mini|hochkant=1.66|Die Oneida innerhalb der fünf Nationen der Irokesen, Stammesgebiet um 1650
Die Oneida oder Onyota'a:ka bzw. Onyota’ake („Volk des (aufrecht)stehenden Steines“) sind ein Stamm der Haudenosaunee („Leute des Langhauses“), besser bekannt als Irokesenliga oder -Konföderation, eines Bündnisses aus ursprünglich fünf (später sechs) Stämmen oder Nationen der irokesischen Sprachfamilie. Im allgemeinen Sprachgebrauch werden diese Stämme als Irokesen bezeichnet. Sie sind eine der indigenen Gruppen der Indianer Nordamerikas. Das Wohn- und Jagdgebiet der Oneida lag zwischen dem Territorium der Mohawk im Osten und der Onondaga im Westen.
Heute leben Angehörige der Oneida in der Oneida Indian Nation of New York in New York, in der Oneida Nation of Wisconsin in Wisconsin, in und um den Ort Green Bay in Wisconsin sowie im Reservat der Six Nations of the Grand River und in der Oneida Nation of the Thames in Southwold, Ontario, Kanada.
Wohn- und Jagdgebiet Die Dörfer der Oneida lagen im 17. Jahrhundert im Einzugsbereich des Oneida Creeks, der in den Oneida Lake mündet. Die Oneida bewohnten außerdem den Wood Creek und das obere Tal des Mohawk Rivers. Ihr Jagdgebiet erstreckte sich im Norden bis an den Sankt-Lorenz-Strom und im Süden bis zum Susquehanna River. Zur Zeit des ersten Kontakts mit Europäern besaßen sie nur ein einziges Hauptdorf, das den gleichen Namen wie der Stamm trug. Die erste authentische Beschreibung eines Oneidadorfs kommt von einem Holländer, vermutlich Hermen Mmeyndertsz van den Bogaert, der die Oneida 1634 besuchte. Zu dieser Zeit wurde das Dorf durch Palisaden geschützt und umfasste 66 Häuser. Es lag wahrscheinlich beim heutigen Ort Munnsville im Madison County, New York. Der französische Jesuit und Missionar Jacques Bruyas errichtete dort 1667 die Mission Saint Francois Xavier. Seinem Bericht zufolge lag das Dorf der Oneida rund fünf Leagues (20 km) vom Oneida Lake entfernt. Eine weitere überlieferte Beschreibung des Dorfes stammt von Wentworth Greenhalgh aus dem Jahr 1677. Er berichtet von einem palisadengeschützten Ort mit etwa 100 Häusern, der östlich eines schmalen Flusses lag. Das Dorf war zu dieser Zeit neu angelegt worden, deshalb mussten die Einwohner zusätzlichen Mais von ihren Nachbarn, den Onondaga, kaufen. Offenbar war es dasselbe Dorf, das die Franzosen 1696 zerstörten.Bruce G. Trigger (Hrsg.): Handbook of North American Indians. Bd. 15: Northeast, S. 481.
Auch im achtzehnten Jahrhundert lag das größte Dorf der Oneida in der Nähe des Oneida Lake. 1757 gab es hier zwei Dörfer: Das größere war etwa 8 km vom See entfernt, während das kleinere am Seeufer lag. Um 1762 gab es ein neues Dorf namens Canowaroghere („wo ein Schädel aufgespießt ist“). Um diese Zeit lebten einige Oneidafamilien in Oquaga, dem heutigen Windsor in der kanadischen Provinz Ontario.
Im achtzehnten Jahrhundert nahmen die Oneida zahlreiche Mitglieder anderer Indianerstämme bei sich auf. Nach den Tuscarora-Kriegen (1711–1713) zogen viele Tuscarora nach Norden und siedelten auf Oneidaland. 1785 nahmen die Stockbridge die Einladung der Oneida an und errichteten das Dorf New Stockbridge in deren Nachbarschaft. 1788 schließlich kamen weitere versprengte Indianer der Ostküste, darunter Mahican, Mohegan, Pequot, Narraganset und Montauk. Sie errichteten in der Nähe von New Stockbridge den Ort Brothertown.
Im Laufe eines Jahrhunderts hatte sich auch die Wohnweise der Oneida verändert. Lebten sie um 1634 noch in Langhäusern, in denen bis zu 20 Familien Platz fanden, so gab es um 1750 fast ausschließlich Einfamilienhäuser.
