Dieser Artikel behandelt tagesbezogene Nachrichten und Ereignisse im November 2005.

Tagesgeschehen

Dienstag, 1. November 2005 Addis Abeba/Äthiopien: In der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba sterben bei Unruhen sechs Menschen, 36 weitere werden verletzt. Die Opposition rief zu Protesten gegen das Ergebnis der Parlamentswahlen auf. Berlin/Deutschland: Die Verhandlungen zur Bildung einer Großen Koalition stocken wegen des Rücktritts des SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering und des Entschlusses von Edmund Stoiber (CSU), auf das Amt des Bundesministers für Wirtschaft zu verzichten. Der Auslöser für den Rücktritt Münteferings ist die erfolgreiche Kandidatur von Andrea Nahles für den Parteivorstand – ein Affront gegen Münteferings konservativ eingestellten Wunschkandidaten für das Amt des Generalsekretärs Kajo Wasserhövel. Stoiber hingegen verzichtet auf die Leitung des Ministeriums für Wirtschaft, weil der Zuschnitt seines Ressorts umstritten bleibt. Berlin/Deutschland: Der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein Peter Harry Carstensen (CDU) tritt sein Amt als Präsident des Bundesrates an. Kirkuk/Irak: Ein 13-jähriger Junge verübt einen Bomben-Anschlag auf den Autokonvoi des Polizeichefs. Der Attentäter kommt ums Leben. Mehrere Menschen wurden verletzt. New York/Vereinigte Staaten: Nach knapp 20 Jahren wird das Aussichtsdeck auf dem Hochhaus 30 Rock, Teil des Rockefeller Centers in Manhattan, wiedereröffnet. Künftig sollen Touristen pro Stunde von hier auf die Stadt schauen können.

Mittwoch, 2. November 2005 mini|200px|Von den Unruhen betroffene Départements (teilweise nur einzelne Vorfälle) in Frankreich Nürnberg/Deutschland: Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Oktober auf 4,556 Millionen gesunken. Das wären 94.000 weniger als im September, aber 349.000 mehr als vor einem Jahr, berichtete die Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg. Die Arbeitslosenquote ging um 0,2 Punkte auf 11,0 % zurück und ist im Jahresvergleich stärker gesunken als erwartet. Pakistan: Bei dem schweren Erdbeben in Pakistan vor dreieinhalb Wochen sind 73.276 Menschen gestorben. Diese Zahl teilte der Leiter der Rettungsarbeiten in Islamabad mit. Zuletzt wurde von mehr als 57.000 Toten gesprochen. Im Erdbebengebiet in Nordpakistan bahnt sich indessen laut dem UN-Kinderhilfswerk UNICEF eine weitere Katastrophe an. Nach neuesten Schätzungen seien im Krisengebiet über zwei Millionen Menschen auf lebensrettende Hilfe angewiesen, die Hälfte davon Kinder und Jugendliche, warnte die Organisation. Paris/Frankreich: Bereits den sechsten Tag in Folge werden die Pariser Vororte von einer Welle der Gewalt heimgesucht. Auch in der Nacht auf heute lieferten Jugendliche der Polizei erneut Straßenschlachten und steckten Dutzende Fahrzeuge in Brand. Ausgelöst wurden die Krawalle, die in Frankreich die Diskussion über zugemutete Lebensbedingungen in „sozialen Problemvierteln“ neu entfacht haben, durch den Unfalltod zweier Jugendlicher am 26. Oktober.Siehe auch: Unruhen in Frankreich 2005 Soest/Deutschland: In Soest wird die 668. Allerheiligenkirmes eröffnet. Statistisch gesehen die größte Altstadtkirmes (vormals die größte Innenstadtkirmes) Europas findet jährlich in der historischen Soester Altstadt statt. Insgesamt bauen die Schausteller ihre Geschäfte auf einer Fläche von ca. 50.000 m² auf. Jährlich besuchen knapp eine Million Besucher das Volksfest im Herz Westfalens an insgesamt fünf Kirmestagen.

