miniatur|hochkant|Wappen nach dem Act of Union 1707 Die Geschichte des Königreichs Großbritannien umfasst die Geschichte der seit dem Act of Union von 1707 als Königreich Großbritannien zusammengefassten Territorien England (einschließlich Wales) und Schottland. In diesem Jahrhundert ebbten die Widerstände gegen die englisch-schottische Union ab, die innenpolitischen Auseinandersetzungen entfalteten sich zwischen den nun konsolidierten Parteien der Whigs und Tories. Nach außen baute das Königreich seine Kolonien aus, wenn auch die nordamerikanischen Niederlassungen unabhängig wurden und damit verloren gingen. Die wirtschaftliche Entwicklung ließ das restliche Europa hinter sich und mündete schließlich in die Industrielle Revolution. Mit dem Act of Union von 1800 wurde das bis dahin staatsrechtlich eigenständige Irland in das Königreich eingegliedert.

Konsolidierung unter dem Haus Hannover Entstehung des Königreichs Großbritannien mini|Königin Anna

Wilhelm III. starb 1702 mitten in den Vorbereitungen eines neuen Krieges gegen Frankreich. Die Herrschaft übernahm seine Schwägerin Anne. Sie erklärte sofort den unter Wilhelm vorbereiteten Krieg gegen Frankreich und Spanien und wurde damit in den Spanischen Erbfolgekrieg hineingezogen. 1712 wurde Ludwig XIV. schließlich gezwungen, von seiner Unterstützung der Nachkommen Jakobs II. abzurücken und eine vom englischen Parlament vorgelegte Thronfolgeregelung für England und Schottland zu akzeptieren. Darüber hinaus erhielt England einige koloniale Gebiete und Handelsprivilegien zugesprochen, was es endgültig zu einer der stärksten Kolonialmächte machte. Die Religionspolitik blieb unterdessen das entscheidende innenpolitische Thema. In der Anglikanischen Kirche bildete sich die Unterscheidung zwischen der High Church, die den royalistischen Tories nahestand, und der Low Church auf Seiten der dem Landadel nahestehenden Whigs heraus. Die Auseinandersetzungen zwischen den sich immer mehr in Richtung moderner politischer Parteien entwickelnden Whigs und Tories bestimmten ab 1700 die politische Landschaft in England.

Ab 1706 drängte das englische Parlament Schottland massiv zu einer vollständigen politischen Union mit England. Die Angst vor schlechteren Bedingungen, vor allem ökonomischer Natur, im Fall der Weigerung sowie massive Bestechung führten zur Annahme des Angebots durch das schottische Parlament. England und Schottland wurden schließlich gemäß dem Act of Union 1707 zum Königreich Großbritannien vereinigt. Anna wurde erste „britische“ Königin, das Haus Hannover als gemeinsame Herrscherdynastie festgeschrieben. Das Parlament Englands wurde in das Parlament Großbritanniens umgewandelt. Das Unterhaus wurde um 45 schottische Abgeordnete erweitert, das Oberhaus um 16. An der Grenze zwischen den beiden Staaten wurden keine Zölle mehr erhoben. Allerdings wurde das englische Recht nicht auf Schottland übertragen und einige schottische Institutionen nicht mit ihrem englischen Gegenstück fusioniert; dazu zählen die Bank of Scotland und die Church of Scotland.

Die Whig-Epoche mini|links|Robert Walpole, Großbritanniens erster Premierminister mini|Georg I.

