miniatur|Schicklgruber im Altach-Trikot mit der Rückennummer 80 (2009)

Josef „Pepi“ Schicklgruber (* 21. Juli 1967 in Ansfelden) ist ein ehemaliger österreichischer Fußballtorhüter. Er beendete seine Profikarriere 2009, war jedoch danach noch weitere Jahre im Amateurbereich angemeldet.

Karriere Karrierebeginn in der Heimat Josef Schicklgruber wurde am 21. Juli 1967 in der damaligen Marktgemeinde Ansfelden, die im Jahre 1988 zur Stadt erhoben wurde, geboren. Nachdem er erstmals am 7. Oktober 1976 vom ASK Nettingsdorf als Fußballspieler angemeldet worden war, – laut eigener Aussage spielte er bereits als Sechsjähriger im Jahre 1973 im Verein, bei dem sein Vater als Platzwart tätig und seine Mutter für das Waschen der Dressen verantwortlich war – verbrachte er hier zahlreiche weitere Jahre und kam ab 1984 auch in der Herrenmannschaft des unterklassigen Klubs zum Einsatz. Zunächst Feldspieler, entschied er sich erst als 18-Jähriger endgültig für die Position des Torhüters.

Nachdem Nettingsdorf im Jahre 1987 von der 1. in die 2. Landesliga abgestiegen war, folgte ein Umbruch im Verein, der mit einem neuen Trainerteam auch eine verjüngte Mannschaft hervorbrachte. Ab dieser Zeit agierte Schicklgruber als Stammtorhüter der ersten Kampfmannschaft des ASK Nettingsdorf, mit dem er im zweiten Jahr in der 2. Landesliga den Wiederaufstieg in die nächsthöhere Spielklasse schaffte. In der Saison 1989/90 war der Klub aus dem Linzer Vorort somit wieder in der höchsten oberösterreichischen Spielklasse vertreten. Bereits von seinem damaligen Trainer, der ihm eine bundesligataugliche Qualität prophezeit hatte, wurde sein Talent erkannt und weiter gefördert. Von den Trainern der Liga wurde er in weiterer Folge zum „Torwart des Jahres“ gewählt und kündigte noch im selben Jahr seinen erlernten und zeitintensiven Beruf als Spengler und konzentrierte sich auf seine Sportkarriere. Daraufhin suchte er beim damaligen Bundesligisten SK Vorwärts Steyr um ein Probetraining, das jedoch vom damaligen Präsidenten Alois Radlspäck abgelehnt wurde, an. Landesweite Aufmerksamkeit erhielt Schicklgruber daraufhin noch in der laufenden Meisterschaft, als er bei einem 2:0-Sieg gegen die Union Vöcklamarkt das Tor 1:0-Führung erzielte. Das Tor, das zu einem erheblichen Medienecho in Oberösterreich führte, rief auch den Linzer ASK auf den Plan, der seit 1989/90 in der zweitklassigen Zweiten Division vertreten war.

Wechsel in die Landeshauptstadt Nach Jahren im oberösterreichischen Amateurfußball unterschrieb Schicklgruber, nachdem er im Probetraining Trainer Adolf Blutsch und dessen Co-Trainer Erwin Spiegel überzeugt hatte, im Jahre 1990 seinen ersten Profivertrag beim Linzer ASK und wurde zweiter Torwart hinter Axel Stangl. Nur zwei Monate nach seiner Verpflichtung kam Schicklgruber, da Stangl wegen seiner Hochzeit verhindert war, danach als verschollen galt und allgemein Differenzen mit dem Klub hatte, zum ersten Mal in der österreichischen Zweitklassigkeit im Stadtderby gegen den SK VÖEST Linz zum Einsatz und wurde nach dem Spiel von Trainer Blutsch zur Nummer 1 im Tor der Linzer befördert. Am Ende seines ersten Spieljahres belegte er den zehnten Platz bei der Krone-Fußballerwahl. Nach mehreren absolvierten Spielen zog er sich in der Winterpause 1991 einen Bänderriss im Knöchel zu und fiel wochenlang aus. Obgleich er zahlreiche Spiele versäumt hatte, wurde er nach seiner Genesung sofort wieder als Stammtorhüter eingesetzt. Bei der Wahl zum OÖ Fußballer des Jahres setzte er sich in diesem Jahr vor Nationaltorhüter Klaus Lindenberger durch und gewann diese Wahl erstmals. Zu dieser Zeit lernte er seine heutige Ehefrau kennen.

