mini|Chuquicamata, der größte Kupfertagebau der Welt mini|Kupfer, das wichtigste Exportgut Gemessen am Pro-Kopf-Einkommen in US-Dollar ist Chile das reichste Land Lateinamerikas. Beim Pro-Kopf-Einkommen in Kaufkraftparitäten liegt Chile auf Platz zwei in Lateinamerika mit rund 24.500 US-Dollar pro Kopf; es beträgt also ungefähr ein Drittel des deutschen. Die Wirtschaftsordnung ist marktwirtschaftlich orientiert: Die meisten Bereiche sind liberalisiert und privatisiert, die Staatsquote beträgt mit 22 % weniger als die Hälfte der Staatsquote Deutschlands und auch deutlich weniger als die der USA.

Chile ist das exportstärkste Land Südamerikas. Die Exporte machen etwa ein Drittel des BIP aus, was etwa der deutschen Exportquote entspricht. Exportiert werden vor allem Rohstoffe, in erster Linie Kupfer und landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Wein, Holz und Fischereiprodukte. Das Land verfügt über die größten bekannten Kupfervorkommen der Welt (ca. 40 %) und ist der weltgrößte Kupferexporteur. Die Kupfererlöse trugen 2008 zu 25 % der Staatseinnahmen, 17,5 % des BIP und 59 % der Exporte bei.auswaertiges-amt.de Nach Norwegen ist Chile heute der zweitgrößte Lachsproduzent der Welt.3sat.de

Chile ist Mitglied der APEC (Asia Pacific Economic Cooperation), assoziiertes Mitglied des Mercosur und seit Mai 2010 Mitglied der OECD.

Makroökonomische Daten Als im Zuge der Asienkrise und der Brasilienkrise 1998 die Rohstoffpreise einbrachen, geriet auch Chile in eine Rezession. Nachdem sich der Kupferpreis von 1999 bis Ende 2005 um 275 % erhöht hat (von 0,74 US-Dollar auf 2,02 US-Dollar je englischem Pfund Feinkupfer), wächst die Wirtschaft Chiles auch wieder kräftiger. Das reale BIP-Wachstum belief sich 2006 auf 4,2 %, 2007: 5,1 %. Im Zuge der internationalen Finanzkrise ab 2007 sank das reale BIP-Wachstum 2008 auf 3,5 %. Die Inflationsrate lag 2008 bei 7,1 % und die Arbeitslosenquote betrug Ende 2008 7,5 %. Die öffentliche Gesamtverschuldung beträgt 4 % des BIP.

+Ein Vergleich von vier wichtigen makroökonomischen Kennzahlen Südamerikanischer Länder. Stand: 2017. Land BIP ($) je Einwohner Kaufkraftparität Wirtschaftswachstum (%) Staatsverschuldung % des BIP Exporte in Mrd. $ Argentinien 20.876 2,86 54 72,6 Bolivien 7.547 4,20 51 9,1 Brasilien 15.602 0,98 84 251,7 Chile 24.537 1,49 24 79,3 Ecuador 11.482 3,00 45 21,9 Kolumbien 14.485 1,77 49 47,8 Paraguay 9.826 0,77 26 12,8 Peru 13.334 2,53 26 51,9 Uruguay 22.371 2,66 66 16,2 Venezuela 12.114 −12,00 60 … Zum Vergleich: Mexiko 19.903 2,04 54 437,0 Zum Vergleich: Deutschland 50.425 2,22 64 1.742,9

Sektoren Die Landwirtschaft erwirtschaftet 4 % des BIP, die Industrie 31 % und der Dienstleistungsbereich 67 %.

Landwirtschaft mini|links|Nicht einmal zur Schafzucht nutzbar: Patagonien Nur etwa 7 % der Landfläche wird für die Landwirtschaft genutzt, davon nur 3 % für Ackerbau und der Rest für meist extensive Weidewirtschaft und forstwirtschaftlich genutzte Plantagen. Intensive Landwirtschaft wird vor allem im Zentraltal betrieben. Im Norden Chiles beschränkt sich die Landwirtschaft im wüstenhaften Gebiet oft nur auf Oasen. Die Viehzucht ist hauptsächlich in Zentralchile und im nördlichen Teil von Südchile angesiedelt. Von der für Ackerbau genutzten Fläche entfallen etwa zwei Drittel auf die Grundnahrungsmittel Weizen, Mais und Kartoffeln.

Das Land war Anfang des 20. Jahrhunderts noch Agrarexporteur, aber ab den 1960er Jahren mussten wegen der Vernachlässigung der Landwirtschaft im Entwicklungsmodell der Importsubstituierenden Industrialisierung (ISI) Nahrungsmittel im großen Maßstab importiert werden.

