Die Geschichte des Vereinigten Königreiches von Großbritannien und Irland umfasst die Geschichte der seit dem Act of Union 1800 unter der Herrschaft der britischen Krone zusammengefassten Territorien England, Schottland und Irland bis zum Anglo-Irischen Vertrag von 1921, (englisch) der die Unabhängigkeit Südirlands einleitete.

Zur vorhergehenden Geschichte Großbritanniens siehe Geschichte des Königreichs Großbritannien und Geschichte Irlands.

Zum nachfolgenden Zeitraum ab 1921 siehe Geschichte des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Nordirland.

Großbritannien im napoleonischen Zeitalter Politische Entwicklung Als Folge von Aufständen in Irland von 1798 beschloss die britische Regierung unter William Pitt dem Jüngeren, die formelle Unabhängigkeit Irlands endgültig zu beenden. So wurde Irland mit dem Act of Union 1800 dem Königreich Großbritannien angeschlossen, was einerseits den Verlust des irischen Parlaments, andererseits die rechtliche Einheit und damit die formelle Gleichstellung von Großbritannien und Irland zum 1. Januar 1801 nach sich zog. Es entstand das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Irland. Irland entsandte rund 100 Abgeordnete in das House of Commons und 28 Peers in das House of Lords. Die von Pitt ebenfalls angestrebte staatsbürgerliche Gleichstellung der Katholiken scheiterte am Widerstand König Georgs III., worauf der Premierminister zurücktrat.. Zusammenfassung von Pitts Amtszeit auf der Website des britischen Premierministers miniatur|links|Diese Version des Union Jacks wurde 1801 die Flagge des Vereinigten Königreichs. 1802 schloss Henry Addington, der Nachfolger Pitts, den Vertrag von Amiens mit Frankreich. Dieser Friedensschluss war äußerst populär, da der Krieg mit Frankreich und die mit ihm verbundene Wirtschaftskrise unter anderem zur erstmaligen Erhebung einer allgemeinen Einkommensteuer geführt hatte. Allerdings folgte nur eine etwa einjährige Friedenszeit, die Großbritannien zur massiven Aufrüstung und zu einer erneuten Kriegserklärung an Frankreich am 18. Mai 1803 nutzte.

In der Auseinandersetzung mit Napoléon Bonaparte behielten die Briten in der Schlacht von Trafalgar 1805 die Oberhand und beendeten mit ihr jede französische Handlungsfähigkeit zur See. In der europäischen Kriegsführung zu Lande blieb Bonaparte jedoch erfolgreich. Mit der Kontinentalsperre schloss Frankreich 1806 alle kontinentalen Häfen für den britischen Handel. Dies führte zwar zu Arbeitslosigkeit, Lohnverfall und Preissteigerungen auf der Insel, zwang Großbritannien aber nicht in die Knie. Vor allem im Baltikum und in Portugal war die Kontinentalsperre durchlässig, zudem konnte Frankreich den Schmuggel nicht unter Kontrolle bringen. Zum Ausgleich für die Kontinentalsperre und auch als Ersatz für den verlorenen Absatzmarkt in den nordamerikanischen Kolonien konzentrierte sich der britische Handel zunehmend auf Südamerika. Zudem waren mit der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten die Absatzmärkte für den Sklavenhandel zusammengebrochen und eine immer stärkere Abolitionsbewegung war entstanden, so dass die britische Regierung den Sklavenhandel 1807 verbot.

miniatur|300px|Schlacht von Waterloo, Gemälde von William Sadler Während Napoleon 1812 seine Kräfte in der Auseinandersetzung mit Russland überforderte, konzentrierte sich Großbritannien auf einen Expeditionsfeldzug nach Spanien. 1809 waren Truppen unter Arthur Wellesley, 1. Herzog von Wellington, dem bedeutendsten britischen Heerführer dieser Zeit, auf der Iberischen Halbinsel gelandet und führten dort gemeinsam mit Aufständischen einen zähen Kampf gegen die Truppen Napoleons und erzielten 1813 den auf diesem Kriegsschauplatz entscheidenden Sieg. Nach der Schlacht bei Waterloo im Juni 1815 war Großbritannien mit seinem Gesandten Castlereagh auf dem Wiener Kongress maßgeblich an der Neuordnung Europas beteiligt, verzichtete trotz seiner starken Stellung aber auf erneuten Territorialbesitz auf dem Kontinent. Die britische Außenpolitik war in erster Linie an einer Machtbalance auf dem Festland interessiert, in der sich die dortigen Mächte gegenseitig neutralisieren sollten. Darüber hinaus sollte das Prinzip des Freihandels den Kontinent zum Absatzmarkt für britische Waren machen.

