mini|Neuhausen, nordöstlich der Stadt Königsberg, auf einer Landkarte von 1910. Gurjewsk (, prußisch Romaw), , ist das administrative Zentrum eines Rajons mit Einwohnern (Stand ) in der russischen Oblast Kaliningrad. Der Ort ist seit 2013 Verwaltungssitz der kommunalen Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Gurjewsk.

Geographische Lage Die Ortschaft liegt in der historischen Region Ostpreußen, sieben Kilometer nordöstlich von Königsberg (Kaliningrad).

Geschichte Der Ort wurde 1262 als Neuhausen gegründet. Um 1540 wurde er unter den Bezeichnungen Neuhauß, Neuhausen, Newghaus oder Lisga Neughaus erwähnt. Der prußische Name Romaw bzw. Ramawan (heiliger Wald) weist auf eine heidnische Kultstätte (prußisch romus, ramus: ruhig, still, andächtig, heilig) hin.

Am 1. April 1927 hatte der Gutsbezirk Neuhausen eine Flächengröße von 505 Hektar, und am 16. Juni 1925 hatte der Gutsbezirk 529 Einwohner.Kurt Albrecht: Die preußischen Gutsbezirke, in: Zeitschrift des Preussischen Statistischen Landesamts, 67. Jahrgang, Berlin 1927, S. 344–477, insbesondere S. 372, 7. Landkreis Königsberg i. Pr., Ziffer 66 (Google Books). Am 15. November 1928 wurde der Gutsbezirks Neuhausen in die Landgemeinde Neuhausen eingegliedert.Amtsbezirk Neuhausen (Territorial.de)

1935 wurde in Neuhausen eine Niederlassung des Behring-Instituts in Betrieb genommen.Robert Albinus: Königsberg Lexikon. Würzburg 2002, ISBN 3-88189-441-1.

Im Jahr 1945 gehörte Neuhausen zum Landkreis Samland im Regierungsbezirk Königsberg der Provinz Ostpreußen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Neuhausen wie der gesamte Nordteil Ostpreußens besatzungsrechtlich unter sowjetische Verwaltung gestellt. Der Ort erhielt 1946 die Ortsbezeichnung Gurjewsk, benannt nach dem sowjetischen Generalmajor Stepan Gurjew (1902–1945), der bei den Kämpfen um Pillau ums Leben gekommen war; die Ortschaft erhielt zugleich das Stadtrecht.

Demographie + Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen 1782 – königliches Domänenamt und Schloss, Forstamt, Amtsvorwerk, königliches Dorf und Erbpachtsmühle, mit einer Kirche und 38 Feuerstellen (Haushaltungen)Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen. Teil I: Topographie von Ost-Preußen. Marienwerder 1785, Anhang Volständige Topographie vom Ost-Preußischen Cammer-Departement, S. 122 (Google Books). 1816 329 davon 199 im Dorf, elf bei der Mühle und 119 auf dem Gut und SchlossAlexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 3: Kr–O, Halle 1822, S. 274, Ziffer 990–992 (Google Books). 1831 503 davon 243 im Dorf und 161 auf dem Gut und Schloss sowie 99 auf dem zugehörigen Vorwerk Kleinheide Leopold Krug: Die Preussische Monarchie; topographisch, statistisch und wirthschaftlich dargestellt. Nach amtlichen Quellen. Teil I: Provinz Preussen. Berlin 1833, S. 60, Ziffer 18 (Google Books), und S. 67, Ziffer 31 (Google Books). 1840 421 davon 260 im Dorf und bei der Mühle sowie 161 auf dem Gut und SchlossKarl Emil Gebauer: Kunde des Samlandes oder Geschichte und topographisch-statistisches Bild der ostpreußischen Landschaft Samland. Königsberg 1844, S. 127, 4. Neuhausen, Ziffer 16–17 (Google Books). 1858 554 sämtlich Evangelische, davon 314 im Dorf, 38 bei der Mühle und 202 auf dem GutAdolf Schlott: Topographisch-statistische Uebersicht des Regierungs-Bezirks Königsberg, nach amtlichen Quellen. Hartung, Königsberg 1861, S. 135, Ziffer 254–256 (Google Books). 1864 620 am 3. Dezember davon 497 im Dorf und 223 auf dem Gut Preußisches Finanzministerium: Die Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Königsberg: Berlin 1966, Kreis Königsberg (Landkreis), S. 26, Ziffer 164–165. 1867 702 am 3. Dezember, davon 505 in der Landgemeinde und 197 im Gutsbezirk 1871 609 am 1. Dezember, davon 393 in der Landgemeinde (sämtlich Evangelische) und 216 im Gutsbezirk (215 Evangelische und eine katholische Person) Königliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Preussen und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Berlin 1874, S. 30–31, Ziffer 68 (Google Books), und S. 36–37, Ziffer 226 (Google Books). 1910 589 am 1. Dezember, Dorf und Rittergut, mit einer evangelischen Kirche, einem Krankenhaus, einer Spar- und Darlehenskasse und einer Molkerei, davon 409 in der Landgemeinde und 180 im GutsbezirkNeuhausen, Dorf und Rittergut, Landkreis Königsberg, Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Neuhausen (meyersgaz.org). 1933 1707 1939 4198 + Bevölkerungsentwicklung seit 1946 Jahr 1959 1970 1979 1989 2002 2010 2021 Einwohner 2393 3568 5910 7934 10.913 12.431 26.760 Anmerkung: Volkszählungsdaten

