mini|Szenenbild Das Problem ist meine Frau Das Problem ist meine Frau ist ein deutscher Dokumentarfilm von Calle Overweg aus dem Jahr 2003 über häusliche Gewalt. Der Film verbindet dokumentarische und inszenierte Elemente: Vier Schauspieler stellen gewalttätige Männer dar und treffen in nachinszenierten Beratungssituationen auf reale Gewaltberater.

Der Film wurde 2003 bei der Duisburger Filmwoche gezeigt. Overweg erhielt dafür den 3sat-Dokumentarfilmpreis. Später wurde der Film als Beispiel für dokumentarische Formen rezipiert, die Recherche, Inszenierung, Schauspiel und Performance miteinander verbinden.

Inhalt Im Mittelpunkt stehen vier Männer, die Gewalt gegen ihre Partnerinnen ausgeübt haben. In Gesprächen mit Gewaltberatern sprechen sie über ihre Beziehungen und versuchen ihr Verhalten zu erklären. Dabei treten Rechtfertigungen und Schuldzuweisungen ebenso hervor wie die Interventionen der Berater, die Männer mit ihrer Verantwortung für ihr gewalttätiges Verhalten zu konfrontieren.

Die Rollen der Gewalttäter übernehmen Michael Baral, Hermann Killmeyer, Arnold Dammann und Frank Meyer-Brockmann. Ihnen gegenüber sitzen mit Burkhard Oelemann und Joachim Lempert zwei tatsächliche, in der Arbeit mit gewalttätigen Männern erfahrene Berater der Organisation „Männer gegen Männergewalt“.

Der Film macht diese Versuchsanordnung von Beginn an kenntlich. Die Studioumgebung bleibt sichtbar, ebenso Kameras, Beleuchtung und Teile des filmischen Sets. Auch Regisseur Calle Overweg tritt zeitweise ins Bild. Dadurch sind nicht nur die Beratungsgespräche, sondern auch deren Inszenierung Gegenstand des Films.

Entstehung und Konzeption Das Filmprojekt wurde unter dem Arbeitstitel Um mich wurde es dunkel von Ulrike Zimmermann in Zusammenarbeit mit Burkhard Oelemann von der Beratungsstelle „Männer gegen Männergewalt“ entwickelt.

Um mich wurde es dunkel erhielt im Jahr 2000 eine Produktionsförderung von 124.013 DM aus der NDR-Förderung Niedersachsen.

Calle Overweg kam 2002 als Regisseur dazu. Im Drehplan des Film & Medienbüros Niedersachsen von 2002 wird Um mich wurde es dunkel weiterhin als Arbeitstitel geführt. Als Förderungen werden die NDR-Förderung Niedersachsen und die Hessische Filmförderung genannt.

Für die Realisierung entwickelte Overweg eine Form der dokumentarischen Nachinszenierung. Anstelle tatsächlicher Gewalttäter treten Schauspieler auf. Die dargestellten Männer und Situationen beruhen auf Recherchen mit der Beratungsstelle Männergegen Männergewalt. Burkhard Oelemann und Joachim Lempert spielen sich selbst als reale Gewaltberater. Die Zusammenarbeit des Films mit der Hamburger Beratungsstelle Männer gegen Männergewalt wurde auch bei späteren Aufführungen hervorgehoben.

Overweg begründete die Nachinszenierung später mit dem Problem, tatsächliche Täter vor der Kamera über ihre Gewalttaten sprechen zu lassen. Eine solche Veröffentlichung könne einerseits zur Rechtfertigung der Täter werden und sie andererseits öffentlich identifizierbar machen. Die Nachinszenierung sollte es ermöglichen, die Perspektive und Argumentationsmuster der Täter zum Gegenstand einer öffentlichen Auseinandersetzung zu machen, ohne konkrete Personen auszustellen.

Der Film verschleiert die Nachinszenierung nicht. Texttafeln weisen auf die Schauspieler hin, Teile des Studios und der technischen Apparatur sind sichtbar und der Regisseur erscheint selbst im Bild. Die filmische Konstruktion wird damit zu einem Teil der Darstellung.

Produktion und Veröffentlichung Produziert wurde Das Problem ist meine Frau von Ulrike Zimmermann. Die Kamera führte Vladimir Majdandžić, den Schnitt übernahmen Calle Overweg und Natali Barrey. Stefan Lienenkämper komponierte die Musik. Burkhard Oelemann und Joachim Lempert waren als Fachberater beteiligt. Bettina Böhler beriet den Schnitt.

