Das Zollernalb Klinikum (Rechtsträger: Zollernalb Klinikum gGmbH) ist ein kommunales Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung im Zollernalbkreis in Baden-Württemberg. Es betreibt mit Albstadt-Ebingen und Balingen zwei Standorte. Das Klinikum ist ein akademisches Lehrkrankenhaus der Eberhard Karls Universität Tübingen. Mit rund 1500 Beschäftigten gehört das Klinikum zu den größten Arbeitgebern im Zollernalbkreis.
Bis etwa 2030 soll ein Zentralklinikum bei Balingen-Dürrwangen beide Standorte ersetzen.
Geschichte Kreiskrankenhäuser und Gründung (1950–2003) mini|In der Bildmitte mit türkisem obersten Stock die Klinik in Albstadt, links daneben das Schwesternwohnheim. Bis 2003 unterhielt der Zollernalbkreis drei eigene Kreiskrankenhäuser in Albstadt-Ebingen, Balingen und Hechingen. Das Balinger Kreiskrankenhaus ging auf einen Grundsatzbeschluss des Kreistags von 1950 zurück. Ein zweiter Bauabschnitt wurde 1977 eröffnet und 1984 modernisiert. Das Kreiskrankenhaus Hechingen wurde 1966 eingeweiht und löste das frühere Krankenhaus St. Elisabeth ab. 1971 nahm dort eine Krankenpflegeschule den Betrieb auf.
Ende 2003 wurde die Zollernalb Klinikum gGmbH als Betriebsführungsgesellschaft für die drei Krankenhäuser gegründet. Gesellschafter waren zu gleichen Teilen der Zollernalbkreis und das Universitätsklinikum Tübingen (UKT). Der Zusammenschluss war dem Bundeskartellamt nicht angemeldet worden. Dieses leitete später ein Enflechtungsverfahren ein, weil sie eine Verstärkung der marktbeherrschenden Stellung beider Partner in den Landkreisen Tübingen und Zollernalb sah. Die Beteiligten wickelten den Zusammenschluss draufhin zurück und das Verfahren wurde im Mai 2009 eingestellt. Seitdem ist der Zollernalbkreis alleiniger Gesellschafter. Das UKT stellt weiterhin zwei Mitglieder des Aufsichtsrats.
Am 1. Januar 2004 nahm das Zollernalb Klinikum offiziell den Betrieb auf.
Schließung und Neubau (2004–2015) Zu Beginn der 2000er-Jahre hatten die drei Krankenhäuser zusammen 633 Betten und schrieben Verluste in Millionenhöhe. Die Bettenzahl sollte deshalb auf etwa 500 sinken und ein Standort sollte aufgegeben werden. Nach kontroverser Debatte stimmte der Kreistag mit 33 von 58 Stimmen für ein Versorgungskonzept ab 2008 mit zwei Standorten in Albstadt und Balingen. Gegen die Schließung des Hechinger Standorts gab es Demonstrationen und Unterschriftenaktionen. Das Krankenhaus in Hechingen wurde schließlich im Juni 2012 geschlossen, bereits seit 2011 führte das Land Baden-Württemberg das Zollernalb Klinikum mit zwei Betriebsstätten.
Am 28. April 2008 beschloss der Kreistag einen Neubau am Standort Balingen. Der erste Spatenstich fand im März 2009 statt. Ursprüngliche Planungen sahen eine Sanierung des bisherigen Gebäudes vor, welche jedoch aufgrund von Statikproblemen verworfen wurden. Im Sommer 2012 begann daher ein zweiter Bauabschnitt. Am 20. November 2015 wurde der Neubau eingeweiht. Die Gesamtkosten des Neubaus betrugen knapp 90 Millionen Euro, wovon ein Drittel vom Land Baden-Württemberg getragen wurde. Die Nutzfläche siteg dabei von 9475 auf 14.982 Quadratmeter.
Weitere Entwicklungen (seit 2016) Kurz nach der Fertigstellung des Neubaus in Balingen begann die Diskussion über ein gemeinsames Zentralklinikum. Gleichzeitig erweiterte das Klinikum sein Leistungsspektrum und integrierte u. a. eine eigenständige Gefäßmedizin (2019), zentrale Notaufnahmen an beiden Standorten (2020), Lugenmedizin und Thoraxchirurgie (2021), eine Palliativstation (2023) und eine Klinik für Kinder- und Jugendmedizin (2024).
Im Dezember 2022 beauftragte der Aufsichtsrat die Geschäftsführung, ein Konzept für eine bessere wirtschaftliche Lage und eine zukunftsfähige Struktur auszuarbeiten. Am 19. Februar 2024 beschloss der Kreistag eine Strukturanpassung: Albstadt wurde zum internistischen Schwerpunkt, Balingen erhielt die operativen Fachgebiete. Die Umsetzung erfolgte in zwei Schritten und waren Ende 2024 abgeschlossen.
