mini|Lyon Sprague de Camp 1988 Lyon Sprague de Camp (* 27. November 1907 in New York, USA; † 6. November 2000 in Plano, Texas) war ein US-amerikanischer Science-Fiction-, Fantasy- und Sachbuchautor und -Herausgeber.
De Camp, der zahlreiche Bücher und einige hundert Kurzgeschichten verfasste, ist vor allem durch seine Beiträge zu Science-Fiction und Fantasy-Geschichten bekannt. Im Lauf seiner Karriere erhielt eine Reihe der wichtigsten Preise, die in diesen Genres vergeben werden, darunter den Gandalf Grand Master Award for Lifetime Achievement in Fantasy (1976), zwei Jahre später den Grand Master Nebula Award und im Jahr 1984 den World Fantasy Award for Lifetime Achievement.
Neben Fantasy und Science-Fiction-Romanen verfasste De Camp Sachbücher, darunter Biografien von Howard Phillips Lovecraft und Robert E. Howard und ein Buch über den Atlantismythos. Mit Howard verband De Camp auch, dass er zusammen mit seinem Kollegen Lin Carter dessen Geschichten über Conan den Cimmerier fortsetzte. Seine Autobiografie Time and Chance erhielt 1997 den Hugo Award für das beste Sachbuch.
Leben mini|Lyon Sprague de Camp mit Ehefrau Catherine Crook de Camp De Camp war der Sohn von Lyon de Camp und Emma Beatrice, geborene Sprague, Tochter von Charles Ezra Sprague, einem Bürgerkriegshelden und Fachmann für Buchhaltung. Die Familie war nicht wohlhabend, aber besaß 8000 Hektar Land im Herkimer County in den Adirondacks, wo der junge De Camp seine Sommerferien verbrachte, und man betrieb eine Sägemühle. Er besuchte zunächst die Trinity School in New York. Da er ein eigensinniger Junge war, hielten seine Eltern eine Schule mit militärischer Disziplin für angezeigt und schickten ihn auf die Snyder School in North Carolina, wo er die folgenden zehn Jahre unter dem Mobbing der örtlichen Raufbolde zu leiden hatte, eine prägende Erfahrung, die er in der Erzählung Judgment Day (1955) verarbeitete.
Nach der Zeit an der High School studierte De Camp Luftfahrttechnik am California Institute of Technology und schloss sein Studium 1930 mit dem Bachelor ab, studierte danach am Massachusetts Institute of Technology und erwarb 1933 am Stevens Institute of Technology den Master. Nach seinem Ingenieursstudium unterrichtete er bis 1936 bei der Inventors Foundation in Hoboken, danach war er Leiter der Abteilung für Erfindungen und Patente der International Correspondence Schools in Scranton, Pennsylvania, einem Anbieter von Fernunterricht. Ab 1937 arbeitete er als Redakteur bei Fowler-Becker Publishing, wo die Zeitschrift Fuel Oil and Air Conditioning erschien und danach bei der American Society of Mechanical Engineers.
mini|Die SF-Autoren Robert A. Heinlein, Lyon Sprague de Camp und Isaac Asimov auf einem Foto aus dem Jahr 1944 1937 war eine erste Science-Fiction-Geschichte erschienen und De Camp wurde 1938 freier Schriftsteller, was allerdings durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen wurde. 1942 arbeitete er als Ingenieur für die Naval Aircraft Factory in Philadelphia, von 1942 bis 1946 diente er als Lieutenant und Lieutenant Commander in der US Navy Reserve. Er diente dort zusammen mit Isaac Asimov und Robert A. Heinlein. Die drei nahmen jedoch nicht an Kampfhandlungen teil, sondern dienten bei der Luftfahrt-Versuchsstation der United States Navy. Nach dem Krieg zog De Camp erst nach Philadelphia, später nach Texas. Er arbeitete weiter als Schriftsteller.
Am 12. August 1939 heiratete De Camp Catherine Crook (1907–2000), mit der er 60 Jahre verheiratet war. Seine Frau, eine ehemalige Erzieherin und selbst Autorin, war ab den 1960ern Co-Autorin vieler seiner Veröffentlichungen. Das Ehepaar hatte zwei Söhne, Lyman Sprague de Camp und Gerard Beekman de Camp, die beide mit ihren Familien in Texas leben.
De Camp beherrschte mehrere Sprachen. Zusammen mit seiner Frau bereiste er bei Recherchen fast die ganze Welt. Das Osterfest 1994 verbrachte das Ehepaar auf der Osterinsel.
