Das Dorf Affoldern ist ein Ortsteil der Gemeinde Edertal im nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg und liegt im Naturpark Kellerwald-Edersee im Tal der Eder unterhalb des Edersees.

Geographie Affoldern liegt etwa 4 Kilometer südlich der Stadt Waldeck und 6 Kilometer nördlich von Bad Wildungen, auf einer Höhe von 196 Meter über NN. Die höchste Erhebung in der Gemarkung ist mit 439 Metern der südlich gelegene Rabenstein; er bildet die Südflanke der Rabensteinpforte, in der die Eder aus dem Edersee-Trog in die Wegaer Ederaue (Naturraum 341.51) durchbricht. Nur etwa 2,5 Kilometer nördlich der Ortschaft steht die Staumauer des Edersees. Affoldern liegt direkt am unteren Ausgleichsbecken, dem sogenannten Affolderner See, der Teil des Nationalparks Kellerwald-Edersee ist.

Geschichte mini|Evangelische Kirche

Ortsgeschichte Der Name Affoldern kommt aus dem Althochdeutschen und leitet sich von den zur Gründungszeit der Siedlung dort vorhandenen Apfelbäumen (ahd. affoltra) her.Braune/Mitzka: Althochdeutsche Grammatik § 32 Abs. 4, 12. Aufl., Max Niemeyer Verlag, Tübingen 1967 Unter dem Namen affeltra wird Affoldern um 850 n. Chr. erstmals, soweit bekannt, urkundlich erwähnt, als ein gewisser Gozmar seine Güter und Hörigen in Affoldern und in den sechs Dörfern Gleichen (gilihha), Buhlen (buohloha), Viermünden (fiormenni), Schreufa (scroufi), Haine (hagini) und Mehlen (mehilina) dem Kloster Fulda als Schenkung überließ. Im Rahmen eines Tauschgeschäfts gelangte der Besitz des Klosters Fulda in Affoldern dann um 900 an Graf Konrad den Älteren († 906).

Der Turm der evangelischen Dorfkirche, ein Wehrturm, stammt aus dem 13. Jahrhundert. Nach Kriegszerstörung erfolgte ein Neubau des Kirchenschiffs in den Jahren 1950/51; zwei Altarflügel vom Ende des 15. Jahrhunderts befinden sich heute im Museum in Bad Wildungen. Bis zum Jahre 1848 gab es in Affoldern eine Goldwäscherei an der Eder. mini|Edertalsperre 1943 In der Nacht zum 17. Mai 1943 zerbrach die Staumauer der Edertalsperre nach einem britischen Angriff mit Rollbomben, und die Wassermassen des Edersees ergossen sich durch das enge Tal der Eder. Weit über die Hälfte aller Häuser von Affoldern wurde dabei zerstört. 14 Männer, Frauen und Kinder fanden den Tod. Noch Tage später stand das Wasser meterhoch in den Straßen. Zum 50. Jahrestag im Jahr 1993 wurde dieser Katastrophe durch eine eindrucksvolle Ausstellung gedacht. Um 1.45 Uhr läutete die Marienglocke aus dem Jahr 1411 zum Gedenken des Unglückes. Am Dorfgemeinschaftshaus erinnert das Mahnmal des Schweizer Bildhauers Arnold d'Altri an die in den Fluten umgekommenen Opfer.

mini|Affolderner See

Das 1973 erweiterte Ausgleichsbecken, der Affolderner See mit seiner artenreichen Flora und Fauna, ist ein beliebtes Ausflugsziel für Angler und bietet Angelmöglichkeiten auf Bach- und Regenbogenforellen. Die größte gefangene Regenbogenforelle im Jahr 2000 wog 11 Pfund und war 70 cm lang. Das Vogelschutzgebiet im südlichen Teil des Affolderner Sees beherbergt zahlreiche Sing- und Wasservögel.

Im Jahr 2000 feierte das Dorf sein 1150-jähriges Jubiläum.