Durch den Act of Settlement war 1701 die protestantische Thronfolge festgelegt worden, so dass nach Annes Tod die Krone 1714 an Georg I. aus dem Haus Hannover (Welfen) fiel. Georg stützte sich auf die Whigs, die im Gegensatz zu den Tories bedingungslos an der protestantischen Erbfolge festgehalten hatten. Sowohl durch die Amtsvergabepraxis des neuen Königs als auch durch die Parlamentswahl 1715 besetzten die Whigs den Großteil der politischen Schlüsselpositionen Großbritanniens. Nach einem jakobitischen Aufstand in Schottland und Teilen Nordenglands im gleichen Jahr wurden verschiedene politische Rechte eingeschränkt und die Wahlperiode des Parlaments von drei auf sieben Jahre heraufgesetzt, was die Dominanz der Whigs auf lange Zeit zementierte. Spannungen spielten sich hauptsächlich innerhalb der dominanten Partei ab: Nachdem Großbritannien sich in der Tripel-Allianz mit Frankreich und den Niederlanden verbündet und in den Großen nordischen Krieg eingegriffen hatte, spaltete sich ein Teil der Whigs ab und trat im Parlament in Opposition zur Regierung. 1720 setzte sich Robert Walpole als starker Mann der Whigs durch, der als Chancellor of the Exchequer eine Finanzmarktkrise beendete und zum ersten Premierminister Großbritanniens wurde. Walpole sicherte seine Stellung vor allem durch seine überragenden finanzpolitischen Fähigkeiten. Mit dem sinking fund schuf er ein System, das den britischen Staatsanleihen ein bis dahin nicht gekanntes Maß an Stabilität und damit dem Staat eine gewaltige Kreditwürdigkeit verschaffte. Seine merkantilistische Handelspolitik förderte den Export und belegte den Import nach Großbritannien mit hohen Abgaben. In den folgenden 20 Jahren kontrollierte Walpole die Vergabe nahezu aller staatlicher Ämter und Bischofsstühle und das Stimmverhalten der schottischen Whig-Abgeordneten im Oberhaus praktisch vollkommen. Auf das Unterhaus übte er großen Einfluss durch seine Finanzmittel aus: Da die Wahlkreiseinteilung noch auf der Struktur des Mittelalters beruhte, existierten viele ländliche Wahlkreise, die sich durch Zahlungen an wenige Wahlberechtigte kaufen ließen. Vergleichsweise moderne politische Wahlkämpfe fanden dagegen in den städtischen Wahlkreisen statt.

Widerstand rief vor allem Walpoles Außenpolitik hervor. Während er durch Verträge den Frieden mit Frankreich und Spanien zu sichern versuchte, formierte sich innerhalb der Whigs eine Kriegspartei, die im Verlauf mehrerer Handelsauseinandersetzungen vor allem mit Spanien in der Karibik immer größer wurde. Walpole scheint den Wandel der Meinung gegen sein außenpolitisches Konzept erkannt zu haben und trat nach einer für ihn ungünstig verlaufenen Unterhauswahl 1742 während der Regierungszeit Georgs II. (1727–1760) zurück.

Das Verhältnis zwischen England und Schottland blieb in dieser Zeit weiter gespannt. 1715 war eine Verschwörung gegen Georg I. zu Gunsten eines Stuart-Königs aufgedeckt worden, an der sich auch englische Parlamentsangehörige beteiligt hatten. Kurz darauf brach in Schottland ein bewaffneter Aufstand aus, den ein zahlenmäßig weit unterlegenes englisches Heer in der Schlacht von Sheriffmuir niederschlug. Im Januar 1716 landete jedoch James Francis Edward Stuart in Schottland und rief sich dort unter dem Namen Jakob VII. zum König aus, floh aber nach wenigen Tagen wieder. In den folgenden Jahrzehnten wurde die schottische Bevölkerung systematisch entwaffnet und Straßen in die unwegsamen Gebiete des Landes gebaut. 1745 landete Charles Edward Stuart, bekannt als Bonnie Prince Charlie, unerkannt in Schottland und behauptete, dass er ein Militärbündnis mit Frankreich geschlossen habe. Dadurch ermutigt, schloss sich ihm eine kleine aufständische Streitmacht an, der Anfangserfolge gegen die Engländer gelangen. Als sich nach Operationen in Nordengland kein allgemeiner Aufstand entwickelte, musste der Prätendent zugeben, dass er in Wirklichkeit keine französische Waffenhilfe zu erwarten hatte. Ein Teil seines Heeres löste sich daraufhin auf. Mit dem Rest wurde er am 16. April 1746 bei Culloden vernichtend geschlagen. Es folgte eine blutige Säuberungswelle in den Highlands, nach der Schottland endgültig unterworfen war. Gleichzeitig begannen aber auch viele schottische Adlige Karriere im englischen Heer zu machen, was die Integration in das Königreich Großbritannien vorantrieb. Auch wirtschaftlich begann sich Schottland an England zu binden, vor allem durch die Produktion von Schlachttieren, die in den wachsenden Städten des Südens begehrt waren, und zunehmend mit dem Abbau von Kohle.