Obwohl sein Gesundheitszustand in seinen letzten Lebensjahren immer schlechter wurde, arbeitete De Camp weiter. Er starb sieben Monate nach seiner Frau in Plano, Texas, das beide seit 1989 als ihre Heimat betrachteten. Da er Kriegsteilnehmer war, wurde die Asche des Paares auf dem Arlington National Cemetery beigesetzt.
Werk
Science Fiction und Fantasy De Camp hatte 1936 begonnen, Science-Fiction zu schreiben, doch seine erste Geschichte The Hairless Ones Come wurde mehrfach zurückgewiesen, sodass sie erst 1939 erschien. Auch eine erste Zusammenarbeit mit dem Science-Fiction-Autor P. Schuyler Miller erschien als Genus Homo erst viele Jahre später.1941 erschienen in dem von Frederik Pohl herausgegebenen Magazin Super Science Novels Magazine, in Buchform erst 1950 erschienen. Es ist eine Zeitreise-Geschichte, in der eine in einem Tunnel verschüttete Gruppe in einer fernen Zukunft erwacht, in einer Welt, in der die Menschheit verschwunden ist und die von intelligenten Affen beherrscht wird. De Camp nimmt dabei das bekannte Rip-Van-Winkle-Motiv auf und lieferte zugleich einen Vorläufer des inzwischen sehr populären Planet-der-Affen-Stoffs.
Die Zusammenarbeit mit P. Schuyler Miller hatte John D. Clark vermittelt, ein sehr aktiver Science-Fiction-Fan, der auch bei De Camps erster Veröffentlichung wesentlich half.Clark war von Beruf Chemiker und gelegentlicher SF-Autor. Er heiratete später die Witwe von Fletcher Pratt. Siehe John D. Clark in der Fancyclopedia. Die Story The Isolinguals erschien im September 1937 in dem Science-Fiction-Magazin Astounding, kurz bevor John W. Campbell dort Herausgeber wurde. De Camp hatte Campbell bei einem Treffen in Clarks New Yorker Apartment kennen gelernt, und als er die Anstellung als Redakteur bei Fuel Oil and Air Conditioning nach nur drei Monaten aufgrund von Wirtschaftsturbulenzen wieder verlor, war das der Anlass, eine Laufbahn als professioneller Schriftsteller ernsthaft ins Auge zu fassen.Sam Moskowitz: Seekers of Tomorrow. Cleveland, Ohio 1966, S. 155. Während viele frühere Astounding-Autoren mit Campbells Übernahme des Magazins in den Hintergrund traten, wurde De Camp einer der Hauptautoren von Astounding und vor allem des ebenfalls von Campbell herausgegebenen Fantasy-Magazins Unknown, wo 1939 De Camps zusammen mit Horace L. Gold geschriebene Fantasy-Erzählung None But Lucifer und im selben Jahr ein gekürzter Vorabdruck seines ersten Science-Fiction-Romans Lest Darkness Fall erschien.None but Lucifer ist eine längere Erzählung, die auch als Roman gelten kann und 2002 bei Gateway als Taschenbuch erschien. Lest Darkness Fall erschien aber bereits 1941 als Hardcover und ist jedenfalls De Camps erster Science-Fiction-Roman. Außerdem war None but Lucifer ursprünglich eine Arbeit Golds, die von De Camp auf Wunsch Campbells vollständig überarbeitet wurde. Vgl. Sam Moskowitz: Seekers of Tomorrow. Cleveland, Ohio 1966, S. 157. Lest Darkness Fall ist eine Zeitreise-Geschichte, in der es einen altsprachlich gebildeten Amerikaner in das Rom des sechsten Jahrhunderts verschlägt. Der findet sich dort schnell zurecht und ein Auskommen, indem er die Destillation von Branntwein, die Druckpresse und das Zeitungswesen erfindet. Das genügt seinem Tatendrang jedoch nicht und er versucht, den Untergang der antiken Welt und das heraufkommende dunkle Zeitalter zu verhindern, indem er in den Verlauf der Gotenkriege eingreift. Der Roman wurde vielfach mit Mark Twains Ein Yankee am Hofe des Königs Artus verglichen.
