mini|Händel (in der Mitte) mit Georg I. während der Bootsfahrt auf der Themse. Links im Hintergrund die Musikanten auf einem weiteren Boot. Gemälde von Edouard Jean Conrad Hamman (1819–1888).
Die Wassermusik (Water Music, HWV 348, 349 und 350) von Georg Friedrich Händel (1685–1759) ist eine Sammlung von drei Suiten mit Ouvertüre und einundzwanzig Tanzsätzen mit repräsentativem Charakter. Sie untermalte eine Lustfahrt des englischen Königs Georg I. am 17. Juli 1717 auf der Themse. Georg I. zeigte sich von der Musik derart angetan, dass er das Werk und einzelne Stücke daraus mehrfach wiederholen ließ.
Übersicht Die folgende Tabelle gibt die 22 Sätze der Wassermusik wieder, die Samuel Arnold 1788 in dem Band der unvollständig gebliebenen Gesamtausgabe sowie auch Friedrich Chrysander 1886 lieferte. Sie entspricht dem noch immer aktuellen Forschungsstand von 2004 und weicht damit von der weit verbreiteten Einteilung in drei Suiten, die sich auch in den HWV-Nummern widerspiegelt, ab. Trotzdem führt die Tabelle diese heute überholte, aber häufig zu findende Einteilung in drei Suiten zur leichteren Orientierung auf. Weitere Informationen zur Reihenfolge der Sätze befinden sich in dem Abschnitt zur Überlieferung. +Nr.HWVTitelTonartBesetzungSuiteBesetzung1348/1OuvertureF2 Hörner, 2, Oboen, Fagott, StreicherSuite 1 Nr. 12 Oboen, Streicher, Bassi (Fagott, Violoncello, Kontrabass, Cembalo)2348/2Adagio e staccatodOboen, StreicherSuite 1 Nr. 22 Oboen, Streicher, Bassi (Fagott, Violoncello, Kontrabass, Cembalo)3348/3[ohne Bezeichnung]F2 Hörner, 2 Oboen, Fagott, StreicherSuite 1 Nr. 32 Hörner, 2 Oboen, Fagott, Streicher, Cembalo4348/4Andanted2 Oboen, Fagott, StreicherSuite 1, Nr. 42 Oboen, Fagott, Streicher, Cembalo5348/5AllegroF2 Hörner, 2 Oboen, StreicherSuite 1, Nr. 52 Hörner, 2 Oboen, Streicher, Bassi (Fagott, Violoncello, Kontrabass, Cembalo)6348/6AirF2 Hörner, 2 Oboen, StreicherSuite 1, Nr. 62 Hörner, 2 Oboen, Streicher, Bassi (Fagott, Violoncello, Kontrabass, Cembalo)7348/7MinuetF2 Hörner, 2, Oboen, Fagott, StreicherSuite 1, Nr. 72 Hörner, 2 Oboen, Streicher, Bassi (Fagott, Violoncello, Kontrabass, Cembalo)8348/8BouréeF2 Oboen, Fagott, StreicherSuite 1, Nr. 82 Oboen, Streicher, Bassi (Fagott, Violoncello, Kontrabass, Cembalo)9348/9HornpipeF2 Oboen, Fagott, StreicherSuite 1, Nr. 92 Oboen, Streicher, Bassi (Fagott, Violoncello, Kontrabass, Cembalo)10348/10[ohne Bezeichnung]d2 Oboen, Fagott, StreicherSuite 1, Nr. 10Streicher, Bassi (Fagott, Violoncello, Kontrabass, Cembalo)11349/11[ohne Bezeichnung]D2 Trompeten, 2 Hörner, 2 Oboen, Fagott, StreicherSuite 2, Nr. 112 Trompeten, 2 Hörner, 2 Oboen, Fagott, Bassi (Violoncello, Kontrabass, Cembalo)12349/12[ohne Bezeichnung]D2 Trompeten, 2 Hörner, 2 Oboen, Fagott, StreicherSuite 2, Nr. 122 Trompeten, 2 Hörner, 2 Oboen, Fagott, Bassi (Violoncello, Kontrabass, Cembalo)13350/16[ohne Bezeichnung]GTraversflöte, StreicherSuite 3, Nr. 16Traversflöte, Streicher, Bassi (Violoncello, Kontrabass, Cembalo)14350/17[ohne Bezeichnung]GTraversflöte, StreicherSuite 3, Nr. 17Traversflöte, Streicher, Bassi (Violoncello, Kontrabass, Cembalo)15350/18[ohne Bezeichnung]gTraversflöte, StreicherSuite 3, Nr. 18Traversflöte, Streicher, Bassi (Violoncello, Kontrabass, Cembalo)16349/14LentementD2 Trompeten, 2 Hörner, 2 Oboen, Fagott, StreicherSuite 2, Nr. 142 Trompeten, 2 Hörner, 2 Oboen, Fagott, Streicher, Bassi (Violoncello, Kontrabass, Cembalo)17349/15[ohne Bezeichnung]D2 Trompeten, 2 Hörner, 2 Oboen, Fagott, StreicherSuite 2, Nr. 152 Trompeten, 2 Hörner, 2 Oboen, Streicher, Bassi (Violoncello, Kontrabass, Fagott Cembalo)18350/19MenuetgStreicherSuite 3, Nr. 19Streicher, Bassi (Violoncello, Kontrabass, Fagott Cembalo)19350/20[Menuet 2]gSopranino, StreicherSuite 3, Nr. 