Filmportal ordnet die Produktion dem Jahr 2002 zu und verzeichnet eine Aufführung am 13. Februar 2003 auf dem Filmmarkt der Internationalen Filmfestspiele Berlin. Die Duisburger Filmwoche führt den Film als deutsche Produktion des Jahres 2003.

Am 6. November 2003 wurde der Film bei der 27. Duisburger Filmwoche gezeigt. An die Vorführung schloss sich ein Filmgespräch mit Overweg an. Dort erhielt er für den Film den 3sat-Dokumentarfilmpreis.

Das NDR Fernsehen strahlte den Film am 25. Oktober 2004 unter dem abweichenden Titel Männer – Frauen – Gewalt aus. Am 7. November 2004 zeigte 3sat ihn wieder unter dem Titel Das Problem ist meine Frau und bezeichnete ihn dabei als 3sat-Dokumentarfilmpreisträger des Vorjahres.

Rezeption Bereits das Filmgespräch bei der Duisburger Filmwoche beschäftigte sich ausführlich mit dem Verhältnis von dokumentarischer Darstellung und Inszenierung. Diskutiert wurde insbesondere die Entscheidung, keine tatsächlichen Täter vor der Kamera auftreten zu lassen. Die künstlich hergestellte Situation wurde dabei als Möglichkeit verstanden, eine ansonsten nur schwer filmisch zugängliche Wirklichkeit darzustellen. Zugleich wurden Fragen nach Authentizität, Voyeurismus und der Wirkung der gespielten Täterfiguren erörtert.

Die Filmkritikerin Birgit Glombitza ordnete Das Problem ist meine Frau in ihrem Essay Deutschland revisited II – Dokumentarfilm und andere Experimente als reflexiven Dokumentarfilm ein. Overweg forme seinen „filmkünstlerischen Gegenentwurf“ mit den Mitteln der Fernsehästhetik und unterlaufe zugleich deren Seh- und Produktionsgewohnheiten. Das Sujet könne zunächst aus einer nachmittäglichen Talkshow stammen: Männer, die ihre Frauen schlagen. Der Film durchbreche dieses vermeintliche Authentizitätsversprechen jedoch, indem die Täter von Schauspielern dargestellt und die Beratungssituationen nachgestellt werden. Sichtbare Scheinwerfer und Kameras sowie der zeitweise im Bild erscheinende Regisseur machten die Herstellung selbst zum Bestandteil des Films. Glombitza beschreibt dieses Verfahren als „ein Trugbild, das sich immer wieder selbst an den Rändern aufribbelt“. Der Film stelle seinen Herstellungsprozess aus und erzeuge zugleich durch eine zweite Kamera erneut den Eindruck unmittelbarer Beobachtung.

Die Filmreihe Performing Documentary des Arsenal – Institut für Film und Videokunst, die später in einem Dossier der Bundeszentrale für politische Bildung dokumentiert wurde, nahm den Film als Beispiel für eine experimentelle Form des Dokumentarischen auf. Die Reihe versammelte Filme, die dokumentarisches Material mit expliziter Inszenierung, Schauspiel, Performance und Verfremdung verbinden. Diese Verfahren wurden als Möglichkeit beschrieben, gängige Vorstellungen von Authentizität und Unmittelbarkeit im Dokumentarfilm zu hinterfragen.

Auch die Hamburger Beratungsstelle Männer gegen Männergewalt setzte den Film später für die Auseinandersetzung mit häuslicher Gewalt ein. Bei den MännerGesundheitsTagen Hamburg 2007 wurde er in der Beratungsstelle gezeigt und anschließend mit Mitarbeitern der Einrichtung diskutiert.https://www.maenner-und-trauma.de/download/Dokumentation_MGT-Hamburg-2007.pdf

Auszeichnung

2003: 3sat-Dokumentarfilmpreis der Duisburger Filmwoche für Calle Overweg

Weblinks

Das Problem ist meine Frau im Dossier Performing Documentary der Bundeszentrale für politische Bildung Protokoll des Filmgesprächs bei der Duisburger Filmwoche Das Problem ist meine Frau bei MMM Film

Einzelnachweise

Kategorie:Filmtitel 2003 Kategorie:Deutscher Film Kategorie:Dokumentarfilm Kategorie:Gewalt gegen Frauen