Das Ende der Whig-Dominanz mini|William Pitt (der Ältere), 1. Earl of Chatham

Der für Großbritannien ungünstige Verlauf des Österreichischen Erbfolgekriegs zwang Georg II. ab etwa 1745 wieder Regierungsämter mit Tories zu besetzen, um seiner angeschlagenen Herrschaft eine breite politische Basis zu verschaffen. 1747 zog sich Großbritannien aus dem Erbfolgekrieg zurück, vor allem wegen der starken Belastung für die Staatsfinanzen. Unter Premierminister Henry Pelham schloss sich eine Konsolidierungsphase an, auf die wiederum eine Phase mit schnell wechselnden und kaum handlungsfähigen Regierungen folgte. Eine starke Gestalt hatte die britische Politik erst nach den unruhigen Zeiten des Bürgerkriegs, des Commonwealth und der Glorreichen Revolution, und in Kultur und Wissenschaft schlug sich der Wunsch nach Stabilität nieder. Dies drückte sich im Aufkommen des Klassizismus in verschiedenen künstlerischen Disziplinen sowie im Rationalismus der Wissenschaften aus. Der Klassizismus wurde auch durch die außenpolitischen und militärischen Erfolge bestärkt, nach denen Großbritannien sich als Nachfolger des Römischen Reiches ansehen konnte. In der Wissenschaftstheorie setzte sich vor allem mit John Locke und David Hume, den Hauptvertretern der britischen Aufklärung ein strenger Empirismus durch.

Am deutlichsten schlug sich der Klassizismus in der Architektur nieder. Richard Boyle setzte diesen Stil mit Bezug auf den römischen Architekten Vitruv durch. Stilbildend für ganz Europa wurde Großbritannien durch die Entwicklung des Englischen Gartens. In der Malerei führte vor allem Joshua Reynolds das „Classical Age“ ein. Er bemühte sich neben der alleine vorherrschenden Gattung der Porträtmalerei auch die Historienmalerei einzuführen. In der Gestalt von William Hogarth entwickelte sich außerdem eine frühe Form des Realismus, die bereits sozialkritische Akzente setzte. Die Musik der Epoche war geprägt von Georg Friedrich Händel und dem von ihm gestimmten Übergang von der Oper zum Oratorium. In der Prosaliteratur setzte sich der Roman als dominierende Form durch, während die Poesie allgemein höheres Ansehen genoss und sich zunehmend in Richtung Naturpoesie entwickelte. Als neue dramatische Form gewann das Bürgerliche Trauerspiel an Bedeutung wieder ab 1756 mit William Pitt dem Älteren. Unter ihm, der nur Secretary of the State war, aber wie ein Premierminister agierte, griff Großbritannien in den Siebenjährigen Krieg (1756–1763) ein. Vorangegangen waren wiederholte Zusammenstöße mit französischen Truppen und Schiffen vor allem in den Kolonien auf verschiedenen Kontinenten. Nach nur geringen Erfolgen in den ersten Kriegsjahren erzielten die britischen Truppen 1759 eine Reihe von Siegen. Als Folge des Krieges gewann Großbritannien sämtliche französische Kolonien in Nordamerika sowie Territorien in Afrika und Indien. Auf dem mitteleuropäischen Kriegsschauplatz taten sich die britischen Truppen schwer, vor allem aber erfüllte Friedrich der Große, der von Großbritannien insbesondere finanziell unterstützt wurde, nicht die militärischen Erwartungen. Wegen der hohen Kriegsausgaben wuchs der Unmut gegen Pitt. Allerdings begann sich die britische Politik erst nach dem Tod Georgs II. aktiv für ein Ende des Krieges einzusetzen, weil sein Nachfolger Georg III. zum Verzicht auf das Stammland Hannover bereit war.

Die Church of England erlebte im 18. Jahrhundert sowohl eine Phase von Abspaltungen (Methodismus) und abweichenden Meinungen (Unitarier, Deismus) als auch eine Konsolidierung in ihrem Hauptstrom, der mit einer engen Bindung an den Staat sowie den Adel verbunden war. So entwickelte sich ein neues Pfründen­wesen, in dem kirchliche Ämter von der Krone oder vom Adel vergeben wurden. Die abweichenden Strömungen der Dissenters wurden in der Phase der Dominanz der Whigs zunehmend toleriert und bündelten sich zu einer überschaubaren Anzahl von Unterformen. Der Katholizismus wurde weiter staatlich bekämpft und ging deutlich zurück.

Wirtschaft im frühen 18. Jahrhundert