mini|hochkant|Álvaro Flórez Estrada Don Álvaro Flórez Estrada (* 27. Februar 1769 in Pola de Somiedo, Asturien; † 16. Dezember 1853 in Noreña, Asturien) war ein spanischer Nationalökonom. Auf den 25-Peseten-Banknoten, die die Bank von Spanien im Jahr 1946 druckte, ist sein Porträt abgebildet.
Leben Flórez Estrada das älteste von elf Kindern des adligen Martín de los Santos Flórez-Estrada (Besitzer eines bedeutenden Lehensguts im Fürstentum Asturien) und dessen Frau Ramona (geborene de la Pola y Navia Osorio), die ebenfalls adliger Abstammung war. Er erhielt seine erste fundierte Ausbildung in seiner Heimatstadt und studierte in Grado Klassische Philologie und Geisteswissenschaften. Von 1780 bis 1781 schloss er sein Studium an den Fakultäten für Philosophie und Jura er Universität Oviedo nach sehr kurzer Zeit und in jungem Alter ab. Er soll noch vor Vollendung seines zwanzigsten Lebensjahres in der königlichen Kanzlei von Valladolid als Anwalt zugelassen worden sein.
Obwohl er nach dem Erstgeburtsrecht später das elterliche Gut, zu jener Zeit war es eines der bedeutendsten in Asturien, erben würde, zählte er zu den Gegnern des Lehnswesens. Er kritisierte dieses Gesetz und teilte mit anderen Autoren wie Jean-Jacques Rousseau oder Gabriel Bonnot de Mably den Glauben an das Naturrecht. Er befürwortete eine Regierung durch Zustimmung und die Hypothese des „Naturzustands“, die Bestätigung der unveräußerlichen Menschenrechte und das Konzepts der Volkssouveränität. Seine Beteiligung an den Zusammenkünften der „Tertulia“ führte auf Anordnung Manuel de Godoy zur Versetzung aus der Hauptstadt Madrid in seine Heimatstadt, während die Universität Oviedo ihm zeitgleich die Ehrendoktorwürde verlieh. Flórez Estrada kehrte jedoch 1796 in die Hauptstadt zurück, wo er zum Hauptkämmerer der Gerichtseinnahmen ernannt wurde. Anschließend ließ sich bis 1808 in Grado nieder.
Politisches Wirken gegen Napoleon Am 11. Mai 1808 wurde Flórez Estrada von der Generalversammlung des Fürstentums zum Generalprokurator der Provinz ernannt und sollte ab September die Dekrete der Generalversammlung umsetzen. Flórez-Estrada beteiligte sich im Zuge des ausbrechenden Krieges am 16. Mai 1808 in Oviedo an den Ereignissen, die in der Kriegserklärung der sich selbst für souverän erklärten Nationalversammlung an Napoléon Bonaparte gipfelten, dessen Politik er ablehnte.Álvaro Flórez Estrada. In: Historia Hispánica. Real Academia de la Historia (spanisch, historia-hispanica.rah.es).
Flórez Estrada war Teil der Gesandtschaft, der neben ihm José María Queipo de Llano Ruiz de Saravia, Conde de Toreno, Andrés Ángel de la Vega Infanzón (1768–1813) und Fernando Álvarez Miranda (1786–1858) als Sekretär angehörten, die ein Schreiben an Georg III. von England aufsetzten, und diesen um Unterstützung im Kampf gegen Napoleon baten. Nach der positiven Rückmeldung aus England verteilte Flórez-Estrada das englische Schreiben vom 19. Juni 1808 an alle bestehenden asturischen Versammlungen um die Bevölkerung gegen die französischen Besatzer zu mobilisieren. Während sich Flórez-Estrada in Seville aufhielt entwarf er einen Text für eine neue Verfassung für Spanien unter dem Titel Constitución para la Nación española presentada a S. M. la Junta Suprema Gubernativa de España e Indias en 1º de noviembre de 1809. Bei seinem Entwurf stützte er sich unter anderem auf die Idee eines Gesellschaftsvertrags zum Schutz der natürlichen Menschenrechte, die der Philosophen John Locke als früher Vordenker der Aufklärung niedergeschrieben hatte und enthielt deutliche Einflüsse der französischen Magna Carta von 1795. Zu den Kernpunkten im Entwurf von Flórez-Estradas gehörte die Beschränkung der königlichen Befugnisse und die Stärkung der Provinzverwaltungen, Richter sollten gewählt und wiedergewählt werden, die Religions- und Pressefreiheit sowie eine Reihe weiterer Rechte und Garantien sollten darin festgeschrieben werden. Seine Pläne blieben aufgrund ihres Radikalismus erfolglos und lösten Kontroversen aus. Flórez Estrada hatte für die nächste Zusammenkunft der Cortes bereits eine Rede verfasst, wurde jedoch nicht zugelassen, so dass er sie stattdessen im Dezember 1810 in der Zeitschrift El Español veröffentlichte. Danach hielt er sich einen Sommer lang in England auf und veröffentlichte seinen Verfassungsentwurf und seine Betrachtungen zur Pressefreiheit Reflexiones sobre la Libertad de Imprenta.
Nach seiner Rückkehr widmete sich Flórez Estrada dem Journalismus und gründete in Cádiz die Zeitung El Tribuno del Pueblo Español (3. November 1812 – 1. April 1814), um darin seine konstitutionellen Ideen zu verbreiten, die Notwendigkeit der Presse- und Versammlungsfreiheit anzusprechen und die politische Philosophie der Französischen Revolution zu fördern.
