Hermann Theodor Michael Scheerer (auch: Theo M. Scheerer; geb. 5. Februar 1911 in Stuttgart; gest. 1961, dort auch Fußnote 18) war ein deutscher Fotojournalist der Kriegs- und Nachkriegszeit.
Lebensweg
Der Fotograf Hermann Theodor Michael Scheerer wurde am 5. Februar 1911 in Stuttgart als drittes von vier Kindern von Johannes Scheerer (1876–1912) und seiner Frau Marie Scheerer, geb. Vogel (1878–1960) geboren. Scheerer und seine spätere Frau hatten sich bei einer radikal-pietistischen, an den Lehren des Pfarrers Christian Gottlob Pregizer (1751–1824) orientierten Glaubensgemeinschaft kennengelernt. Theodor Scheerers Vater Johannes, der den Beruf des Stellmachers erlernt hatte und später als Maschinenarbeiter tätig war, starb bereits ein Jahr nach Theodors Geburt; Marie Scheerer brachte sich und ihre vier Kinder, Wilhelm Gottlob (1908–1993), Maria (1910–1948), Hermann Theodor (1911–1961) und Hans (1912–1991) aleine durch.
Ab 1930 absolvierte Theodor Scheerer eine pädagogische Ausbildung am Lehrerseminar in Stuttgart. Zum 1. Dezember 1933 trat Scheerer in den Nationalsozialistischen Lehrerbund (NSLB) ein. Am 1. Mai 1937 trat Scheerer in Tübingen der NSDAP bei (Mitglieds-Nr. 6065723); in seiner Mitgliedskarteikarte ist sein Beruf mit „Lehrer“ angegeben. Scheerer war auch Mitglied der SS (Mitglieds-Nr. 174073). Er wurde 1933 Hauslehrer der drei Söhne des Hamburger Industriellen Philipp Fürchtegott Reemtsma (1893–1959), nämlich Hermann Uwe (1921–1941), Jochen Karl-Maria (1923–1945) und Klaus Reemt Reemtsma (1927–1943); alle drei kamen im Zweiten Weltkrieg ums Leben.
Im August 1939 war er als sprachwissenschaftlicher Austauschassistent an einer Universität in England.Bernd Weise, Theodor Scheerer – Bildberichter der Propagandakompanie PK 960, S. 23–40. In: Im Jahr 1941 erschien Theodor Scheerers Schrift Der englische Sendungsgedanke. Seine Grundlagen und seine Gestaltung in den Weltkriegsreden britischer Minister bei Mohr in Tübingen, eine knapp hundert Seiten lange, anti-britische Drucksache der Wissenschaftlichen Akademie Tübingen des NS-Dozentenbundes.
Im Zweiten Weltkrieg war Scheerer als Bildberichter einer Propagandakompanie der Wehrmacht eingesetzt. Nach seinem Kriegsberichter-Ausweis besaß er eine „Sonderausbildung als Bildberichter“, die er wohl nach seinem Eintritt in die Wehrmacht beim Heer absolviert hatte.Bernd Weise, Theodor Scheerer – Bildberichter der Propagandakompanie PK 960, S. 23–40. In: Normalerweise wurden in die Propagandakompanien Personen einberufen, die eine Berufsausbildung als Journalist, Fotograf oder Kameramann hatten; Scheerer kam jedoch als Fotoamateur zur Propagandakompanie. Er war in der Propaganda-Ersatz-Abteilung (PEA) in Potsdam. Im November 1939 wurde in Potsdam eine Propaganda-Ersatz-Kompanie aufgestellt, die im Juli 1940 zur Propaganda-Ersatz-Abteilung, später dann zur Propaganda-Ersatz- und Ausbildungs-Abteilung erweitert wurde.Bundesarchiv, Freiburg (Abteilung Militärarchiv), Identifikator: RL 15, Einheiten der Propagandatruppe der Luftwaffe. In: European Holocaust Research Infrastructure (EHRI), online Ab dem 4. April 1941 nahm Scheerer in der Propagandakopanie 690 am Balkanfeldzug teilt, der ihn bis nach Griechenland führte. Weitere Einsätze hatte Scheerer im Kriegsberichterstatterzug (KBZ) der Heeresgruppe A im Sommer 1943 in der Sowjetunion, und zwar auf der Krim. Von Dezember 1943 bis Frühjahr 1944 diente Scheerer im KBZ der Heeresgruppe Südukraine sowie 1944 im KBZ der Heeresgruppe A im Reichsgebiet.Bernd Weise, Theodor Scheerer – Bildberichter der Propagandakompanie PK 960, S. 23–40. In:
Scheerer beteiligte sich durch Dia-Vorträge an der Truppenbetreuung. Anfang Februar 1945 befand er sich in Ungarn.Bernd Weise, Theodor Scheerer – Bildberichter der Propagandakompanie PK 960, S. 23–40. In: Am 13. März 1945 wurde der Kriegsberichter-Ausweis von Theodor Scheerer ungültig gemacht; er wurde offenbar als Soldat zur Abwehr der vorrückenden sowjetischen Truppen abkommandiert.Bernd Weise, Theodor Scheerer – Bildberichter der Propagandakompanie PK 960, S. 23–40. In:
Nach dem Zweiten Weltkrieg war Scheerer in Schleswig-Holstein auf dem Gut Trenthorst nahe Bad Oldesloe, das seit 1936 seinem ehemaligen Dienstherren Philipp F. Reemtsma gehörte. Auf welchem Weg Scheerer nach Trenthorst kam, ist nicht bekannt. Hier verlobte er sich 1947 mit der Gutssekretärin Helga Steffen (1924–1994); das Paar heiratete am 4. Juli 1947 in Lübeck, seinem neuen gemeinsamen Wohnsitz. In den nächsten Jahren fotografierte Scheerer vor allem für die Lübecker Nachrichten, dann auch für andere Zeitungen. Scheerer war bei den Lübecker Nachrichten fester freier Mitarbeiter, also nicht angestellt. Nachdem der Fotograf Hans Kripgans, der schon von 1933 bis 1939 für den Generalanzeiger, den Vorläufer der Lübecker Nachrichten, fotografiert hatte, im Jahr 1950 aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt war, übernahm Kripgans weitgehend Scheerers fotografische Tätigkeitsgebiete bei den Lübecker Nachrichten, so dass Scheerer sich neue Tätigkeitsgebiete und Auftraggeber erschließen musste. Auch Kripgans war während des Zweiten Weltkriegs Bildberichter in einer Propagandakompanie gewesen.
Theodor und Helga Scheerer bekamen drei Kinder: Thomas (geb. 1949), Sebastian (geb. 1950), Ann Kathrin (geb. 1954). Scheerer schrieb in den 1950er Jahren für die Fotozeitschrift Foto Prisma sowie für Der Foto-Drogist, Frau im Spiegel und Er – die Zeitschrift für den Herrn. Im Jahr 1960 erscheint im Umschau Verlag Scheerers erfolgreicher Ratgeber Leica und Leica-System. Erlebt und beschrieben von Theo M. Scheerer, das mehrfach nachgedruckt und außerdem ins Englische und Dänische übersetzt wurde. Den Autorennamen Theodor bzw. Theo M. Scheerer verwendet Hermann Theodor Scheerer bereits im Fotokurs in Farbe, den er im Jahr 1956 zusammen mit Theo Kisselbach in dem auf Foto-Ratgeber spezialisierten Verlag Heering in Seebruck am Chiemsee publizierte.
Im Jahr 1957 zog er von Lübeck nach Leverkusen-Rheindorf um, wo er eine Festanstellung in der Werbeabteilung der Agfa gefunden hatte. 1961, im Alter von 50 Jahren, erlitt Scheerer einen Herzinfarkt, während er mit einem seiner Söhne in der Nordsee schwamm, und ertrank., dort Fußnote 18
Bildarchive
Einige der Fotos von Theodor Scheerers Einsätzen, aus dem Bildbestand der Propagandakompanien, sind im Bildarchiv des Bundesarchivs erhalten (Bestand: BILD 244 Nachlass Theodor Scheerer). Es handelt sich um 155 Negativ-Filmstreifen mit rund 5.500 Schwarz-Weiß-Aufnahmen. Neben den Schwarz-Weiß-Fotos befinden sich auch 200 Farbdias im Bildarchiv des Bundesarchivs, die Theordor Scheerer hauptsächlich in Griechenland aufgenommen hat.Bernd Weise, Theodor Scheerer – Bildberichter der Propagandakompanie PK 960, S. 23–40. In: Im Fotoarchiv Scheerer ist Trümmerfotografie vor allem zu Hamburg und zu Lübeck erhalten geblieben; Fotos zu für die Nachkriegsjahre relevanten Themen wie Wohnungsnot, Heimkehrer, Kriegsversehrte, Suchdienst des DRK, Zonengrenze und Schwarzmarkt.
Werke Der englische Sendungsgedanke. Seine Grundlagen und seine Gestaltung in den Weltkriegsreden britischer Minister, Tübingen : Mohr, 1941 mit Kisselbach, Theo, Fotokurs in Farbe. Seebruck am Chiemsee: Heering, 1956. Leica und Leica-System, Frankfurt a. M.: Umschau Verl., 1960.
Web-Links
Literatur
Einzelnachweise
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