mini|BRIT School in London, spezielle Berufsschule für darstellende Künste
Das Schulsystem im Vereinigten Königreich besteht seit der Devolution 1998 aus vier verschiedenen Untersystemen. So findet man in Schottland, Wales, Nordirland und England jeweils eigenständige Schulsysteme, die ähnlich sind, deren Inhalte und Strukturen aber durch regionale Behörden bestimmt werden. Die Verantwortung in Schottland liegt beim Scottish Executive Education Department (SEED), für Nordirland hat diese Aufgabe das Department of Education (DENI) und für Wales das Department for Education and Skills (DfES), während für England das zentrale Londoner Bildungsministerium zuständig ist.
Schulformen Im Vereinigten Königreich von Großbritannien und Nordirland besuchen die meisten Schüler, welche die Primary School (vergleichbar der deutschen Grundschule) abgeschlossen haben, die sogenannte Comprehensive School (vergleichbar der deutschen Gesamtschule).
Man kann sich jedoch auch noch zwischen Grammar SchoolEs gibt noch ca. 160 Grammar Schools in Regionen mit konservativer Mehrheit wie Kent, Buckinghamshire und Lincolnshire, die den Übergang zur Gesamtschule vermieden haben. Eine Neugründung ist nicht zulässig. und den Independent Schools bzw. Public Schools (in Deutschland vergleichbar mit einer Privatschule)Den Schulbesuch ihrer Kinder konnten früher nur Reiche bezahlen. Das 1382 gegründete Winchester College und das Eton College (1440) gelten als älteste Public Schools. Damals durften erstmals arme Schüler aus allen Teilen Englands diese Schule besuchen und nicht, wie bis dahin üblich, nur aus der Nahregion. Nach British Council Germany - FAQ entscheiden. Daneben existieren noch Academy Schools, City Technology Colleges u.a.m. Private, schulgeldpflichtige Schulen werden von 7 % der Schüler besucht. Es gibt noch special schools (Förderschule) sowie Pupils Referral Units für besondere Schüler mit gesundheitlichen und Verhaltensbesonderheiten.
Bei der PISA-Schulstudie hat das Vereinigte Königreich im Primarbereich ganz gut, im Sekundarbereich unter dem OECD-Durchschnitt abgeschnitten. Inzwischen erreicht ein Anteil von über 40 % eines Jahrgangs ein Studium, in Schottland noch mehr. Die britischen Universitäten haben ein Auswahlrecht bei der Aufnahme, wodurch sich stark und international erfolgreich ihre Qualität definiert.
Bis zur Hochschulreife muss ein britischer Schüler 14 Schuljahre durchlaufen, begonnen mit der „Reception“-Klasse der Infant School im Alter von 4 Jahren. Es gilt eine Schulpflicht ab dem 5. Geburtstag. Das Schulsystem ist in die folgenden Abschnitte und Schularten gegliedert:
Key Stage 1: Primary School/Infant School (Vorschule) für Schüler der Altersgruppen 4–7 (Reception, Year 1, Year 2); Key Stage 2: Primary School/Junior School (Grundschule) für Schüler der Altersgruppen 7–11 (Year 3 bis Year 6); Key Stage 3+4: Secondary School/High School/Comprehensive School (Gesamtschule) für Schüler der Altersgruppen 11–16 (Year 7 bis zu GCSE-Prüfungen in Year 11); Key Stage 5: Sixth Form oder Further Education Colleges (Oberstufe oder Berufsschulen) für Schüler der Altersgruppen 16–18 (Year 12 bis zu A-Level-Prüfungen oder BTEC-Qualifikation in Year 13)
Das Schuljahr gliedert sich in drei Trimester, die als Terms bezeichnet werden. Die Ferien werden in der Regel von den Schulen nicht selbst festgelegt. Private Schulen verfügen über längere Ferienzeiten als die staatlichen Schulen. Im Herbst gibt es den Autumn Half Term in der Mitte des Autumn Terms, dann folgen um Weihnachten und Neujahr die Christmas Holidays, etwa im Februar ist der Spring Half Term (Spring Term), um Ostern die Easter Holidays, denen im Mai der Summer Half Term (Summer Term) folgen. Je nach Schule beginnen dann Anfang oder Mitte Juli die Summer Holidays, die etwa sechs Wochen dauern.
