Volk und Reich war eine einflussreiche rechtsintellektuelle deutsche Zeitschrift in der Zwischenkriegszeit und im Nationalsozialismus. Sie propagierte hauptsächlich ein Mitteleuropa und später ein Kontinentaleuropa unter deutscher Führung.
Allgemein Sie wurde 1925 von Friedrich Heiss gegründet und erschien monatlich. Carl Freytag zählt sie zu den Presseorganen des „Westens“, also der rheinisch-westfälischen Schwerindustrie, der jedoch später wieder von der Zeitschrift abrückte.Carl Freytag: Tilo von Wilmowsky (1878-1966). Leben und Werk. Berlin/Boston 2023, S. 150.
Unter „Mitteleuropa“ wurde von den Autoren der Raum zwischen Nord- und Ostsee bis zum Schwarzen und Mittelmeer verstanden. In einer Graphik die 1931 in der Zeitschrift erschien, mit der Unterschrift umfasste Mitteleuropa: Deutschland, Niederlande, Belgien, Dänemark, Norwegen, Schweden, Lettland, Litauen, Estland, Polen, Tschechoslowakei, Schweiz, Österreich, Ungarn, Rumänien, Jugoslawien und Bulgarien. Die westlichen Grenzgebiete der Sowjetunion wurden ebenfalls als zu Mitteleuropa zugehörig markiert.Graphik gedruckt in: Carl Freytag: Deutschlands »Drang nach Südosten«. Der Mitteleuropäische Wirtschaftstag und der »Ergänzungsraum Südosteuropa« 1931-1945. Göttingen 2012, S. 25. Eine Graphik von 1930, unter der Überschrift , bildete die Ukraine als Teil eines deutschen Warenkreislaufes ab.Graphik gedruckt in: Freytag: Deutschlands »Drang nach Südosten«. S. 60.
Mit der von ihrem Begründer so bezeichneten „suggestiven Kartographik“ wurden regionale oder kontinentale Kraftfelder, Ausdehnungsdynamiken oder Stoßrichtungen von Volksgruppen, Wirtschaftspotentialen oder Waffenarsenalen mithilfe von suggestiven und bedrohlichen Symbolen, Farben und Pfeilen dargestellt. Autoren waren Karl Haushofer, Theodor Oberländer, Carl Schmitt, Hans Harmsen und Franz Reuter.
Im Frühjahr 1928 wurde von Robert Holthöfer, dem Leiter der Pressestelle des Bergbauvereins die „Volk und Reich Stiftung“ zur Finanzierung gegründet. 1932 gehörten dem Vorstand der Stiftung die Industrievertreter Max Hahn, August Heinrichsbauer, Martin Sogemeier, Martin Blank und Karl Burhenne (vom Siemens-Konzern) an. Im 20-köpfigen Kuratorium saßen u. a. Walther Funk, Tilo von Wilmowsky, Jacob Herle und Max Schlenker. Über die Stiftung flossen von der Wirtschaft 58.000 Reichsmark im Jahre 1930, 91.000 Reichsmark 1931 und danach 65.000 Reichsmark an die Zeitschrift.
Nach 1933 Der Chefautor Karl Christian von Loesch schrieb 1935 rückblickend, das Jahr 1933 habe . Zwischen 1933 und 1938 wurde die Zeitschrift durch das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda finanziert. Danach übernahm die Presseabteilung des Auswärtigen Amtes die Finanzierung des Blattes und richtete es inhaltlich neu aus. 1944 wurde das Erscheinen eingestellt.
Literatur Ulrich Prehn: Die »Entgrenzung« des Deutschen Reiches. Europäische Raumordnungsentwürfe in der Zeitschrift Volk und Reich (1925-1944). In: Carola Sachse (Hrsg.): »Mitteleuropa« und »Südostraum« als Planungsraum. Göttingen 2010, S. 169 ff. Carola Sachse: »Ehe von Schornstein und Pflug«. Utopische Elemente in den Raumvorstellungen des Mitteleuropäischen Wirtschaftstags in der Zwischenkriegszeit. In: Dies. (Hrsg.): »Mitteleuropa« und »Südostraum« als Planungsraum, Göttingen 2010, S. 58 ff.
Einzelnachweise
Kategorie:Zeitschrift (Weimarer Republik) Kategorie:Zeitschrift (Nationalsozialismus) Kategorie:Deutschsprachige Monatszeitschrift Kategorie:Ersterscheinen 1925 Kategorie:Erscheinen eingestellt 1944