Palaeoloxodon ist eine ausgestorbene Elefantengattung, die im Pliozän und im Pleistozän in Afrika und über weite Teile Eurasiens verbreitet war. Ihr bekanntestes Mitglied ist der Europäische Waldelefant. Dieser trat vor allem in den Warmzeiten im westlichen Eurasien auf, in den Kaltzeiten wurde er von Vertretern der Gattung Mammuthus abgelöst. Die Gattung umfasst zahlreiche Arten, von denen einige zu den größten bekannten Rüsseltieren gehören. Darüber hinaus kamen auf zahlreichen Inseln des Mittelmeers verzwergte Formen vor, die wiederum die kleinsten bisher überlieferten Elefanten repräsentieren. Der Ursprung der Gattung liegt im Pliozän Afrikas, erst im Unteren Pleistozän erreichte sie auch Eurasien. Die festländischen Populationen starben weitgehend im Oberen Pleistozän aus, einzelne Gruppen auf den Mittelmeerinseln überlebten noch bis in das Holozän. Palaeoloxodon wurde im Jahr 1924 wissenschaftlich eingeführt, galt aber ursprünglich als Untergattung von Loxodonta, welche die Afrikanischen Elefanten vereint. Im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts erfolgte eine Synonymisierung mit der Gattung Elephas, in der der Asiatische Elefant steht. Hierin wurde Palaeoloxodon mitunter auch als Untergattung geführt. Genetischen Untersuchungen aus dem Jahr 2017 zufolge ist Palaeoloxodon aber tatsächlich näher mit der Gattung Loxodonta verwandt.

Merkmale mini|hochkant|Schädel von Palaeoloxodon namadicus Die Vertreter der Gattung Palaeoloxodon repräsentieren teils große bis sehr große Elefanten, die mitunter die Ausmaße des heutigen Afrikanischen Elefanten (Loxodonta africana) übertrafen. Für Palaeoloxodon antiquus, dem Europäischen Waldelefanten, und Palaeoloxodon recki, einer afrikanischen Form, liegen Größenangaben von bis zu 420 cm Schulterhöhe vor, für Palaeoloxodon namadicus aus Asien werden bis zu 450 cm vermutet. Das Gewicht der Tiere dürfte in jedem Fall zwischen 11 und 15 t betragen haben. Dem gegenüber bildeten sich auf mehreren Inseln des Mittelmeers Zwergformen heraus, die mitunter weniger als 10 % der Körpermasse der großen Festlandstiere aufwiesen. Den kleinsten bekannten Angehörigen stellt Palaeoloxodon falconeri dar, der Sizilianische Zwergelefant, der auf Sizilien sowie Malta vorkam und der bei einer Schulterhöhe von rund einem Meter gut 170 kg wog. Andere Zwergformen sind mit Palaeoloxodon cypriotes von Zypern, Palaeoloxodon lomolinoi von Naxos oder Palaeoloxodon tiliensis von Tilos überliefert. Deren Masse variierte zwischen 250 kg und 650 kg. Neben diesen extrem verzwergten Arten gab es noch einzelne intermediäre Formen, zu denen etwa Palaeoloxodon creutzburgi von Kreta und Palaeoloxodon mnaidriensis von Malta gehören.

Der Schädel von Palaeoloxodon war äußerst massiv und hoch gestaltet sowie auffallend breit. Er konnte eine Höhe von den Alveolen der oberen Stoßzähne bis hin zum Schädeldach von bis zu 140 cm erreichen. Am Schädeldach betrug die Länge bei großen Formen zwischen 47 und 70 cm, die Breite zwischen 76 und 114 cm. Ein auffallendes Merkmal bestand in dem wuchtigen parietal-occipitalen Knochenwulst, der quer über das Schädeldach lief und zwischen zwei seitlichen Aufwölbungen eine tiefe Eindellung besaß. Das Merkmal, insbesondere die höckerartigen Aufwölbungen, teilt Palaeoloxodon mit dem Asiatischen Elefanten (Elephas maximus), es war aber bei ersterem wesentlich massiver ausgebildet als bei letzterem. Der Knochenwulst entstand durch die deutliche Aufhöhung des Schädels und die Vorverlagerung des Hinterhauptsbeins. Dadurch war der Bereich des Sirn- und Scheitelbeins ebenfalls nach vorn verschoben und stand nahezu senkrecht. In Verbindung mit einzelnen anderen Merkmalen, wie etwa dem auffallend parallelen Verlauf der Temporallinien zur Kauebene der Zähne wirkte der obere Teil des Schädels von Palaeoloxodon insgesamt kastenartig. Der parietal-occipitale Knochenwulst zeigte aber sowohl eine gewisse phylo- wie auch ontogenetische Variation. Stammesgeschichtlich ältere Vertreter wie etwa Palaeoloxodon recki wiesen einen eher intermediären Knochenwulst auf, bei jüngeren wie Palaeoloxodon namadicus und Palaeoloxodon antiquus zeigte er sich wesentlich ausgeprägter. Aber auch hier variierte er mit dem individuellen Alter eines Tieres und erreichte seine größte Massivität im weit ausgewachsenen Stadium. Dann konnte der Wulst teilweise auch über den Vorderschädel überhängen und erweiterte so die Ansatzstellen für die dicke Nackenmuskulatur beträchtlich. Ein weiteres Charakteristikum findet sich in der seitlichen Schrägstellung der Alveolen der oberen Stoßzähne. Dies war besonders deutlich bei den entwickelten eurasischen Formen ausgeprägt, findet sich aber auch bei frühen afrikanischen Vertretern. Untergeordnet können hier noch der kurze Jochbogen und die relativ hohe Lage der Orbita genannt werden.

