Citizen Kane ( für „Bürger Kane“) ist ein US-amerikanisches Filmdrama des Regisseurs Orson Welles aus dem Jahr 1941. Die Handlung des von RKO produzierten Schwarzweißfilms schildert in Rückblenden das Leben des fiktiven Medienmagnaten Charles Foster Kane, als dessen Vorbild der US-amerikanische Verleger William Randolph Hearst diente.

Bei seiner Erstveröffentlichung war der Film ein Flop und wurde heftig kritisiert. Obwohl Citizen Kane insgesamt für zehn Oscars nominiert war, wurde er bei der Oscarverleihung 1942 lediglich für das beste Originaldrehbuch ausgezeichnet.

Heute gilt er als Meilenstein der Kinogeschichte und als einer der innovativsten und bedeutendsten Filme, die je produziert wurden. Auf der Top-Ten-Liste der Fachzeitschrift Sight & Sound des British Film Institute, die alle zehn Jahre von bekannten Regisseuren und Kritikern gewählt wird, belegte Citizen Kane von 1962 bis 2002 durchgehend den ersten Platz. Das American Film Institute listet Citizen Kane als den besten US-amerikanischen Film aller Zeiten. Auch das französische Filmmagazin Cahiers du cinéma listete Welles’ Film 2008 auf Platz 1 der besten Filme aller Zeiten.

Für seinen ungeschminkten Umgang mit dem Ideal des American Dream gilt der Film auch in Europa als zeitloser Kinoklassiker, der mit den vorherrschenden Konventionen brach und die Erzählweise späterer Werke maßgeblich beeinflusste.Georg Seeßlen: Der Filmkanon. Citizen Kane. Bundeszentrale für politische Bildung, 2. April 2010, abgerufen am 22. April 2025.

Handlung Im Jahr 1941 stirbt der US-amerikanische Zeitungsmagnat Charles Foster Kane einsam auf seinem Privatschloss Xanadu, als er gerade eine gläserne Schneekugel betrachtet. Sein letztes Wort vor dem Tod ist Rosebud (dt.: Rosenknospe).

Es folgt eine Zusammenfassung seiner Biografie im Stil einer Wochenschausendung (News on the March), einzelne Lebensstationen werden beleuchtet. Aus ärmlichen Verhältnissen stammend, baute Kane ein Imperium auf, das aus 37 Zeitungen sowie zahlreichen Verlagen, Firmen und Immobilien bestand. Gezeigt wird ein Mensch, der stets in der Öffentlichkeit gestanden und die Massen polarisiert hat. Die Sendung entpuppt sich als Probeaufführung vor Mitarbeitern der Wochenschau. Doch der Produzent ist der Meinung, dass der richtige Aufhänger noch fehle – etwas, das die Privatperson Kane treffend charakterisiert. Er beauftragt den Reporter Thompson, herauszufinden, was hinter dem letzten Wort von Kane tatsächlich steckt.

Für seine Recherche sucht Thompson verschiedene Personen und Orte auf. Zunächst versucht er, Kanes zweite Ehefrau Susan Alexander, die von ihm getrennt lebt, zu treffen. Die ehemalige Opernsängerin und jetzige Nachtclubtänzerin und Alkoholikerin weigert sich jedoch, mit ihm zu sprechen.

Der Reporter begibt sich dann in das Privatarchiv des längst verstorbenen Bankiers Thatcher, der Kanes Ziehvater war. Aus Tagebüchern erfährt man, dass Kanes Mutter Mary 1871 unerwartet zu Reichtum kam, nachdem ein säumiger Schuldner ihr ein Bergwerk überschrieben hatte, das sich später als Goldmine entpuppte. Sie beschloss, die Erträge aus dieser Mine zur Gänze in die Erziehung und Ausbildung ihres kleinen Sohnes zu investieren, und gab Kane in die Hände seines neuen Vormundes Thatcher. Kane trennte sich nur widerwillig von seinen Eltern, seinen Schlitten ließ er im Schnee zurück. Mit Vollendung seines 25. Lebensjahres erhielt Kane die Verfügungsgewalt über sein mittlerweile umfangreiches Vermögen. Im Gegensatz zu Thatcher interessiert er sich aber nicht für Anlageobjekte wie Goldminen oder Grundstücke. Er will lieber Chefredakteur seiner Zeitung New York Inquirer werden. Kane verwandelt das seriöse Blatt in eine Boulevardzeitung, die nicht nur Klatschmeldungen und Skandalgeschichten abdruckt, sondern auch die Art und Weise anprangert, wie auf der Wall Street Geschäfte gemacht werden. Er diffamiert sogar Unternehmen, an denen er selbst beteiligt ist – sehr zum Missfallen von Thatcher, der Kane wegen seiner linken Gesinnung und seines leichtsinnigen Umgangs mit Geld kritisiert. Thatcher kauft Kane die Zeitung ab, nachdem dieser durch den Schwarzen Donnerstag, der zur Great Depression führte, große finanzielle Verluste erlitten hat.