Im Jahr 1992 spielte er zusammen mit seinem späteren Trainer beim ASKÖ Pasching, Georg Zellhofer, der vom Stadtrivalen SK VÖEST Linz gekommen war, unter dem österreichischen Trainer Helmut Senekowitsch bei den Athletikern. In diesem Jahr gewann er zum zweiten Mal in Folge die OÖ Kickerwahl der Kronen Zeitung. Nach einer durchwachsenen Saison 1992/93 blieb der damals 27-jährige LASK-Torhüter im Jahre 1994 in 1241 Minuten (13 Spiele) ohne Gegentor und war einer der Verantwortlichen für den Aufstieg des Linzer Vereins in die Bundesliga. Dabei verfehlte er knapp den damaligen Weltrekord, der zu diesem Zeitpunkt bei 1390 Minuten lag., abgerufen am 25. September 2016 Im Spiel gegen den Stadtrivalen FC Linz – mittlerweile hatte sich der SK VÖEST Linz umbenannt – brach die erfolgreiche Serie Schicklgrubers durch ein Eigentor seines Teamkollegen Goran Kartalija, dem serbischstämmigen Abwehrchef des Linzer ASK. Nach dem Meistertitel mit Trainer Walter Skocik wurde der 1,87 m große Torhüter zum dritten Mal in Folge zu Oberösterreichs beliebtesten Fußballspieler gewählt, wobei er bei der Wahl der Kronen Zeitung 209.228 Stimmen erhielt; ein Rekord, der bis heute (Stand: 2016) Bestand hält.

Im Anschluss an diese Erfolge kam es von Seiten des Vereines, dabei vor allem durch den Präsidenten des Vereins, Otto Jungbauer, zu Vertragsstreitigkeiten, die erst im Laufe der Zeit beigelegt wurden. Im Jahre 1996 gab Schicklgruber sein Debüt im europäischen Klubfußball, als er mit dem Linzer ASK am UEFA Intertoto Cup 1996 teilnahm. Hierbei setzte er sich mit seiner Mannschaft in der Gruppenphase gegen die Konkurrenten Werder Bremen, Djurgårdens IF, Apollon Limassol und B68 Toftir durch, wobei die Mannschaft mit vier Siegen aus ebenso vielen Spielen und einer Tordifferenz von 11:1 ins Halbfinale einzog. In diesem unterlag er mit der Mannschaft mit einem Gesamtscore von 2:7 dem Klub Rotor Wolgograd aus Russland.

In der Spielzeit 1996/97 erhielt er von Schiedsrichter Konrad Plautz die erste Rote Karte seiner Profikarriere, nachdem er dem Schiedsrichter den Scheibenwischer gezeigt hatte. Wegen dieses unsportlichen Verhaltens wurde er für drei Spiele gesperrt. Noch im Jahre 1998 gewann er mit dem Linzer ASK das Linzer Hallenturnier,Linzer Hallenturnier 1998 – Linzer Hallenzauber, abgerufen am 22. September 2016 das aufgrund der Rivalität mit dem FC Stahl Linz als prestigeträchtiges Turnier in der Landeshauptstadt galt. In diesem Jahr belegte er bei der Wahl zu Oberösterreichs beliebtesten Spieler hinter Peter Stöger und vor Markus Weissenberger den zweiten Platz, wobei Stöger und Weissenberger zu diesem Zeitpunkt zusammen mit Schicklgruber beim Linzer ASK spielten. Im letzten Jahr bei den Linzer Athletikern kam es auch zur großen Fusion im Linzer Fußball, bei der die bisher rivalisierenden Vereine FC Linz und Linzer ASK zusammengeführt wurden und fortan unter dem Namen LASK Linz in Erscheinung traten. Unter dem neuen Trainer Otto Barić, der bereits in den 1970er-Jahren als Trainer in Linz agierte, wurde Schicklgruber, obgleich seiner bisherigen Einsätze, seiner Popularität und der Erfolge in Linz nicht mehr berücksichtigt. Der vom FC Linz kommende Željko Pavlović löste ihn als Nummer 1 ab und er saß fortan als zweiter Torwart auf der Ersatzbank. Dies gipfelte, nach der Ablösung von Barić als Cheftrainer durch den kroatisch-österreichischen Trainer Marinko Koljanin, darin, dass Schicklgruber ab dem Sommer 1998 nur mehr als Nummer 3 geführt wurde. Der bisher ausschließlich im Amateurfußball aktiv gewesene David Wimleitner, der von Trainer Koljanin und der sportlichen Führung verpflichtet wurde, löste ihn als Nummer 2 ab. In weiterer Folge wurde dem mittlerweile 31-jährigen Schicklgruber von Trainer Marinko Koljanin nahegelegt, den Verein zu verlassen.