Das Wiederholen einer Klassenstufe ist im Vereinigten Königreich nicht möglich. Die belegten Kurse werden entweder mit „bestanden“ oder „nicht bestanden“ zensiert und im Zeugnis dokumentiert. Konsequenzen können hierbei sein, dass im folgenden Jahr ein Kurs, der auf einen nicht bestandenen Kurs aufbaut, nicht belegt werden kann.
Laut BBC-Angaben besuchen in Großbritannien etwa 160.000 Kinder keine Schule, sondern bekommen Hausunterricht (Homeschooling), weit mehr als in Deutschland.
Die Bertelsmann Stiftung kritisiert, das britische Bildungssystem zeichne sich durch die Unterstellung aus, dass berufliche im Vergleich zu allgemeinbildenden Qualifikationen „minderwertig“ seien. Eine Gleichstellung der beruflichen und der hochschulischen Bildung sei lange Zeit nie gezielt verfolgt worden. Demzufolge sei erst 2015 eine Unterrichtspflicht für 16- und 17-Jährige eingeführt worden. Dieser Pflicht können Schüler in England auch durch den Besuch eines Further Education College nachkommen, das auch noch Heranwachsende im Alter von 18 bis 20 Jahren besuchen können, da diese Colleges zu einer „höheren Berufsbildung“ führen sollen.Johannes K. Schmees, Tatyana Popkova, Dietmar Frommberger: Das Higher Apprenticeship in England. Bertelsmann Stiftung 2018, S. 2f
Geschichte mini|Älteste Schule der Welt in Canterbury: The King’s School (597)
England und Wales Wie überall in Westeuropa war die Bildung im Mittelalter stets kirchlich und lateinisch. Unter König Æthelberht entstand 597/598 eine erste Lateinschule in Canterbury, die älteste Schule der Welt, die bis heute als King’s School (Name später von Heinrich VIII.) besteht. Augustinus von Canterbury errichtete 598 eine Bischofskirche in Canterbury, zu der eine Domschule mit Lateinunterricht und Chorausbildung gehörte (später noch St Augustine’s Abbey mit eigener Schule). Ihr folgte 604 eine weitere in der Nähe an der Rochester Cathedral. In York (634) und Lindisfarne (635) gab es wenig später ebenso Schulen.
Zu den vielen Domschulen, die bald auf den britischen Inseln bestanden, kamen ab dem 12. Jahrhundert katholische Universitäten in Oxford und Cambridge, die anfangs nur der vertieften Priesterausbildung und den adligen Söhnen zum Erwerb von Herrschaftskenntnissen dienten. Erst König Eduard VI. ließ freie Grammar Schools einrichten, die königlichen Interessen dienten. Mit der Reformation zur anglikanischen Kirche übernahmen diese die höhere Bildungsaufgabe. Für das breite Volk blieben günstigenfalls einfache Pfarrgemeindeschulen (charity schools), die vor allem das Bibellesen und Rechnen beibrachten. Die berufliche Bildung blieb noch ganz in der handwerklichen und kaufmännischen Lehre. Im Zuge der Industrialisierung gründete Robert Raikes die Sonntagsschulen.
Erst die Dissenters errichteten nach dem unterdrückenden Act of Uniformity 1662 zunächst inoffiziell eigene Akademien außerhalb der Church of England; die älteste noch bestehende ist das Bristol Baptist College (offizielle Gründung 1679). In der Toleranzakte 1689 nach der Glorious Revolution wurden sie legalisiert und boten einen moderneren Unterricht als die Grammar Schools. Der Entdecker des Sauerstoffs, Joseph Priestley, ging aus der dissenting academy von Daventry hervor. Die Gründung der London University als dritte englische Universität im frühen 19. Jahrhundert ermöglichte auch ein Studium.
