mini|Wolfsberger Schloss am Gräfenberger Marktplatz
Das Wolfsberger Schloss ist die traditionelle Bezeichnung eines historischen Bürgerhauses am Marktplatz 10 in Gräfenberg im oberfränkischen Landkreis Forchheim. Der dreigeschossige Bau steht an der Südseite des Marktplatzes und bildet dort einen städtebaulichen Abschluss des Platzraums. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege bezeichnet das Gebäude als „stattliches Bürgerhaus, sog. Wolfsberger Schloss“ und datiert den erhaltenen Bau in die Zeit nach dem großen Gräfenberger Stadtbrand von 1567. S. 8.
Das Wolfsberger Schloss ist nicht mit dem ehemaligen Nürnberger Pflegschloss am Kirchplatz oder der mittelalterlichen Burg Gräfenberg an der Kalkach zu verwechseln.
Geschichte
Wohnhaus des Nürnberger Pflegers Nachdem die Reichsstadt Nürnberg zwischen 1537 und 1549 die Herrschaft über Gräfenberg erworben hatte, sollte das ältere Schloss neben der Stadtpfarrkirche als Sitz des Nürnberger Pflegers dienen. Dieses Gebäude befand sich jedoch in einem schlechten baulichen Zustand. Durch den Einsturz des benachbarten Kirchturms im Jahr 1545 war es zusätzlich beschädigt worden.
Da die Räume des Pflegschlosses offenbar kaum bewohnbar waren, ließ der Nürnberger Pfleger Hans Haas 1557 am Marktplatz ein eigenes Gebäude errichten und nahm dort seine Dienstwohnung. Dieses Haus befand sich am Standort des heutigen sogenannten Wolfsberger Schlosses, Marktplatz 10.
Erst ab 1560 wurde das eigentliche Pflegschloss am Kirchplatz wieder soweit instand gesetzt, dass dort erneut ein Nürnberger Pfleger wohnen konnte.
Stadtbrand von 1567 und Wiederaufbau Am 4. Juni 1567 wurde Gräfenberg von einem verheerenden Stadtbrand getroffen. Nach Angaben der Stadt Gräfenberg fielen dem Feuer insgesamt 58 Häuser zum Opfer; die Bebauung innerhalb der Stadtmauern wurde weitgehend zerstört. Der Nürnberger Rat leitete bereits wenige Tage später Hilfsmaßnahmen ein und erließ Vorschriften für den Wiederaufbau.
Auch das Gebäude am heutigen Marktplatz 10 wurde bei dem Brand zerstört. Der anschließend errichtete Bau bildet im Wesentlichen den Kern des heutigen Wolfsberger Schlosses. Entsprechend setzt auch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege die erhaltene Bausubstanz erst nach 1567 an.
Das Gebäude erfuhr im 19. und 20. Jahrhundert weitere Veränderungen, ohne dass sein für den südlichen Marktplatz prägender Baukörper grundsätzlich verändert wurde.
Bauwerk Das Wolfsberger Schloss ist ein dreigeschossiger, giebelständiger und massiv errichteter Satteldachbau. Die Fassaden sind verputzt. Durch seine Höhe, seine Giebelstellung und seine Lage an der südlichen Schmalseite des Marktplatzes nimmt das Gebäude innerhalb des historischen Stadtbildes eine hervorgehobene Stellung ein.
Der Gräfenberger Marktplatz wird von überwiegend aus dem 16. bis 18. Jahrhundert stammenden Bürgerhäusern eingefasst. An seiner Südseite laufen die von Nürnberg und Bayreuth kommenden historischen Straßen zusammen. Das Wolfsberger Schloss beherrscht an dieser Stelle den südlichen Abschluss des Platzes. Beschreibung des Ensembles E-4-74-132-1.
Das Gebäude ist unter der Aktennummer D-4-74-132-61 als Baudenkmal in die Bayerische Denkmalliste eingetragen. Es liegt außerdem innerhalb des geschützten Ensembles Altstadt Gräfenberg (E-4-74-132-1).
Fassadenmalerei und Wirnt von Grafenberg Besonders auffällig ist die Bemalung der zum Marktplatz gerichteten Fassade. Sie wurde 1927 von dem aus Hiltpoltstein stammenden Kunstmaler Georg Prell geschaffen und 1985 von dem Gräfenberger Künstler Gerd Backer erneuert.
Das Wandbild nimmt Bezug auf den mittelhochdeutschen Dichter Wirnt von Grafenberg und dessen Artusroman Wigalois. Dargestellt ist eine Kampfszene aus dem Werk. Wirnt, der im frühen 13. Jahrhundert schrieb, gilt aufgrund seines Herkunftsnamens und weiterer Indizien als aus Gräfenberg stammend.
Nach einer örtlichen Überlieferung soll das Wolfsberger Schloss sogar das Geburtshaus Wirnts gewesen sein. Für diese Annahme gibt es jedoch keinen historischen Nachweis. Sie ist bereits deshalb nicht auf das heute vorhandene Gebäude zu beziehen, weil dessen erhaltene Bausubstanz erst aus der Zeit nach 1567 stammt und damit mehr als drei Jahrhunderte jünger ist als Wirnt.
Bezeichnung Die Bezeichnung „Wolfsberger Schloss“ ist für das Gebäude traditionell überliefert und wird heute auch vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege verwendet, das allerdings ausdrücklich von einem „sogenannten“ Wolfsberger Schloss spricht und den Bau typologisch als Bürgerhaus einordnet.
Die Bezeichnung darf daher nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Gebäude weder mit der mittelalterlichen Burganlage Gräfenbergs noch mit dem späteren Nürnberger Pflegschloss identisch ist. Der historisch nachweisbare Vorgängerbau des heutigen Hauses entstand vielmehr 1557 als Wohnhaus des Nürnberger Pflegers Hans Haas.
Literatur Tilmann Breuer: Stadt und Landkreis Forchheim. (= Bayerische Kunstdenkmale, Band XII). Deutscher Kunstverlag, München 1961, S. 111–120. Robert Giersch, Andreas Schlunk, Bertold Freiherr von Haller: Burgen und Herrensitze in der Nürnberger Landschaft. Ein historisches Handbuch. Selbstverlag der Altnürnberger Landschaft, Lauf an der Pegnitz 2006, ISBN 978-3-00-020677-1. Hellmut Kunstmann: Die Burganlagen in Gräfenberg, ihre Besitzer und ihre Schicksale. In: Mitteilungen der Altnürnberger Landschaft. Band 10, Heft 1/2, 1961, S. 16–25.
Weblinks
Das Wolfsberger Schloss bei den Altstadtfreunden Gräfenberg Gräfenberg II bei Burgen und Herrensitze in der Nürnberger Landschaft
Einzelnachweise
Koordinaten:
Kategorie:Baudenkmal in Gräfenberg Kategorie:Bauwerk in Gräfenberg Kategorie:Schloss im Landkreis Forchheim Kategorie:Erbaut im 16. Jahrhundert