Geschichte Pelzhandel und Biberkriege miniatur|Französische Pelzhändler in Kanada im achtzehnten Jahrhundert Der Kontakt mit Europäern, zunächst mit Holländern und Franzosen und später mit Engländern, führte zu erheblichen Veränderungen in der Lebensweise der Oneida. Europäische Waren lösten Tierhäute und Felle ab, während der traditionelle Kleidungsstil im achtzehnten Jahrhundert weiterhin bevorzugt wurde. Gefäße aus Ton und Baumrinde wurden durch Töpfe aus Kupfer und Eisen ersetzt. Das Flechten von Korbwaren erlernten die Indianer vermutlich von den Holländern und Schweden. Bei der Jagd nutzten die Oneida nun Gewehre, Messer, Beile und eiserne Fallen, die Pfeil und Bogen sowie Steinwerkzeuge, Baumfallen und Schlingen ablösten.Bruce G. Trigger (Hrsg.): Handbook of North American Indians. Bd. 15: Northeast, S. 482–483.
Die Oneida beteiligten sich frühzeitig am Pelzhandel, der ihr soziales und politisches System veränderte und zu einer fast endlosen Folge von Kriegen und Verträgen zwischen den verschiedenen Parteien führte. Die Krieger der Oneida durchstreiften ein Gebiet, das sich vom Sankt-Lorenz-Strom im Norden bis South Carolina im Süden und von der Atlantikküste im Osten bis zum Mississippi River im Westen erstreckte. Um 1640 waren die Pelztiervorkommen im Gebiet der östlichen Irokesen nahezu erschöpft und die Oneida fürchteten eine Krise. Sie hatten zwar genügend Lebensmittel, doch der Pelzhandel sicherte den Erwerb europäischer Waren. Inzwischen hatten sie sich an den Gebrauch europäischer Waffen und Werkzeuge gewöhnt, sodass die traditionelle Herstellung dieser Dinge in Vergessenheit geraten war. Um 1640 gab es im amerikanischen Nordosten zwei konkurrierende Handelsnetzwerke, die sich unterschiedlicher Methoden bedienten. Das erste hatte sich zwischen Algonkin, Huronen und Franzosen entwickelt, während das zweite zwischen Irokesen und Holländern und später Engländern bestand. Jede Partei versuchte, der anderen die Kontrolle über die begrenzten Pelzvorkommen streitig zu machen, ein Konkurrenzkampf, der schließlich zu einer 60 Jahre dauernden Folge von Kriegen führte. Im Verlauf dieser Biberkriege kämpften die Oneida bevorzugt gegen die östlichen Algonkinstämme und die Huronen. Ihre Kriegszüge erstreckten sich bis nach Virginia und Maryland, sehr zum Verdruss der Gouverneure dieser englischen Kolonien.
Gemeinsam mit ihren in der Irokesenliga vereinten Stammesbrüdern unterwarfen oder vernichteten sie die benachbarten Stämme, dazu gehörten die Huronen, Neutral, Petun, Potawatomi, Ottawa und Susquehannock. Die Herrschaft der Irokesen reichte im Westen bis nach Green Bay in Illinois und im Süden bis über Pennsylvania hinaus. Der Jesuit Jerome Lalemant bemerkte treffend: „… es ist schon erstaunlich, dass so wenige Leute ein derartiges Unheil anrichten können und von einer so großen Anzahl anderer Stämme gefürchtet werden.“
Weil ihr Stamm relativ klein war, fürchteten sie den Verlust von Stammesangehörigen durch Kriege. Deshalb versuchten sie, dieses Problem durch Adoption von gefangenen Feinden und das Ausleihen von Kriegern anderer Stämme zu lösen. Die Aufzeichnungen der Jesuiten aus den Jahren 1645–46 berichten von der Wiederbevölkerung des Stammes durch Mohawk-Krieger infolge der Verluste, die durch eine verheerende Niederlage der Oneida gegen die Huronen und Algonkin verursacht worden war. Aus den Aufzeichnungen des Jesuiten Bruyas geht 1668 hervor, dass zu dieser Zeit zwei Drittel der Oneidapopulation aus ehemaligen Algonkin und Huronen bestand. Diese bemerkenswerte Umwandlung des Feindes zum Stammesangehörigen wurde nur möglich, weil der Einzelne nicht nur adoptiert wurde, sondern eine bestimmte Rolle in der Familie übernahm, die durch den Toten frei geworden war. Unter den wachsamen Augen der führenden Frauen erlernten sie schnell, was von ihnen erwartet wurde. Enttäuschten sie die Klanmutter, konnte das ihren Tod bedeuten.