Kulturelle Entwicklung

Wie die meisten europäischen Nationen erlebte auch Großbritannien eine Abwendung von Klassizismus hin zur Romantik. Bereits kurz nach 1700 wurden kulturelle Rückgriffe auf das Mittelalter sowie auf Shakespeare intensiviert, die allerdings auch zuvor nie ganz verschwunden waren. Ab 1760 wurde die Lyrik des angeblichen gälischen Barden Ossian sehr populär, kurz darauf der Schauerroman. Beides wurden bestimmende Elemente der britischen Romantik. Das Heroische, Pathetische, Erhabene wurde zum Leitbild der künstlerischen Ausdrucksformen. Die romantische Literatur im Vereinigten Königreich war vor allem historische Literatur. In der Malerei drückte sich die Romantik vor allem in der Form der Landschaftsmalerei in Aquarelltechnik aus.

Die Industrielle Revolution

Technische Neuerungen miniatur|300px|Eine Dampfmaschine nach einem Entwurf von James Watt, ausgestellt in Madrid.Während sich die innenpolitische Auseinandersetzung im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert um die Modernisierung des Wahlrechts entspannte und in der Außenpolitik eine Reaktion auf die kontinentaleuropäischen Entwicklungen gefragt war, begann sich die Industrielle Revolution zu entwickeln.

Die entscheidenden technischen Neuerungen (Spinning Jenny, Dampfmaschine) waren bereits im späten 18. Jahrhundert entwickelt worden. In den folgenden Jahrzehnten wurden sie verbessert und fanden immer weitere Verbreitung. Auch hatte sich um 1800 bereits ein Proletariat an den wichtigsten Industriestandorten entwickelt.

Gesellschaftliche Entwicklung

Die technischen Neuerungen veränderten auch den Arbeitsprozess. An die Stelle selbstständiger Handwerks- oder Heimarbeit im Verlagssystem trat die Fabrikarbeit mit ihren zentralen Arbeitsorten, festen Zeiten und zunehmender Kinderarbeit. Letztere wurde als Problem erkannt und ab 1819 per Gesetz zunehmend eingeschränkt. Die Arbeiter hatten sich im 18. Jahrhundert zunächst in Combinations, gewissermaßen Handwerkszünften, vereinigt. Diese wurden zunächst verboten. Als darauf Geheimbünde zunahmen, ließ die Regierung 1824 die Zusammenschlüsse wieder zu, die schnell die Form moderner Gewerkschaften annahmen. Der Kampf der Arbeiterschaft für ihre eigenen Interessen nahm vorerst eher selten die Form organisierter oder spontaner Streiks an, sondern äußerte sich vor allem im Phänomen der Maschinenstürmer (Ludditen).

miniatur|300px|Die Anforderungen und Abläufe der Industriearbeit führten zu grundlegenden gesellschaftlichen Umwälzungen. Gemälde von Philippe-Jacques de Loutherbourg, 1801 Durch Thomas Malthus’ Schrift Essay on the Principle of Population von 1798 entstand erstmals eine wissenschaftliche und politische Diskussion um die demografische Entwicklung. 1801 gab es die erste moderne Volkszählung in Großbritannien. In diese Zeit fällt auch ein massiver Bevölkerungsanstieg in ganz Großbritannien von etwas über 8 Millionen 1794 auf über 13 Millionen im Jahr 1831. Parallel zum Wachstum gab es auch eine regionale Konzentration der Einwohner in den Industrieregionen im Norden und Westen Englands, in Wales, in den Lowlands in Südschottland und in London, das um 1800 die Marke von einer Million Einwohnern überstieg. Das Wachsen der städtischen Ballungsräume hatte eine Explosion der Nachfrage nach Nahrungsmitteln zur Folge, was wiederum einen Aufschwung der Landwirtschaft auslöste. Dennoch begannen auch die sozialen Probleme anzuwachsen, vor allem unter den Lohnabhängigen, also den Fabrikarbeitern und den Lohnarbeitern in der Landwirtschaft.