Nach den Ergebnissen der allrussischen Volkszählung von 2010 waren 88,3 Prozent der Einwohner von Gurjewsk ethnische Russen. Daneben lebten in Gurjewsk auch 174 Deutsche, was einem Bevölkerungsanteil von 1,4 Prozent entsprach.

Amtsbezirk Neuhausen (1874–1945) Am 30. April 1874 wurde Neuhausen Amtssitz und namensgebender Ort des neu errichteten Amtsbezirk NeuhausenRolf Jehke: Amtsbezirk Neuhausen im Landkreis Königsberg (Preußen) (1939 bis 1945 Landkreis Samland) im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen. Der Amtsbezirk Neuhausen bestand bis 1945 und zählte bei seiner Gründung vier Landgemeinden und sieben Gutsbezirke: Deutscher Name Russischer Name Bemerkungen Landgemeinden: Knöppelsdorf Rasswet Neuhausen Gurjewsk Prawten Lomonossowo Trausitten 1938 in die Gemeinde Neuhausen eingegliedert Gutsbezirke: Berthaswalde 1926 in eine Landgemeinde umgewandelt Commen 1892 in die Landgemeinde Neuhausen eingegliedert Dunkershöfen Bolschoje Derewenskoje(bis 2008: Bolschaja Derewnja) 1928 in die Landgemeinde Kleinheide eingegliedert Kleinheide 1928 in eine Landgemeinde umgewandelt,1938 in die Gemeinde Neuhausen eingegliedert Neuhausen Gurjewsk 1928 in die Landgemeinde Neuhausen eingegliedert Schmeckenkrug unbekannten Datums in die Landgemeinde Neuhausen eingegliedert Sensen Borowikowo vor 1908 in eine Landgemeinde umgewandelt,1934 in die Landgemeinde Knöppelsdorf eingegliedert

Aufgrund der Umstrukturierungen gehörten am 1. Januar 1945 noch die vier bisher eingegliederten Gemeinden Knöppeldorf, Neuhausen, Prawten und Berthaswalde zum Amtsbezirk Neuhausen, außerdem die 1939 aus dem Amtsbezirk Quednau (russisch: Sewernaja Gora) umgegliederte Gemeinde Ziegelau (heute nicht mehr existent).

Burg Neuhausen miniatur|Burg Neuhausen Die Burg Neuhausen wurde 1292 im samländischen Domkapitel (Sitz in Königsberg) gebaut. Südlich des Schlosses am Ende des Mühlenteichs blieb die Hausmühle des Deutschen Ordens (der spätere Eichenkrug) in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten. Turm und Seitengiebel der Kirche trugen Blenden und Staffelgiebel. Außerhalb der Burg entstand 1528 eine Lischke. Ein Schneider, ein Schuster und ein Schmied erhielten von Albrecht (Brandenburg) zusammen eine Hufe Acker. Nach 1525 war das Schloss eine Zeitlang Sitz des Bischofs von Samland Georg von Polenz. Im Ehevertrag von 1550 verschrieb Herzog Albrecht die Burg seiner zweiten Frau Anna Maria von Braunschweig-Calenberg-Göttingen als Leibgedinge. Hier brachte sie 1553 den Sohn Albrecht Friedrich zur Welt, und hier starb sie am 15. März 1568. Den älteren Teil der Burg ließ Albrecht umbauen.

In einem reichen Jagdgebiet gelegen, war Neuhausen der bevorzugte Aufenthaltsort des jagdliebenden Herzog Georg Wilhelm. 1770 wurde die Burg Sitz der Domänenverwaltung und des Justizamts. Für seine Verdienste in den Befreiungskriegen vergab Friedrich Wilhelm III. 1814 Schloss und Domäne zusammen mit Gut Grünhoff bei Cranz an General Friedrich Wilhelm Bülow von Dennewitz. Später gehörte das Schloss zum Besitz der Familien Luckner und Massow. Der Schlosspark und der Forst um die Kleinbahnstation Neuhausen-Tiergarten mit dem Etablissement Freiwald waren ein beliebtes Ausflugsziel der Königsberger.

