mini|Logo von Google Books Google Books (interner Projekttitel Project Ocean) ist die größte private Sammlung retrodigitalisierter Bücher. Sie befindet sich im Besitz des US-amerikanischen Unternehmens Google LLC. Die Sammlung ist in Auszügen öffentlich einsehbar. Nach eigenen Angaben ist ihr Ziel, das in Büchern niedergeschriebene Wissen vorwiegend durch Digitalisierung für eine Volltextsuche zur Verfügung zu stellen. 2019 gab das Unternehmen anlässlich des 15-jährigen Jubiläums von Google Books bekannt, im Besitz von Scans von über 40 Millionen Büchern in mehr als 400 Sprachen zu sein. mini|hochkant=1.5|Vorübergehend leere Bücherregale in der University of Michigan: „Digitization in progress“ für Google Books, 2008

Die Zeitschrift The Atlantic berichtete im April 2017, dass Google das Scannen von Büchern praktisch eingestellt habe. Im selben Monat schrieb das Online-Magazin Wired, dass innerhalb von Google nur noch wenige Leute an dem Projekt arbeiten, diese jedoch noch weiterhin Bücher scannen, wenn auch in einem weit geringeren Umfang als zuvor.

Beschreibung Google Books speist sich aus zwei Quellen: Google Print im engeren Sinn, dem – nicht weiter kontroversen – Kooperationsprojekt mit Verlagen, und Google Library, bei dem Bücher großer akademischer Bibliotheken auch ohne vorherige Zustimmung der Rechteinhaber massenweise gescannt werden, was juristisch umstritten war und ist.

Zugangsebenen Bei Google Books gibt es vier Zugangsebenen:Google: Das Library Project (abgerufen am 8. November 2021) Vollansicht (Full view): Meistens ältere Bücher, bei denen der urheberrechtliche Schutz abgelaufen ist Eingeschränkte Vorschau (Preview): Ein Prozentanteil der Buchseiten, den die Verlage der Rechteinhaber festlegen können, wird gezeigt Auszugsansicht (Snippet view): Mangels Genehmigung der Verlage werden nur drei Zeilen in der Nachbarschaft eines gefundenen Suchwortes gezeigt. Keine Vorschau verfügbar (No preview): Noch nicht digitalisierte Bücher, von denen Google Books bislang nur die bibliographischen Angaben aufgenommen hat (ähnlich einem Bibliothekskatalog)

Geschichte Im Oktober 2004 stellte sich Google Print auf der Frankfurter Buchmesse vor (Pressekonferenz mit den Google-Gründern Sergey Brin und Larry Page). Im Dezember 2004 begannen Suchergebnisse aus gescannten Büchern in den Ergebnislisten der englischen Suchoberfläche Google.com zu erscheinen. Google hat sich vorgenommen, 15 Millionen Bücher bis 2015 zu scannen. Das entspricht etwa 4,5 Milliarden Seiten. Seit April 2005 existiert eine eigene Suche für die Inhalte des Programms. Im Oktober 2005 wurden zur Frankfurter Buchmesse deutsche und anderssprachige Benutzungsoberflächen präsentiert. Am 4. November 2005 wurde die Suchseite, mit einer erweiterten Suche versehen (Abfragen nach Zeiträumen sind möglich), offiziell vorgestellt. Am 17. November 2005 kündigte Google die Umbenennung des Dienstes im unternehmenseigenen Weblog an. Seit diesem Zeitpunkt werden Anfragen von print.google.com nach books.google.com weitergeleitet.

Im September 2008 kündigte Google an, gemeinsam mit nordamerikanischen Zeitungsverlagen Zeitungen zu digitalisieren. Die digitalisierte Version soll durchsuchbar sowie mit dem Webbrowser navigierbar sein und wie in der Printausgabe mitsamt den Fotografien, Schlagzeilen und Werbeanzeigen erscheinen.Punit Soni: Bringing history online, one newspaper at a time. googleblog.blogspot.com vom 8. September 2008.

Inzwischen gibt es bei einer Reihe von Büchern eine Kooperation mit Internet Archive. Dort gibt es Ausgaben in verschiedenen Formaten, für das PDF wird auf Google verwiesen (wo es für Werke nach 1864 für Nicht-US-Nutzer nicht verfügbar ist, siehe Kritik).

Aus dem Korpus von Google Books wurden 2009 und 2012 die Datensätze für den Ngram Viewer in verschiedenen Sprachen erstellt.

Ende 2025 wurde angekündigt, die klassische Version von Google Books werde deaktiviert.

