mini|Gino Lorenzini

Gino Darío Lorenzini Barrios (* 18. Juni 1982) ist ein chilenischer Unternehmer und Finanzkommentator. Bekannt wurde er als Gründer des Unternehmens Felices y Forrados (FyF), das Teilnehmer des chilenischen privaten Rentensystems bei der Umschichtung ihrer Ersparnisse zwischen verschiedenen Pensionsfonds beriet.

Lorenzini beteiligte sich wiederholt an öffentlichen Debatten über das chilenische Rentensystem und strebte mehrfach politische Ämter an. Bereits 2013 stellte er dem chilenischen Nationalkongress Vorschläge zur Reform des Rentensystems vor, darunter die Einrichtung einer staatlichen Rentenfondsverwaltung und die Einführung erfolgsabhängiger Verwaltungsgebühren.

Nach der Einstellung des Geschäftsbetriebs von Felices y Forrados setzte er sein öffentliches Engagement in der Rentenpolitik fort. Dabei kritisierte er verschiedene Bestimmungen der Rentenreform von 2025. Im September 2026 initiierte er eine Kampagne, mit der er Versicherte dazu aufrief, Verfassungsschutzklagen gegen die geplante Übertragung ihrer Rentenersparnisse auf generationenbezogene Fonds einzureichen.

Biografie Lorenzini wurde am 18. Juni 1982 geboren und wuchs in Antofagasta auf.

Er studierte Wirtschaftsingenieurwesen (Ingeniería Comercial) an der Alberto-Hurtado-Universität und absolvierte anschließend ein Masterstudium in Finanzwissenschaften an der Universidad de Chile. Während der internationalen Finanzkrise von 2008 befand er sich noch in diesem Studium.

Vor der Gründung von Felices y Forrados war Lorenzini in kaufmännischen und leitenden Funktionen im Einzelhandel und im Exportgeschäft tätig. Zwischen 2011 und 2012 arbeitete er unter anderem als kaufmännischer Leiter des Unternehmens Chilesin, das auf den Export von Sicherheitsprodukten spezialisiert war.

Unternehmerische Tätigkeit Am 27. Juli 2011 begann Lorenzini, über LinkedIn kostenlose Empfehlungen zur Umschichtung von Rentenersparnissen zwischen den verschiedenen chilenischen Pensionsfonds zu veröffentlichen. Am 16. Februar 2012 gründete er das Unternehmen Felices y Forrados SpA (FyF), das gegen eine monatliche Gebühr Empfehlungen zum Wechsel zwischen den Fonds anbot.

mini|links|Lorenzini während eines Fernsehauftritts, bei dem er das chilenische Rentensystem analysiert. Im Oktober 2019 empfahl FyF seinen Kunden, einen Teil ihrer Ersparnisse aus dem konservativen Fonds E abzuziehen. Lorenzini erklärte später, sein Analysemodell habe bereits vor Beginn der sozialen Proteste eine Anomalie auf dem Anleihemarkt festgestellt. Dadurch hätten die Kunden nach seinen Angaben einen Verlust von rund elf Prozent vermeiden können.

Im November 2020 stellte der Portfoliomanager Salvador Palma die Renditeangaben des Unternehmens infrage. Seiner Berechnung zufolge hatten Kunden unter Berücksichtigung der Abwicklungsfristen eine Rendite von 1,99 Prozent erzielt, während FyF 14,09 Prozent angegeben hatte. Die chilenische Verbraucherschutzbehörde (Sernac) leitete daraufhin eine Untersuchung ein und erstattete 2021 Anzeige wegen mutmaßlich irreführender Werbung. Die Rentenaufsichtsbehörde konnte bei einer anschließenden Überprüfung mehrere der veröffentlichten Renditeangaben nachvollziehen, bestätigte jedoch auch einzelne Berechnungen des Sernac.

Im Juli 2023 verhängte ein Gericht gegen FyF wegen Verstößen gegen das Verbraucherschutzrecht eine Geldbuße von 500 monatlichen Steuereinheiten (UTM). Das Berufungsgericht von Santiago bestätigte die Geldbuße im September 2026, hob jedoch die Verpflichtung zur Übernahme der Verfahrenskosten auf. Das Unternehmen legte daraufhin ein außerordentliches Rechtsmittel beim Obersten Gerichtshof Chiles ein. Lorenzini bestritt die Vorwürfe weiterhin.

Bereits 2021 hatte der chilenische Nationalkongress mit dem Gesetz Nr. 21.314 strengere Anforderungen für Anbieter von Rentenfondsberatung eingeführt. Lorenzini kritisierte insbesondere die vorgeschriebenen finanziellen Garantien. Infolge der Gesetzesänderung stellte FyF, das nach eigenen Angaben rund 200.000 Abonnenten hatte, seinen Geschäftsbetrieb am 1. Juli 2021 ein.

Bereits im Januar 2013 stellte Lorenzini einer Sonderkommission des chilenischen Senats Vorschläge zur Reform des Rentensystems vor. Er befürwortete unter anderem die Einrichtung einer staatlichen Rentenfondsverwaltung, erfolgsabhängige Verwaltungsgebühren sowie ein gemischtes Rentensystem mit staatlichen Einzahlungen auf individuelle Vorsorgekonten.

Politische Tätigkeit Im Jahr 2021 beteiligte sich Lorenzini gemeinsam mit Franco Parisi an der Gründung der Partido de la Gente (PDG). Später distanzierte er sich von der Partei und meldete seine Kandidatur als unabhängiger Bewerber für die Präsidentschaftswahl in Chile 2021 an. Die chilenische Wahlbehörde (Servel) lehnte seine Kandidatur jedoch ab, da er innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen neunmonatigen Sperrfrist Parteimitglied gewesen war.

Lorenzini, der nach eigenen Angaben mehr als 41.000 Unterstützungsunterschriften gesammelt hatte, focht die Entscheidung an. Er argumentierte, seine Parteimitgliedschaft sei aufgrund einer verspäteten Bestätigung seines Aufnahmeantrags nicht wirksam zustande gekommen. Am 8. September 2021 wies das chilenische Wahlprüfungsgericht (Tribunal Calificador de Elecciones, Tricel) seine Beschwerde einstimmig zurück und bestätigte seine Parteimitgliedschaft vom 12. Juni bis zum 9. August 2021.

Nach der Schließung von FyF beteiligte sich Lorenzini weiterhin an der öffentlichen Debatte über die Rentenpolitik. Im Januar 2025 hielt er sich während der parlamentarischen Beratungen über die Rentenreform im Nationalkongress auf und kritisierte insbesondere die geplante Ablösung des Multifondssystems durch generationenbezogene Fonds sowie Änderungen der gesetzlichen Anlagevorschriften. Er unterstützte einen parlamentarischen Vorstoß zur verfassungsgerichtlichen Überprüfung der Reform, für den jedoch nicht genügend Unterschriften zusammenkamen.

Im September 2026 initiierte Lorenzini eine Kampagne gegen die für April 2027 vorgesehene Übertragung der Rentenersparnisse auf generationenbezogene Fonds. Er rief Versicherte dazu auf, individuelle Verfassungsschutzklagen (recursos de protección) einzureichen, und veröffentlichte hierfür eine Mustervorlage, die mithilfe künstlicher Intelligenz angepasst werden konnte. Sein Ziel war die Einreichung von mindestens 10.000 Rechtsmitteln. Zugleich wies er darauf hin, dass die Anträge nicht anwaltlich geprüft worden seien und ihre Erfolgsaussichten gering seien.

Einzelnachweise

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