Cecilia Boisier (* 1943 in Santiago de Chile; † 24. September 2026 in Berlin) war eine chilenische Malerin, Kunstpädagogin und Ausstellungsmacherin, deren Werk von Exil, Migration und weiblicher Selbstbestimmung geprägt war. Nach ihrer Flucht aus Chile ließ sie sich 1975 in West-Berlin nieder und gehörte dort zu den exilierten Künstlerinnen, die mit selbstorganisierten Gruppen, Werkstätten und Ausstellungen das kulturelle Leben insbesondere in Kreuzberg mitgestalteten. Ihr gegenständliches, meist figuratives Schaffen thematisierte Alltagserfahrungen des Exils und die Handlungsspielräume von Frauen.

Leben und kulturelle Arbeit Boisier studierte in Santiago Kunst und Kunstpädagogik und arbeitete während der Regierung der Unidad Popular als Kunstlehrerin. Nach dem Putsch in Chile floh sie im Februar 1974 mit ihren beiden Söhnen zunächst nach Buenos Aires, bevor sie im April 1975 nach West-Berlin gelangte. Sie war die erste Ehefrau des chilenischen Schriftstellers Antonio Skármeta, mit dem sie zwei Söhne hatte.

In Berlin gründete sie das Chile-Kulturzentrum, aus dessen Umfeld die Wandmalgruppe El Frente hervorging, der u. a. Viktor Contreras angehörte, und brachte sich in Kunstprojekten ein, die von Exilerfahrungen und kultureller Selbstorganisation geleitet waren. Sie leitete im Frauenzentrum SUSI eine Kunstwerkstatt, organisierte Ausstellungen und verstand den Unterricht als Teil ihrer künstlerischen Arbeit. Im Jahr 1983 wirkte Boisier an der Ausstellung Chilenas – Drinnen und Draußen im Kunstamt Kreuzberg mit, die rund 40 chilenische Künstlerinnen aus Chile und dem Exil unter den Themen Zensur und Exil zusammenführte. Boisier war Beteiligte des Projekts, das vom 14. Oktober bis 15. Dezember 1983 in Zusammenarbeit mit dem Kunstamt Kreuzberg stattfand. Boisier starb im September 2026 im Alter von 83 Jahren in Berlin.

Werk und Rezeption Boisier vertrat eine gegenständliche Kunst, die unmittelbar verständlich sein sollte, ohne Leid und Erniedrigung sensationsorientiert auszustellen. Ihre Gemälde und Zeichnungen aus dem Exil greifen Motive wie leere Stühle, Briefe, Koffer, Abschiede und wartende Figuren auf; der Brief erscheint dabei als Verbindung zur verlorenen oder entfernten Heimat. In Ohne Gepäck (1984) stellte sie eine Frau dar, die entschlossen ins Ungewisse geht, während Stadtzaun die Farben Chiles auf eine Berliner Straßenszene überträgt und damit eine Brücke zwischen der Erfahrung des Lebens im Herkunfts- und Ankunftsort baut. Häufig zeigte sie Figuren von hinten, wodurch die Betrachtenden weniger zu distanzierter Anteilnahme als zu einer gemeinsamen Blickrichtung mit den Dargestellten eingeladen werden. Mehrere Arbeiten Boisiers wurden 2026 erneut in Berliner Ausstellungen gezeigt: Der Gropius Bau nahm sie in Kreuzberg: Kunst und Migration seit 1960 auf, eine Gruppenausstellung mit mehr als 100 Arbeiten zur Kulturproduktion im Kontext von Migration. Zeitgleich zeigte das Berlin Museum im Ephraim-Palais in Geteiltes Leben. Kunst und Migration in Berlin selten präsentierte Werke und Archivmaterialien zu Exil, Alltag und Selbstbestimmung, darunter Boisiers Hommage aus dem Jahr 1985. Die erneute institutionelle Präsentation rückte Boisiers Beitrag zur Berliner Kunst- und Migrationsgeschichte Jahrzehnte nach seiner Entstehung wieder stärker in den öffentlichen Blick.

Weblinks Cecilia Boisier bei Museum-digital

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