Kooperation mit den Verlagen Google erhält von den Verlagen Bücher oder bekommt PDF-Dateien zugesandt. Die Bücher werden gescannt und durch OCR als E-Texte in den Index aufgenommen. Nutzer können jeweils nur vergleichsweise wenige Seiten des einzelnen Buchs einsehen. Nach einigen Seiten können nur (kostenfrei) registrierte Nutzer eine Anzahl weiterer Seiten einsehen. Eine Reihe von Seiten ist von vornherein für den Zugriff gesperrt. Nach Erschöpfung des Tageskontingents können keine weiteren Seiten betrachtet werden. Frei zugänglich sind in der Regel das Inhaltsverzeichnis, nicht selten auch das Register.

Google versucht die Inhalte durch eine Art Kopierschutz („Digitale Rechteverwaltung“) zu schützen. Dass dies jedoch nicht immer vollständig angewandt wird, kann an verschiedenen Fachbüchern problemlos nachvollzogen werden.So steht von dem Buch „Active Directory für Windows Server 2008“ von Addison-Wesley, ISBN 978-3-8273-2740-6, an manchen Tagen fast der gesamte Inhalt des Buches offen im Internet Angeschaute Seiten lassen sich nach dem Anzeigen im Webbrowser mittels bestimmter Methoden sogar aus dessen Browser-Cache herauslesen und können mit entsprechenden Tools zu einer PDF-Datei zusammengeführt werden.

Kooperation mit Bibliotheken mini|Google Books Hinweis in der Michigan University Library, 2007 Google scannt seit etwa 2005 den kompletten Bestand der Bibliothek der University of Michigan (über 7 Millionen Bände) sowie große Teile der US-Universitätsbibliotheken der Harvard University und der Stanford University, der New York Public Library sowie in Europa der Bodleian Library der University of Oxford. Auch die Bibliotheken der University of Virginia, der University of Wisconsin–Madison, der Princeton University, der University of California und der University of Texas at Austin beteiligen sich.

Ende 2006 traten zwei weitere Institutionen dem Verbund der Bibliotheken bei, die Bücher bei Google digitalisieren lassen: Die Nationalbibliothek von Katalonien (Biblioteca de Catalunya) in Barcelona und die Bibliothek der Universidad Complutense Madrid.

Am 6. März 2007 gab die Bayerische Staatsbibliothek in München bekannt, als erste deutsche Bibliothek mit dem Projekt zu kooperieren. Es sollen nun etwa eine Million urheberrechtsfreie Werke aus den historischen Beständen und aus Spezialsammlungen digitalisiert werden. Ausgenommen von dem Digitalisierungsprojekt sind nur die Handschriften- und Inkunabelbestände sowie seltene und besonders wertvolle historische Drucke. Mittlerweile wurden weit über 1 Million Titel digitalisiert.

Im Juli 2008 gab die Stadtbibliothek Lyon als erste französische Bibliothek bekannt, ihre Bücher digitalisieren zu lassen.Google digitalisiert Stadtbibliothek von Lyon, derstandard.at, 13. Juli 2008.

Am 15. Juni 2010 gab die Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB) bekannt, dass Google ihren urheberrechtsfreien Buchbestand digitalisiert. Die Kosten für die Digitalisierung der rund 400.000 Bücher betragen etwa 30 Millionen Euro und werden von Google getragen. ÖNB-Generaldirektorin Johanna Rachinger bezeichnete dieses Vorhaben als eine der größten öffentlich-privaten Partnerschaften in der österreichischen Kulturlandschaft. 400.000 Bände vom 16. bis ins 19. Jahrhundert (mit Ausnahme jener Bücher, bei denen konservatorische Bedenken dagegen sprechen) sollen dabei im Volltext erfasst werden – rund 120 Millionen Buchseiten sind danach online und kostenlos abrufbar.

Das Projekt der Bayerischen Staatsbibliothek wurde inzwischen auf die ihr nachgeordneten bayerischen regionalen Staatlichen Bibliotheken ausgedehnt: Staatliche Bibliothek Passau: Circa 10.100 Titel wurden digitalisiert. Staatliche Bibliothek Regensburg: Von November 2012 bis Dezember 2015 wurden fast 70.000 Titel mit geschätzten 14 Millionen Seiten digitalisiert. Staats- und Stadtbibliothek Augsburg: Zwischen 2014 und 2020 wurden circa 88.000 Titel digitalisiert. Staatsbibliothek Bamberg: Von September 2019 bis Januar 2025 wurden 111.500 Titel mit über 34 Millionen Seiten digitalisiert. Landesbibliothek Coburg: Von November 2024 bis voraussichtlich Dezember 2029 sollen über 100.000 Titel digitalisiert werden. Studienbibliothek Dillingen: Von März 2026 an sollen circa 78.000 Titel digitalisiert werden.