Unter Frei und Allende wurden umfangreiche Agrarreformen durchgeführt, bei denen 40 % der bewirtschafteten Fläche umverteilt wurden und die Vorbesitzer entschädigt wurden. Dabei wurden alle Großgrundbesitzer ab 80 „Einheitshektar“ (zur Berücksichtigung der Bodenqualität wurde alles Land auf diese Äquivalenzeinheit umgerechnet) enteignet. Während Frei außerdem noch die Agrarmodernisierung vorantrieb, indem er effizienten Großbetrieben finanzielle Unterstützung gewährte, verschärfte Allende die Enteignung und versuchte, sämtlichen Großgrundbesitz im Land umzuverteilen. Die Haciendas wurden zum großen Teil in Genossenschaften (asentamientos) umgewandelt und von der Agrarbehörde CORA unterstützt. Von der CORA gezahlte monatliche Unterstützungen (anticipio), niedrige staatlich festgesetzte Preise und gleichzeitig ein blühender Schwarzmarkt setzten falsche Anreize, so dass die meisten asentamientos sehr unwirtschaftlich arbeiteten.

Pinochet gab zwar 29 % des enteigneten Landes zurück und beendete den Anbau in Genossenschaften, doch wurde der größte Teil der verteilten Flächen nicht zurückgegeben. Ein Teil des Genossenschaftslandes wurde den asentados als kleine Parzellen (parcelas) von 5 bis 20 ha verkauft, die diese oft weiterverkauften. Deshalb gibt es in Chile bis heute einen großen Sektor an mittleren Betrieben (20–100 ha). Unter der Diktatur und von den Concertación-Regierungen weiter verfolgt, wurde die Landwirtschaft modernisiert und trägt heute ganz wesentlich zum Export und Arbeitsangebot (20 % der Beschäftigte) bei. Wegen der Freigabe der Preise und der Öffnung zum Weltmarkt sank unter Pinochet die Produktion von Grundnahrungsmitteln immer weiter, bis sie in der Krise 1982/83 ihren Tiefpunkt im gesamten 20. Jahrhundert erreichte, um seitdem stark anzusteigen.

Seit den 1970er Jahren befindet sich der Agrarsektor in einer radikalen Strukturveränderung in drei Dimensionen: Technologie und Kapitaleinsatz sorgen dafür, dass trotz Rückgang der bebauten Fläche der Ertrag stetig wächst. Die Weltmarktorientierung sorgte für einen Exportboom: Unter der Diktatur verzwanzigfachte sich der Agrarexport und verachtfachte sich seitdem noch einmal. Statt Grundnahrungsmitteln werden vor allem im Zentraltal immer mehr Obst, Wein und Gemüse angebaut, und im Süden wird immer mehr Forstwirtschaft betrieben.

Basis der Forstwirtschaft in Chile sind riesige gepflanzte Wälder aus Kiefern (Pinus radiata, Monterey-Kiefer) und Eukalyptus. In den Jahren von 1970 bis Ende 1989 wurden 80.000 ha Wald jährlich neu angepflanzt (entspricht fast der Fläche Berlins).

Chile steht an 14. Stelle der Fischfang-Nationen der Welt und ist hinter Norwegen und vor Kanada einer der größten Produzenten von Zuchtlachs.

Chile exportiert vor allem Holzprodukte (Holz, Papier, Zellulose), Fischereiprodukte (Fischmehl, Lachs), Früchte (Äpfel, Weintrauben) und Wein und kann sich mit den wichtigsten Lebensmitteln selbst versorgen.

Bergbau mini|Chuquicamata Chile ist mit 27 % der globalen Produktion vor Indonesien und den USA der größte Kupferproduzent und der größte Kupferexporteur der Welt. Mit 40 % der weltweiten Reserven besitzt das Land auch mit Abstand die größten Vorkommen des Metalls. In Chile liegen die größten Kupferbergwerke der Welt, Chuquicamata (über Tage) und El Teniente (unter Tage). Die Produktion des staatlichen Konzerns CODELCO macht ein knappes Drittel der chilenischen Gesamtproduktion aus.

