mini|Herybert Menzel Herybert Menzel (* 10. August 1906 in Obornik bei Posen; † Februar 1945 in Tirschtiegel bei Posen) war ein deutscher Dichter und Schriftsteller zur Zeit des Nationalsozialismus sowie Mitglied im Bamberger Dichterkreis.
Leben Menzel war der Sohn eines Postsekretärs und wuchs in der Grenzstadt Tirschtiegel auf. Nach dem Abitur in Crossen studierte er zwei Semester Rechtswissenschaften in Breslau und Berlin. Danach ließ er sich als freier Schriftsteller in seiner Heimatstadt nieder. 1926 veröffentlichte er seine erste selbständige Publikation, den Gedichtband Mond, Sonne und Stern und Ich. Kleine Lieder.Rolf Düsterberg: Herybert Menzel – der „Sänger der ostmärkischen SA“. In: Ders. (Hrsg.): Dichter für das „Dritte Reich“. Band 2. Biografische Studien zum Verhältnis von Literatur und Ideologie. Bielefeld: Aisthesis 2011, S. 146.
Für sein künstlerisches Schaffen waren die Spannungen zwischen Polen und Deutschen in der Grenzmark Posen-Westpreußen prägend. Auf diese konfliktgeladene Atmosphäre in seiner Heimatregion geht Menzel u. a. in den Werken Grenzmärkische Sagen (1929), Der Grenzmark-Rappe. Grenzmärkische Sagen, Erzählungen, Balladen und Gedichte (1933) sowie in seinem ersten Roman Umstrittene Erde (1930) ein. Letzterer brachte es bis 1943 zu mehreren Auflagen mit insgesamt mindestens 56.000 Exemplaren.Rolf Düsterberg: Herybert Menzel – der „Sänger der ostmärkischen SA“. In: Ders. (Hrsg.): Dichter für das „Dritte Reich“. Band 2. Biografische Studien zum Verhältnis von Literatur und Ideologie. Bielefeld: Aisthesis 2011, S. 147f. Bei dem Roman„handelt [es] sich in ästhetischer, aber auch in ideologischer Hinsicht um einen simpel gestrickten, vulgär-rassistischen Text, der eine anspruchslose Freund-Feind-Dichotomie bedient. Er spielt um 1918/20, gegen Ende des Ersten Weltkriegs und in den folgenden zwölf Monaten, in der Provinz Posen und handelt vom Konflikt der bisherigen deutschen Herrenschicht mit ihrem Gegner, der polnischen Bevölkerung. Konkreter historischer Bezugspunkt ist der […] Posener (oder Großpolnische) Aufstand.“Rolf Düsterberg: Herybert Menzel – der „Sänger der ostmärkischen SA“. In: Ders. (Hrsg.): Dichter für das „Dritte Reich“. Band 2. Biografische Studien zum Verhältnis von Literatur und Ideologie. Bielefeld: Aisthesis 2011, S. 148.
Bereits zum 1. April 1932 trat Menzel der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 1.043.489)Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/28330498 und schloss sich auch der SA an (1943 erlangte er den Rang eines Sturmbannführers).Rolf Düsterberg: Herybert Menzel – der „Sänger der ostmärkischen SA“. In: Ders. (Hrsg.): Dichter für das „Dritte Reich“. Band 2. Biografische Studien zum Verhältnis von Literatur und Ideologie. Bielefeld: Aisthesis 2011, S. 156. Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten wurde Menzel vor allem durch seine Gedichte, Lieder und Kantaten bekannt. Im Oktober 1933 gehörte er zu den 88 Schriftstellern, die das „Gelöbnis treuester Gefolgschaft“ für Adolf Hitler abgaben. Gedichte in seinem Lyrikband Im Marschschritt der SA (1933) trugen zu seinem Ruf als „Homer der SA“Ernst_Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-10-039326-5, S. 406. bei. Seine Produktionen fanden als Propagandabeiträge Eingang auch in die massenmediale Literatur:
Vorm Bild des Führers Wenn ich nur zweifle, schau ich auf dein Bild, Dein Auge sagt mir, was allein uns gilt. So manche Stunde sprech ich wohl mit dir, Als wärst du nah und wüßtest nun von mir. Wo immer einer still wird vor der Tat, Er kommt zu dir, du bester Kamerad. In deinem Antlitz steht es ernst und rein, Was es bedeutet, Deutschlands Sohn zu sein.zit. nach: Siegener Zeitung, 30. Januar 1943; siehe auch: Ernst Klee, Kulturlexikon, S. 406. Christian Ingrao, Hitlers Elite. BpB, Bonn 2012, S. 90–92 zitiert 4 weitere Gedichte und schildert im einzelnen ihre Verwendung in einer Zeremonie, einer SS-Hochzeit in Posen
Menzel publizierte in der Zeitung Völkischer Beobachter, in der Schriftenreihe „Junges Volk“ und wirkte an dem HJ-Jahrbuch Die junge Mannschaft mit.Rolf Düsterberg: Herybert Menzel – der „Sänger der ostmärkischen SA“. In: Ders. (Hrsg.): Dichter für das „Dritte Reich“. Band 2. Biografische Studien zum Verhältnis von Literatur und Ideologie. Bielefeld: Aisthesis 2011, S. 155, 157. Anlässlich des 6. Todestages von Horst Wessel verfasste er 1936 die Kantate Ewig lebt die SA, die am 23. Februar 1936 in 739 Städten des Deutschen Reiches aufgeführt wurde.Rolf Düsterberg: Herybert Menzel – der „Sänger der ostmärkischen SA“. In: Ders. (Hrsg.): Dichter für das „Dritte Reich“. Band 2. Biografische Studien zum Verhältnis von Literatur und Ideologie. Bielefeld: Aisthesis 2011, S. 159f. Von 1933 bis 1935 war er Vorstandsmitglied des Reichsverbands Deutscher Schriftsteller. Dem in der Zeit des Nationalsozialismus bedeutungslosen Reichstag gehörte er ab dem 29. März 1936 an. 1938 wurde er Mitglied des Bamberger Dichterkreises.Rolf Düsterberg: Herybert Menzel – der „Sänger der ostmärkischen SA“. In: Ders. (Hrsg.): Dichter für das „Dritte Reich“. Band 2. Biografische Studien zum Verhältnis von Literatur und Ideologie. Bielefeld: Aisthesis 2011, S. 163.