Mühlenfließ

Kirche Neuhausen Gebäude mini|Kirche Neuhausen (2014) Die alte PfarrkircheGeschichte von Gurjewsk-Neuhausen bei ostpreussen.net – sie wird auch heute noch „Kirche Neuhausen“ (russisch: Кирха Нойхаузен) genannt – aus dem Ende des 13. Jahrhunderts ist ein chorloser Feldsteinbau mit Backsteinturm. Sie liegt östlich der Fernstraße A 190 und war mehr als 400 Jahre evangelische Gottesdienststätte. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie beschädigt. Sie diente dann als Club und als Lagerhalle und verfiel dabei immer mehr, auch aufgrund mehrerer Brände.

Seit 1991 ist das Gotteshaus im Besitz der Neuapostolischen Kirche und wieder in einem guten Zustand.

Kirchengemeinde Bereits in vorreformatorischer Zeit war Neuhausen ein Kirchdorf. Die Reformation fand hier relativ früh Eingang, und die Neuhausener Burg war lange Zeit Sitz von Georg von Polenz (um 1478–1550), dem evangelischen Bischof von Samland und Pomesanien. Einst gehörte die Kirchengemeinde mit ihrem weitflächigen Kirchspiel zur Inspektion des Königsberger (russisch: Kaliningrad) Oberhofpredigers, zwischenzeitlich zur damals neu gegründeten Inspektion Labiau (Polessk). Bis 1945 war sie dann in den Kirchenkreis Königsberg-Land II in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union eingegliedert.

Heute liegt Gurjewsk im Einzugsbereich der in den 1990er Jahren neu errichteten evangelisch-lutherischen Auferstehungskirche in Kaliningrad innerhalb der neu gebildeten Propstei Kaliningrad der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland (ELKER).

Kirchspiel (bis 1945) Zum Kirchspiel Neuhausen zählten vor 1945 insgesamt 30 OrtschaftenOrtsfamilienbuch Neuhausen: Deutscher Name Russischer Name Deutscher Name Russischer Name Berthaswalde Neudamm (Dorf) undNeudamm (Gut) Wassilkowo undMaloje Wassilkowo Bladau Wladimirowka(bis 2008: Wladimirowo) Neuhausen Gurjewsk Bulitten Awangardnoje Palmburg Pribreschnoje Charlottenwiese Prawten Lomonossowo Dossitten Tscheremchowo Rachsitten Dunkershöfen Bolschoje Derewenskoje(bis 2008: Bolschaja Derewnja) Rachsittenthal SacharowoEichenkrug Rodmannshöfen Kalinowka Fürstenwalde Poddubnoje Sensen Borowikowo Kleinheide Sonnigkeim Sasanowka Knöppelsdorf Rasswet Tharaunenkrug Saosjorje Kondehnen Slawjanskoje Trausitten Lapsau Saosjorje Tropitten Kumatschowo Lauth Bolschoje Issakowo Waldhöfen Uljanowo, jetzt:Konstantinowka Mandeln Wange Jarowoje Neidtkeim Wangnicken Saosjorje

Pfarrer (1525–1945) Von der Reformation bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges amtierten in Neuhausen als evangelische Geistliche:Friedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968, S. 101. mini|hochkant=0.7|Franz Schibalski M. Lucas, 1525 N.N., bis 1534 N.N., ab 1545 Michael Beer, ab 1559 Johann Querlemann, 1567 Lucas Edenburg, 1568–1574 N.N., 1574 Friedrich Krause, 1582–1588 Jacob Sethus, 1588–1596 Erhard Wolf, 1596–1609 Joachim Goldnach, 1615–1652 Christoph Fengler, 1651 Heinrich Hoffmann, 1652 Reinhold Sommer, 1688–1732 Christian Grünwald, 1733–1741 Georg Daniel Fischer, 1742–1766 Theodor Michael Freytag, 1767–1790 Max Christian Mayr, 1791–1801 Johann Immanuel Groschke, 1801–1825 Siegfried August Kähler, 1826–1841 Karl Leopold Bergau, 1841–1873 Heinrich Ernst Abramowski, 1873–1878 Otto Alexander Besch, 1878–1896 Emil Anton Gustav Platz, 1897–1909 Gustav Heinrich Zander, 1909–1926 Franz Schibalski, 1926–1939Schibalski (1872–1956) war Angehöriger des Corps Masovia Herbert Schott, 1939–1945

Russisch-Orthodoxe Kirche miniatur|Die Russisch-orthodoxe Christi-Himmelfahrts-Kirche Die meisten konfessionell gebundenen Einwohnern gehören der russisch-orthodoxen Kirche an. Gurjewsk gehört zur Diözese Kaliningrad und Baltijsk.

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