Maximilian Hilpert (auch Maximilien oder Max Hilpert; * 28. Mai 1928 in Zürich, Seefeld; † 18. August 2006 in Zürich) war ein Schweizer Künstler. mini|Maximilian Hilpert, 1973
Leben Maximilian Hilpert wurde in Zürich, im Stadtteil Seefeld, geboren, wo er die Grundschule besuchte.Zeitungsbericht im «Tages-Anzeiger», 1. September 1973, «Kona AG im Kreis 4».Zeitungsbericht «Die Tat», Nr. 286, S. 5, 8. Dezember 1973, Zürich, «Ihn kennt man doch… Maximilien Hilpert», geschrieben von Ch. Fritzsche. Über seinen familiären Hintergrund ist nur wenig bekannt, ausser, dass seine Eltern aus Russland geflüchtet waren,Ausstellungsbroschüre, S. A. Association of Arts, Carlton Hotel in Johannesburg, 19. November bis 1. Dezember 1973, Ambassador of France and the sponsorship of Maurice Tyack of France Inter Presse, Dokument im Archiv des Sik-Isea. und sein Vater als Industrieller tätig war.Zeitungsbericht «Die Tat», Nr. 286, S. 5, 8. Dezember 1973, Zürich, «Ihn kennt man doch… Maximilien Hilpert», geschrieben von Ch. Fritzsche. Später zog die Familie von Zürich nach Luzern, wo Hilpert die Sekundarschule besuchte.Zeitungsbericht «Die Tat», Nr. 286, S. 5, 8. Dezember 1973, Zürich, «Ihn kennt man doch… Maximilien Hilpert», geschrieben von Ch. Fritzsche. Anschliessend begann er auf Wunsch des Vaters eine kaufmännische Lehre, obwohl er selbst eine künstlerische Laufbahn einschlagen wollte. Nach zwei Jahren brach er die Ausbildung ab. Als Grund gab er später an, dass er Kunst machen wollte.Zeitungsbericht «Die Tat», Nr. 286, S. 5, 8. Dezember 1973, Zürich, «Ihn kennt man doch… Maximilien Hilpert», geschrieben von Ch. Fritzsche. Nach dem Abbruch seiner kaufmännischen Ausbildung absolvierte Hilpert die in der Schweiz für Männer obligatorische Rekrutenschule, die er vorzeitig antreten konnte. Dort wurde er zum Funker ausgebildet.Zeitungsbericht «Die Tat», Nr. 286, S. 5, 8. Dezember 1973, Zürich, «Ihn kennt man doch… Maximilien Hilpert», geschrieben von Ch. Fritzsche. In einer anderen Quelle wird dagegen angegeben, dass Hilpert in Paris ausgebildet wurde und dort das Baccalauréat abschloss. Auf Wunsch des Vaters begann er danach an der rennomierten Hautes Études Commerciales (H.E.C.) in Paris ein Studium, das er aber nach zwei Jahren abbrach, da es nicht den gewünschten Erfolg brachte.Ausstellungskatalog Johannesburg, Hotel Carlton (1973); der South African Association of Arts, englische Version.
Stimmig ist in beiden Quellen, Hilpert nach dem Abbruch der Lehre/des Studiums nach Neapel ging, wo er um 1946 an der Akademie der Schönen Künste (Accademia di Belle Arti di Napoli) ein zweijähriges Kunststudium aufnahm. Dies tat er ohne Kapital und Italienischkenntnisse.Zeitungsbericht «Die Tat», Nr. 286, S. 5, 8. Dezember 1973, Zürich, geschrieben von Ch. Fritzsche.;Ausstellungskatalog Johannesburg, Hotel Carlton (1973); der South African Association of Arts, englische Version. Zu diesem Zeitpunkt war er ungefähr 18 Jahre alt. Um 1948 zog er weiter nach Frankfurt am Main. Dort fertigte er gemeinsam mit einem Neapolitanischen Künstlerfreund Porträts amerikanischer Soldaten an, die nach dem Zweiten Weltkrieg in der Stadt stationiert waren.Zeitungsbericht «Die Tat», Nr. 286, S. 5, 8. Dezember 1973, Zürich, geschrieben von Ch. Fritzsche.Ausstellungskatalog Johannesburg, Hotel Carlton (1973); der South African Association of Arts, englische Version. Für die Porträts verlangten sie zwischen einem und fünf Mark und konnten sich so den Lebensunterhalt finanzieren.Zeitungsbericht «Die Tat», Nr. 286, S. 5, 8. Dezember 1973, Zürich, geschrieben von Ch. Fritzsche. Es folgten Studienreisen nach Ibiza und Paris, wann genau ist jedoch nicht klar.Zeitungsbericht «Die Tat», Nr. 286, S. 5, 8. Dezember 1973, Zürich, geschrieben von Ch. Fritzsche. Schliesslich hatten die zwei jungen Männer genug Geld beisammen, um sich ihr Zugticket nach Paris zu leisten und dorthin zu ziehen.Zeitungsbericht «Die Tat», Nr. 286, S. 5, 8. Dezember 1973, Zürich, geschrieben von Ch. Fritzsche.Ausstellungskatalog Johannesburg, Hotel Carlton (1973); der South African Association of Arts, englische Version. Hilpert lebte und arbeitete schlussendlich 20 Jahren lang in seiner neuen Heimat.Zeitungsbericht «Die Tat», Nr. 286, S. 5, 8. Dezember 1973, Zürich, geschrieben von Ch. Fritzsche.