Medizinisches Angebot Das Zollernalb Klinikum umfasst folgende Kliniken und Zentren:
Klinik für Allgemein-, Viszeral- und endokrine Chirurgie Klinik für Allgemeine Innere Medizin Klinik für Altersmedizin und Schlaganfallversorgung Klinik für Gastroenterologie Klinik für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe Klinik für Kardiologie und Angiologie Klinik für Kinder- und Jugendmedizin Klinik für Pneumologie Klinik für Thoraxchirurgie und Thorakale Endoskopie Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie Palliativmedizin Zentrum für Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie (ZAINS) Zentralradiologie Zentrum für klinische Notfall- und Akutmedizin
Zentrale Notaufnahme, Radiologie und ZAINS arbeiten an beiden Standorten. Zertifizierte Zentren gibt es u. a. für Brustkrebs, gynäkologische Krebserkrankungen, Darmkrebs, Endoprothetik sowie Kontinenz und Beckenboden. Außerdem ist das Klinikum als kokales Traumazentrum im Traumanetzwerk DGU zertifiziert. Ergänzt wird das Angebot durch das Medizinische Versorgungszentrum Zollernalb (MVZ) und ein Zentrum für Sportmedizin.
Organisation Das Zollernalb Klinikum ist eine gemeinnützige GmbH. Alleiniger Gesellschafter ist der Zollernalbkreis. Vorsitzender Geschäftsführer ist Gehard Hinger, kaufmännischer Geschäftsführer Manfred Heinzler. Der Aufsichtsrat besteht aus 15 Mitgliedern, den Vorsitz hat Landrat Günther-Martin Pauli, stellvertretender Vorsitzender ist der Vorsitzende des Universitätsklinikums Tübingen Jens Maschmann. Das Zollernalb Klinikum ist Mitglied im Verein der kommunalen Großkrankenhäuser Region Mitte (VKG).
Aus- und Weiterbildung Als akademisches Lehrkrankenhaus der Eberhard Karls Universität Tübingen bildet das Klinikum Medizinstudenten im Praktischen Jahr aus. Die angeschlossene Akademie für Gesundheitsberufe im Zollernalbkreis hatte 2024 156 Ausbildungsplätze in der generalistischen Pflegeausbildung. Im August 2024 kamen 26 Plätze in der Pflegehilfe hinzu. Weitere Ausbildungen und Studiengänge gibt es u. a. für OTA, ATA und MFA sowie dual als Physican Assistant und in der Hebammenwissenschaft.
Zentralklinikum Die ersten Überlegungen zu einem zentralen Kreiskrankenhaus reichen bis zur Gründung des Zollernalbkreises im Jahr 1973 zurück. Nach Fertigstellung des Neubaus des Balinger Krankenhauses Ende 2015 begannen konkrete Planungen, die 2016 in vier Varianten vorgestellt wurden. Klinikum und Landkreis halten zwei Standorte langfristig für nicht wirtschaftlich tragfähig, zudem lasse sich der Standort in Balingen räumlich nicht mehr erweitern. Im Dezember 2017 traf der Kreistag die Standortentscheidung im Gewann Firstäcker direkt an der B 463 bei Balingen-Dürrwangen und somit zwischen Balingen und Albstadt. Im März 2022 folgte der Planungsbeschluss, am 19. Februar 2024 traf der Kreistag den Baubeschluss mit 40 Ja- und acht Nein-Stimmen bei zwei Enthaltungen. Im Juli 2025 stimmte der Gemeinderat der Stadt Balingen dem Bebauungsplan zu.
Die Gesamtkosten für das Hauptgebäude des Klinikums, einem Gesundheitszentrum, einem Parkhaus und der dazugehörigen Infrastruktur sowie den Grundstückskäufen liegen bei 380 Millionen Euro. Das Land Baden-Württemberg hat die Planungen bisher mit 15,5 Millionen Euro gefördert, über weitere Förderungen im Rahmen des Baus wird zu einem späteren Zeitpunkt entschieden.
Seit Dezember 2025 werden auf dem Gelände vorbereitende Ausgleichsmaßnahmen durchgeführt. Die Fertigstellung sit für 2030 geplant, danach soll der Betrieb schrittweise beginnen. Was mit den bisherigen Klinikgebäuden geschieht, ist noch offen.
Weblinks
Offizielle Website des Zollernalb Klinikums Projektseite des Zentralklinikums Zollernalb
Einzelnachweise
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