Bis in die 1950er Jahre besaßen vor allem US-amerikanische Firmen die Kupferbergwerke. Die wichtigsten waren Anaconda und Kennecott. Obwohl die chilenischen Aktivitäten beispielsweise nur 16 % des Kapital von Anaconda beanspruchte, wurden hier 80 % des Auslandsgewinnes erwirtschaftet. Es wurde jedoch kaum investiert. Daher sank der Weltmarktanteil Chiles am Kupferhandel von 19 % in den 1940er Jahren auf 13 % 1966. Eduardo Frei Montalva handelte mit den Firmen 1965 eine 51%ige Beteiligung des Staates („Chilenisierung“) und die Option auf eine komplette Übernahme aus. Da nun alle Investitionen von der Regierung getragen wurden, aber ein Großteil der Gewinne weiterhin den Konzernen zugutekam, forderten auch die Christdemokraten schon 1969 eine komplette Verstaatlichung. Im Juni 1971 beschloss das Parlament unter Allendes UP-Regierung einstimmig die Verstaatlichung. Die Firmen sollten entschädigt werden, allerdings unter Abzug der übermäßigen (d. h. über dem US-amerikanischen Renditeniveau liegenden) Gewinne der letzten 25 Jahre. So errechnete der Oberste Rechnungshof Schulden der Konzerne von 400 Millionen US-Dollar an den chilenischen Staat.

Trotz Schwierigkeiten nach der Nationalisierung (Ersatzteilemangel, Kaufboykott der USA, fehlende Investitionen der letzten Jahre, 25 % Preisrückgang auf dem Weltmarkt bis 1972) behielt die Militärdiktatur die Verstaatlichung der CODELCO-Bergwerke bei, ermöglichte aber die private Ausbeutung neuer Standorte. Seit 1958 erhält das chilenische Militär direkt (also ohne Einflussmöglichkeit des Parlaments) 10 % der Gewinne aus dem Kupferexport.

Neben Kupfer wird in Chile in wesentlich kleinerem Maßstab auch Eisenerz gefördert. Momentan wird mit dem Pascua-Lama-Projekt eines der größten Goldbergwerke der Welt geplant, für das ganze Gletscher verlegt werden sollen.

Industrie Nach Anfängen im 19. Jahrhundert begann in Chile im Zuge der Importsubstituierenden Industrialisierung (ISI) in den 1930er Jahren der Aufstieg eines dynamischen Sekundärsektors, der mit einem Anteil von fast 30 % am BIP in den 1960er Jahren den Höhepunkt seiner Bedeutung erreichte. 1939 wurde als Planungsbehörde die Corporación de Fomento de la Producción (CORFO) gegründet. Bis 1970 stieg der Anteil des Staates an allen Investitionen auf 70 %. Bis in die 1950er Jahre wurde eine weitgehende Deckung der inländischen Nachfrage nach kurzlebigen Konsumgütern erreicht (Lebensmittel, Schuhe, Textilien, Holzprodukte). Aufgrund des kleinen Marktes (neun Millionen Einwohner) stieß die ISI schon bald an ihre Grenzen.

Allende begann 1970 die Industrie schrittweise nach sozialistischem umzugestalten. Gegen massive Widerstände der politischen Opposition und der Unternehmerschaft und unter Inkaufnahme einer radikalen Polarisierung der Politik begann er mit Verstaatlichungen von Konsumgüterindustrien. Banken wurden verstaatlicht, indem die Regierung ihre Aktien aufkaufte.

Die Diktatur Pinochets begann mit einer strikten Austeritätspolitik, die zwar die Inflation nicht unter 300 % senken konnte, aber zu einem Rückgang der Industrieproduktion von 27 % führte. Grund war die Öffnung der Märkte (alle Zölle sofort auf 10 % gesenkt) und damit ein Ende der bisher durch die ISI geförderten Branchen. Auch regelmäßige Abwertungen konnten die Deindustrialisierung nicht aufhalten. Erst nach dem Wunder von Chile – der Boomphase von 1977 bis 1980 – wurde wieder das Produktionsniveau unter Allende erreicht. Die Fixierung des Peso an den US-Dollar 1979 (Verhältnis 39:1) – immer noch zur Inflationsbekämpfung – wertete die Währung real (Inflationsrate war immer noch um die 20 %) massiv auf und eine zweite Welle des Fabriksterbens setzte ein: Die Industrieproduktion sank alleine 1982 um 21 %. Gemessen am BIP, sank das Gewicht des sekundären Sektors von 30 % 1974 auf 19 % in den 1980er Jahren. Erst unter den demokratischen Regierungen erholte sich die Industrie substanziell und leistet heute 34 % des BIPs. Die Grundlagen wurden aber durch eine weniger ideologische Wirtschaftspolitik ab 1985 unter Finanzminister Hernán Büchi gelegt: Die schnell eingeführten Schutzzölle (bis 35 %) wurden nur schrittweise gesenkt und der Export aktiv gefördert (Exportpromotionsagenturen).