In Paris angekommen, trennten sich die Wege der beiden Freunde.Ausstellungskatalog Johannesburg, Hotel Carlton (1973); der South African Association of Arts, englische Version. Fortan trat Hilpert unter dem Namen Maximilien auf (französische Schreibweise von Maximilian). Da er seinen Vater nicht nach Geld fragen wollte, bestritt er seinen Lebensunterhalt unterdessen mit dem Verkauf eigener Bilder an Kunstinteressierte und Touristen, denen er seine Werke in den Cafés von Saint-Germain-des-Prés anbot. In einem dieser Cafés, dem berühmten Les Deux Magots, soll er mit bekannten Künstlern und Intellektuellen wie Jean Cocteau, Pablo Picasso und Bernard Buffet in Kontakt gekommen sein.Ausstellungskatalog Johannesburg, Hotel Carlton (1973); der South African Association of Arts, englische Version.
Der damalige Direktor und Eigentümer der bekannten Galerie Charpentier und Kunsthistoriker Raymond Nacenta (1899–1979) erkannte Hilperts künstlerisches Talent, nahm ihn im Alter von 22 Jahren in die Galerie auf und förderte ihn (um 1950). Er brachte ihn dazu, statt zu zeichnen, zu malen.Ausstellungskatalog Johannesburg, Hotel Carlton (1973); der South African Association of Arts. Hilpert bezeichnete dies als eine neue Ära in seiner künstlerischen Laufbahn.Ausstellungskatalog Johannesburg, Hotel Carlton (1973); der South African Association of Arts. So hatte er 1950 seine erste Einzelausstellung durch die Galerie Charpentier.Zeitungsbericht «Die Tat», Nr. 286, S. 5, 8. Dezember 1973, Zürich, geschrieben von Ch. Fritzsche.
1952 übernahm Hilpert die Geschäftsführung der Galerie in Paris, die zu dieser Zeit als eine der bedeutendsten Galerien Europas galt.Ausstellungskatalog Johannesburg, Hotel Carlton (1973); der South African Association of Arts. Parallel dazu entwickelte sich sein Atelier in der Rue de l’Orient in MontparnasseArbeitsrapporte – Aktuelle Schweizer Kunst, ausgefüllt von Max HilpertAusstellungskatalog Johannesburg, Hotel Carlton (1973); der South African Association of Arts. zu einem Treffpunkt der intellektuellen und künstlerischen Avantgarde seiner Zeit. Kurze Zeit nach dem Antritt seiner Rolle als Manager der Galerie Charpentier, trat er allerdings wieder zurück, da der Ruf der Selbständigkeit grösser war.Ausstellungskatalog Johannesburg, Hotel Carlton (1973); der South African Association of Arts.
Künstlerisches Schaffen In Paris malte Hilpert zunächst Motive, die sich gut verkaufen liessen. Dazu gehörten typische Szenen des Pariser Lebens, etwa die Seine mit ihren Booten, Angler, Liebespaare oder Clochards unter den Brücken.Ausstellungskatalog Johannesburg, Hotel Carlton (1973); der South African Association of Arts. Ab 1950 entwickelte sich sein Stil zunehmend in eine expressive Richtung.Ausstellungskatalog Johannesburg, Hotel Carlton (1973); der South African Association of Arts.
In seiner Malerei setzte sich Hilpert wiederholt mit dem Paralogischen und Surrealistischen auseinander. Dabei blieb er stets der figurativen Malerei verpflichtet, deren Detailreichtum den Betrachtenden zu vielfältigen Geschichten und Assoziationen anregt. Ab den 1960er-Jahren entwickelte er einen eigenständigen surrealistischen Stil, der romantische, poetische und märchenhafte Elemente ebenso vereint wie absurde und mystische Bildwelten.
Hilpert schuf phantastische und surrealistische Traumlandschaften, teils mit, teils ohne menschliche Figuren. Häufig bevölkerte er seine idealisierten Landschaften mit ruinösen Architekturen und Fabrikanlagen und versah sie mit Motiven wie Pflanzen, Bäumen, Früchten, Vögeln, Booten und Planeten. Daneben integrierte er abstrakte geometrische Formen und Elemente des Stilllebens in seine Kompositionen.