Nach seinem Besuch in Thatchers Archiv sucht Thompson Kanes langjährigen Geschäftsführer und Finanzberater Bernstein auf. Dieser vermutet, dass Rosebud ein Mädchen gewesen sei oder etwas, das Kane entweder verloren oder sich vergeblich gewünscht hat. Bernstein erinnert sich an die Übernahme des Inquirer durch Kane in den späten 1880er-Jahren: Die Umstrukturierung und Neuausrichtung der Zeitung begleitet Kane mit einer Grundsatzerklärung. Darin sichert er zu, er wolle die Bürger- und Menschenrechte seiner Leser verteidigen und eine Zeitung machen, die wahrheitsgetreu und unabhängig von Unternehmerinteressen berichtet. Diese Erklärung wird von Jedediah Leland, Kanes bestem Freund, als „historisches Dokument“ aufbewahrt. Der Inquirer wird in den folgenden Jahren zur auflagenstärksten Zeitung New Yorks. Kane beginnt, antike Statuen zu sammeln, und unternimmt eine mehrmonatige Europareise. Als er zurückkommt, ist er mit Emily Norton verlobt, der Nichte des US-Präsidenten. In dieser Zeit kommt es zu ersten Differenzen zwischen Kane und Leland, unter anderem wegen ihrer gegensätzlichen Haltung zum Spanisch-Amerikanischen Krieg.

Als Nächstes sucht Thompson Kanes langjährigen Freund und ehemaligen Mitschüler Leland auf, der ihn (nach Bernsteins Aussage) am besten gekannt haben soll. Leland ist der Meinung, dass Kane immer nur an sich selbst geglaubt habe und am Ende ohne den Glauben an irgendetwas gestorben sei. Er berichtet von Kanes Familienleben: 1904 wird Kanes Sohn geboren, aber ein harmonisches Familienleben ist mit Kane, der in erster Linie an seiner Arbeit interessiert ist, nicht möglich. Die zunehmende emotionale Distanz der Ehepartner wird durch Frühstückszenen verdeutlicht, die über mehrere Jahre hinweg die Entfremdung der beiden dokumentieren. Dabei sorgen Kanes regelmäßige Attacken auf Emilys Onkel, den Präsidenten der Vereinigten Staaten, zusätzlich für Konflikte, die schließlich dazu führen, dass beide schweigend am Frühstückstisch sitzen, während Kane den Inquirer und Emily dessen Konkurrenzblatt Chronicle liest. 1916 lernt Kane die junge Susan Alexander kennen, Angestellte einer Notenhandlung und Hobby-Sängerin. Sie entwickeln Sympathien füreinander und treffen sich regelmäßig. Es bleibt offen, ob sie eine Affäre haben oder eine platonische Freundschaft führen. Zur gleichen Zeit kandidiert Kane bei der Wahl zum Gouverneur, wobei sich sein Sieg bereits abzeichnet. Aber sein politischer Gegner, Jim Gettys, weiß von den Treffen mit Susan und stellt Kane vor die Wahl: entweder legt er die Kandidatur nieder, oder seine vermeintliche Affäre wird öffentlich gemacht. Da Kane sich weigert, berichten die Zeitungen bereits am nächsten Tag über den Skandal. Die Wahl ist für ihn verloren. Zwei Wochen nachdem Emily sich von ihm hat scheiden lassen, heiratet Kane Susan. Um der talentlosen Sängerin eine Karriere als Opernstar zu ermöglichen, errichtet er ihr in Chicago ein Opernhaus. Leland, inzwischen Theaterkritiker bei Kanes Zeitung und seit Jahren mit Kane zerstritten, wird am Abend nach der Uraufführung von Kane in der Redaktion aufgefunden, wo er betrunken auf seiner Schreibmaschine schläft, in die noch seine halbfertige Kritik eingespannt ist. Kane amüsiert sich über den scharfen Tonfall und schreibt „den Verriss“ so negativ zu Ende, wie Leland ihn begonnen hat, und veröffentlicht die fertige Kritik. Anschließend feuert er Leland. Seine erste Frau Emily und Kanes einziger Sohn sterben zwei Jahre nach der Scheidung durch einen Autounfall.