Vorviktorianische Reformen mini|hochkant|Georg IV.Der Kampf gegen Napoleon hatte eine Reihe von inneren Krisen des Vereinigten Königreiches überdeckt, unter anderem die Schwäche des geistig umnachteten Königs Georg III., für den ab 1810 sein Sohn regierte, der 1820 als Georg IV. offiziell die Krone übernahm. Zudem hatte der Friede die Kriegsindustrie und mit ihr die gesamte Schwerindustrie und den Schiffbau ihrer Absatzmärkte weitgehend beraubt und die 300.000 zurückkehrenden Soldaten mussten teilweise demobilisiert und mit Arbeitsplätzen versorgt werden. Ab 1815 rückte zudem die Diskussion um die grundsätzliche Ausrichtung der britischen Wirtschaftspolitik in den Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit. Dabei ging es in erster Linie um die Corn Laws, die Beschränkungen für Getreideimporte, die unmittelbar den Getreidepreis steuerten. Während die gesellschaftlichen Eliten, die zumeist Grundbesitzer waren und beide Häuser des Parlaments dominierten, ein Interesse an hohen Getreidepreisen hatten, forderte sowohl die anwachsende Arbeiterschaft als auch die neue Unternehmerschicht geringere Preise; letztere vor allem, um die Lohnkosten senken zu können.

In dieser Situation stieg die Unzufriedenheit mit der Regierung spürbar an. Im ganzen Land begannen sich politische Clubs zu bilden, Petitionsbewegungen und Demonstrationen zu formieren. 1819 wurde im Peterloo-Massaker eine Massenversammlung in Manchester blutig niedergeschlagen. Zu ersten Wirtschaftsreformen kam es 1822, als eine Reihe von direkten Abgaben auf Waren gesenkt wurden. In den folgenden Jahren gab es einzelne Handelsabkommen mit anderen Staaten, die die gegenseitige Absenkung von Zöllen zur Folge hatten. Langsam begann sich dadurch die Wirtschaftslage zu bessern.

Außenpolitisch agierte Großbritannien nach dem Wiener Kongress zurückhaltend. In Europa griff es durch die Beteiligung an einer Reihe von Kongressen ein, militärisch jedoch nur noch 1826 im Fall der Thronfolge in Portugal. Russland verdrängte Frankreich zunehmend als die für bedrohlich gehaltene Macht auf dem Kontinent. Der griechische Freiheitskampf gegen das Osmanische Reich war eher ein Phänomen, das die Sympathien der Massen auf sich zog als tatsächliches Engagement der Regierung.

1827 und 1828 kam es zu mehreren schnell wechselnden Regierungen sowie jeweils zu Spaltungsprozessen innerhalb der Tories und der Whigs. Zudem begannen in diesen Jahren erneut scharfe Auseinandersetzungen um die Emanzipation der religiösen Minderheiten. 1828 wurden die Dissenters gleichberechtigt, 1829 die Katholiken.Kurt Kluxen: Geschichte Englands. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. 2. Auflage. Kröner, Stuttgart 1976, ISBN 3-520-37402-1, S. 538. Zugleich wurde der Wahlzensus massiv angehoben, um vor allem die katholischen Bauern Irlands von der Mitbestimmung fernzuhalten. Missernten sowie eine allgemeine Konjunkturkrise führten dazu, dass sich in vielen Städten die Arbeiterschaft und kleinere selbstständige Gewerbetreibenden zusammenschlossen, um gemeinsam Reformen zu fordern. Angesichts der neuen Revolution in Frankreich begann sich auch in den Eliten des Vereinigten Königreiches Revolutionsangst auszubreiten.