Die Forderungen nach Vergeltung waren offenkundige Gründe für neue Kriegszüge, während die Aussicht auf Beute das Ansehen der Stammesführer steigerte. Sogar das offizielle Ende der Kriege 1698 und die zugesicherte Neutralität von Engländern und Franzosen gegenüber den Irokesen konnte vereinzelte Überfälle nicht stoppen. Zu sehr hatte sich diese Form des Krieges zu einem wichtigen Aspekt im Prestige-System der Irokesen entwickelt. Die Krieger hatten erkannt, dass sie hierdurch Macht und Ansehen im Stamm und den Status eines Pinetree-Häuptlings erlangen konnten. Junge Krieger folgten erfahrenen Führern und eine Person mit großer Gefolgschaft war in der Lage, Prestige in Macht umzuwandeln. Oneida-Führer, wie der adoptierte Susquehannock-Krieger Shenandoah und Daniel Bread, waren prominente Beispiele. Das Ergebnis war eine wachsende Zahl an Pinetree-Häuptlingen, die zu einer zunehmenden Belastung der politischen Struktur in der Oneidagesellschaft wurden. Es hatten sich zwei Fraktionen entwickelt: eine Häuptlingsfraktion, die ihre Macht traditionell durch die Klanmütter erhielt, und eine Kriegerfraktion, die ihr Ansehen den militärischen Erfolgen verdankte. Während die Krieger ausreichend Macht besaßen, dem Diktat der Stammesältesten zu widerstehen, fehlte es ihnen an ausreichendem Rückhalt in der Bevölkerung.
Das achtzehnte Jahrhundert miniatur|hochkant|Oneida-Häuptling Skikellamy um 1740
Ein presbyterianischer Geistlicher namens Samuel Kirkland (1741–1808) errichtete 1767 eine Kirche bei den Oneida. In den 1740er Jahren war eine neue Bewegung entstanden, die als die Great Awakement (Große Erweckung) bezeichnet wurde. Kirkland war ein Anhänger der fundamentalistischen Lehren von Jonathan Edwards, in denen Determinismus, strenge Selbstdisziplin, Buße, Erneuerung und Taufe gepredigt wurde. Er ermahnte die Oneida, ihren traditionellen Glauben abzulegen, und forderte den Einzelnen auf, Buße zu tun und Jesus Christus und das Neue Licht anzunehmen, wenn er gerettet werden wollte.Bruce G. Trigger (Hrsg.): Handbook of North American Indians. Bd. 15: Northeast, S. 483–484.
Kirkland forderte die Anhänger des traditionellen Glaubens heraus und musste feststellen, dass seine Gefolgschaft mehrheitlich aus Kreisen der Krieger kam. Er wollte keinen Streit, sondern versuchte, eine religiöse Bestätigung der bestehenden politischen Realität einzuführen. In seinem 1770 erschienenen Journal betonte er sinngemäß: „… die Krieger dürfen nicht unter der Kontrolle von hereditären Sachems stehen.“ Damit griff er die symbolische Basis der politischen Strukturen an und forderte den Widerstand der Sachems heraus.
In den 1760er Jahren wurden die Oneida trotz ihrer offiziell verkündeten Neutralität in einen neuen verlustreichen Krieg gedrängt. Nach beträchtlichem Druck sowohl von den Engländern als auch von den Franzosen standen die Oneida im sogenannten Franzosen- und Indianerkrieg schließlich auf englischer Seite. Hinzu kam zunehmender Druck weißer Siedler, die das Land der Indianer beanspruchten. Im gleichen Zeitraum wurden die Oneida von mehreren Hungersnöten heimgesucht. Alkoholismus, Streitigkeiten unter Stammesmitgliedern und Verbrechen waren an der Tagesordnung. Aus Kirklands Sicht konnte er sich keinen besseren Zeitpunkt für seine Pläne wünschen.
Amerikanischer Unabhängigkeitskrieg mini|hochkant|George Washington, Lansdowne Portrait von Gilbert Stuart, 1796