mini|links|Molar von Palaeoloxodon antiquus Das Gebiss von Palaeoloxodon glich dem der anderen Elefanten. Es bestand aus den beiden oberen Stoßzähnen sowie jeweils sechs Backenzähnen pro Kieferbogen, die drei Milchprämolaren und drei Molaren einschlossen. Für einige der großen Vertreter wie Palaeoloxodon antiquus und Palaeoloxodon namadicus werden Stoßzahnlängen von 366 bis über 390 cm angegeben bei einem Durchmesser von bis zu 27 cm, was zu errechneten Gewichten von 120 bis teilweise über 190 kg führt. Wie bei allen anderen Elefanten wechselten die Backenzähne horizontal, so dass insgesamt sechs Zahngenerationen bestanden. Die Backenzähne wiesen einen lamellodonten Zahnbau auf, das heißt, der Zahn setzte sich aus einzelnen Zahnschmelzlamellen zusammen, die in einer Matrix aus Zahnzement eingebunden waren. Die Ränder der Schmelzlamellen liefen weitgehend parallel zueinander. Mitunter traten aber etwa in der Mitte jeder Lamelle rautenförmige Faltungen des Zahnschmelzes auf, die ein wenig an das Muster der Afrikanischen Elefanten erinnern. Die ersten beiden Molaren setzten sich aus sieben bis elf Lamellen zusammen, der letzte aus elf bis 19. Die Anzahl der Lamellen nahm in der stammesgeschichtlichen Entwicklung zu. Die Dicke des Zahnschmelzes einer jeden Falte nahm dem gegenüber von 3 bis 4 mm bei frühen Formen auf bis zu 1 mm bei späten Formen ab. Das führte auch dazu, dass die Lamellenfrequenz (Anzahl der Schmelzlamellen auf 10 cm Zahnlänge) von 3,8 bis 4,8 bei ursprünglicheren Vertretern hin zu 4,4 bis 7,7 bei moderneren Angehörigen zunahm. Generell waren die Backenzähne hochkronig (hypsodont). Die Höhe der Zähne übertraf ihre Breite teilweise um 150 %. Der längste Zahn, der letzte Molar, wurde bei großen Individuen bis zu 34 cm lang.

Verbreitung Die Vertreter von Palaeoloxodon waren über weite Teile Afrikas und Eurasiens verbreitet. Der Ursprung liegt in Afrika, wo die Gattung erstmals im Übergang vom Miozän zum Pliozän vor rund 5 Millionen Jahren auftauchte. Spätestens seit dem Unteren Pleistozän war sie auch in Eurasien anwesend, wobei die Auswanderung wohl über die Levante erfolgte. Nachweise von Palaeoloxodon liegen sowohl aus Europa als auch aus West-, Zentral-, Süd- und Ostasien vor. Von Ostasien kommend erreichte der Elefantenvertreter dann auch Japan. Im Gegensatz zu den etwa zeitgleich in Eurasien heimischen Vertretern der Gattung Mammuthus betrat Palaeoloxodon nie den amerikanischen Kontinent. Palaeoloxodon nutzte weitgehend waldreiche, warm-gemäßigte Landschaften. Dadurch beschränkte sich sein Auftreten im westlichen Eurasien unter dem Einfluss der wechselnden Klimaverhältnisse des Eiszeitalters weitgehend auf die Warmzeiten. In den entsprechend dazwischenliegenden Kaltphasen wurde Palaeoloxodon von Mammuthus abgelöst. Letzteres war in Eurasien mit Mammuthus meridionalis bereits wenigstens seit dem ausgehenden Pliozän anwesend und besiedelte anfänglich ähnliche Landschaftsräume wie dann auch das neu eingewanderte Palaeoloxodon. Die deutliche ökologische Differenzierung zwischen Palaeoloxodon und Mammuthus könnte daher ein Resultat einer anfänglich bestehenden Konkurrenz zwischen den beiden Rüsseltiervertretern sein, in deren Folge sich dann die deutliche Nischentrennung ausbildete. Eine ähnliche ökologische Abfolge lässt sich auch für das Obere Pleistozän mit der letzten Vereisungsphase in Japan belegen, wo Palaeoloxodon hauptsächlich in den wärmeren Interstadialen nachweisbar ist, Mammuthus primigenius hingegen in den kälteren Stadialen.

Paläobiologie mini|Lebendrekonstruktion von Palaeoloxodon antiquus mini|Trittsiegel von Palaeoloxodon antiquus von Matalascañas in Spanien, überwiegend Jungtiere Der Bau der Mahlzähne mit ihren moderat hohen Zahnkronen zeichnet Palaeoloxodon als überwiegenden Konsumenten von gemischter Pflanzenkost aus. Für Palaeoloxodon antiquus aus dem westlichen Eurasien ist dies auch durch Mageninhalte und Pflanzenreste an den Zähnen belegt. Dadurch ließen sich unter anderem verschiedenste Gehölzpflanzen wie Ahorn, Hainbuche, Haselnuss, Erle, Esche, Buche und Efeu sowie Kräuter wie Artemisia und Gräser wie Seggen als Nahrungspflanzen feststellen. Ein ähnliches Bild ergaben Untersuchungen zu den Zahnabnutzungsspuren von Palaeoloxodon antiquus. Individuell zeigten sich dabei auch einzelne Unterschiede, da bei manchen Tieren anhand der Zahnabrasionen eine gewisse Dominanz von Laub beziehungsweise von Gräsern vorherrschte. Denkbar ist, dass es wie bei den heutigen Elefanten lokal und jahreszeitlich abweichende Nahrungszusammensetzungen gab. Zu prinzipiell vergleichbaren Ergebnissen führten Isotopenanalysen an Zähnen von Palaeoloxodon recki. Im Unterschied zu den meisten anderen Vertretern von Palaeoloxodon wies Palaeoloxodon jolensis, ebenfalls aus Afrika, extrem hohe Backenzähne auf. Hier erbrachten Isotopenanalysen eine Dominanz von Gräsern im Nahrungsspektrum. Analog zu den heutigen Elefanten bestand auch ein großer Bedarf an Wasser. Eine stärkere Flexibilität in der Nahrungsaufnahme ließ sich wiederum bei vergleichbaren Untersuchungen an Zähnen von Palaeoloxodon naumanni der japanischen Inselwelt nachweisen, wobei hier gewisse lokale Unterschiede zwischen Individuen von Honshu und von Hokkaido bemerkbar sind. Zumindest für Palaeoloxodon antiquus ist mittels Isotopenanalysen belegt, dass die Tiere ihre Nahrung in einem Umkreis von bis zu 300 km suchten.

Vergleichbar den heutigen Elefanten dürfte auch Palaeoloxodon in Familienverbänden bestehend aus Mutter- und Jungtieren gelebt haben, während die Bullen wohl eher einzelgängerisch auftraten. Darauf deuten unter anderem Spurenfossilien aus Matalascañas im südwestlichen Spanien hin. Die Funde datieren in die letzte Warmzeit und werden Palaeoloxodon antiquus zugewiesen. Anhand der Größe der Trittsiegel lassen sich Jungtiere und ausgewachsene Exemplaren unterscheiden. Erstere dominieren mit fast zwei Dutzend Individuen unterschiedlichen Alters. Die größeren Spuren, die sich auf weniger als ein Dutzend Individuen verteilen, repräsentieren wahrscheinlich vor allem weibliche Tiere sowie junge männliche, ihre rekonstruierte Körpergröße variiert von 222 bis 277 cm. Große Bullen mit vermuteten Schulterhöhen über 300 cm sind dagegen sehr rar. Die einstige Landschaft mit zahlreichen Dünen wird als bevorzugtes Gebiet für die Paarung interpretiert.

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