Trainer von Hermann Eppenhoff. Im Oktober 1970 wurde er Cheftrainer beim Regionalligisten Schwarz-Weiß Essen. Höher übernahm SW Essen nach dem 11. Spieltag mit 7:15 Punkten. Am Rundenende hatte die Mannschaft vom Uhlenkrug 29:39 Punkte und belegte damit den 11. Rang. Vor seiner zweiten Saison, 1971/72, musste er aber die Verluste von Rolf Bauerkämper, Rolf Kucharski, Manfred Müller und Peter Wirsching hinnehmen, wobei zumindest Torhüter Müller und der 17-fache Torschütze Kucharski bedeutsam waren. Trotzdem führte der Trainerneuling SW Essen zu 39:29 Punkten und damit auf den 5. Rang. Im Tor hatte man Routinier Hermann Merchel reaktiviert, im Mittelfeld ersetzte das junge Talent Holger Trimhold Bauerkämper und im Angriff versuchte er mit Karl-Heinz Böttcher, Reinhard Majgl und Dieter Schulitz im Verbund den vormaligen Torjäger Kucharski zu ersetzen. Seine belebenden Trainingsmethoden und taktische Varianten trugen wesentlich dazu bei, dass SW Essen eine überzeugende Runde ablieferte.

Zur Saison 1972/73 kehrte er als Nachfolger von Hermann Eppenhoff als Cheftrainer zum VfL Bochum zurück.Ronald Reng: Spieltage. Die andere Geschichte der Bundesliga, S. 161, 163. Von Schwarz-Weiß Essen brachte er die Spieler Reinhard Majgl und Michael Lameck mit. Hinzu kamen noch Torhüter Werner Scholz (Alemannia Aachen) und Hermann Gerland aus der Bochumer A-Jugend.Ronald Reng: Spieltage. Die andere Geschichte der Bundesliga, S. 168–170. Nachdem Weggang von Reinhold Wosab kam im Sommer 1973 Franz-Josef Tenhagen von RW Oberhausen. Die Achse der VfL-Mannschaft bildeten daraufhin Lameck, Gerland, Tenhagen.

Präsident Ottokar Wüst, nicht der Trainer, hielt beim VfL Bochum die Halbzeitansprachen, auch wenn sich das unter Höher zu ändern begann. Der Präsident beobachtete gemeinsam mit dem Trainer potenzielle Neuzugänge. Höher wurde in jedem Frühjahr von Vereinen wie Eintracht Frankfurt, Borussia Dortmund oder VfB Stuttgart umworben, er sagte jedoch allen ab.Ronald Reng: Spieltage. Die andere Geschichte der Bundesliga, S. 194.