Donnerstag, 3. November 2005 Äthiopien: Im ostafrikanischen Staat spitzt sich die Lage weiter zu. Mittlerweile kommt es den dritten Tag in Folge zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. Diese Unruhen richten sich gegen einen angeblichen Wahlbetrug der Regierung von Ministerpräsident Meles Zenawi bei der Parlamentswahl im Mai. Zu den Demonstrationen hatte die oppositionelle Koalition für Demokratie und Einheit (Qinijit) aufgerufen. Dutzende Menschen starben bereits. Währenddessen eskalieren die Spannungen an der äthiopisch-eritreischen Grenze, wo beide Staaten zwei Jahre lang bis 2000 einen erbitterten Krieg geführt hatten. Nach Angaben von UNO-Beobachtern ziehen sie derzeit wieder Truppen, Panzer und andere schwere Waffen zusammen. UNO-Generalsekretär Kofi Annan rief deswegen zu großer Vorsicht auf, denn jede Handlung könne missverstanden werden. Auch das österreichische Außenministerium hat sich zu den Vorfällen geäußert und gab eine Reisewarnung aus. Ramallah/Palästinensische Autonomiegebiete: Israelische Soldaten haben mit scharfen Schüssen auf protestierende palästinensische Jugendliche einen zwölfjährigen Jungen getötet. Das Kind verstarb in der Stadt Dschenin im nördlichen Westjordanland, wie palästinensische Ärzte mitteilten. Er hatte zusammen mit anderen Jugendlichen die israelischen Soldaten mit Steinen beworfen. Die israelische Armee war mit mehr als 30 Geländewagen und unterstützt von zwei Hubschraubern in Dschenin eingerückt, um Mitglieder der radikalen Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad festzunehmen. Vereinigte Staaten: Nach einem Bericht der „Washington Post“ unterhält der US-Geheimdienst CIA mehrere Geheimgefängnisse für hochrangige Terrorverdächtige in Osteuropa und Asien. Zu den acht Standorten des verborgenen Gefängnissystems wurden neben Thailand und Afghanistan auch „mehrere Demokratien in Osteuropa“ genannt. Die Namen der osteuropäischen Länder hielt die Zeitung nach eigenen Angaben auf Bitten von US-Vertretern zurück. Diese fürchten demnach, dass es nach einem Bekanntwerden der Gefängnisstandorte zu Anschlagsversuchen kommen könnte. Auf diese Medienberichte hin hat sich nun die EU-Kommission eingeschaltet. Man werde die Berichte prüfen, versicherte ein Sprecher von EU-Justizkommissar Franco Frattini in Brüssel. Dabei handle es sich um eine „heikle Angelegenheit“, denn die EU habe keine direkten Kompetenzen in diesem Bereich.

Freitag, 4. November 2005 Fidschi: Mitglieder der Nichtregierungsorganisation World Wide Fund For Nature entdecken in einem Riff eine bisher unbekannte Fischart aus der Familie der Riffbarsche. Krakau/Polen: Rund ein halbes Jahr nach dem Tod von Papst Johannes Paul II. begann gestern in Krakau die Beweisaufnahme im Verfahren zu seiner Seligsprechung. Das Tribunal wird Beweise für Wunder sammeln. In Krakau werden polnischsprachige Zeugen vernommen werden, alle anderen in Rom. Lissabon/Portugal: In der portugiesischen Hauptstadt wurden die 12. MTV Europe Music Awards verleihen. Zu den großen Abräumern gehören unter anderem: Green Day (Beste Rockband und Bestes Album – „American Idiot“), Coldplay (Beste Band aus Großbritannien und Irland und Bester Song – „Speed of Sound“) und Gorillaz (Beste Band). Die Show selbst wurde von insgesamt elf Live-Acts sowie Gastauftritten zahlreicher prominenter Präsentatoren umrahmt, der als „Ali G“ bekannte britische Komiker Sacha Baron Cohen moderierte in seiner Rolle als osteuropäischer MTV-Moderator Borat. Über die Preisvergabe stimmen die Zuschauer in Europa ab. Nach Angaben der Veranstalter kamen 10.000 Zuschauer in den Atlantischen Pavillon in Lissabon. An den Fernsehern könnte die Show bis zu eine Milliarde Zuschauer erreicht haben.

