Nach dem Irischen Unabhängigkeitskrieg wurde 1921 der Anglo-Irische Vertrag geschlossen, der für 26 der 32 Irischen Countys die Unabhängigkeit von Großbritannien garantierte. Die sechs nördlichen Countys von Ulster blieben als Nordirland Teil des Vereinigten Königreiches. Der offizielle Name änderte sich erst 1927 in „Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland“.

Zur vorhergehenden Geschichte Großbritanniens siehe Geschichte des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Irland.

Zwischenkriegszeit Innenpolitik Die Liberalen, die das 19. Jahrhundert politisch bestimmt hatten, verloren zunehmend an Bedeutung. Ein Grund dafür war die Tatsache, dass sich die Wähler stärker über die Zugehörigkeit zur bürgerlichen oder Arbeiterklasse definierten und dadurch entweder zu den Konservativen oder zu Labour tendierten. Darüber hinaus hatten die zahlreichen staatlichen Eingriffe in viele Politikfelder während des Ersten Weltkrieges den Liberalen programmatisch geschadet. Zu einer regelrechten Spaltung und damit Schwächung der Liberalen hatte 1916 ein Streit zwischen Lloyd George und Herbert Henry Asquith geführt. Zunächst profitierten vor allem die Konservativen von dieser Entwicklung, da die Labour Party noch nicht stark genug war, um die Mehrheit im Unterhaus zu erringen.

Einer der wichtigsten Streitpunkte der Politik nach dem Kriegsende 1918 war die Auseinandersetzung um eine protektionistische oder eine freihändlerisch ausgerichtete Wirtschaftspolitik. Diese Debatte brachte bei der Unterhauswahl 1923 sowohl den Liberalen als auch Labour Stimmgewinne, was 1924 zu einer ersten Labour-Minderheitsregierung unter Ramsay MacDonald mit liberaler Billigung führte, doch noch im selben Jahr übernahmen nach einer Neuwahl mit Stanley Baldwin wieder die Konservativen das Amt des Premiers.

Die 1920er Jahre waren geprägt von harten Arbeitskämpfen, die sich an der geplanten Privatisierung des international kaum noch konkurrenzfähigen Bergbaus entzündeten. 1926 weitete sich ein Streik der Bergarbeiter zum Generalstreik aus, doch brach er bald zusammen. Zusammen mit einem danach erlassenen Streikverbot führte dieser Misserfolg zu einer Schwächung der Gewerkschaften.

1928 erhielten die Frauen ab 21 Jahren das Wahlrecht. Bei den Wahlen von 1929 wurde die Labour Party erstmals stärkste Partei, und Ramsay MacDonald bildete eine Minderheitsregierung, die nach zwei Jahren in eine Regierungskrise stürzte.

Das Statut von Westminster vom 11. Dezember 1931 bestätigte den 1926 festgelegten Status der Dominions, siehe unten. Zur Bewältigung der Weltwirtschaftskrise setzte die britische Politik von 1931 bis 1935 unter dem Premier Ramsay MacDonald auf die Beteiligung von liberalen und konservativen Ministern. Diesen Mehrparteienkurs verfolgte auch Ramsays konservativer Nachfolger Stanley Baldwin, er wird mit dem Begriff “National Government” bezeichnet. Der Widerstand von Parlamentariern führte aber zu Parteispaltungstendenzen. Unter beiden Regierungen wurde zudem eine Wirtschaftspolitik nach den Prinzipien des Ökonomen John Maynard Keynes verfolgt.

Das Ansehen der Monarchie wurde beeinträchtigt, als Eduard VIII. darauf bestand, eine bereits zweimal geschiedene Amerikanerin zu heiraten. 1936 wurde er zur Abdankung gezwungen.

Außenpolitik Außenpolitisch ging Großbritannien zunächst gestärkt aus dem Ersten Weltkrieg hervor. Durch die weitgehend kampflose Vernichtung der deutschen Flotte war die wichtigste konkurrierende Seemacht verschwunden, ohne dass dafür britische Marineressourcen im größeren Maß verbraucht worden wären. Das Kolonialreich wurde durch den Erwerb ehemals deutscher Kolonien, mehr aber noch durch Teile des Osmanischen Reiches vergrößert. Zudem war Russland durch die Revolution vorerst als geopolitischer Konkurrent ausgeschaltet. Insgesamt setzte sich nach dem Krieg auch unter dem Eindruck der starken Friedensbewegung in der Arbeiterschaft eine Haltung durch, die auf Verhandlungen zum Klären internationaler Streitigkeiten setzte und aus der sich später die Appeasement-Politik entwickelte.