Zunehmend wurde ab dem 17. Jahrhundert der Besuch von Internaten (Boarding School) für die Söhne adliger und reicher Familien üblich, so im Winchester College, Eton College und an der Rugby School, aus denen bis in die Gegenwart die britische Elite stammt (ca. 68.000 Schüler 2014). In Wales gehören heute das beim europäischen Adel beliebte Atlantic College nahe Cardiff, das Llandovery College und das Christ College in Brecon dazu. Im Vereinigten Königreich besteht seit dem 19. Jahrhundert – anders als in Deutschland – ein Dualismus von gering geschätzten staatlichen Schulen und elitären Public Schools (heute ca. 250).
Um 1800 waren um 40 % der Männer und 60 % der Frauen in England und Wales Analphabeten. Bis 1870 sanken diese Werte auf 20 % und 25 %, bis 1900 sogar auf insgesamt 3 % der Bevölkerung. Erst seit 1870 (Forster Act) wurden die Gemeinden gezwungen, über Local School Boards (Gemeindeschulräte) anstelle der karitativen kirchlichen Schulen obligatorische Elementarschulen für Kinder zwischen 5 und 10 Jahren zu errichten, für die aber noch bis 1891 Schulgeld erhoben wurde.Lloyd, Amy J.: “Education, Literacy and the Reading Public.”
Newspapers. Detroit: Gale, 2007. Seit 1899 überwachte diese ein zentrales Board of Education in London als zentralistisches Gegengewicht, das erst 1944 zum Ministry of Education aufgewertet wurde. Der konservative Premier Arthur Balfour brachte gegen breiten Widerstand auch in seiner Koalitionsregierung den Education Act 1902 durch das Parlament, mit dem die vielen Local Boards auf Distriktebene durch ca. 350 Local Education Authorities (LEA) ersetzt wurden. Die angeglichene Finanzierung durch lokale Steuern für kirchliche und staatliche Primar- und Sekundarschulen, insbesondere für den Religionsunterricht, entsprach dem Interesse der Church of England und ihrer konservativen Unterstützer, nicht aber dem der (liberalen) Nonkonformisten und der Arbeiterbewegung. Trotz gegenteiliger Befürchtungen stieg in der Folge der gesellschaftlichen Modernisierung die Zahl der Sekundarschulen für Schüler über 12 Jahren bis 1914 stark an, auch der Mädchenschulen.
Der Fisher Education Act 1918 nach Herbert Fisher machte nach dem Ersten Weltkrieg Sekundarbildung bis zum 14. Lebensjahr obligatorisch, wozu eigene Sekundarschulen vom Staat zu finanzieren waren. Die meisten Kinder besuchten aber einfach weiter die Grundschulen bis zu diesem Alter. Die Klassengrößen sanken und medizinische Untersuchungen wurden verpflichtend.
Premier Churchills Allparteienregierung beschloss 1944 den Butler Education Act (nach Rab Butler), der ein Dreigliedriges Schulsystem einführte, aber noch an Aufnahmeprüfungen (Eleven plus) für die Grammar Schools festhielt. Die vorgesehene mittlere Form der Technical Schools entwickelte sich aber kaum. Die Labour-Regierung führte ab 1964 nahezu vollständig die Gesamtschule in der Sekundarstufe ein. Das nationale Ministerium wurde nun vom Secretary of state for education geleitet.
mini|Poster an einer Dorfschule in Gilsland, mit Werbung nach der guten Ofsted Inspektion Unter Premier Thatcher betrieben die Konservativen 1988 im Education Reform Act eine marktwirtschaftliche Ökonomisierung der Schulbildung. Sie führten gegen die von ihnen wahrgenommene lokale Willkür der LEA und häufige Qualitätsminderung eine zentralistische Steuerung sowie ein einheitliches National Curriculum ein. 1992 wurde das Office für Standards in Education (Ofsted) gegründet, das vor allem die Examina und Standardtests in bestimmten Altersstufen kontrollieren sollte. 1993 wurden die für England typischen Specialist schools (Beispiel: BRIT School) eingeführt, die keine Allgemeinbildung mehr in der Sekundarschule anstrebten, aber zu den speziellen Hochschulen hinführen. Sie durften einen Teil ihrer Schüler auswählen. Dagegen halten bis heute Schottland und Wales an der allgemeinbildenden Gesamtschule fest.