20Piccolo, Streicher, Bassi (Violoncello, Kontrabass, Fagott Cembalo)20350/21[ohne Bezeichnung]gSopranino, StreicherSuite 3, Nr. 21Piccolo, Streicher, Bassi (Violoncello, Kontrabass, Fagott Cembalo)21350/22[ohne Bezeichnung]GFagott, StreicherSuite 3, Nr. 22Streicher, Fagott, Bassi (Violoncello, Kontrabass, Cembalo)22349/13MenuetD2 Trompeten, 2 Hörner, 2 Oboen, Fagott, StreicherSuite 2, Nr. 132 Trompeten, 2 Hörner, 2 Oboen, Fagott, Streicher, Bassi (Violoncello, Kontrabass, Cembalo) Friedrich Chrysander zieht in seiner Ausgabe von 1886 die beiden Sätze HWV 348/4 und HWV 348/5 als (Allegro)-Andante zusammen, wobei nach dem Andante das Allegro mit der Angabe da capo wieder aufgegriffen wurde. Ebenso fasst er die Sätze HWV 350/17 und HWV 350/18 als Aria (Allegro) und HWV 350/19 und HWV350/20 als Menuett (Menuett) zusammen. Oft ist auch, z. B. auch wie bei Eulenburg, die Satzbezeichnung Rigaudon für HWV 350/17 zu finden. Außerdem zieht die Edition Eulenburg die Sätze HWV 350/21 und 350/22 unter dem Namen Country Dance zusammen.
Bericht des Daily Courant vom 19. Juli 1717
Orchesterbesetzung Zwei Flöten, zwei Oboen, Fagott, zwei Hörner, zwei Trompeten, zwei Solo-Violinen, Streicher.
Händels Wassermusik ist als Freiluftmusik geschrieben, was eine starke Orchesterbesetzung mit Hörnern und Trompeten nötig machte. Zeitzeugen, wie auch der oben zitierte Zeitungsartikel des Daily Courant, sprachen von einem Orchester mit fünfzig Musikern. Friedrich Bonet, ein Gesandter des preußischen Königs Friedrich, der den Baron Kielmansegg während der Themsefahrt begleitete, berichtet von Hörnern, Trompeten, Traversflöten („des flutes allemandes“), Blockflöten („des flutes françaises à bec“), Violinen und Bässen.Siegbert Rampe, „Water Musick – Musick for the Royale Fireworks“, in: ders. (Hg.), Händels Instrumentalmusik (Das Händel-Handbuch 5), Laaber-Verlag: Laaber 2009, S. 505–527. Dass bei der Aufführung auf der Themse neben den Bässen (Violoncelli und Kontrabässe) auch ein Cembalo den Continuo-Part mitgespielt hat, gilt als wenig wahrscheinlich. In frühen Quellen ist auch kein bezifferter Bass zu finden. Vermutlich wurde der Bass wie notiert von Fagott, Violoncelli und Kontrabässen gespielt. Die Bezifferung des Basses und somit der Einsatz vom Cembalo als Continuo-Instrument stammt wahrscheinlich aus der Praxis, die Wassermusik nicht mehr als Freiluftmusik, sondern als Konzertstück oder Theatermusik zu verwenden.Terence Best und Christopher Hogwood, „Vorwort“ in: Georg Friedrich Händel, Wassermusik, Feuerwerksmusik (Hallische Händel-Ausgabe, Serie IV: Instrumentalmusik Band 13), Bärenreiter: Kassel 2007, S. VII–XXIV. Hans Ferdinand Redlich schrieb dazu in der Gesamtausgabe aus den 1960er Jahren: „Der Freiluft-Charakter der ganzen Water Music legt nahe, daß ursprünglich Continuo-Instrumente nicht mitgewirkt haben können. Auch dürften Cembali auf einer flussabwärts gleitenden Barke kaum zu hören gewesen sein. Von der späteren Firework Music wissen wir, dass Händel sie für die Zwecke einer normalen Konzertaufführung umarbeitete. Es ist daher anzunehmen, daß zumindest Teile der Water Music unter Händels Leitung späterhin im Konzertsaal mit Continuo-Unterstützung erklungen sind. Daß sich dieser Continuo hauptsächlich auf die von den Streichern ausgeführte Partien beschränkt haben wird und bei den solistischen Bläserepisoden ganz im Wegfall kam, liegt auf der Hand. […] Auch ist die Authentizität seiner Bezifferung ganz ungesichert, da kein komplettes Autograph vorliegt.“Hans Ferdinand Redlich, „Zum vorliegenden Band“, in: Georg Friedrich Händel, Wassermusik – Feuerwerksmusik (Hallische Händel-Gesamtausgabe, Serie VI: Instrumentalmusik Band 13), hrsg. Hans Ferdinand Redlich), Bärenreiter: Kassel 1962, S. VII–XIII.
