Aenne Görling, bürgerlich Anna Erwig oder Anna Görling-Erwig (* 6. September 1883 in Wetter (Ruhr) als Anna Görling; † 5. März 1934 in Berlin-Lichterfelde)Anonymus: Sterbeurkunde der Schauspielerin Anna Erwig, in: Sterberegister Lichterfelde (Erstregister), 1934, Urkunden-Nr. 199 (Landesarchiv Berlin; Personenstandsregister; Sterberegister)., war eine deutsche Schauspielerin, Chansonette, Rezitatorin, Theaterintendantin sowie Synchronregisseurin und Dialogbuchautorin. Sie wurde insbesondere als erste deutsche Frau bekannt, die den Titel Intendantin offiziell führen durfte.

Karriere Aenne Görling erhielt ihre künstlerische Ausbildung Anfang des 20. Jahrhunderts bei dem deutschen Theater- und Stummfilmschauspieler Albert Steinrück und beim Hofrezitator Georg Bruns, der 1916 Mitbegründer des Fürstlichen Konservatoriums für Musik, Theater und Redekunst in Detmold wurde.

Frühe Stationen ihrer Schauspielkarriere führten Görling an die Theater in Velbert und Krefeld. In den 1910er Jahren war Aenne Görling am Staatstheater Kassel engagiert. Sie bewarb sich 1916 mehrfach um das Rollenfach der 1. Heroin am Vereinigten Stadttheater in Köln. Gelobt wurden hierbei in zeitgenössischen Publikationen ihre stattliche Erscheinung sowie ihre ausgezeichnete Sprechtechnik. Görling war zudem Anfang der 1920er Jahre am Stadttheater Prag engagiert.

Seit 1925 war Aenne Görling im Rollenfach der 1. Heroin am Staatstheater Hannover engagiert. In dieser Zeit war Aenne Görling auch vermehrt als Rezitatorin im Hörfunk und dort vor allem beim NORAG-Nebensender Hannover zu hören. Dort trug sie Chansons vor, erzählte Märchen sowie Künstleranekdoten und inszenierte mit Kolleginnen und Kollegen Theaterdialoge, wobei sie der Kammerchor der NORAG häufig musikalisch begleitete. Gastspiele führten sie in der Zeit unter anderem nach Detmold, wo sie 1926 am Landestheater in Eugène Scribes Lustspiel Ein Glas Wasser zu sehen war.

Ende der 1920er Jahre verlagerte Aenne Görling ihre künstlerische Tätigkeit nach Berlin, wo sie die Sozial-hygienische Bühne gründete. Hierbei handelte es sich um eine Initiative, bei der Wanderbühnen Lehrbühnenstücke zur Aufführung brachten, die Geschlechtskrankheiten, Tuberkulose und Alkoholismus als degenerative Erscheinungen thematisierten und die breitere Öffentlichkeit über die Risiken aufklären sollten. 1929 wurde Aenne Görling zur Leiterin der Märkischen Wanderbühne des Bühnenvolksbundes berufen. Sie durfte als erste deutsche Frau den Titel Intendantin auch offiziell führen.

Der Schauspieler Arthur Mellin, mit dem Aenne Görling ein eigenes Theater in Berlin eröffnen wollte, bezichtigte sie der finanziellen Unterschlagung im Amt. Dies zwang Görling als Intendantin im selben Jahr ihrer Ernennung zurückzutreten. Gegen Mellins Behauptung ging sie jedoch in der Folge rechtlich vor. Zu ihrer Rehabilitation ließ sie eine Untersuchung durchführen und reichte zugleich Klage gegen Arthur Mellin vor dem Berliner Kammergericht ein. Dieses entschied zugunsten von Aenne Görling und Arthur Mellin wurden weitere fälschliche Aussagen betreffend die Schauspielerin bei Strafe untersagt.

In den 1930er Jahren war Aenne Görling vorwiegend in deutschen Spielfilmen und Kurzfilmen zu sehen. Dort übernahm sie vor allem handfeste und bestimmende Rollen, wie etwa die Varieté-Direktorin, genannt der Lindwurm, in Ein Tango für Dich von 1930, die Landtagsabgeordnete Adele Haubenschildt in Weekend im Paradies von 1931 oder Frau Kleinholz in Kleiner Mann – was nun? von 1933.

Im Bereich der Film- und Fernsehsynchronisation war Aenne Görling ab Anfang der 1930er Jahre ebenfalls sporadisch tätig. Von ihr stammt beispielsweise die deutsche Fassung von Revolte im Zoo (Zoo in Budapest) von 1933 sowie das Dialogbuch zu Kavalkade (Cavalcade) aus demselben Jahr. Zeitweise scheint sie für Aufnahmen oder entsprechende Vorarbeiten persönlich nach Hollywood gereist zu sein.

Aenne Görling starb im Vinzenz-Krankenhaus, Berlin-Lichterfelde, im Alter von 50 Jahren an Brustkrebs.

Filmografie

1930: Brand in der Oper (Anna Riehl, Sängerin) 1930: Ein Tango für dich (als Varieté-Direktorin) 1930: Das Lied ist aus 1931: Einer Frau muss man alles verzeih'n 1931: Im Geheimdienst 1931: Weekend im Paradies (als Landtagsabgeordnete Adele Haubenschildt) 1931: Die Koffer des Herrn O. F. (als Zimmervermieterin Beck) 1931/1932: Fräulein – falsch verbunden (als Aufsichtsdame) 1931/1932: Es wird geheiratet 1931/1932: Peter Voß, der Millionendieb (Sängerin) 1932: Ein toller Einfall (als Dienstmädchen Minna) 1932: Der Nächste – hopp, hopp! 1933: Kleiner Mann – was nun? (als Frau Kleinholz) 1933: Liebe muß verstanden sein 1933: Eine ideale Wohnung 1933: Das 13. Weltwunder

Weblinks

Einzelnachweise

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