mini|Mühlenensemble Mitling-Mark
Die Gemeinde Westoverledingen liegt im Landkreis Leer in Ostfriesland, im Nordwesten des bundesdeutschen Landes Niedersachsen. Sie bildet den westlichen Teil der mittelalterlichen friesischen Landesgemeinde Overledingerland und wird im Westen und Norden von Flüssen begrenzt: Im Westen von der Ems mit einer Uferlänge von knapp 18 Kilometern sowie im Norden von der Leda. Die Gemeinde ist zwischen der Kreisstadt Leer und der Stadt Papenburg im benachbarten Landkreis Emsland eingebettet.
Mit Einwohnern ist Westoverledingen die sechstgrößte Kommune Ostfrieslands. Die Einwohner verteilen sich auf ungefähr 112 Quadratkilometer, damit ist die Gemeinde im Bundesvergleich dünn besiedelt, liegt jedoch über den ostfriesischen und niedersächsischen Vergleichswerten. Die Kommune, die im Zuge der niedersächsischen Gebietsreform am 1. Januar 1973 aus zwölf zuvor selbstständigen Gemeinden gebildet wurde, erfuhr seitdem eine stetige Zunahme der Einwohnerzahl um fast 5000.
Wirtschaftlich ist die Gemeinde von mittelständischen Betrieben geprägt, unter denen kaum Industriebetriebe zu finden sind. Die Landwirtschaft, insbesondere die Milchwirtschaft, spielt schon aufgrund des großen Flächenanteils eine wichtige Rolle. In geringem Umfang ist auch der Tourismus von Bedeutung, bleibt allerdings weit hinter den Übernachtungszahlen der Orte an der ostfriesischen Küste oder auf den ostfriesischen Inseln zurück. Westoverledingen ist in hohem Maße eine Auspendler-Gemeinde; die Arbeitsplätze der Einwohner liegen vor allem in den Nachbarstädten Leer und Papenburg.
Zum kulturellen Erbe gehören eine gotische und fünf romanische Kirchen. Die ältesten sind die Esklumer Kirche und die Reformierte Kirche in Ihrhove aus der Mitte des 13. Jahrhunderts. Daneben gibt es zwei historische Mühlen und eine Vielzahl historischer Häuser, vor allem Gulfhöfe.
Geographie Lage und Ausdehnung mini|Mündung der Leda (rechts) in die Ems, Westoverledingen unten rechts Westoverledingen liegt im Süden des Landkreises Leer in Ostfriesland und im äußersten Nordwesten des deutschen Bundeslandes Niedersachsen. Der Großteil des Gemeindegebietes befindet sich rechts der Ems, bei Coldam (Stadt Leer) liegen kleinere unbewohnte Flächen am anderen Ufer. Die Gemeinde grenzt an die Kreisstadt Leer und südlich an die Stadt Papenburg im Landkreis Emsland. Das Zentrum der Kreisstadt liegt ungefähr 7,5 Kilometer nördlich des Ortskerns des Hauptortes Ihrhove, das Papenburger Stadtzentrum rund 10,5 Kilometer südsüdwestlich. Ihrhove befindet sich auf halber Strecke zwischen den Großstädten Oldenburg und Groningen. Die nächstgelegene deutsche Großstadt Oldenburg liegt etwa 51 Kilometer in östlicher Richtung, das niederländische Groningen ist im Westen zirka 59 Kilometer entfernt. Zwischen der nördlichen Gemeindegrenze bei Esklum und der Grenze zu Papenburg bei Völlenerkönigsfehn im Süden liegen knapp 14 Kilometer, in Ost-West-Richtung beträgt die Ausdehnung zwischen der Grenze zum Rhauderfehntjer Ortsteil Rajen und der Ems beim Westoverledinger Dorf Mitling-Mark etwa 9,5 Kilometer. Die Nordgrenze Westoverledingens zur Kreisstadt Leer wird abschnittsweise vom Flusslauf der Leda gebildet. An der Nordwestspitze der Gemeinde, gegenüber dem Leeraner Stadtteil Leerort, mündet die Leda in die Ems.
Geologie, Böden und Relief Das Gemeindegebiet liegt im Übergangsbereich von Marsch, Geest und Moor und hat Anteil an diesen drei typischen Landschaftsformen des ostfriesischen Festlands. Die Oberflächen bilden Sedimente des Pleistozäns und des Holozäns. In den Geestgegenden im zentralen Teil des Gemeindegebiets liegt zum Teil auf den pleistozänen Ablagerungen Moorboden, ebenso wie die Marsch holozänen Ursprungs. Die Sedimente der ostfriesischen Geest bestehen aus während des Drenthe-Stadiums der Saale-Kaltzeit entstandenen Decksanden und Geschiebelehm.Eberhard Rack: Kleine Landeskunde Ostfriesland, Isensee Verlag, Oldenburg 1998, ISBN 3-89598-534-1, S. 24. Jüngeren Datums sind die Flugsandflächen aus feinsandigem Material, das während der Weichsel-Kaltzeit in der breiten, weitgehend vegetationsfreien Talsandebene der Ems entstand und an die westlich gelegene Geest verblasen wurde.