Zeit im Exil Mit dem Dekret vom 4. Mai 1814 wurde die Verfassung von 1812 durch den zurückgekehrten König Ferdinand VII. aufgehoben und Flórez Estrada musste das Land verlassen. Er floh, wurde kurz darauf zum Tode verurteilt und sein gesamtes Vermögen konfisziert. Er soll nach Rom gereist sein, um Karl IV. dazu zu bewegen die Krone, die sein Sohn nach dem Aufstand von Aranjuez unrechtmäßig an sich gerissen hatte, zurückzufordern. Als die Generalversammlung des Fürstentums Asturien wieder eingesetzt wurde, wurde Flórez-Estrada erneut zum Generalprokurator ernannt, konnte das Amt jedoch, aufgrund des noch immer bestehenden Todesurteils nicht antreten.
Inzwischen hielt er sich in England im Exil au, wo er 1818 in der Zeitung El Español Constitucional seine Eingabe an Seine Katholische Majestät König Ferdinand VII. zur Verteidigung der Cortes veröffentlichte. Die von spanischen Exilanten in London gegründete Zeitung wurde von Pedro Pascasio Fernández Sardino (1781–1827) herausgegeben. Freimütig verteidigte er die Nationalrechte gegen den zurückgekehrten König.Representación hecha a S. M. C. el señor D. Fernando VII en defensa de las cortes. Villalpando, Madrid 1820 (spanisch, ). Dieses Werk wurde in zahlreiche europäische Sprachen übersetzt, wodurch Estrada in ganz Europa bekannt wurde. Als nach dem Staatsstreich vom 1. Januar 1820 Spanien wieder zur Monarchie zurückfand, redigierte Estrada das zu Cádiz erscheinende Oppositionsblatt El tribuno del pueblo. Flórez-Estrada durfte nun über Paris und Barcelona nach Spanien zurückkehren und traf am 13. Mai 1820 in Madrid ein. Im Oktober 1823 zwangen die politischen Ereignisse Estrada, der dem Geheimbund der Comuneros angehörte, die Heimat zu verlassen. Erneut war er zum Tode verurteilt worden und floh über Gibraltar nach England. In London schrieb er wieder Beiträge für El Español Constitucional. In den Jahren 1830 bis 1834 lebte Flórez-Estradain Paris. Dort widmete er sich in der französischen Nationalbibliothek dem Studium der politischen Ökonomie. Anschließend kehrte er, nach dem Tod Ferdinands wieder nach Spanien zurück. Dort verbrachte Flórez-Estrada seine letzten Jahre im „Palacio de Miraflores“ in Noreña, dem Wohnsitz seiner Tante Josefa Pola y Navia, die den Feldmarschall Jacinto Acevedo geheiratet hatte.
Familie Flórez Estrada soll 1786 kurzzeitig mit einer Frau namens Juana Queipo de Llano, einer Verwandten der Grafen von Toreno, verheiratet gewesen sein, die direkt nach der Hochzeit verstarb. Er war seit dem 22. April 1797 mit María Amalia (geborene Cornejo Juareguiundo), der Tochter eines Ratsmitglieds und einer Hofdame von Maria Ludovica von Spanien. Álvaro Flórez-Estrada Cornejo Carlos Flórez-Estrada Cornejo Ramona Flórez-Estrada Cornejo Manuela Flórez-Estrada Cornejo
Schriften (Auswahl) Introducción para la Historia de la Revolución española. London 1810. Exámen imparcial de las disensiones de la América con la España, de los medios de su reconciliación y de la prosperidad de todas las naciones. D. Manuel Ximenez Carreño, Cadiz 1812 (spanisch, ). Plan para formar la estadística de la provincia de Sevilla, presentado por Alvaro Flórez Estrada a su diputación en desempeño del encargo que esta le hizo. J. Hidalgo, Sevilla 1814 (spanisch, ). Representación hecha a S. M. C. el señor D. Fernando VII en defensa de las cortes. Villalpando, Madrid 1820 (spanisch, ). Léon Galibert (Hrsg.): Cours électique d’économie politique. 3 Bände, Treuttel & Wurtz, Paris 1833, Band 2 (spanisch, ), Band 3 (spanisch, ). Curso de economía política. Imprenta de Miguel de Burgos, Madrid 1835, Band 1 (spanisch, ), Band 2 (spanisch, ). Elementos de economia politica. Madrid 1841 (Auszug des vorigen). Representacion à Fernando VII.
Übersetzungen Antoine Yves Goguet: De l’origine des lois, des arts et des sciences, et de leurs progrés chez les anciens peuples. Paris 1758 (1791/1794 Anonym von ihm ins Spanische übersetzt) Jacques-Henri Bernardin de Saint-Pierre: Études sur la nature. 3. Bände, Paris 1784 (1798 übersetzte, blieb jedoch unveröffentlicht). Gabriel Bonnot de Mably: De los derechos y deberes del ciudadano. (Originaltitel Des droits et des devoirs du citoyen. 1753).
Literatur
Joaquín Varela Suanzes-Carpegna: Álvaro Flórez Estrada (1766–1853) Política, Economía y Sociedad. Madrid 2004 (spanisch, jgpa.es PDF). Carlos Rodríguez Braun: Álvaro Flórez Estrada: Compromised Liberalism in Nineteenth-Century Spain In: The Independent Review. Band 13, Nr. 1, 2008, , S. 81–98 (englisch, independent.org).
Weblinks
Álvaro Flórez Estrada. In: Historia Hispánica. Real Academia de la Historia (spanisch, historia-hispanica.rah.es). Digitalisierte Schriften von Álvaro Flórez Estrada (catalog.hathitrust.org).
Einzelnachweise
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