In den 1960er-Jahren traten zunehmend Himmelskörper und kosmische Motive in seinem Werk auf: Planeten und Erdkugeln, Halb- und Vollmonde, das Himmelsfirmament und weitläufige Sternenhimmel. Diese Bildwelten lassen sich auch vor dem Hintergrund des Beginns der unbemannten Weltraumforschung Ende der 1950er-Jahre lesen und scheinen deren Faszination künstlerisch widerzuspiegeln.
Hilperts technisch präzise und virtuos ausgeführte Malerei wurde vom Tages-Anzeiger im Dezember 1973 treffend mit den Worten beschrieben, sie habe «dem Surrealismus das Grauen genommen».
Maximilien Hilpert selbst bezeichnete seinen Malstil als «Reabsolutismus». Darunter verstand er ein «absolutes (abstraktes) Thema in realer (konkreter) Darstellung bzw. Symbolik»schreibmaschinenschriftlicher Hinweis in einem Dokument des SIK. Häufig signierte er seine vollendeten Werke mit einer vertikal gesetzten Signatur.
Nach eigenen Angaben arbeitete Hilpert nicht nur mit Ölfarben, sondern auch mit Temperafarben. Um die gewünschte Bildwirkung zu erzielen, kombinierte er verschiedene Maltechniken, insbesondere Spritz- und Pinselmalerei. Für die Spritzeffekte verwendete er eine Spritzpistole, mit der er die Bildoberfläche mit einem fein abgestuften, schleierartigen Effekt und zarten Farbverläufen versehen konnte.
Ab Mitte der 1970er-Jahre plante Hilpert eine Gemäldeserie zum Thema «Kosmos».Hinweis in einem Dokument des SIK. In dieser Zeit tauchten auch schwebende, schlossartige Gebäude als neues Motiv in seinem Werk auf. In den folgenden Jahrzehnten erhielten seine surrealistischen und detailreich ausgeführten Gemälde zunehmend eine romantische Note.Zeitungsbericht «Die Tat», Nr. 286, S. 5, 8. Dezember 1973, Zürich, geschrieben von Ch. Fritzsche. Wie Hilpert selbst einmal formulierte, sei er «infolge ständigen Aufenthaltes im Ausland viel zu wenig bekannt in der Schweiz». Tatsächlich fanden dort bis Anfang der 1950er-Jahre nur wenige Ausstellungen seiner Werke statt. Vermutlich war er in den 70er-Jahren wieder vermehrt in der Schweiz und versuchte dort auszustellen, wie verschiedene Zeitungsberichte vermuten lassen. So stellte er etwa 1973 in der Galerie Kona AG in Zürich aus.Zeitungsbericht «Die Tat», Nr. 286, S. 5, 8. Dezember 1973, Zürich, geschrieben von Ch. Fritzsche.
Aus einem Brief vom 23. Juli 1975 (Briefdokumentation des Musée Léon Dierx) geht hervor, dass Hilpert zeitweise auf der Insel Mauritius lebte. Dort bereitete er neue Werke für eine geplante Ausstellung im Musée Léon Dierx auf La Réunion vor. Der damalige Kurator Henri Wacquiez betreute die Ausstellung.
Neben zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen im Ausland erhielt Hilpert auch internationale Aufträge. So wurde er unter anderem von der japanischen RegierungZeitungsbericht «Die Tat», Nr. 286, 8. Dezember 1973, Zürich, geschrieben von Ch. Fritzsche. sowie in Johannesburg (im Auftrag des Staates Südafrika) mit der Ausführung eines Freskos beauftragt,Schriftlicher Eintrag von Hilpert im Formular fürs Künstlerverzeichnis der Schweiz 1980-1990 des SIKs, 15.12.1989, Zürich. das 1980 entstand. Für verschiedene Inseln im Indischen Ozean fertigte er zudem Karten der dortigen Korallenriffe an.
Bis 1989 ist ein zweiter Wohnsitz Hilperts in Paris, an der Rue d’Antin, nachweisbar. Dies geht aus einem handschriftlichen Eintrag auf dem Formular «Künstlerverzeichnis der Schweiz 1980–1990» des SIK (Schweizerisches Institut für Kunstgeschichte) hervor.
Über Hilperts weiteres Leben ist bislang nur wenig bekannt. Insbesondere über seine Lebensumstände in den letzten Jahren vor seinem Tod liegen kaum Informationen vor. Trotz seiner künstlerischen Erfolge und der Anerkennung durch bedeutende Persönlichkeiten scheint Hilpert im Laufe der Zeit weitgehend in Vergessenheit geraten zu sein.