Während seines (ersten) soldatischen Einsatzes für das „Dritte Reich“ erlitt Menzel im Juni 1940 in Frankreich so schwere Verletzungen, dass er nahezu ein Jahr lang in Lazaretten behandelt werden musste und nach seinem Dienst in einer Genesenden-Kompanie schließlich im November 1941 aus dem Kriegsdienst entlassen wurde.Rolf Düsterberg: Herybert Menzel – der „Sänger der ostmärkischen SA“. In: Ders. (Hrsg.): Dichter für das „Dritte Reich“. Band 2. Biografische Studien zum Verhältnis von Literatur und Ideologie. Bielefeld: Aisthesis 2011, S. 164f. Menzel widmete sich nun wieder voll und ganz seiner Tätigkeit als freier Schriftsteller und schrieb jetzt auch Dramen- und Prosatexte sowie ein Kammerspiel.Rolf Düsterberg: Herybert Menzel – der „Sänger der ostmärkischen SA“. In: Ders. (Hrsg.): Dichter für das „Dritte Reich“. Band 2. Biografische Studien zum Verhältnis von Literatur und Ideologie. Bielefeld: Aisthesis 2011, S. 166. In seinem letzten veröffentlichten Gedichtband Anders kehren wir wieder (1943) offenbart sich erneut Menzels abschätzige, menschenverachtende Haltung der slawischen (insbesondere polnischen) Bevölkerung gegenüber. Deutlich wird dies beispielsweise anhand der folgenden Verse, die sich auf das durch die Wehrmacht eingenommene Warschau und dessen Bewohner beziehen.Rolf Düsterberg: Herybert Menzel – der „Sänger der ostmärkischen SA“. In: Ders. (Hrsg.): Dichter für das „Dritte Reich“. Band 2. Biografische Studien zum Verhältnis von Literatur und Ideologie. Bielefeld: Aisthesis 2011, S. 166–168.[…] Da das Feuer schon Ruß ward, / Der Leichendunst sich verzog, das Überlebende / Schon wieder schachert und lacht und lüstet / Und alles dies leugnet; rot sind die Münde, / Die Gier wuchert im Grauen; dies war reif, / O, überreif zur Verdammnis. […] / […], wir zwingen zum / Gleichschritt wieder uns alle, wir Sieger. / Stiefel, bestaubter, durch Staub weiter! Du triffst / Nichts, was verworfen nicht war.Herybert Menzel: Anders kehren wir wieder. Gedichte. Hamburg: Hanseatische Verlagsanstalt 1943, S. 11. Zit. n. Düsterberg (2011), S. 168.Propaganda im Sinne des NS-Regimes betrieb der Schriftsteller auch auf seinen Vortragsreisen nach Norwegen (1941) und Bulgarien (1942). Gedichte von ihm fanden Eingang in die Fahnen- und Kampfsprüche der Hitlerjugend.Karl Emerich Krämer (Hrsg.): Fahnensprüche. Hrsg. vom Kriegsbetreuungsdienst der Hitlerjugend Gebiet Mainfranken (39). Georg Graßer (Druck), Würzburg 1944, S. 3 f., 13 f., 30 und 35.
Es ist davon auszugehen, dass Menzel Anfang des Jahres 1945 als Reaktion auf die Winteroffensive der Roten Armee zum Volkssturm eingezogen wurde und im Gefecht starb. Aus einem Briefwechsel geht hervor, dass Menzels Mutter aus Angst vor anstehenden Hausdurchsuchungen 1946 einwilligte, den Nachlass ihres Sohnes zu verbrennen, der auch noch unveröffentlichte Schriften enthielt.Rolf Düsterberg: Herybert Menzel – der „Sänger der ostmärkischen SA“. In: Ders. (Hrsg.): Dichter für das „Dritte Reich“. Band 2. Biografische Studien zum Verhältnis von Literatur und Ideologie. Bielefeld: Aisthesis 2011, S. 168f.
