mini|hochkant|Igor Koller, 2025 Igor Koller (geboren am 2. September 1952) ist ein slowakischer Kletterer und Bergsteiger. Er prägte über Jahrzehnte die alpine Szene in der Slowakei als Kletterer, Mentor und Funktionär. Im Laufe seines Lebens gelangen ihm über 200 Erstbegehungen, zum größten Teil in extremen Schwierigkeitsgraden. Für sein Lebenswerk wurde er im September 2026 mit dem Paul-Preuss-Preis geehrt.
Leben Koller wurde am 2. September 1952 geboren. Er arbeitete bis 1989 als Bauingenieur, danach als freier Fotograf, Journalist und Kletterer. Koller engagierte sich über Jahrzehnte für die Entwicklung des Kletterns in der Slowakei, er wirkte als Kletterer, Erstbegeher, Mentor und Funktionär. So ist er seit 2000 ist Generalsekretär des Slowakischen Bergsteigerverbandes JAMES und von 2007 bis 2019 war er dessen Präsident. Er gilt als Urgestein, der es schafft mit seiner Begeisterung Nationen und Generationen zu verbinden. Dadurch ist er ein Vorbild für viele junge Kletterer und Kletterinnen geworden.
Durch seine Fotoarbeiten gewann er 1987 und 1989 den „Memorial Milan Kirssak Fotowettbewerb“. Seine Fotoarbeiten und seine Tätigkeit als freier Journalist ebneten ihm den Weg zum Profibergsteiger.
Koller lebt in Bratislava, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Kollers Frau Erika ist auch eine begabte Kletterin, er hat viele Touren mit ihr gemacht.
Alpinistische Karriere Koller zählt zu den prägenden Persönlichkeiten des slowakischen Alpinismus, es gelangen ihm bedeutende Erstbegehungen in der Hohen Tatra, im Sandstein von Teplice, an der Marmolada, im Bergell und im Karakorum.
Erste Anfänge Bereits im Alter von vierzehn Jahren begann Koller mit dem Klettern, gemeinsam mit einem Freund durchstieg er ungesichert einen Kamin unterer Schwierigkeitsstufen. Als sein Bruder Petr das mitbekam, war Petr entsetzt, entschied sich aber Igor einige Grundlage beizubringen, da Petr bereits Klettererfahrung hatte. Mit seinem Bruder bewältigte er einige Routen in der Kalamarka. Im September 1968 fuhr Koller mit seinem Bruder in die Hohe Tatra, hier gelangen den beiden mehrere große Touren wie die „Štaflovka“ , die „Volí věž“ oder die Žabí kůň“. Schwierige Routen begingen sie erstmals im Sommer 1969 wie die „Cagašík“-Route zur „Žlutá stěna“ oder die „Eštok–Janiga“-Route. Koller war in seinem Element angekommen. Einen Rückschlag erlitt er 1970 als sein Bruder Petr in der Niederen Tatra unter eine Lawine kam und starb.
Koller ging 1971 zum Studium nach Bratislava. Hier wurde er Mitglied des Sportvereins TJ Lokomotiva. Er fand auch wieder zum Klettern zurück und mit Andrej Belica auch einen neuen Kletterpartner.
Innerhalb der Tschechoslowakei war spezielle Ausrüstung nur sehr schwer zu beschaffen und wenn sie verfügbar war, dann war sie für die meisten Kletterer zu teuer. Deshalb bewältigte Koller seine ersten Kletterversuche mit Hanfseilen. So war es auch mit den Kletterschuhen. Es war klar, dass Gummisohlen ohne Profil einen deutlichen besseren Grip boten als Bergstiefel mit harten Sohlen. Daher experimentieren sie mit allem Schuhen, die unprofilierte Gummisohlen hat, wie etwa Hausschuhe aus Filz. Da deren Haltbarkeit begrenzt war, wurde sie mit Klebeband zusätzlich fixiert. Besonders aufgefallen ist diese Ausrüstung wenn die tschechoslowakischen Kletterer in den Westen durften.
Erstbesteigungen in der Hohen Tatra und in den Dolomiten Zwischen 1974 und 1981 gelangen Koller etwa 30 Erstbesteigungen und auch etliche Winter-Erstbesteigungen in der Hohen Tatra, viele zusammen mit Andrej Belica.
„Der Weg durch den Fisch“ an der Marmolada Südwand Koller gelang zusammen mit Jindrich Šustr im August 1981 die Erstbegehung der Route „Weg durch den Fisch“ (im italienischen Original: Via attraverso il Pesce) an der Marmolada Südwand, diese zählt zu den Meilensteinen alpinen Kletterns. Der Name wurde inspiriert durch eine kleine Höhle in Wandmitte, der die Form eines Fisches hat; die Tour führt durch diese durch. Die Route ist 1220 m lang (Wandhöhe 900 m), zählt 37 Seillängen, davon weite Strecken in hohen Schwierigkeitsgraden (UIAA 9- und 7+/8- obligat) und gilt als schwierigste Dolomitentour. Koller und Šustr gelang die Erstbegehung nur mit mobilen Sicherungsmitteln und spärlich eingesetzten Normalhaken und bewiesen damit, dass man auch ohne Bohrhaken extrem schwer klettern kann. Die Begehung bedeutete einen qualitativen und psychologischen Quantensprung für die Erschließung neuer Routen in den Alpen.
Die erste Wiederholung gelang Luisa Iovane zusammen mit Heinz Mariacher 1984. Im April 2007 wurde die Route nochmals berühmt als Hansjörg Auer sie Free Solo bestieg.
Höhenbergsteigen Koller war 1977 erstmals im Pamir und erzielte eine Erstbesteigung im alpinen Stil auf den Peak Marshall Zukov mit einer Traverse zum Peak Lenin (). Er stellte aber fest, dass Höhenbergsteigen nicht seine erste Priorität ist, da bei diesem lange Wanderungen mit viel Gepäck mit gleichzeitig relativ wenig reines Klettern vorherrschen. Deshalb zog es ihn erst wieder 2002 in den Himalya, mussten aber die Besteigung des Castle Peak kurz unterhalb des Gipfels abbrechen. 2004 war er im Karakorum in der Südostwand des Shipton Spire; hier eröffnete er die neue Tour „Shipton Prisoners“ mussten aber 70 m unterhalb des Ausstiegs auf dem Grat aufgeben. Deshalb ist er 2005 nochmals an den Shipton Spire gefahren, diesmal gelang es ihm seine Erstbegehung zu vollenden; das Team stieg über die Route „Ship of Fools“ ab.
Späte Jahre Koller ist selbst in hohen Alter noch ein aktiver Kletterer: 2025 wiederholte er im Alter von 73 Jahren in der Hohen Tatra die „Bonbon“-Route an der Westwand des Lomnicky stit, die er 51 Jahre zuvor selbst eröffnet hatte.
Ehrungen und Auszeichnungen 2026 gewann Koller den Paul-Preuss-Preis für sein alpinistische Lebenswerk. In der Laudatio wurde im Wesentlichen Kollers Leichtigkeit im Kletter und sein Einfluss auf die Diskussionen um Kletterethik und Verständigung betont. Er wäre nicht nur ein Kletterer, dessen Erstbesteigungen neue Dimensionen eröffnet hätten, sondern es wurde auch seine Arbeit in nationalen und internationalen Kletterorganisationen betont. Seine Art Routen zu eröffnen spiegle in hohen Maße die Werte wieder, die mit Paul Preuss verbunden werden.
Koller wurde bereits 1976 mit der tschechoslowakischen Auszeichnung „Meister de Sports“ und 1985 mit der „Goldenen JAMES Auszeichnung“ geehrt.
Besteigungen und Begehungen (Auswahl) Koller gelangen in den 4 Jahrzehnten über 140 Erstbegehungen in der Slowakei und rund 35 Erstbegehungen im Sandsteingebiet bis zu einer Schwierigkeit von 8+/9- (UIAA).
1973: Antigravitation (7), Kalamarka, 1. Begehung 1977: The edge of Kalamarka (7), Teplicke skaly, Sandstein, 1. Begehung und 2017 (40 Jahre nach der EB rotpunkt) 1980: Notre Dame (8+), Teplicke skaly, Sandstein, 1. Begehung 1983: Maybe tomorrow (8+), Teplicke skaly, Sandstein, 1. Begehung 1983: Self-reproach (8+), Teplicke skaly, Sandstein, 1. Begehung
In der Hohen Tatra bewältigte er rund 30 Erstbegehungen und Winter-Erstbegehungen:
1974: Vysna Barania straznica, Andrej Belica u. Igor Koller, 1. Begehung 1974: Mala Zlta stena, Ostwand, The eyes full of moss, Andrej Belica u. Igor Koller, 1. Begehung 1974: Lomnicky stit, Westwand, The sweet route, Andrej Belica u. Igor Koller, 1. Begehung 1975: Pusta straz, Nordwand, The route through the spider, Igor Koller u. Peter Kosik, 1. Begehung und 1. Winterbegehung mit Andrej Belica 1978: Rohovy hreben, The slabs of the right pilar, Andrej Belica u. Igor Koller, 1. Begehung und 1. Winterbegehung mit Andrej Belica 1980: Veza Zeleznej brany, Nordwand, The dihedral route (1. Winterbegehung) a The route in centre of The Right Tower of Kacaci Mnich (3. Winterbegehung), 1. Winterbegehung der gesamten Wand Andrej Belica und Igor Koller 1981: Veza Zeleznej brany, Nordwand, The Poland chimney and The left chimney of Marek, Stanislav Glejdura und Igor Koller, 1. Winterbegehung an einem Tag.
Erstbegehungen in den Alpen:
1973: Marmolada, Via Slovakia, 1. Begehung 1975: Bergell, Piz Badile, Direkte Ostwand, Slowakenroute, 1. Begehung 1975: Bergell, Fuori di Sciora, Westwand, Rain crack, 1. Begehung 1976: Petit Dru, Westwand, Hemming route, 1. Wintergegehung (7 Tage) 1976: Petit Jorasses, Direkte Westwand, 1. Begehung 1978: Bergell, Piz Badile, Nordoswand, White lines, 1. Begehung 1978: Bergell, Piz Badile, Nordostwand, Route of flowers, 1. Begehung 1978: Bergell, Piz Cengalo, linker Bereich des Westgrats, 1. Begehung (drei Neutouren in 10 Tagen) 1981: Marmolada, Weg durch den Fisch, 1. Begehung 1982: Pamiro - Alaj, Fan mountain, Bodchona, 5300 m, Westwand, 1. Begehung 1983: Les Droites, Nordwand, Klassische Route Winterbegehung 1985: Marmolada, Via Italia, 1. Begehung 1986: Marmolada, Grande traversa, 1. Begehung 1987: Marmolada, Route of pigeons 1. Begehung 1988: Marmolada, Weg durch den Fisch – 2. Rp.Begehung 1991: Marmolada, Fram, 1. Begehung 1991: Marmolada, La mamma, 1. Begehung 1991: Marmolada, Vivat Gorbi, 1. Begehung 1992 - Marmolada, The Last President, 1. Begehung 1992: Marmolada, Dirty Politics, 1. Begehung 1992: Marmolada, The rain from the clear heaven, 1. Begehung 1992: Sass Maor, The Change is Life, 1. Begehung 1993: Marmolada, 40 years for Falier, 1. Begehung 1993: Marmolada, Elsa, 1. Begehung 1994: Picco Luigi Amedeo, Bergell, Feri Ultra, 8-, 1. freie Begehung 1994: Picco Luigi Amedeo, Denti del Granito, 8-, A1, 1. Begehung 1995: Qualido, Bergell, Paradiso puo Attendere, 9-, 1. freie Begehung 1996: Qualido, Bergell, Maybe yes, maybe no, 8, A1, 1. Begehung 1998: Grande Rocheuse, “Late to Say I´m sorry”, ABO-, Winterbegehung 1998: Marmolada, Amico Feo, 8+, A3, 1. Begehung 1999: Marmolada, Milenium, 9/9+, 1. Begehung 2000: Freissinieres valley, Gramusat direct, VI/6+ (or IV/6?), Igor Kollers schwierigster Eisfall 2006, 2009: Marmolada, Via Edita, 8, A1, 1. Begehung (nicht bis zum Gipfel)
Koller gelangen auch wesentliche Touren im Himalaya, Karakorum und Yosemite:
1977: Pamir, Peak Marshal Zukov, 6800 m, Ostwand, 1. Begehung und Traverse zum Peak Lenin, 7134 m 2002: Indian Himalaya, Miyar Valley, Castle Peak, The Sharp Knife of Tolerance, 500 m bigwall climbing, 8+, A3, 1. Begehung ohne Gipfel 2004: Karakorum, Shipton Spire, Neutour “Shipton prizeners”, 800 m Bigwall und nach 500 m auf der Route “Ship of Fools”, 8, A3, WI 5+, bis zwei Seillängen unter den Gipfel 2005: Vollendung der Besteigung der Route “Shipton prizeners” 2016: El Capitan, The Nose, 95 % im Vorstieg
Wettkampfklettern und maximal erreichte Schwierigkeiten Von 1974 bis 1975 war er Mitglied der Junioren Nationalmannschaft und von 1976 bis 1977 war Koller Mitglied in der A-Nationalmannschaft. Im Jahr darauf wurde er der Vorsitzende des Trainerrats des Bergsteigerverbandes und schied damit aus der Nationalmannschaft aus.
Koller hat mehrere Kletterwettkämpfe bestritten:
1981 und 1982: Gewinner des Slovak Cups in der Disziplin Lead (Vorstieg 1981, 1982, 1984: Gewinner der Slowakischen Bouldermeisterschaft 2019: 9/9+ in der Halle 2025: 9+ om der Halle
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