Heinrich Martin Nordahl Glogau (geb. als Hirsch Moses Glogau am 29. September 1786 in Hamburg; gest. 11. November 1821 in Bergen) war ein deutscher jüdischer Kaufmann der sich nach seiner Konversion zum Christentum in Norwegen als erster öffentlich für die Aufhebung des „Judenparagraphen“ im norwegischen Grundgesetz einsetzte.
Leben Der Familienname Glogau geht vermutlich auf den eingedeutschten Ortsnamen von Głogów zurück, woher Hirsch Moses' Vater stammte. Seine Mutter starb kurz nach seiner Geburt. Der Vater heiratete spätestens 1789 erneut und Hirsch Moses hatte mehrere Halbgeschwister.
Laut Passunterlagen kam Glogau am 25. September 1812 über Göteborg nach Bergen, um dort eine Stelle als Handelsgehilfe bei dem zum Christentum konvertierten Juden Edvard Isach Hambro anzutreten. Am 8. November 1813 konvertierte auch Glogau zum Christentum und nahm den Taufnamen Heinrich Martin Nordahl an, wobei der Beiname Nordahl vermutlich auf seinen Taufpaten, Bischof Johan Nordahl Brun, zurückgeht. Schon vor seiner Konversion hatte Glogau dem Bischof in einem Brief für seine wohlwollende Haltung gegenüber Juden gedankt. Kjempet for jøders rettigheter. Bergens Tidende, 25. April 2014 (norwegisch) Als Christ wurde er in die Bürgerrolle der Stadt aufgenommen. Unklar ist, wie Glogau mehr als ein Jahr in Bergen leben und arbeiten konnte, obwohl Juden die dauerhafte Niederlassung in Norwegen untersagt war.henrich (heinrich) martin nordahl glogau. Borgerskolen (abgerufen am 29. September 2026, norwegisch)
Am 28. Februar 1814 heiratete Glogau in der Nykirken Karen Elisabeth Ellertsen, mit der er drei Töchter bekam (1815, 1816 und 1818), bevor Karen 1819 verstarb. Im darauffolgenden Jahr heiratete Glogau am 17. November Marianne Henriette Georgine Severin, die konvertierte Tochter eines jüdischen Kaufmanns aus Hamburg. Aus dieser zweiten Ehe ging ein Sohn hervor: Mauritz Henrik Glogau, geboren am 29. Juli 1821.Oskar Mendelssohn: Jødenes historie i Norge gjennom 300 år. Bok 1 (1660-1940). Oslo Universitetsforlag, 1987, S. 53 (norwegisch)
Debatte um den Judenparagraphen Das Niederlassungsverbot für Juden wurde 1814 auch Bestandteil der neuen norwegischen Verfassung von Eidsvoll und im selben Jahr wurden vier Juden, darunter zwei Geschäftspartner von Glogau, aus Bergen deportiert. Auch er selbst soll dazu mehrfach verhört worden sein.Gunnar Wiederstrøm: Nei, Munch var ikkje den første. Morgenbladet, 16. Mai 2019 (norwegisch) Glogau gilt heute als der Erste, der öffentlich gegen den Judenparagraphen Stellung bezog. In einer Gegenrede zu einem antijüdischen Zeitungsartikel erklärte er solche Haltungen als „tief verwurzelte Vorurteile, gepaart mit Hass, Bosheit und übler Nachrede“.
Am 26. September 1817 schrieb Glogau einen Brief an Christian Magnus Falsen, der auf die Gestaltung der Verfassung großen Einfluss gehabt hatte und den er zu einer Begründung des Judenparagraphen aufforderte. Falsen veröffentlichte den Brief mitsamt seiner Antwort am 9. Oktober in der Zeitschrift Det Norske Tilskuer in Bergen, deren Redakteur er inzwischen war.kjøbmand i bergen heinrich martin glogau : privat brev til amtmand christian magnus falsen i sept. 1817. Borgerskolen (abgerufen am 29. September 2026, norwegisch) Am 23. Oktober erfolgte die Veröffentlichung der Erwiderung Glogaus, der sich dabei auch auf die Haltung seines Paten, des im Jahr zuvor verstobenen Bischof Brun, in der Judenfrage berief.heinrich martin glogau svarer amtmand chr. m. falsen i «den norske tilskuer» 23de october 1817. Borgerskolen (abgerufen am 29. September 2026, norwegisch)
Gedenken Heinrich Glogau starb am 11. November 1821 im Alter von 35 Jahren und wurde auf dem Friedhof der Domkirche Bergen beigesetzt. 2018 wurde in Bergen die Treppe zwischen Møhlenpris und Nygardshøyden nach Glogau benannt.Trapp blir oppkalt etter jødeforkjemper. Dagen, 28. November 2018 (norwegisch)
Literatur Frode Ulvund: "Hader Feil, men ei Nationer": Heinrich Glogau - en tidlig norsk antiantisemitt. In: Kjetil Braut Simonsen, Vibeke Moe, Øivind Kopperud: Antisemittismens lange linjer. Jødefiendtlighet i norsk fortid og samtid. Scandinavian Academic Press, 2025, S. 37–87
Einzelnachweise
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