Nach dem Ende des Nationalsozialismus wurden in der Sowjetischen Besatzungszone und in der Deutschen Demokratischen Republik seine Schriften auf die Liste der auszusondernden Literatur gesetzt.
Jan-Pieter Barbian zählt Menzel zur Garde der NS-Apologeten..., die in und mit ihren Werken den politischen Vorgaben der Machthaber Ausdruck verlieh.Nationalsozialismus und Literaturpolitik. Reihe: Hansers Sozialgeschichte der deutschen Literatur, 9: Nationalsozialismus und Exil 1933–1945. München 2009, ISBN 3-423-04351-2, S. 76f.
Menzel war ein enger Freund der Siewert-Schwestern, der Malerin Clara Siewert und insbesondere der Schriftstellerin Elisabeth Siewert, nach deren Tod 1930 er in den Ostdeutschen Monatsheften einen Nachruf schrieb.Herybert Menzel: Zum Tode Elisabeth Siewerts. In: Ostdeutsche Monatshefte, 11. Jg., 1930, S. 506–508. Siehe auch die Einführung zu Menzels Beitrag an gleicher Stelle des Herausgebers Carl Lange.
Ein Gedicht von Menzel mit dem Titel „Der Kamerad“ wurde vom Fälscher Konrad Kujau als angebliches Hitler-Gedicht im Kontext der von ihm gefälschten Hitler-Tagebücher eingesetzt und 1980 vom Stern unter der Überschrift „Gereimtes vom Gefreiten H.“ veröffentlicht, jedoch von Anton Hoch als ein Werk von Menzel erkannt.Chronik, Hamburger Abendblatt, 3. März 2008, siehe: .
Ehrungen 1938 Literaturpreis der Reichshauptstadt Berlin (3. Platz, für die Gedichte der Kameradschaft) 1939 Ertrag der Harry Kreismann-Stiftung 1940 Kulturpreis der SA (für Menzels Gesamtwerk)
Schriften Mond und Sonne und Stern und ich. Kleine Lieder, 1926 Im Bann. Gedichte, 1930 Umstrittene Erde, Roman, 1930 Franz Lüdtke, der ostdeutsche Mensch und Dichter, 1932 Der Grenzmark-Rappe. Grenzmärkische Sagen, Erzählungen, Balladen und Gedichte, 1933 Im Marschschritt der SA. Gedichte, 1933 Wir sind der Sieg!, 1934 Die große Ernte. Kantate, 1935 Das große Gelöbnis. Eine Kantate, 1935 In unsern Fahnen lodert Gott. Kantate, 1935 Gedichte der Kameradschaft, 1936 Wenn wir unter Fahnen stehen. Lieder der Bewegung, 1938 Alles Lebendige leuchtet. Gedichte eines Jahrzehnts, 1938 Deutschland, heiliges Deutschland! Das große Gelöbnis, 1938 Ewig lebt die SA. Eine Feier, 1938 Herrn Figullas Schaufenster. Heitere Geschichten, 1941 Das Siebengestirn, Roman, 1942 Das Friedensschiff. Satire in 3 Akten, 1943 Anders kehren wir wieder. Gedichte, 1943 Noch einmal Napoleon? Komödie, 1943 Einführung in Hermann Harz, Das Erlebnis der Reichsautobahn. Ein Bildwerk, Widmung: „Dem Schöpfer der Reichsautobahnen Reichsminister Dr. Fritz Todt zum Gedächtnis.“ Vorwort Albert Speer. Hg. Reichsministerium Speer„Reichsministerium Speer“ gedruckter, offizieller Vermerk im Buch, Georg D. W. Callwey, o. J. (1943) München Der Brief. Ein Kammerspiel in 3 Akten, 1944
Literatur
Lisa Lader, Wulf Segebrecht: Herybert Menzel. In: Der Bamberger Dichterkreis 1936–1943. Peter Lang, Frankfurt (Main) 1987, ISBN 3-8204-0104-0, S. 192–197 Hans Sarkowicz, Alf Mentzer: Literatur in Nazi-Deutschland. Ein biografisches Lexikon., erw. Neuausgabe, Europa, Hamburg 2002, S. 309–311 Menzel, Herybert, in: Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Frankfurt am Main : S. Fischer, 2007, ISBN 978-3-10-039326-5, S. 406 Fred K. Prieberg: Handbuch Deutsche Musiker 1933–1945. CD-ROM-Lexikon, Kiel 2009, 2. Auflage, S. 4898f. online Rolf Düsterberg: Tod und Verklärung. Der NS-Propagandadichter Herybert Menzel. Internationales Archiv für Sozialgeschichte der deutschen Literatur IASL, 35 (2010), H. 2, Verlag Walter de Gruyter, Berlin 2010 ; elektronisch: