Die Omni Holding AG war eine Schweizer Beteiligungsgesellschaft unter der Kontrolle des Financiers Werner K. Rey. Die Gesellschaft ist unter diesem Namen spätestens seit Januar 1985 belegt. Ende 1986 brachte Rey seine Beteiligungen an Inspectorate International, den Ateliers de constructions mécaniques de Vevey (ACMV) und der Swiss Cantobank International (SCI) in die Holding ein. In den folgenden Jahren wuchs die Gruppe durch weitere Übernahmen und Beteiligungen, darunter die Jean Frey AG, Sulzer, die deutsche Harpener AG und Adia. 1988 öffnete die Omni Holding ihr Kapital für das Publikum und verlegte ihren Sitz nach Bern.Werner K. Rey übernimmt die Phibrobank in Zug. In: Neue Zürcher Zeitung, 24. Januar 1985.Rey hat grosse Pläne mit der Omni Holding in Bern. In: Der Bund, 29. Juni 1988.
Im März 1991 beantragte die Omni Holding Nachlassstundung. Der gerichtlich eingesetzte Sachwalter gliederte die Gruppe später in vier Teilholdings mit rund 100 Gesellschaften.Dominoeffekt im Rey-Imperium. In: Der Bund, 5. September 1991. The Independent bezeichnete den Zusammenbruch 1992 als den damals grössten Unternehmenszusammenbruch der Schweizer Geschichte. Die Nachlassliquidation wurde 2013 abgeschlossen. Die Gläubiger erhielten insgesamt 186,3 Millionen Franken oder 11,16 Prozent ihrer anerkannten Forderungen; 1,48 Milliarden Franken blieben ungedeckt.Der letzte Akt von Milliardenpleitier Werner K. Rey. In: Schweiz am Sonntag, 18. Mai 2013.
Geschichte
Aufbau bis 1986
Vor der späteren Bündelung in der Omni Holding waren Reys Beteiligungen auf verschiedene Gesellschaften verteilt. Im Januar 1984 erklärte er gegenüber der Presse, seine Industrie-, Dienstleistungs- und Bankbeteiligungen nicht in einer «Superholding» zusammenfassen zu wollen. Die Industriebeteiligungen waren damals vor allem in der Selve Holding gebündelt; dazu gehörte auch eine Beteiligung von rund 30 Prozent an ACMV.Rey besitzt breitgefächertes Imperium. In: Thurgauer Zeitung, 9. Januar 1984.
Ein Jahr später trat die Omni Holding mit einer grösseren Transaktion in Erscheinung. Im Januar 1985 vereinbarte die in Zürich ansässige und vollständig von Rey kontrollierte Gesellschaft die Übernahme des gesamten Aktienkapitals der Phibrobank AG in Zug im Umfang von 50 Millionen Franken. Die Bank sollte innerhalb der Rey-Gruppe selbständig weitergeführt werden. Nach Abschluss der Übernahme wurde sie im Februar 1985 in Omnibank AG umbenannt.Aus der Phibro- wird die Omnibank. In: Neue Zürcher Zeitung, 22. Februar 1985.
Ende 1986 brachte Rey seine Beteiligungen an Inspectorate International, ACMV und SCI in die Omni Holding ein. Das Aktienkapital der Gesellschaft betrug danach 425 Millionen Franken. Im ersten Geschäftsbericht für 1986 wies die Omni Holding Aktiven von 988,9 Millionen Franken aus, wovon 922,8 Millionen Franken auf Beteiligungen entfielen. Zu den grössten Beteiligungen gehörten 75 Prozent an ACMV, 66 Prozent an Inspectorate International und 40 Prozent an SCI.Neue Zürcher Zeitung, 3. Juli 1987, Bericht zum ersten Geschäftsbericht der Omni Holding AG.
Expansion 1987 bis 1990
1987 übernahm die Omni Holding die Jean Frey AG. Zur Verlagsgruppe gehörten unter anderem Weltwoche, das Wirtschaftsmagazin Bilanz, die Sportzeitung Sport, Fachzeitschriften und Druckereibetriebe.Neue Zürcher Zeitung, August 1987, Berichterstattung zur Übernahme der Jean Frey AG durch die Omni Holding.
1988 öffnete die Omni Holding ihr Kapital für das Publikum. Das Aktienkapital wurde von 466 auf 600 Millionen Franken erhöht. Von den neu geschaffenen Aktien wurden 120'000 Inhaberaktien mit einem Nennwert von 500 Franken zu einem Ausgabepreis von 1000 Franken öffentlich angeboten. Rey und ihm zugerechnete Treuhandpositionen hielten danach 72,92 Prozent des Aktienkapitals und 90,28 Prozent der Stimmen. Im Juni 1988 verlegte die Gesellschaft ihren Sitz von Baar nach Bern.
Im April 1988 erwarb die Omni Holding eine Beteiligung von 20 Prozent an Sulzer, die später auf rund 30 Prozent erhöht wurde.La chute de l'empire suisse de Werner K. Rey. In: Le Monde, 24. Mai 1991.
1989 wurde Inspectorate International mit dem Personaldienstleister Adia zusammengeführt. Die Omni Holding hielt nach der Fusion rund 25 Prozent der Stimmen und war damit grösste Einzelaktionärin von Adia.Naissance d'un géant helvète de l'intérim. In: Le Monde, 24. November 1989. Adia fusionierte später mit Ecco zur heutigen Adecco Group.
Ebenfalls 1989 erwarb die Omni-Gruppe rund 83 Prozent der deutschen Harpener AG. Die Beteiligung wurde weitgehend fremdfinanziert.
Neben den europäischen Beteiligungen baute die Gruppe auch Aktivitäten in den Vereinigten Staaten auf. Eine Entscheidung der Federal Communications Commission aus dem Jahr 1990 bezeichnete die in Delaware registrierte OmniCorp Holdings als Tochter der niederländischen OmniCorp International B.V. und die Omni Holding AG als deren oberste Muttergesellschaft. Das Handelsministerium der Vereinigten Staaten führte für 1990 den Erwerb der American Health Services Corporation in Newport Beach durch die Omni Holding AG mit einem Transaktionswert von sieben Millionen US-Dollar auf.United States Department of Commerce: Foreign Direct Investment in the United States. 1990 Transactions. Washington 1992, Eintrag «American Health Services Corp – Omni Holding AG».
Krise und Zusammenbruch
Die zahlreichen Übernahmen wurden zu einem grossen Teil mit Fremdkapital finanziert. Nach dem ersten Sachwalterbericht wurden langfristige Beteiligungen teilweise mit kurzfristigen Krediten finanziert, die laufend erneuert werden mussten. Die Zinsen lagen teilweise über zehn Prozent, während die Erträge der Beteiligungen die Finanzierungskosten nicht deckten. Hinzu kamen gegenseitige Garantien zwischen Gesellschaften der Gruppe. Beim Erwerb der Harpener AG stand nach den Feststellungen des Sachwalters einem Kaufpreis von rund 1,028 Milliarden Franken ein Eigenmitteleinsatz von rund 28 Millionen Franken gegenüber.
Gleichzeitig verloren wichtige Beteiligungen an Wert. Besonders ins Gewicht fiel der Kursrückgang der Inspectorate-Aktien, die einen wesentlichen Teil des Vermögens der Omni Holding ausmachten. Der Sachwalter stellte zudem fest, dass die Gruppe zwischen 1986 und 1990 zahlreiche Unternehmen erworben, aber nur wenige Beteiligungen mit Gewinn wieder verkauft hatte. Die Kombination aus hoher Verschuldung, kurzfristiger Refinanzierung, hohen Zinskosten und sinkenden Beteiligungswerten führte zu zunehmenden Liquiditätsproblemen.
Die Eidgenössische Bankenkommission stellte für Ende 1990 Kreditbeziehungen von 50 Banken mit der Omni/Rey-Gruppe fest, darunter 14 Kantonalbanken. Die ausbezahlten Kredite beliefen sich auf 1,4192 Milliarden Franken. Davon entfielen 305,9 Millionen Franken auf private Schulden Reys; 752,3 Millionen Franken waren ungedeckt. Unter Einbezug von Unterbeteiligungen ausländischer Banken lagen die Bankschulden der gesamten Omni/Rey-Gruppe bei mehr als zwei Milliarden Franken.Eidgenössische Bankenkommission: Jahresbericht 1991, Abschnitt «Omni Holding/W. K. Rey».
Am 7. März 1991 stellte die Omni Holding beim zuständigen Gericht in Bern ein Gesuch um Nachlassstundung. Im ersten Sachwalterbericht vom September 1991 wurden die Verbindlichkeiten der Omni Holding mit 1,083 Milliarden Franken angegeben. Für die Aktiven wurde bei mittlerer Verwertung ein Wert von 456,2 Millionen Franken angesetzt. Die Gruppe bestand zu diesem Zeitpunkt aus vier Teilholdings mit rund 100 Gesellschaften.
Geschäftstätigkeit und Konzernstruktur
Die Omni Holding war als Beteiligungsgesellschaft organisiert. Nach der 1988 veröffentlichten Geschäftspolitik unterschied sie zwischen langfristigen strategischen Beteiligungen und sogenannten taktischen Beteiligungen. Die strategischen Beteiligungen sollten dauerhaft gehalten werden und operativ weitgehend selbständig bleiben. Andere Beteiligungen sollten aufgebaut, weiterentwickelt und später wieder verkauft werden. Für das Beteiligungsgeschäft in der Schweiz war vor allem Omni Finanz zuständig, während internationale Geschäfte über OmniCorp geführt wurden.
Zu den wichtigsten Beteiligungen der Gruppe gehörten Ende der 1980er Jahre Inspectorate International, ACMV, Jean Frey, Sulzer, Harpener und Adia. Daneben bestanden zahlreiche Finanz- und Beteiligungsgesellschaften. Zur Omni Holding gehörte unter anderem die Omni Beteiligungen AG, über die ebenfalls Beteiligungen gehalten wurden. Weitere Gesellschaften waren Omni Finanz und Omni Securities. Die zahlreichen Gesellschaften waren durch Beteiligungen, Kredite und Garantien miteinander verbunden.
Nachlassliquidation und rechtliche Aufarbeitung
Mit der Nachlassliquidation wurden Eugen Isler und Coopers & Lybrand beauftragt. Neben der Verwertung der verbliebenen Beteiligungen mussten Forderungen zwischen den Gesellschaften geklärt und Ansprüche gegen frühere Organe, Revisionsstellen und Geschäftspartner geprüft werden.
1993 legten die Liquidatoren einen Bericht über die Eigenkapitalbeschaffung der Omni Holding und ihrer Tochtergesellschaft Inspectorate International vor. Darin untersuchten sie unter anderem die Bewertung der Inspectorate-Beteiligung bei deren Einbringung in die Omni Holding Ende 1986. Rey hatte einen Anteil von 51,3 Prozent mit rund 800 Millionen Franken eingebracht, was einer Bewertung der gesamten Inspectorate von rund 1,6 Milliarden Franken entsprach. Die Liquidatoren schätzten den damaligen Unternehmenswert auf rund 400 Millionen Franken und den Wert des eingebrachten Pakets auf rund 200 Millionen Franken. Sie kamen zum Schluss, dass die Omni Holding bei einer entsprechenden Bewertung spätestens 1987 oder 1988 kein Eigenkapital mehr ausgewiesen hätte.Die Buchhaltung manipuliert? In: Der Bund, 6. April 1993.Die Rey-Tricks am Beispiel Inspectorate. In: Bieler Tagblatt, 7. April 1993.Kontrollstelle und Banken beschuldigt. In: Burgdorfer Tagblatt, 8. April 1993.
Ein weiterer Komplex betraf eine Pro-forma-Bilanz und Erfolgsrechnung der Omni Holding per 30. September 1986. Darin wurde ein Gewinn von rund 2,276 Millionen Franken ausgewiesen, während der ursprüngliche Zwischenabschluss einen Verlust von rund 8,85 Millionen Franken gezeigt hatte. Das Bundesgericht hielt später fest, dass dem mit einem Gewinn von fünf Millionen Franken verbuchten Verkauf der R.Z. Holding AG kein realer Geschäftsvorgang zugrunde lag. Bei einer weiteren Position waren Aktiven zu einem für Omni günstigeren Wechselkurs umgerechnet worden, was den Zwischenabschluss um 3,36 Millionen Franken verbesserte. Rey wurde wegen Urkundenfälschung verurteilt, weil er die Erstellung der falschen Pro-forma-Bilanz und Erfolgsrechnung veranlasst hatte.
Der Zwischenabschluss gehörte zu den Unterlagen für ein Konsortialdarlehen von 150 Millionen Franken, das die Omni Holding im Dezember 1986 aufnahm. Das Berner Wirtschaftsstrafgericht sprach Rey 1999 vom Betrugsvorwurf im Zusammenhang mit diesem Kredit frei. Das Gericht stellte fest, dass das Darlehen bei der Gewährung durch die Aktiven der Omni gedeckt war und später pünktlich und vollständig zurückbezahlt wurde. Der Kassationshof des Kantons Bern bestätigte den Freispruch im Jahr 2000. Die Verurteilung wegen der falschen Pro-forma-Rechnung der Omni Holding blieb dagegen bestehen und wurde vom Bundesgericht 2001 bestätigt.Werner K. Rey nach 1545 Tagen wieder frei. In: Thurgauer Zeitung, Band 202, Nr. 137, 15. Juni 2000, S. 9.