Weitere frühe Arbeiten De Camps sind: Hyperpilosity (Astounding, April 1938), worin als Folge einer Virusinfektion jedermann ein Pelz wächst. Als es einem Wissenschaftler endlich gelingt, ein Mittel gegen die Plage zu finden, haben die Menschen sich schon an das ganzkörperbehaarte Leben gewöhnt. The Command (Astounding, Oktober 1938), eine Geschichte über Johnny Black, einen Schwarzbären, dessen Gedankenprozesse durch eine experimentelle Droge verstärkt und beschleunigt wurden und der dadurch mit menschlicher Intelligenz begabt, nun zwar lesen, aber nicht sprechen kann, dem es aber dennoch gelingt, einen Anschlag auf die Menschheit mittels intelligenzmindernder Schimmelpilze zu verhindern. Die Story fand mehrere Fortsetzungen. The Gnarly Man (Unknown, Juni 1939) handelt von der Entdeckung eines 50.000 Jahre alten Neandertalers, der durch einen Blitzschlag unsterblich geworden, bis in die Gegenwart überlebt hat und als Affenmensch verkleidet in einer Kuriositätenschau arbeitet und dort einer Wissenschaftlerin auffällt. Hintergrund ist, dass ein entsprechend gekleideter Neandertaler unter modernen Menschen kaum auffallen würde. Die Idee wurde 1959 von Philip José Farmer in The Alley Man aufgegriffen (deutsch als Der Müllkutscher, 1983).
Viele Geschichten und Romane de Camps entstanden als Kooperationen. In den ersten Jahren gehörte zu seinen Ko-Autoren Fletcher Pratt, damals Verfasser historischer und militärgeschichtlicher Bücher, gelegentlicher SF-Autor und Übersetzer, den De Camp ebenfalls durch John D. Clark kennengelernt hatte. Aus ihrer Zusammenarbeit entstand 1940 die Figur des Harold Shea, eines Psychologen, der mittels eines Systems „symbolischer Logik“ verschiedene imaginäre Parallelwelten besucht. Es entstand zwischen 1940 und 1954 ein Zyklus von fünf Romanen, in denen die folgenden Fantasiewelten erkundet werden: Nordische Mythologie in The Roaring Trumpet (1940, deutsch An den Feuern des Nordens, 1981): Edmund Spensers The Faerie Queene in The Mathematics of Magic (1940, deutsch Die Kunst der Mathemagie, 1981) Ludovico Ariostos Orlando furioso in The Castle of Iron (1941, deutsch Die stählerne Festung, 1981) Elias Lönnrot Kalevala-Epos aus der finnischen Mythologie in Wall of Serpents (1953, deutsch Im Bann der Mathe-Magie, 1974, und Die Mauer der Schlangen, 1982) Irische Mythologie in The Green Magician (1954, deutsch Der grüne Magier, 1982) Die Gesetze der Imaginärwelten weichen von den uns vertrauten Naturgesetzen deutlich ab, insofern beispielsweise Magie funktioniert. Der Rationalist Shea bemüht sich jeweils, die der Magie zugrundeliegenden Prinzipien herauszufinden, was nicht immer gelingt und zu unbeabsichtigten, oft komischen Resultaten führt. Die Harold Shea-Romane zählen zum Subgenre der humoristischen Fantasy, als einer deren Hauptvertreter De Camp gilt. Nach dem frühen Tod von Pratt 1956 wurde die Romanreihe von De Camp und anderen in den 1990er Jahren in einer zweiten Serie fortgesetzt.
Von 1943 bis 1948 erschien nur wenig Erzählerisches von De Camp und seine ersten Publikationen nach seiner Rückkehr ins Zivilleben waren minder erfolgreich. Immerhin markierte The Animal Cracker Plot (Astounding, Juli 1949) den Beginn eines umfangreichen Zyklus von Science-Fiction-Romanen und Erzählungen, meist bekannt als Viagens Interplanetarias, portugiesisch für interplanetare Reisen. Portugiesisch deshalb, weil in der von De Camp entworfenen Zukunft Brasilien die dominierende Weltmacht und Portugiesisch die Landessprache Brasiliens ist. Die meisten der Erzählungen haben die drei nach Hindugottheiten benannten Planeten Vishnu, Krishna und Ganesha als Schauplatz, weshalb die Reihe auch als Krishna-Zyklus bekannt ist. Einen besonderen Platz in der Reihe nimmt der Roman Rogue Queen (1951, deutsch Das Orakel der Fremden, 1978) ein, in dem irdische Raumfahrer auf der Suche nach einem verschollenen Raumschiff auf einem Planeten mit einer humanoiden Bevölkerungen landen, die nach Art eines Bienenstaates organisiert ist. Der Roman gilt als einer der ersten, die das damals in der Science-Fiction bestehende Tabu sexueller Themen zu durchbrechen begannen.