Das Verhältnis zu den USA war ambivalent. Die Vereinigten Staaten überflügelten Großbritannien in der Zwischenkriegszeit als wichtigste Wirtschaftsmacht der Welt. Zudem begann die amerikanische Flotte die Größe der britischen zu erreichen. Aufgrund der zwischen Isolationismus und Intervention schwankenden Haltung der Vereinigten Staaten blieb die britische Außenpolitik unsicher im Umgang mit den USA. 1921 und 1922 gab es eine Reihe von Konferenzen in Washington, in denen beide Länder ein Flottenabkommen abschlossen, die Briten aber ihr Bündnis mit Japan aufkündigen mussten.

Noch zwiespältiger war die Haltung dem nachrevolutionären Russland gegenüber. Zwar unterstützte die britische Politik zunächst die zarentreuen Kräfte, doch gab es in der Arbeiterschaft starke Sympathien für die kommunistische Seite. In den ersten Nachkriegsjahren taten sich die britischen Regierungen schwer, die zukünftige Rolle und Bedeutung Russlands einzuschätzen, doch begann eine langsame Annäherung. Die Unterstützung für die auf dem Rückzug befindlichen zarentreuen Truppen ging zurück, während vorsichtig Beziehungen zur kommunistischen Regierung geknüpft wurden. 1921 wurde ein erster Handelsvertrag geschlossen, 1924 offizielle diplomatische Beziehungen aufgenommen.

Misstrauisch wurde in Großbritannien die französische Außenpolitik betrachtet, der man den Versuch der Hegemoniebildung auf dem Kontinent unterstellte. Ein mögliches Wiedererstarken Deutschlands wurde zwar als Gefahr angesehen, dennoch schätzte vor allem Lloyd George die Bedeutung eines stabilen Deutschland für die Wirtschaft Mitteleuropas hoch ein. Politisch erkannte er ihm die Bedeutung eines wichtigen Gegengewichts gegen Frankreich und das kommunistische Russland zu. Deshalb wandte sich die britische Politik weitgehend geschlossen gegen die Ruhrbesetzung, versuchte die Reparationsforderungen der Siegermächte Deutschland gegenüber zu mildern und zeigte Verständnis für deutsche Bemühungen nach einer Teilrevision der Versailler Verträge.

In den britischen Kolonien begannen die lokalen Eliten ein Selbstbewusstsein zu entwickeln. In Indien war diese Bewegung zunächst am stärksten und wurde von der Kongresspartei unter Mahatma Gandhi getragen. Während die Kolonialverwaltung meist zu Zugeständnissen bereit war, verlangte die Zentralregierung Repressionen. In den 1930er Jahren begann sich zunächst ein gewisses Mitspracherecht der Inder in ihrem Land zu etablieren. Ähnliche Entwicklungen spielten sich auch in China und Ägypten ab. In den Siedlungskolonien wie Kanada und Australien kam unterdessen die bereits vorher begonnene Entwicklung zu mehr Eigenständigkeit zu einem vorläufigen Höhepunkt: Mit der Balfour-Definition wurde 1926 die weitgehende Selbstverwaltung als Dominions formuliert und 1931 im Statut von Westminster festgeschrieben. Damit begann die Auflösung des British Empire, die nach dem Zweiten Weltkrieg ihren Abschluss finden sollte.

