mini|hochkant=1.2|Yachtmast mit Salings Als Schiffsmast bezeichnet man einen ganz oder annähernd vertikal auf Schiffen aufgestellten Mast aus Holz, Metall oder anderen festen Materialien. Masten dienten ursprünglich nur dem Tragen von Segeln und den für ihre Nutzung nötigen Beschlägen, später auch als Ausguck und als Träger diverser Schiffsteile, wie beispielsweise Funkantennen, Radarreflektoren, Positionslichter usw.
Siehe Hauptartikel Takelage und Riggtrimm
Yachten mini|Segelanordnung der Sluptakelung
Die meisten Sportboote und Yachten sind slupgetakelt und besitzen damit einen einzelnen Mast, an dem zwei dreieckige Segel befestigt sind. Darüber hinaus gibt es auch ketsch-, yawl- und schonergetakelte Yachten, die heute allerdings nur noch selten gebaut werden.
Ausführung und Herstellung Früher waren die Masten aus Holz, ab dem 17. Jahrhundert meist aus Weisstanne. Heute werden sie vorwiegend aus Aluminium hergestellt, bei Regattaschiffen meist aus CFK („Kohlefaser“). Wurden Holzmasten bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts massiv gebaut, setzten sich danach hohle Holzprofile durch. Aluminium- und CFK-Masten sind stets als Hohlprofile gefertigt. Dadurch ergibt sich neben besserer Stabilität die Möglichkeit, Fallen und Kabel geschützt im Inneren des Mastes zu verlegen.
Profilmasten wirken durch ihren besonderen Querschnitt strömungsgünstig und teilweise als zusätzliche „Segelfläche“.
Neuerungen wie Gittermasten oder A-förmige Masten, die ohne Wanten aufgestellt werden, konnten sich weder für Fahrten- noch Regattaschiffe durchsetzen und blieben auf sehr vereinzelte Anwendungen bei Selbstbauern beschränkt.
Befestigung Der Mast steht entweder in der Mastspur auf dem Kiel und wird durch das Deck hindurchgeführt oder er steht direkt an Deck.
Im ersten Fall muss die Öffnung mit einem Mastkragen sauber verschlossen werden, sonst dringt Wasser in die Wohnräume ein. Wenn der Mast an Deck steht, muss er von unten auf den Kiel abgestützt werden, damit die auftretenden Lasten das Deck nicht durchbiegen. Praktisch jedes Segelschiff hat daher eine mehr oder weniger gut sichtbare vertikale Stütze durch die Kabine.
Üblicherweise werden Masten durch das Stehende Gut abgestützt, frei stehende Masten sind nur bei kleinen Jollen wie dem Laser üblich (eine Ausnahme bildet hier die Großyacht Maltese Falcon). Die Wanten ziehen den Mast mit einem mehrfachen von dessen Eigengewicht nach unten und verhindern so, dass er umkippt.
Masttrimm Beim Mast- oder Riggtrimm werden Stellung, Steifheit und Biegung des Mastes kontrolliert und verändert. Dies ist Teil des Segeltrimms und verändert die Segeleigenschaften des Schiffes. Zu den Trimmeinrichtungen am Mast gehören das Stehende Gut, aber auch die Großschot und der Niederholer wirken über den Baum auf den Masttrimm.
Befestigung der Segel Am Mast ist der Baum befestigt, drehbar gelagert durch den Lümmelbeschlag. Zwischen Baum und Mast wird das Großsegel gespannt. Das Großsegel wurde früher mit einer dünnen Leine am Mast befestigt oder mit dem Liektau in der Mast-Nut eingeführt. Heute wird das Segel mit Mastrutschern in einer Profil-Nut oder über kugelgelagerte Mastschlitten befestigt.
Groß- und Arbeitssegler mini|100px|Mastaufbau, 1 = Untermast 2 = Marsstenge 3 = Bramstenge 4 = Wanten 5 = Marssaling und Wanten 6 = Bramsaling und Wanten
Aufbau der Masten mini|links|hochkant|Masttopp mit Saling und eisernem Eselshaupt
Masten bestanden anfänglich lediglich aus einem gerade gewachsenen Baumstamm. Diese Mastform wird Pfahlmast genannt.
Schon im 16. Jahrhundert wurden die Masten im Querschnitt aus mehreren Holzstücken zusammengesetzt und mit Wuhlingtauen und Eisenringen zusammengehalten (gebaute Masten).
Um eine größere Höhe zu erreichen, wird der Untermast mittels Stengen verlängert, so kann vom Kiel aus gemessen eine Gesamtlänge von bis zu 60 Metern erreicht werden.Karl Heinz Marquardt: Bemastung und Takelung von Schiffen des 18. Jahrhunderts. Lizenzausgabe des Hinstorff-Verlags, Rostock. Delius Klasing, Bielefeld 1986, ISBN 3-7688-0526-3, S. 23 ff. Diese Masten werden als angesetzte Masten oder geteilte Masten bezeichnet.