Thompson besucht Susan Alexander ein zweites Mal. Diesmal berichtet sie ihm von ihrer Karriere als Opernsängerin. Obwohl ihre Stimme sich nicht dafür eignet, will Kane aus ihr einen großen Star machen. Ihr erster Auftritt gerät zum Debakel. Nachdem Kane Leland, wegen der beleidigenden Kritik, entlassen hat, schickt dieser seinem ehemaligen Freund einen Brief. Darin befindet sich ein zerrissener Scheck über 25.000 Dollar, den ihm Kane als Abfindung hat zukommen lassen, und die Grundsatzerklärung über die journalistischen Werte des Inquirer, die Kane Jahre zuvor geschrieben hat. Susan, deren Fähigkeiten als Sängerin überall auf Ablehnung stoßen, weigert sich, weiterhin aufzutreten, doch Kane zwingt sie dazu. Erst nach einem missglückten Suizidversuch darf Susan ihre Gesangslaufbahn beenden. In den folgenden Jahren beginnt Kane mit dem Bau von Xanadu, wo beide fortan einen Großteil ihrer Zeit verbringen. Susan hasst die Abgeschiedenheit des Palastes und will nach New York zurück. Auf einem Ausflug kommt es zu einem heftigen Streit zwischen den beiden, bei dem Kane seiner Frau gegenüber handgreiflich wird. Sie packt daraufhin ihre Sachen und verlässt ihn, obwohl er sie anfleht zu bleiben.

Am Ende fährt Thompson nach Xanadu, wo Kanes enorme Besitztümer sortiert werden. Dort trifft er auf den Butler Raymond. Dieser berichtet von Susans Abreise aus Xanadu, und der Zuschauer sieht, wie Kane in seinem Zorn Susans Zimmer zerstört und dabei eine Schneekugel findet, die ihn an seine Kindheit erinnert – an den Tag, an dem er seine Eltern verlassen musste. Thompson beendet seine Suche mit der Vermutung, dass Rosebud etwas sei, das Kane – im Gegensatz zu allen anderen Dingen – nicht bekommen konnte oder das er wieder verloren hatte. Die letzte Einstellung des Films zeigt, wie Kanes wertlose Besitztümer in einem großen Ofen verbrannt werden, darunter auch sein alter Schlitten aus Kindheitstagen, der die Aufschrift Rosebud trägt.

Entstehungsgeschichte Vorproduktion Orson Welles begann seine Karriere als Theaterregisseur und Rundfunksprecher. Nach dem großen Erfolg des von ihm inszenierten Hörspiels Krieg der Welten, das ihn landesweit bekannt machte, wurde er 1939 im Alter von 24 Jahren von der Produktionsfirma RKO Pictures unter Vertrag genommen. Das Studio steckte Ende der 1930er-Jahre in finanziellen Schwierigkeitenmadisonavenuejournal.com: (englisch) und erhoffte sich viel von Welles, der in der Branche als „Wunderkind“ bezeichnet wurde. Bei der Wahl seines ersten Filmstoffes ließ man ihm freie Hand. Seine geplante Adaption des Romans Herz der Finsternis von Joseph Conrad scheiterte jedoch an der FinanzierungRichard Corliss: Praising Kane, TIME und für eine Verfilmung des Buches The Smiler with the Knife wurde keine passende Darstellerin gefunden.Robert Carringer: The Making of Citizen Kane Im Januar 1940 spottete dann der Hollywood Reporter, es würden bereits Wetten abgeschlossen, ob Welles überhaupt einen Film für RKO zustande bringt, bevor sein Vertrag auslaufe.

Von den Produzenten zunehmend unter Druck gesetzt, entschied sich der Regisseur schließlich für ein Projekt, das ihn schon seit seiner Kindheit beschäftigte.

Während seiner Schulzeit hatte Welles ein Theaterstück geschrieben mit dem Titel „Marching Song“, das den Lebenslauf eines Mannes aus der Sicht seiner Zeitgenossen erzählt. Daraus entwickelte er nun die Grundidee zu Citizen Kane. Als weiterer Impuls gilt Aldous Huxleys Roman Nach vielen Sommern von 1939.

Drehbuch Herman J. Mankiewicz, den Welles aus seiner Zeit beim Radio kannte, schrieb die erste Fassung des Drehbuches im Frühjahr 1940 auf seiner Ranch in Victorville. Co-Autoren waren Orson Welles und John Houseman, der im Vorspann jedoch nicht genannt wird. Da sich Mankiewicz ein Bein gebrochen hatte, lag dieser die meiste Zeit im Bett und brachte dort in zwölf Wochen über 200 Seiten zu Papier.