Die nationalsozialistische Machtübernahme wurde in Großbritannien als der Beginn des seit dem Kriegsende erwarteten „Wiedererstarken Deutschlands“ gewertet. Bündnisangebote Hitlers lehnten die britischen Regierungen ab, verstärkten aber ihre Appeasement-Politik und versuchten zugleich die USA und die Sowjetunion aus diesen Verhandlungen herauszuhalten, um selbst die bestimmende Macht zu bleiben. Lediglich einzelne konservative Abgeordnete, Labour und Winston Churchill sprachen sich entschieden gegen das Appeasement Deutschland gegenüber aus. Wegen der angespannten Haushaltslage war die Regierung zudem an einer Beschränkung der Rüstungskosten interessiert (nachdem nach dem Ersten Weltkrieg extrem abgerüstet worden warCharles Wheeler: The Road to War, 1. Great Britain, BBC, 1989) und schloss daher 1935 ein britisch-deutsches Flottenabkommen, bei dem das Verhältnis der Flotten auf 35 : 100 (D : GB) festgelegt wurde. Um das dadurch verbesserte Verhältnis zu Deutschland nicht zu gefährden und wegen der verbreiteten Antikriegsstimmung in der Bevölkerung, billigte Großbritannien 1936 die deutsche Rheinlandbesetzung, obwohl das dem Vertrag von Versailles widersprach, und akzeptierte 1938 den „Anschluss Österreichs“ an Deutschland. Kurz darauf machte sich Neville Chamberlain sogar für die Annahme des Münchner Abkommens von 1938 stark, das die Tschechoslowakei zur Abtretung des Sudetenlandes an Deutschland verpflichtete. An diesem Punkt versagte der Großteil seines Kabinetts dem Premierminister die weitere Unterstützung. Erst als Hitler entgegen seinen Versprechungen im März 1939 in Prag einmarschierte, sagte das Vereinigte Königreich in einer Garantieerklärung Polen, im April dann auch Griechenland und Rumänien für den Fall einer Invasion militärische Unterstützung zu. Bereits 1932 war Großbritannien von der Abrüstungspolitik seit 1918 abgewichen, 1934/35 wurden Modernisierungsprogramme vor allem für Luftwaffe und Marine aufgelegt. Im April 1939 wurde angesichts einer drohenden deutschen Invasion die allgemeine Wehrpflicht wieder eingeführt und Verhandlungen mit Frankreich und der Sowjetunion aufgenommen.

Die wachsende Macht der Arbeiterschaft, die neuen Rechte der Frauen und die zunehmende Unabhängigkeit der Dominions lassen sich u. a. als Folgen der Zugeständnisse interpretieren, die die Regierung diesen Gruppen während des Krieges machten, um sie in die allgemeinen Kriegsanstrengungen einzubinden.

Wirtschaftliche Entwicklung in der Zwischenkriegszeit Während des Ersten Weltkrieges war die Produktion der Landwirtschaft enorm gesteigert worden, zum Teil durch staatliche Zwangsmaßnahmen. Grund dafür war der Rückgang des Imports durch den deutschen U-Boot-Krieg. Die eigentliche Modernisierung setzte aber erst mit der Mechanisierung der Landwirtschaft nach amerikanischem Vorbild nach dem Krieg ein. Am Vorabend des Zweiten Weltkrieges griff der Staat wieder stärker ein, mit dem Ziel einer größeren Selbstversorgung. Kunstdünger, Zuckerrüben und die Viehzucht wurden gefördert.

Auf dem Feld der Schwerindustrie hatte die einstige weltweite Führungsnation bereits kurz vor dem Ersten Weltkrieg massive Konkurrenz vor allem von den USA und Deutschland bekommen. Sowohl Kohleförderung als auch Schiffbau erreichten in der Zwischenkriegszeit nicht mehr den Stand von vor 1914. Lediglich der Stahlausstoß stieg weiter an. Zudem wurde die Kohle zunehmend von Öl als Energieträger verdrängt. In den 1930er Jahren wurden weite Teile des Landes an das Elektrizitätsnetz angeschlossen. In der Textilindustrie wurden asiatische Staaten zunehmend Konkurrenten Großbritanniens. In den neuen Industriezweigen wie Elektro-, Automobil- und Chemieindustrie besaß das Land keinen Startvorteil gegenüber den anderen Industriestaaten. Zudem verlor London seine Position als wichtigster Bankenstandort der Welt an New York. Die vor allem in den USA aufgenommenen Kriegskredite belasteten die britische Wirtschaft. Die USA und China hatten Großbritannien während des Krieges wichtige Absatzmärkte in Asien abgenommen.

Die Wirtschaftspolitik kehrte nach den umfassenden Eingriffen der Kriegswirtschaft nie wieder ganz zur Freihandelsorientierung des 19. Jahrhunderts zurück. Zu den Kriegsfolgen gehörte auch eine große Schuldenlast des Staates.

Die Weltwirtschaftskrise von 1929 hatte in Großbritannien geringere Auswirkungen als in den USA oder in Deutschland. Allerdings erreichte die Arbeitslosenquote 1932 zwölf Prozent. Als Reaktion auf die Krise wurde eine auf Ebene des Commonwealth protektionistische Handelspolitik verfolgt.

Gesellschaftliche Entwicklung bis 1930 Das Bevölkerungswachstum setzte sich fort, wenn auch auf deutlich geringerem Niveau als im 19. Jahrhundert. Von 41,5 Millionen Einwohnern im Jahr 1901 stieg die Bevölkerung bis 1931 auf 47 Millionen. Grund für das geringe Wachstum war die zurückgegangene Geburtenrate, was wiederum auf eine beginnende Familienplanung zurückzuführen war.