Ragnar Rommetveit (* 11. Juli 1924 in Stord; † 11. Juni 2017) war ein norwegischer Psychologe und emeritierter Professor an der Universität Oslo.Rolv Mikkel Blakar: Ragnar Rommetveit (1924–2017) auf European Association of Social Psychology vom, abgerufen am 27. September 2026.Ragnar Rommetveit auf Academia Europaea, abgerufen am 27. September 2026.

Leben Ragnar Rommetveit wurde auf einer ländlichen Insel im Westen Norwegens als zweitjüngstes von neun Geschwistern geboren. Nach Abschluss der Lehrerbildung begann er 1947 sein Psychologiestudium an der Universität Oslo.

Von 1954 bis 1959 war er Associate Professor an der Universität Oslo. Seine 1955 veröffentlichte Dissertation trug den Titel Social norms and roles – Explorations in the psychology of enduring social pressures with empirical contributions from inquiries into religious attitudes and sex roles of adolescents from some districts in western Norway. Von 1959 bis 1994 war er ordentlicher Professor für Psychologie und danach emeritierter Professor an der Universität Oslo.

Werk Er leistete Beiträge zu einer Vielzahl geistes- und sozialwissenschaftlicher Disziplinen – von der Kommunikationswissenschaft und Semiotik bis hin zur Sozial-, Kognitions- und Entwicklungspsychologie. Rommetveit war auch einer der Gründerväter der European Association of Social Psychology und brachte die internationale – seinerzeit vorwiegend US-amerikanische – Sozialpsychologie nach Norwegen.

Die erste Phase seiner akademischen Tätigkeit war in den 1950er Jahren der allgemeinen Sozialpsychologie gewidmet und fand ihren Niederschlag in dem Werk „Social Norms and Roles“. In der zweiten Phase, die sich über die 1960er und 1970er Jahre erstreckte, konzentrierte er sich auf sprachbezogene psycholinguistische Forschung. Seine Vorstellungen von Sprache und Kommunikation wurden maßgeblich durch das Werk Ludwig Wittgensteins geprägt, insbesondere durch dessen Grundannahme, dass Wörter im „Strom des Lebens“ untersucht werden sollten. Er griff diesen Gedanken auf vielfältige Weise auf und entwickelte ihn weiter, etwa im Hinblick auf die „Wortbedeutung“: Hierfür prägte er den Begriff des „Bedeutungspotenzials“. Die Bedeutung eines Wortes in isolierter Form sei „lediglich“ ein Bedeutungspotenzial; die präzise Bedeutung des Wortes werde hingegen weitgehend durch den Verwendungskontext bestimmt. Die dritte Phase fiel in die 1970er und 1980er Jahre; sie war von seiner Kritik an der formalen Linguistik motiviert. Im Gegensatz zu den Annahmen, auf denen Noam Chomskys generativistisches Paradigma beruht, betonte er, dass die Welt aus unterschiedlichen Perspektiven sprachlich erschlossen werden kann, wodurch Wahrheitswerte von der jeweils eingenommenen Perspektive abhängen. Zudem seien Wortbedeutungen im isolierten Zustand offen und bis zu ihrer tatsächlichen Verwendung als Bedeutungspotenziale zu begreifen. Da ihn formale Theorien, welche die Sprache aus dem stark kontextgebundenen Charakter menschlicher Kommunikation herauslösten, nicht überzeugten, schlug er einen dialogischen Ansatz als Alternative zu dem eher vorherrschenden monologischen Ansatz vor. Seine vierte Phase zwischen 1980 und 2010 galt dem „Dialogismus“. Seine Forschungsinteressen galten dabei der Kommunikation, der Intersubjektivität und der Sinnkonstruktion im Sprachgebrauch.