Nach erfolgreicher Zeit beim LASK weitere Erfolge in Graz Durch glückliche Umstände fand Schicklgruber schließlich in der Winterpause 1998/99 den Weg zum SK Sturm Graz, nachdem ihn der damalige Manager und einstige Spieler Heinz Schilcher während eines Skiurlaubes mit seiner Familie kontaktiert hatte. Nachdem sich der dortige zweite Torhüter Abiodun Baruwa nach nur einem Einsatz schwer verletzt hatte und ein Mangel an Torhütern im Verein bestanden hatte, brauchte man einen um den Stammplatz mit Kazimierz Sidorczuk konkurrierenden Spieler. Kurz vor Ende der Wintertransferperiode unterzeichnete er einen Vertrag mit einer Laufzeit von zweieinhalb Jahren und kam nach neun Jahren beim Linzer ASK bzw. LASK Linz und einem Abstieg in die zweite Liga in der Winterpause 1998/99 ablösefrei zum amtierenden österreichischen Meister.

Nachdem der bisherige erste Torwart Kazimierz Sidorczuk verletzt vom polnischen Nationalteam zurückgekehrt war, bekam Schicklgruber von Trainer Ivica Osim die Möglichkeit, sich im Tor der Grazer zu etablieren. So kam er bei einem Derby gegen den Grazer AK am 30. März 1999 zu seinem Debüt für Sturm, wobei seine Mannschaft mit 0:1 verlor. Dies sollte sein einziger Bundesligaeinsatz für Sturm Graz in dieser Saison sein. Einen weiteren Pflichtspieleinsatz, einen 90-minütigen Auftritt beim 5:0-Sieg im Halbfinale des ÖFB-Cups gegen die SV Ried, absolvierte Schicklgruber noch bis zum Ende der Saison. Mit den Schwarz-Weißen aus Graz schaffte er die Titelverteidigung und wurde in der Saison 1998/99 zum ersten Mal in seiner Karriere österreichischer Fußballmeister. Nachdem Sturm Graz bereits in den letzten drei Jahren immer im ÖFB-Supercup gestanden hatte und dabei zweimal als Sieger hervorgegangen war, stand die Mannschaft, nachdem sie 1998/99 auch den österreichischen Fußballpokal gewonnen hatte, auch 1999 im ÖFB-Supercup, den sie in weiterer Folge gewann und somit das Triple schaffte.

Der „Pannen-Pepi“ als Champions-League-Gruppensieger Daraufhin erarbeitete sich Schicklgruber eine so starke Position, dass er und Sidorczuk nach dessen Rückkehr ins Team von Trainer Osim als zwei gleichwertige „Nummer-1-Goalies“ angesehen und oft abwechselnd aufgestellt wurden. Speziell in der Saison 1999/2000, als er mit den Grazern Vizemeister hinter dem FC Tirol Innsbruck wurde, etablierte er sich als Nummer 1 und spielte in 34 der 36 Meisterschaftsspielen im Tor der Grazer. Hinzu kamen zwei Einsätze in der dritten Qualifikationsrunde der League 1999/2000 und, nach erfolgreicher Qualifikation, Einsätze in fünf der sechs Spiele der folgenden Gruppenphase in der Gruppe D, als die Grazer als Gruppendritter vom laufenden Turnier ausschieden und aufgrund dieser Abschlussposition für die 3. Runde des UEFA-Pokals 1999/2000 qualifiziert waren. In dieser Runde erhielt Schicklgruber den langjährigen Spitznamen „Pannen-Pepi“: Im Rückspiel gegen den AC Parma führte Sturm Graz in der Verlängerung mit 3:1 und stand kurz vor dem Einzug ins Achtelfinale. Um wenige Minuten vor dem Schlusspfiff einen Eckball für die Gäste zu verhindern, versuchte Schicklgruber, eine Flanke von Mario Stanić zu fangen. Es gelang ihm, den Ball im Sprung aus der Luft zu nehmen, doch kam er erst hinter der Torlinie zu stehen. Zwar hielt Schicklgruber den Ball dabei weit von seinem Körper weg, doch der Schiedsrichter entschied nach minutenlanger Diskussion auf Tor; durch das 2:3 war nun Parma aufgrund der Auswärtstorregel für das nachfolgende Achtelfinale qualifiziert (das Spiel endete schließlich 3:3). Allerdings konnten die Fernsehbilder nicht eindeutig klären, ob der Ball nun in vollem Durchmesser hinter der Linie war oder nicht. Schicklgruber selbst hält dies bis heute für eine Fehlentscheidung des Schiedsrichterteams, während es seitens des Instituts für Geodäsie des Fachbereichs Photogrammetrie an der Universität Graz eine kurz darauf veröffentlichte Berechnung gab, laut der der Ball zehn Zentimeter (mit einer Abweichung von +/- zwei Zentimeter) hinter der Torlinie war.Ausschnitt aus der Sendung SPORT vom 21. Dezember 1999, abgerufen am 26. November 2016