Häufig kommen dagegen zusätzlich Pauken zum Einsatz, welche in der Partitur allerdings nicht notiert sind. Ihr Einsatz ebenso wie die Verwendung von Trompeten und Hörnern und auch die eröffnende Ouvertüre mit der Folge langsam-schnell unterstreichen den repräsentativen Charakter von Händels Wassermusik.Siegbert Rampe, „Water Musick – Musick for the Royale Fireworks“, in: ders. (Hrsg.): Händels Instrumentalmusik (Das Händel-Handbuch 5), Laaber-Verlag: Laaber 2009, S. 505–527. Hörner waren vermutlich die Lieblingsinstrumente von George I. Ihren Klang liebte er als passionierter Jäger. Hingegen treten Trompeten traditionellerweise als Repräsentanten der Königswürde auf. Unter dem Aspekt der Freiluftmusik betrachtet, ist der immer wiederkehrende Kontrast zwischen Hörnern und Trompeten in den Sätzen, die unter HWV 349 zusammengefasst sind, kein Kontrast zwischen laut und leise, sondern zwischen verschiedenen Klangfarben. Der Einsatz von Traversflöten war zu Beginn des 18. Jahrhunderts in England sehr selten. Die Verwendung in Händels Wassermusik gilt als die früheste englische Komposition für dieses Instrument. Da Traversflöte und Blockflöte an offener Luft klanglich nicht gut zu hören sind, vermutet Siegbert Rampe, dass ihre Partien durch Hörner, Trompeten, Oboen oder Fagott verstärkt wurden.
Überlieferung Im September 1714 wurde der Kurfürst Georg Ludwig von Hannover auf Grund der britischen Thronnachfolgeregelung britischer König, George I. Um seine Popularität beim Volk zu steigern, führte der neue König erstmals im Sommer 1715 Wasserfahrten auf der Themse zwischen Whitehall und Chelsea durch.Siegbert Rampe, „Water Musick – Musick for the Royale Fireworks“, in: ders. (Hrsg.): Händels Instrumentalmusik (Das Händel-Handbuch 5), Laaber-Verlag: Laaber 2009, S. 505–527. Laut der Zeitung Weekly Packet erklang dabei auch Musik. Bei einer weiteren Fahrt am 5. Juli 1716 soll Musik von zwei Orchestern auf verschiedenen Schiffen gespielt worden sein. Ob Händels Musik dabei erklang, ist nicht überliefert. Erst der oben zitierte Bericht des Daily Courant erwähnt Händel als Dirigent und Komponisten einer solchen, eigens für den Anlass komponierten Unterhaltungsmusik. Verbreitet ist auch die Annahme, dass die Musik auch bei einer königlichen Wasserfahrt aus Anlass der Hochzeit des Prince of Wales, dem späteren George III. mit der Prinzessin von Sachsen Gotha am 26. April 1736 erklungen sein soll.Hans Ferdinand Redlich, „Zum Vorliegenden Band“, in: Georg Friedrich Händel, Wassermusik – Feuerwerksmusik (Hallische Händel-Gesamtausgabe, Serie VI: Instrumentalmusik Band 13), hrsg. ders.), Bärenreiter: Kassel 1962, S. VII–XIII.
Diese Vermutung basiert lediglich auf der Tatsache, dass Händel den Hymnus Sing unto God für diese Hochzeit komponierte. Hans Ferdinand Redlich spekuliert, dass aus diesem Anlass die von ihm angenommene dritte Suite sich von der zweiten abgespalten hat. Für diese These führt er Notenquellen an, die die Sätze der Suiten mischen. Diese These lässt sich aber nach aktuellem Forschungsstand nicht halten. Daher gilt lediglich die Aufführung der Wassermusik am 17. Juli 1717 als historisch gesichert.