Lamorménil (auch Lamormenil) ist ein Weiler in der Gemeinde Manhay in der Provinz Luxemburg in der Wallonischen Region Belgiens. Der Ort gehört zum Arrondissement Marche-en-Famenne und liegt in den Ardennen.
Geographie
Lamorménil liegt im Norden der Gemeinde Manhay in den belgischen Ardennen. Der Ort befindet sich auf einer Höhe von etwa 444 Metern zwischen dem Tal der Aisne und dem Tal des Baches Alu. In der Umgebung erhebt sich unter anderem die Anhöhe Bétaumont, deren Höhe mit etwa 540 Metern angegeben wird.
Die Bezeichnung des Ortes erscheint in verschiedenen Schreibweisen, darunter Lamorménil und Lamormenil. Als mögliche Deutung des Ortsnamens wird eine Zusammensetzung aus mor beziehungsweise moer für „Sumpf“ und menil für „Meierei“ beziehungsweise „Bauernhof“ genannt. Daneben überliefert die regionale Tradition eine Verbindung mit der Bezeichnung „mort menez“ im Zusammenhang mit einer Pestepidemie des 15. Jahrhunderts.
Geschichte
Die Geschichte Lamorménils ist eng mit derjenigen des benachbarten Ortes Dochamps verbunden. In der Feudalzeit gehörte das Gebiet zur Herrschaft Montaigu im Quartier Marche. Historische Quellen führen Lamormenil zusammen mit Dochamps und Freyneux innerhalb der damaligen Verwaltungsstrukturen der Herrschaft Montaigu auf.
Bis zur belgischen Gemeindefusion von 1977 gehörte Lamorménil zur Gemeinde Dochamps. Seit der Gemeindereform ist der Ort Bestandteil der Gemeinde Manhay.
Persönlichkeiten
Aus Lamorménil stammen die Brüder Wilhelm Lamormaini (Wilhelm Germain Lamormaini; 1570–1648) und Heinrich Lamormaini (Henri Lamormaini; 1575–1647), die beide dem Jesuitenorden angehörten.
Wilhelm Lamormaini wurde am 29. Dezember 1570 in La Moire Mannie bei Dochamps geboren. Er studierte in Prag und Wien, trat 1590 in den Jesuitenorden ein und war anschließend unter anderem Professor für Philosophie und Theologie in Graz. Von 1624 bis 1637 war er Beichtvater Kaiser Ferdinands II. und gehörte damit zum engeren Umfeld des Kaisers. Später war er unter anderem Rektor des Wiener Jesuitenkollegs und von 1643 bis 1645 Oberer der österreichischen Jesuitenprovinz. Er starb am 22. Februar 1648 in Wien.
Die Brüder unterstützten die Pfarrei von Dochamps. Nach der Zerstörung der dortigen Kirche im Jahr 1642 trugen sie wesentlich zu deren Wiederaufbau bei. Eine Gedenkinschrift in der Kirche von Dochamps erinnert an die beiden Jesuiten aus Lamorménil.
Sehenswürdigkeiten
Kapelle Saint-Joseph
Die St.-Josef-Kapelle (Chapelle Saint-Joseph) wurde 1933 errichtet. Das Bauwerk ist im neoromanischen Stil ausgeführt und besteht aus Sandstein und Blaustein.
Gegenüber der Kapelle befindet sich ein Kalvarienkreuz, das an die aus Lamorménil stammenden Jesuitenbrüder Wilhelm und Heinrich Lamormaini erinnert.
Historische Bauernhöfe
Im Ort haben sich mehrere Bauernhöfe aus dem 19. Jahrhundert erhalten. Sie wurden traditionell aus Sandstein-Bruchstein errichtet und teilweise mit für die Region typischen Schieferplatten gedeckt. Außerdem sind im Ort beziehungsweise in seiner Umgebung historische Viehtränken aus Schieferplatten überliefert.
Touristische Straßenbahn
Lamorménil liegt an der wiederhergestellten Strecke der ehemaligen Touristischen Straßenbahn der Aisne. Die historische Bahnstrecke wurde zwischen Érezée, Dochamps und Lamorménil für den touristischen Betrieb wiederhergestellt. Seit 2015 wird die Strecke bis Lamorménil von Museums- beziehungsweise Touristikzügen befahren.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Weiler in Belgien Kategorie:Manhay