Die Landschaftsformen Marsch, Geest und Moor in der Reihenfolge von West nach Ost verlaufen grob in Nord-Süd-Richtung. Im Westen ragt die Gemeinde in das Emstal hinein. Die Emsmarschen entlang der Ems von Papenburg bis Emden verzweigen sich bei Leer nach Osten in die Leda-Jümme-Niederung. Das dem Emsdeich streckenweise vorgelagerte Deichvorland wird extensiv bewirtschaftet oder vollständig der Natur überlassen. Daran schließen sich das Sietland und ein eiszeitlicher Grundmoränerücken an, der in Nord-Süd-Richtung die hohe, trockene Landbrücke der Geest zwischen weiten Moorgebieten im Osten und der Emsniederung im Westen bildet. Die Flusstäler der Leda und Jümme trennen den Geestrücken des Overledingerlandes vom Hauptkörper der Geest in Ostfriesland, dem Oldenburgisch-Ostfriesischen Geestrücken. mini|Profil eines Plaggeneschs: 40–50 cm Auflage über fossilem Podsol Die Böden der Gemeinde haben die gleiche Vielfalt wie der geologische Aufbau.Grundlage der folgenden Absätze über die Böden ist das Werk von Günter Roeschmann: Die Böden Ostfrieslands, in: Sindowski et al.: Geologie, Böden und Besiedlung Ostfrieslands. 1969, S. 51–106 inkl. kartografischer Beilage. Im nordöstlichsten Teil des Gemeindegebiets befindet sich direkt hinter dem Emsdeich Übergangs-Brackmarsch aus Feinsand und Schlick, die weiter östlich und südlich von der schwereren Knickmarsch abgelöst wird. Die Brackmarsch weist eine hohe Dichte auf. In früheren Jahrhunderten drangen bei Überflutungen die feinsten Schwebstoffe am weitesten landeinwärts vor und lagerten sich ab, die Körnigkeit des Bodens ist dort deshalb sehr fein. Die Knickmarsch ist aus diesem Grund schwerer zu bearbeiten als die Brackmarsch. Südlich von Mitling-Mark schließen sich in Emsnähe Flussmarschen an.
Auf dem Geestrücken im Zentrum der Gemeinde sind hauptsächlich Gley- und Podsol-Böden zu finden, die nur geringe landwirtschaftliche Erträge erlaubten. Durch jahrhundertelange Plaggendüngung bis zur Einführung des Kunstdüngers am Ende des 19. Jahrhunderts gibt es besonders in der Umgebung der alten Geestdörfer anthropogenen Plaggenesch. Durch den ständigen Neubodenauftrag liegt der Esch, in Ostfriesland (die) Gaste genannt, höher als die Dorfkerne. Diese Form der Düngung steigerte die Bodenwertzahl deutlich, wenn sie auch noch deutlich hinter den fruchtbaren Marschen zurückblieb.
Der Großteil des östlichen Gemeindegebietes besteht aus stark humosem Untergrund auf rekultivierten Abtorfungsflächen, örtlich auch Anmoor. Der äußerste Südosten hat noch Anteile an den Hochmoorflächen, die sich weit ins südlich gelegene Emsland erstrecken.
Insgesamt ist das Gemeindegebiet sehr flach und erreicht nur an wenigen Stellen, etwa im Ortskern von Ihrhove oder im Hochmoor im äußersten Südosten, Höhen über . Die Moränenwälle des Geestrückens sind drei bis vier Meter hoch und damit höher als die überschlickten Randmoore des Hammrichs etwa auf Meeresspiegelniveau. Bei Lütjegaste ragen Flug- oder Flusssandfelder bis zu aus der Marsch hervor. Die kleinen Dörfer nahe der Ems liegen ausnahmslos auf Warften. Die Warft von Driever beispielsweise ragt bis aus der flachen Flussmarsch heraus.Hermann Adams (Ortschronisten der Ostfriesischen Landschaft): Driever. (PDF; 509 kB) S. 1; abgerufen am 10. März 2012.