Der untere, bis zum Kiel des Schiffsrumpfes reichende Teil heißt Untermast, darüber folgen eine oder mehrere Stengen. Die erste Stenge ist die Marsstenge, darüber folgt die Bramstenge. Auf stählernen Großseglern bestanden der Untermast und die Marsstenge oft aus einem Stahlrohr, die Bramstenge meist aus Holz. Am Topp trägt der Untermast auf der Saling eine Mars genannte Plattform. Von dieser Saling beginnen die Wanten der Marsstenge. Diese Anordnung wiederholt sich bei der Bramstenge.
Die Kräfte der Besegelung auf die Mastkonstruktion werden durch stehendes und laufendes Gut in die Rumpfkonstruktion eingeleitet, nach vorn und achtern (hinten) durch Stage, seitlich durch Wanten beziehungsweise Pardunen.
Um den Seeleuten das Aufentern (Hinaufsteigen) in die Takelage zu ermöglichen, was insbesondere zur Bedienung von Rahseglern notwendig ist, können in die Wanten, wie Sprossen einer Leiter, Webleinen eingeknotet sein. Der Knoten Webeleinenstek hat daher seinen Namen. Das obere Ende eines Schiffsmastes heißt Masttopp, den oberen Abschluss hingegen nennt man Flaggenknopf.
Traditionell wird beim Bau eines Segelschiffes eine Münze unter den Mast gelegt; dieser Brauch wird auch heute noch gepflegt.Ein Fünfliber als Glücksbringer auf den Weltmeeren. In: NZZ, 7. November 2007 (online). Dominique Wavre hat unter den Mast seiner „Temenos 2“ (Open 60), mit der er und Michèle Paret am Barcelona World Race teilnehmen, eine Münze gelegt.
Bezeichnungen und Reihenfolge
Vorbemerkung Die englische Terminologie der Schiffsmasten unterscheidet sich von dem deutschen System. Dies ist insofern erwähnenswert, als es im angelsächsischen System in bestimmten Bereichen keine Einheitlichkeit gab, sich die Benennung aber auf deutsche Schiffe auswirkte. Weil zum Beispiel nie Sechs- oder gar Siebenmaster für deutsche Reedereien gebaut wurden, gibt es keine ursprünglich deutschen Bezeichnungen für die englischen Begriffe „jigger mast“, „driver mast“ und „pusher mast“.
In der englischen Terminologie der Schiffsmasten erscheint der Kreuzmast als „mizzen mast“ und ist der Mast hinter dem „main mast“ (wörtlich: Hauptmast („Großmast“ im deutschen System)). Nach dem angelsächsischen System folgt hinter dem „mizzen mast“ auf Viermastvollschiffen (als letzter) und Schiffen mit mehr als vier Masten (Barken, Gaffelschonern, Barkentinen) als vierter Mast der „jigger mast“ (Tänzermast).
Bei den deutschen Fünfmastrahseglern (Potosi, Preußen, R.C. Rickmers) kam gegenüber den Viermastschiffen der Mittelmast hinzu. Bei der Reederei F. Laeisz hieß der vierte Mast zu Ehren des Gründers „Laeisz-Mast“.
Bei Sechsmastern (Gaffelschoner, Schonerbarken) heißt der fünfte Mast „driver mast“ (Treibermast). Der letzte Mast bei allen Barken, Schonern und Barkentinen war der „spanker mast“ (Besanmast). Da es im englischen Mastbenennungssystem keine Einheitlichkeit gab, wurde manchmal auch der „spanker mast“ vor den „driver mast“ gesetzt.
Je nach Takelung werden die Masten von vorn nach hinten gesehen wie folgt bezeichnet:
Einmaster Mast/Großmast
Zweimaster Fockmast, Großmast – falls der vordere Mast kleiner ist als der hintere (z. B. Schoner) Großmast, Besanmast – falls der hintere Mast kleiner ist als der vordere (z. B. Ketsch, Yawl)
Dreimastschiffe Fock-, Groß-, Kreuz-/Besanmast
Viermastschiffe Fock-, Groß-, Achter-/Haupt-, Kreuz-/Besanmast In Deutschland gibt es seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert eine Tendenz, den letzten Mast eines Vollschiffes Kreuzmast und den entsprechenden bei einer Bark Besanmast zu nennen. Auch kam es vor, dass der dritte Mast einer Viermastbark als Kreuzmast bezeichnet wurde, obwohl dessen Brassen nach achtern zum Besanmast gefahren wurden (siehe zur Namensherkunft den Artikel Kreuzmast). Vor dieser Zeit waren die Bezeichnungen Besan und Kreuz synonym in Gebrauch.Friedrich L. Middendorf: Bemastung und Takelung der Schiffe. Springer, Berlin 1903, S. 20 (auch mehrere Nachdrucke).