Anwendung in der Forschung Ein im Dezember 2010 in Science veröffentlichter Aufsatz berichtete über die Möglichkeiten, Google Books zur quantitativen Analyse von Kultur zu nutzen (Culturomics). Den Wissenschaftlern standen für ihre Analysen etwa 4 % aller Bücher, die jemals gedruckt wurden, zur Verfügung. Sie konvertierten die Bücher in eine massive Datenbank der in den Büchern enthaltenen Wörter (N-Gramm). Die Herangehensweise lasse sich für Forschungen auf verschiedenen Gebieten wie Lexikografie, Evolution von Grammatik, kollektivem Gedächtnis, Technologieadoption, Ruhm, Zensur oder historischer Epidemiologie nutzen. Das Forscherteam schätzte zum Beispiel auf Basis der Datenbank, dass sich die Größe des englischen Wortschatzes innerhalb des letzten Jahrhunderts fast verdoppelt habe. In einer anderen Untersuchung wurde der kulturelle Einfluss Sigmund Freuds mit dem Charles Darwins verglichen. Freud verlor demnach an Einfluss; Darwin habe Freud im Jahr 2005 überholt.John Bohannon: Google Opens Books to New Cultural Studies (PDF; 184 kB). In: Science, Band 330, 17. Dezember 2010, S. 1600.Jean-Baptiste Michel, Yuan Kui Shen, Aviva Presser Aiden, Adrian Veres, Matthew K. Gray, The Google Books Team, Joseph P. Pickett, Dale Hoiberg, Dan Clancy, Peter Norvig, Jon Orwant, Steven Pinker, Martin A. Nowak, Erez Lieberman Aiden: Quantitative Analysis of Culture Using Millions of Digitized Books. In: Science, Vol. 331, 16. Dezember 2010, S. 176–182.

Kritik

Probleme der Auswahl der Digitalisate Der Historiker Jean-Noël Jeanneney – ehemaliger Direktor der Französischen Nationalbibliothek, der mit Gallica ein freies europäisches Digitalisierungsprojekt betreibt – plädiert dafür, dass Europa eine Alternative zum Google-Digitalisierungsprojekt auf die Beine stellt. An Google kritisiert er vor allem die Hegemonie des Englischen und den Kumulationseffekt (bei ihm genannt die „Blickfang-Methode“, üblich ist der Begriff „Ranking“, siehe: PageRank), der dazu führe, dass im Kampf um die Aufmerksamkeit des Lesers eine gewollte Konzentration auf die Listenführer stattfinde. Der stärkere Anbieter wird immer noch stärker auf Kosten des Schwächeren. Dadurch werde Google besonders für die Werbung wichtig. Diesem „kapitalistischen“ Google-Prinzip möchte Jeanneney ein Modell entgegensetzen, bei dem der Staat das Sagen in Dingen des kulturellen Gedächtnisses hat. 19 National- und Universitätsbibliotheken in Europa haben den Appell der französischen Nationalbibliothek unterzeichnet, um eine drohende geistige und kulturelle Vorherrschaft der USA zu verhindern.

Das Problem, dass Google Books mit seiner Marktdominanz durch seine Selektionspraxis Alternativen verstellt, wird auch in Deutschland gesehen, insbesondere bei der Recherche auf Spezialgebieten wie der Lokalgeschichte oder der Mundartforschung.Peter Bürger: Grimmiges über Google Books. Telepolis, 6. Januar 2012.

Probleme bei den Suchfunktionen Eine Zuordnung von systematischen Sachgruppen und Schlagworten zu den Büchern wie in Bibliothekskatalogen erfolgt nicht. Bücher eines bestimmten Fachgebietes zu selektieren, ist nicht möglich. Google geht davon aus, es genüge für die thematische Suche, alle Wörter in den Büchern zu erfassen. Die Eingabe eines Stichworts kann aber immer nur Ergebnisse in der verwendeten Sprache liefern. Es wird nicht berücksichtigt, dass oft sprachübergreifend gesucht wird und dass ein Wort in mehreren Fachgebieten verwendet werden und unterschiedliche Bedeutungen haben kann.Für Beispiele siehe: Bücher suchen mit Google. In: Grüner Anzeiger. Band 12, November 2009, S. 30.

Probleme bei der Texterkennung mini|hochkant|Digitalisat von Google. Sichtbare Finger des Personals am Scanner.