Beethoven ist eine Skulptur des deutschen Bildhauers Max Klinger aus dem Jahr 1902. Die Skulptur ist Teil der Sammlung des Museums der bildenden Künste in Leipzig. Beschreibung und Symbolik Auf einem großen schwarzen Marmor-Sockel steht ein reich dekorierter Thron, auf dem der Komponist Ludwig van Beethoven sitzt, mit geballten Händen und einem konzentrierten, energiegeladenen Ausdruck sowie mit nacktem Oberkörper. Er hat einen Adler vor sich. Diese Art der Darstellung ist die einer olympischen Gottheit. Klinger hat Beethoven mit den Attributen des höchsten antiken Gottes (Zeus oder Jupiter) ausgestattet. Der Adler ist das symbolische Tier dieses Gottes und spielt außerdem auf den Prometheus-Mythos an. Der breite Mantel, der Beethovens Unterkörper umschlingt, und die Sandalen, die er trägt, sind ebenfalls nach antiken Vorbildern modelliert. Mit den Engelsköpfen und allegorischen Szenen an der Außenseite des Thrones wird der Komponist auch mit christlichen Motiven im Verbindung gebracht.
Die Höhe der Beethoven-Figur beträgt von der Plinthe bis zum Scheitel 150 cm, die Gesamthöhe des Bildwerks 310 cm.
Materialien Klinger verwendete für die Skulptur eine Vielzahl verschiedener und jeweils sehr kostbarer Materialien. Der Oberkörper und die Füße bestehen aus griechischem Marmor aus Syra.Elsa Asenijeff (1902). Max Klingers Beethoven: eine kunst-technische Studie. Deutschland: H. Seemann, S. 13 Für die alabasterfarbene Kleidung verwendete Klinger Laaser Marmor aus Südtirol. Der Felssockel und der Adler bestehen aus pyrenäischem Marmor. Für die Augen des Adlers verwendete er Bernstein. Die Krallen sind aus Bronze, ebenso wie der Thron. Die Engelsköpfe am oberen Rand des Thrones bestehen aus Elfenbein. Die Mosaikstreifen sind aus Glas, Achat, Jaspis und Perlmutt. Sie sind mit einer Goldfolie unterlegt.
Geschichte mini|In der Ausstellung der Wiener Secession Klinger hatte die Idee für eine Beethoven-Skulptur bereits 1886 während eines Aufenthalts in Paris. Obwohl er gleich begann, die Idee umzusetzen, hat er lange daran gearbeitet. Die Skulptur wurde erstmals auf der 14. Ausstellung der Wiener Secession präsentiert, wo sie am 15. April 1902 enthüllt wurde. Die Ausstellung erhielt erhebliche Aufmerksamkeit, auch durch die Berichterstattung über Klingers Transport der Skulptur zum Wiener Secessionsgebäude. Die Skulptur, einschließlich aller Teile, wiegt über 4 Tonnen. Für den Transport musste sie in mehrere Teile zerlegt werden. In Leipzig wurde unter dem Vorsitz des damaligen Bürgermeisters Carl Bruno Tröndlin ein Komitee gebildet, das den Kauf der Skulptur für das Museum der bildenden Künste aushandeln sollte. Im Wettbewerb mit Wien gelang es dem Komitee, den von Klinger geforderten Kaufpreis von 250.000 Mark zu garantieren.
Kontroverse Das Kunstwerk löste Kontroversen aus, weil es Beethoven geisterhaft und in einer gebeugten Position darstellt, was Kritiker als unangemessen betrachteten. Thomas Mann hingegen gehörte zu denen, die es gerade deshalb lobten, weil Beethoven verletzlich und zärtlich wirkt, wie jemand, der Schwäche überwunden hat. Mann schrieb: „Klingers zerbrechlicher kleiner Beethoven, der auf einem riesigen göttlichen Thron sitzt, eifrig konzentriert, die Fäuste geballt – das ist ein Held.“Aus dem Englischen ins Deutsche zurückübersetzt, zitiert nach:
In seinem Buch A Kingdom Not of This World (wörtlich: Ein Königreich nicht von dieser Welt) von 2013 schreibt Kevin Karnes, dass die Skulptur „einen wesentlichen, vielleicht den wesentlichen künstlerischen Ausdruck der utopischen Sehnsucht in der österreichisch-deutschen Kunstwelt des Fin de Siècle verkörperte.“
Literatur Barbara John: Max Klinger: Beethoven. Seemann, Leipzig 2004. ISBN 3-86502-090-9
Weblinks
Einzelnachweise
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