Gewässer mini|Ems in Höhe des Hafens von Weener, am gegenüberliegenden (rechten) Ufer das Deichvorland von Westoverledingen Die Hauptgewässer der Gemeinde sind die Flüsse Ems und Leda. Beide sind auf dem gesamten Abschnitt Bundeswasserstraßen. Die Ems ist an der gesamten Westgrenze des Gemeindegebiets, die Leda auf den unteren 1,9 Kilometern Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes; abgerufen am 21. März 2012. Seeschifffahrtsstraße. Im gesamten Bereich der Gemeinde ist bei beiden Flüssen der Einfluss der Tide deutlich messbar. Der Emsabschnitt von Leer bis Papenburg mit einer Wassertiefe auf Seekartennull zwischen 3,5 Metern (bei Leer) und 3,1 Metern (bei Papenburg) und die Leda bis Leer können tideabhängig von Seeschiffen bis etwa sechs Meter Tiefgang befahren werden. Die Fahrwasserbreite im Bereich von Leer und Papenburg liegt zwischen etwa 75 Metern bei Leer und 50 Metern bei Papenburg.Nordsee-Handbuch - Südöstlicher Teil, Lister Tief bis Ems, Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH), Hamburg und Rostock, 2011, ISBN 978-3-86987-222-3 Der Emsabschnitt zwischen der Schleuseneinfahrt des Papenburger Hafens und der Ledaeinmündung in die Ems bildet im Wesentlichen die westliche Gemeindegrenze. Das Gebiet wird vom 18 Kilometer langen Emsdeich geschützt. Auch die nördliche Gemeindegrenze folgt dem Verlauf der Leda von der Mündung bis zur Leeraner Eisenbahnbrücke. In Westoverledingen befinden sich auch zahlreiche Entwässerungsgräben, wenige Kanäle und eine Reihe kleinerer stehender Gewässer. Die Flussmarschen von Ems und Leda sind von einem engmaschigen Gewässernetz zur Entwässerung durchzogen.
Westoverledingen verfügt über drei nennenswerte Binnenseen. Der größte von ihnen ist der rund sieben Hektar große Naturbadesee Grotegaste. Dieser bildet mit dem Freizeitpark Am Emsdeich ein Naherholungsziel der Gemeinde.Beschreibung des Freizeitpark „Am Emsdeich“. Gemeindeseite Westoverledingen; abgerufen am 21. März 2012. Kleinere Freizeitseen sind der Erholungssee Steenfelde (Krummspät) mit etwa 2,5 Hektar im Westteil des 13 Hektar großen Naherholungsgebietes Steenfelde und der ein Hektar große Erholungssee Völlen (Süderhörner Gaste) westlich des Völlener Ortskerns.Beschreibung. Gemeindeseite Westoverledingen; abgerufen am 21. März 2012.
Flächennutzung
+ Fläche in ha nach Nutzungsart in %Stand: 1. Januar 2011Quelle: Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen abgerufen am 7. Februar 2012. Nutzung Fläche % Gebäude- und Freiflächen 1251 11,162 davon Wohnflächen 926 8,262 davon Gewerbe- und Industrieflächen 56 0,499 Betriebsflächen 56 0,499 davon Abbauflächen (besonders Sand) 10 0,089 Erholungsflächen 72 0,642 davon Grünanlagen 34 0,303 Verkehrsflächen 553 4,934 davon Straßen, Wege, Plätze 503 4,488 Landwirtschaftsflächen 8252 73,632 davon Moore 6 0,053 Wasserflächen 538 4,800 Waldflächen 273 2,436 Flächen anderer Nutzung 212 1,891 davon Friedhöfe 8 0,071 davon Unland 44 0,392 Gesamtfläche 11.207
Die Flächennutzungstabelle verdeutlicht den hohen Anteil von Landwirtschaftsflächen im Gemeindegebiet. Mit 73,6 Prozent liegt er nur sehr knapp unter dem ostfriesischen Durchschnitt von rund 75 Prozent,Eberhard Rack: Kleine Landeskunde Ostfriesland. Isensee Verlag, Oldenburg 1998, ISBN 3-89598-534-1, S. 115 jedoch deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 52,3 Prozent. Westoverledingen hat einen Wasserflächenanteil von 4,8 Prozent; das Doppelte der Bundesdurchschnitts von 2,4 Prozent.Flächennutzung. destatis.de; abgerufen am 14. Februar 2012. Extrem unterdurchschnittlich ausgeprägt ist hingegen der Waldanteil. Mit 2,4 Prozent liegt er leicht unter dem ostfriesischen Mittelwert von 2,6 Prozent. Beide Werte sind im deutschlandweiten Vergleich sehr niedrig: Der Waldanteil an der Gesamtfläche der Bundesrepublik liegt bei 30,1 Prozent. Im Gemeindegebiet gibt es nur wenige kleinere aufgeforstete Flächen.
Nachbargemeinden