Hessische Gebietsreform (1970–1977) Die bis dahin selbständige Gemeinde Affoldern fusionierte zum 31. Dezember 1971 im Zuge der Gebietsreform in Hessen mit anderen Gemeinden des Edertales freiwillig zur Großgemeinde Edertal. Für Affoldern, wie für alle ehemaligen Gemeinden von Edertal, wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Affoldern angehört(e):

vor 1712: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Waldeck, Amt Waldeck ab 1712: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Waldeck, Amt Waldeck ab 1807: Fürstentum Waldeck, Amt Waldeck ab 1815: Fürstentum Waldeck, Oberamt der Eder ab 1816: Fürstentum Waldeck, Oberjustizamt der Werbe ab 1850: Fürstentum Waldeck-Pyrmont (seit 1849), Kreis der EderTrennung zwischen Justiz (Kreisgericht Wildungen) und Verwaltung. ab 1867: Fürstentum Waldeck-Pyrmont (Akzessionsvertrag mit Preußen), Kreis der Eder ab 1871: Deutsches Reich, Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Kreis der Eder ab 1919: Deutsches Reich, Freistaat Waldeck-Pyrmont, Kreis der Eder ab 1929: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis der Eder ab 1942: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Kurhessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck, Gemeinde Edertal ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck-Frankenberg, Gemeinde Edertal

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Affoldern 525 Einwohner. Darunter waren 9 (1,7 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 84 Einwohner unter 18 Jahren, 225 zwischen 18 und 49, 105 zwischen 50 und 64 und 111 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 225 Haushalten. Davon waren 60 Singlehaushalte, 69 Paare ohne Kinder und 69 Paare mit Kindern, sowie 24 Alleinerziehende und 6 Wohngemeinschaften. In 51 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 141 Haushaltungen leben keine Senioren.

Einwohnerentwicklung  Quelle: Historisches Ortslexikon 1541: 17 Häuser 1620: 22 Häuser 1650: 13 Häuser 1738: 24 Häuser 1770: 29 Häuser, 194 Einwohner

Historische Religionszugehörigkeit • 1895: 235 evangelische (= 97,11 %), sieben jüdische (= 2,89 %) Einwohner • 1961: 406 evangelische (= 86,57 %), 59 katholische (= 12,58 %) Einwohner

Kultur mini|Fachwerkhaus (Baujahr 1845)

Im Gedicht Affoldersches Elysium beschreibt Johann Christoph Werner Egeln (von 1819 bis 1840 Pfarrer in Affoldern) seine Impressionen des Lebens in und um Affoldern.

Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaftsstruktur Das Forstamt Edertal hat seinen Sitz in Affoldern. Noch heute spielt die Landwirtschaft eine wenn auch immer geringere Rolle. Nicht zuletzt wegen der Nähe zum Edersee und dem bis an den Rand des Dorfes reichenden Nationalpark Kellerwald-Edersee gewinnt der Tourismus an Bedeutung.Das tolle Haus am Edersee Im Ort gibt es zahlreiche Übernachtungsmöglichkeiten in Hotels und Gasthöfen; in unmittelbarer Nähe befinden sich auch zwei Campingplätze unterhalb des Stauwehres. Für sportliche Aktivitäten stehen Tennis- und Sportplatz zur Verfügung sowie der Ederauenweg, auf dem sich Wanderer, Radwanderer und Inlineskater bewegen.

Verkehr Östlich verläuft die Bundesstraße 485. Die nächsten Autobahnauffahrten befinden sich in Fritzlar an der Bundesautobahn 49 sowie gut 20 Kilometer Luftlinie nordöstlich in Zierenberg an der Bundesautobahn 44.

Der in der Nähe verlaufende Abschnitt von Wega nach Korbach der ehemaligen Bahnstrecke Wega–Brilon Wald wurde in den 1980er Jahren stillgelegt, so dass Affoldern heute im öffentlichen Personenverkehr nur noch mit dem Bus zu erreichen ist.

Literatur Otto Mette: Affoldern. Arolsen: Waldeckischer Geschichtsverein 1988 (= Waldeckische Ortssippenbücher 34); Bearbeiteter Zeitraum 1560–1985, 1076 Familien

Weblinks

Affoldern In: Webauftritt der Gemeinde Edertal.

Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Waldeck-Frankenberg Kategorie:Geographie (Edertal) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Waldeck-Frankenberg) Kategorie:Ersterwähnung 850 Kategorie:Gemeindeauflösung 1971