Samstag, 5. November 2005 mini|250px|Teilnehmer des Gipfels der Amerikas Frankreich: Bereits die neunte Nacht in Folge erlebt Frankreich schwere soziale Unruhen. Trotz eines massiven Polizeiaufgebots haben sich die Ausschreitungen französischer Jugendlicher in mehreren Pariser Vororten weiter verstärkt. Landesweit seien rund 900 Autos in Brand gesteckt und 253 Personen festgenommen worden, teilte die französische Polizei mit. In der Nacht hatte es erstmals auch Krawalle in anderen Landesteilen gegeben, wie in Vororten von Dijon, Rouen und Marseille. Der konservativen Regierung werfen Regionalpolitiker vor, nicht ausreichend auf die sich täglich weiter ausbreitende Gewalt zu reagieren.Siehe auch: Unruhen in Frankreich 2005 Irak: Die US Army hat in der westirakischen Provinz al-Anbar an der Grenze zu Syrien eine neue Offensive gestartet. An dem Einsatz, der unter dem Namen „Operation Eiserner Vorhang“ läuft und seinen Schwerpunkt der Stadt Hussaibah hat, seien 2.500 amerikanische und 1.000 irakische Soldaten beteiligt, so die US-Armee in einer Erklärung. Ziel des Einsatzes sei die Wiederherstellung der Sicherheit an der irakisch-syrischen Grenze sowie das regionale Netzwerk der Extremistenorganisation Al-Qaida zu zerstören. Mar del Plata/Argentinien: In Mar del Plata und Buenos Aires sowie in rund 200 anderen argentinischen Städten kommt es zu schweren Ausschreitungen und Kundgebungen. Ausländische Banken und US-amerikanische Fastfood-Restaurants werden in Brand gesetzt. Die Polizei geht gegen die Protestbewegung mit Gummigeschossen und Tränengas vor. Die politisch links motivierten Krawalle richten sich gegen die Anwesenheit von US-Präsident George W. Bush auf dem Gipfeltreffen amerikanischer Staaten sowie gegen den Plan der nordamerikanischen Staaten zur Gründung einer Freihandelszone auf dem gesamten amerikanischen Kontinent, die u. a. von den Teilnehmern am „Gipfel der Völker“ abgelehnt wird.

Sonntag, 6. November 2005 mini|150px|„Naypyidaw“ in birmanischer Schrift mini|150px|Präsident Sarkozy wird eine Mitschuld an den Unruhen zugeschrieben Naypyidaw/Myanmar: Auf Anraten eines Astrologen verlegt Staatsoberhaupt Than Shwe die Hauptstadt des Königreichs von Rangun am Indischen Ozean rund 300 km ins Landesinnere. Dort soll die Planstadt Naypyidaw entstehen. Paris/Frankreich: Nach der Ankündigung der französischen Regierung, mit aller Härte gegen jugendliche Randalierer der aktuellen landesweiten Gewaltexzesse vorzugehen, setzen sich die Krawalle im ganzen Land fort, am stärksten betroffen ist Paris. In der Nacht zum 6. November werden 1.295 Fahrzeuge in Brand gesetzt und 312 Personen festgenommen.orf.at

Montag, 7. November 2005 mini|150px|Mars (Hubble-Teleskop, Juni 2001) Berlin/Deutschland: Im deutschen Bundestag gibt es weiterhin breiten Widerstand gegen die nun vierte Kandidatur von Lothar Bisky (Linkspartei.PDS) zum fünften Vizepräsidenten. Der Bundestag entscheidet, dass für diese Wahl eine einfache Mehrheit genügen soll. Brüssel/Belgien: Der EU-Chefverhandler für den Dezember-Gipfel der WTO in Hongkong, Peter Mandelson, gerät bezüglich der umstrittenen Agrarförderungen von mehreren Seiten unter Beschuss. Frankreichs Regierung sagt, seine namens der 25 EU-Staaten abgegebenes Offerte „sei falsch und gehe zu weit“. Vertreter der großen Agrarexporteure Indien und Brasilien hatten am Montag in London angedeutet, man werde die gesteckten Ziele beim WTO-Gipfeltreffen in Hongkong nicht erreichen und brauche bald ein „Hongkong II“. Nach EU-Handelskommissar Mandelson ziehe hingegen „Gleichgültigkeit auf, sobald die Erwartungen reduziert würden“. Beim Hauptstreitpunkt, den Agrarsubventionen, werfen die USA und andere Länder der EU vor, ihren Agrarmarkt zu sehr abzuschotten. Die Zugeständnisse zum Abbau von Agrar-Zöllen und -Subventionen reichen ihnen nicht weit genug. Dortmund/Deutschland: Aus dem präsentierten dritten Band der „Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung“ (IGLU) zum Leseverständnis von Viertklässlern geht eindeutig hervor, dass Jungen bei identischer Leistung in Deutsch oder Sachkunde schlechter als Mädchen benotet werden. „Jungen werden leicht benachteiligt“, äußert der wissenschaftliche Leiter der IGLU-Studie für Deutschland, Professor Wilfried Bos. Als Ursache für bessere Noten der Mädchen sei möglicherweise deren „Wohlverhalten“ zu sehen. Mars: Der „Rote Planet“ steht wieder in Erdnähe und ist das hellste Objekt am Sternhimmel. In der diesjährigen Opposition ist Mars von uns 0,46 AE entfernt, was nur etwa 10 % ferner ist als die „Jahrtausend-Opposition“ von 2003.