Ehrungen/Positionen 1990: Ehrendoktorat der Universität Bergen 1982: Ehrendoktorat der Universität Linköping in Schweden 1988: Mitglied der Academia Europaea Gastprofessuren an der University of Minnesota (1956–1957), der University of Michigan (1961) und der Cornell University (1964–1965) 1977 bis 1983: „Andrew Dickson White Professor-at-Large“ an der Cornell University 1972: Fellow am Netherlands Institute for Advanced Study in the Humanities and Social Sciences in Wassenaar 1965: Fellow am Center for Advanced Study in the Behavioral Sciences an der Stanford University

Privates Er war verheiratet mit Sigrid Rommetveit (geb. Larssen, 1923–1999), einer Logopädin im Bereich der Sonderpädagogik.Sigrid Rommetveit abgerufen am 27. September 2026. Er verstarb im Alter von 92 Jahren.

Publikationen (Auswahl) Monografien Språk, individuell psyke, og kulturelt kollektiv. Gyldendal Norsk Forlag, Oslo 2008, ISBN 978-82-05-37999-2. Critical Essays on Language Use and Psychology. Springer, New York 2012, ISBN 978-1-4612-3856-0. Mit S. Rommetveit: Pek på. A test of language comprehension. Tiden Norsk Forlag, Oslo 1981. On Message Structure: Framework for the Study of Language and Communication. John Wiley & Sons, Hoboken 1974, ISBN 978-0-471-73295-2. Words, Meanings and Messages. Academic Press Inc, Cambridge, Massachusetts 1968, ISBN 978-0-12-594650-6. Social Norms and Roles: Explorations in the Psychology of Enduring Social Pressures. Universitetsforlaget, Oslo 1968, ISBN 978-82-00-08511-9.

Herausgeberschaften Mit E. A. Carswell: Social Contexts of Messages (European Monographs in Social Psychology, 1). Academic Press Inc, Cambridge, Massachusetts 1971, ISBN 978-0-12-161250-4. Mit Rolv Mikkel Blakar: Studies of Language, Thought and Verbal Communication. Academic Press Inc, Cambridge, Massachusetts 1997, ISBN 978-0-12-594660-5.

Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge Outlines of a dialogically based social-cognitive approach to human cognition and communication. In: A. H. Wold (Hrsg.): The dialogical alternative: Towards a theory of language and mind (S. 19–44). Scandinavian University Press, Oslo 1992. Language acquisition as increasing linguistic structuring of experience and symbolic behavior control. In: J. V. Wertsch (Hrsg.): Culture, communication and cognition. Vygotskyan perspectives (S. 183–204). Cambridge University Press, Cambridge 1985, ISBN 978-0-521-33830-1. Mit Rolv Mikkel Blakar: Utterances in vacuo and in contexts: an experimental and in Contexts: An Experimental and Theoretical Exploration of Soms Interrelationships Between What Is Heard and What Is Seen or Imagined. In: Linguistics, 1975, 13 (153), S. 5–32. Deep structure of sentences versus message structure. Some critical remarks on current paradigms, and suggestions for an alternative approach. In: Norwegian Journal of Linguistics, 1972, 26, S. 3–22. Language games, deep syntactic structure, and hermeneutic circles. In: J. Israel; H. Taifel (Hrsg.): The context of social psychology: A critical assessment. Academic Press, Cambridge, Massachusetts 1972, ISBN 978-0-12-375150-8. Læring gjennom dialog : Ei sosiokulturell og sosiokognitiv tilnærming til kunnskap og læring (dt. Lernen durch Dialog: Ein soziokultureller und soziokognitiver Ansatz zu Wissen und Lernen). In: Olga Dysthe (Hrsg.): Ulike perspektiv på læring og læringsforskning (dt. Verschiedene Perspektiven auf Lernen und Lernforschung). Cappelen Akademisk Forlag, Oslo 1966, S. 88-104. ISBN 82-456-0145-4.

Weblinks

Bente Eriksen Hagtvet; Per Linell; James V. Wertsch; Astri Heen Wold: Ragnar Rommetveit: A full life. In: Culture & Psychology, 2020, 26 (3), 528–539.

Literatur James V. Wertsch (Hrsg.): Ragnar Rommetveit: His Work and Influence: A Special Issue of mind, Culture, and Activity. Psychology Press, Hove 2019, ISBN 978-1-135-06612-3. S. Kowal; D. C. O'Connell: Ragnar Rommetveit's Approach to Everyday Spoken Dialogue from Within. In: J Psycholinguist Res., 2016, 45 (2), S. 423–46.

Einzelnachweise

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