Fünfmastschiffe Für Fünfmastschoner und 5-Mast-Schonerbarken galten folgende Bezeichnungen: Fock-, Groß-, Mittel-, Achter-/Haupt-, Kreuz-/Besanmast Fock-, Groß-, Kreuz-, Tanzer-/Jager-, Besanmast (deutsch nach englischem System) fore, main, mizzen, jigger, spanker mast (englisches System) Für den Sonderfall der sogenannten Vinnen-Schoner mit ihrer speziellen Takelung galt folgende Reihenfolge:
Fock-, Groß-, Mittel-, Kreuz-, Besanmast
Hauptsächlich, d. h. an mindestens vier Masten, rahgetakelte Fünfmaster gab es bisher nur neun, sieben Barken und zwei Vollschiffe. Die Mastfolgen entsprechen nicht immer denen bei Schonern und Schonerbarken. Im Folgenden sind die Mastfolgen bei den neun Schiffen in der jeweiligen Bordsprache tabelliert. Schiffsname 1. Mast 2. Mast 3. Mast 4. Mast 5. Mast Stapellauf Takelage SpracheFrance I mat de misaine grand mât avant grand mât central grand mât arriere mât d’artimon 1890 Bark französischMaria Rickmers Fockmast Großmast Mittelmast Achtermast Besanmast 1891 Bark deutsch Potosi Fockmast Großmast Mittelmast Laeisz-Mast Besanmast 1895 Bark deutsch Preußen Fockmast Großmast Mittelmast Laeisz-Mast Besanmast 1902 Vollschiff deutsch R. C. Rickmers Fockmast Großmast Mittelmast Achtermast Besanmast 1906 Bark deutsch France II mat de misaine grand mât avant grand mât central grand mât arriere mât d’artimon 1911 Bark französisch København fokkemast stormast mitlermast krydsmast mesanmast 1921 Bark dänisch Royal Clipper Fockmast fore-mast
mat de misaine Großmast main-mast
grand mât avant Mittelmast middle-mast
grand mât central Achtermast mizzen-mast
grand mât arriere Besanmast jigger-mast
mât d’artimon 2000 Vollschiff deutsch englisch
französisch Golden Horizon fore-mast main-mast mizzen-mast jigger-mast spanker-mast 2019 Bark englisch
Sechsmastschiffe Es gab eine Reihe sechsmastiger Schonerbarken, die in den USA gebaut wurden. Die Mastenfolge ist: Fock-, Groß-, Kreuz-, Tanzer- (Jager-), Treiber-, Besanmast (deutsch nach englischem System) fore, main, mizzen, jigger, driver, spanker mast (englisches System).
Siebenmastschiff Unter den Großseglern gab es nur ein Siebenmastschiff, den Schoner Thomas W. Lawson. Für die Masten gab es mehr als zehn verschiedene Benennungssysteme (Siehe Hauptartikel Thomas W. Lawson). Hier ist lediglich das deutsche aufgeführt.
Fock-, Groß-, Haupt-, Mittel-, Achter-, Kreuz-, Besanmast.
Maschinengetriebene Schiffe Auf maschinengetriebenen Schiffen dienen Masten als Träger von beispielsweise Signalflaggen, -körpern oder -lichtern Flaggen des eigenen Landes, ggf. des Gastlandes und der Reederei Antennen für Radar, GPS, Telekommunikation, Funkpeiler und weitere Anwendungen Anlagen zur Ortung, Aufklärung, Feuerleit-Technik und Kommunikation auf Marineschiffen Windmessern akustischen Signalgebern wie dem Nebelhorn oder der Glocke und Ausgucksplattformen
Darüber hinaus gibt es auch motorgetriebene Schiffe (meist kleine Fischerboote), die ein kleines Stützsegel am Mast fahren, das allerdings nicht dem Vortrieb dient, sondern lediglich der Dämpfung von Rollbewegungen im Seegang.
Treidelmast mini|Treidelpferde ziehen das Seil, das am etwa 10 m hohen, abgespannten Treidelmast im Vorschiff befestigt ist – um 1880/1890
Der Treidelmast der Binnenschiffe diente der Befestigung der Zugseile, die vom Ufer aus durch Menschen oder Zugtiere gezogen wurden (Treideln). Seine Höhe ergibt sich aus der Notwendigkeit, dass das unter der Zugkraft gespannte, doch unter seinem Eigengewicht durchhängende Zugseil weder andere Wasserfahrzeuge, die Wasseroberfläche oder das Ufer samt möglicher Festmacher berührt.
Geschichte mini|Römische Triere mit stark geneigtem Fockmast