Die elektrische Schmalspurbahn auf der Budapester Millenniumsausstellung 1896 war eine 1,3 km lange zweigleisige elektrische Schmalspurbahn mit einer Spurweite von 600 mm, die von Roessemann & Kühnemann in Zusammenarbeit mit der Budapester Firma Ganz & Co. und der Berliner Firma Arthur Koppel geliefert und verlegt wurde.

Geschichte Die Ausstellungsbahn verlief auf der Ausstellungs-Ringstraße. Sie wurde von der Firma Roessemann & Kühnemann erbaut und war zur Personenbeförderung bestimmt. Die Firma baute Drahtseil-, Berg-, Zahnradbahnen zum Transport von Bergwerks- und Forstprodukten sowie schmalspurige Bahnen für landwirtschaftliche Betriebe, den Ackerbau und die Industrie.

Der Preis für eine einmalige Fahrt betrug 10 kr. Die Betriebsleitung der Ausstellungsbahn war im Pavillon der Firma Roessemann & Kühnemann untergebracht.Ludwig J. Neugebauer: In einem Tage durch die Ausstellung – Verlässl. Führer durch d. Millenniums-Ausstellung Budapest. 1896.

Streckenverlauf Ein Endbahnhof der Strecke lag im Budapester Stadtwäldchen (Városliget) in der Nähe des Haupteingangs, an dem auch die neu eröffnete Untergrundbahn endete. Nach dem Vorbild der Decauville-Bahn der Pariser Weltausstellung des Jahres 1889 hatte sie eine Spurweite von 600 mm. Bei einer Länge von 1,3 km war sie zweigleisig, mit jeweils drei Weichen in den Endstationen, erbaut. Die Gleise lagen in der Mitte der Straße, so dass bei Kreuzung zweier Züge zu jeder Seite derselben noch ein freier Raum von etwa 4 m verblieb.

mini|Ein Zug vor der Maschinenhalle Die Trasse der Bahn stieg auf einer Länge von einem Kilometer kontinuierlich bis zur großen Maschinenhalle an und führte dann zu der, nur etwa 2 m unter dem höchsten Punkt liegenden, Endstation hinab. Die größte Steigung betrug 20 ‰. Im Allgemeinen schmiegte sich das Längenprofil mit seinen rasch wechselnden Neigungsverhältnissen eng an das Gelände an, so dass die Bahn in dieser Hinsicht wie eine Kleinbahn verlegt wurde.Das Eisenbahnwesen auf der Millenniumsausstellung in Budapest. Teil II. In: Zeitung des Vereins Deutscher Eisenbahn-Verwaltungen. 16. September 1898, S. 657–658.

Bauweise Der Oberbau, den die Firma Roessemann & Kühnemann in Budapest geliefert und ausgeführt hat, bestand aus breitfüßigen Vignolschienen auf hölzernen Querschwellen. Um den Verkehr auf der Makadamstraße nicht zu behindern, war der gesamte Oberbau in das Niveau der Straße versenkt. Im Straßenbereich waren auf der gesamten Länge Leitschienen angebracht. Das Metergewicht der Schienen betrug 7 kg/m.

Oberleitung mini|Oberleitungsmasten vor dem Kesselhaus Der Betrieb der Bahn erfolgte elektrisch. Die Firma Ganz & Co. aus Budapest, die auf Elektrotechnik und Eisenbahnbedarfsartikel spezialisiert war, hat die Herausforderung angenommmen, eine Kleinbahn von nur 600 mm Spurweite für den elektrischen Betrieb einzurichten, und auf diese Weise zur Förderung elektrischer Kleinbahnen anstelle von Dampfeisenbahnen beigetragen.

Die Stromzuleitung erfolgte durch eine Oberleitung. Als Fahrdraht diente ein 7 mm starker Hartkupferdraht, der in einer Höhe von 5 m über den Schienen geführt wurde. Die hölzernen Oberleitungsmasten waren dekorativ ausgestattet und standen entweder zwischen den beiden Gleisen in der Mitte der Straße, oder an beiden Seiten der Straße. Im ersteren Falle waren sie mit doppelten Auslegern versehen, an denen der Fahrdraht befestigt war, im letzteren Falle waren sie durch kräftige Querdrähte verbunden, an denen wiederum die Fahrdrähte aufgehängt waren, ohne das Panorama zu beinträchtigen. Zur Rückleitung des Stroms dienten die Schienen, deren Stöße die erforderliche elektrische Verbindung durch vernietete Bügel aus 8 mm starkem Kupferdraht erhielten.

Die Stromerzeugungsanlage befand sich in der großen Maschinenhalle, also nahezu in der Mitte der Bahnstrecke. Zwei vertikale Tandem-Dampfmaschinen dienten dem Antrieb der mit ihnen direkt gekuppelten Stromerzeuger. Sie wurden durch die gemeinsame Kesselanlage der Ausstellung mit dem erforderlichen Dampf gespeist. Die beiden Stromerzeuger waren als Gleichstromdynamos, jeweils für eine Dauerleistung von 55 kW ausgelegt, mit Compoundwicklung versehen und für eine Betriebsspannung von 300 V bei 250 Umdrehungen berechnet. Beide Maschinen konnten parallel geschaltet werden; doch besorgte in der Regel nur eine Maschine den gesamten Betrieb, während die zweite in Reserve stand.

Die Maschinenzentrale und die Bahnstrecke waren durch ein mit Eisenbändern armiertes, unterirdisches Kabel von 50 mm² Querschnitt und 150 m Länge verbunden. Die elektrischen Regulier- und Schaltapparate der Maschinenanlage waren auf vier Feldern der in der Maschinenhalle aufgestellten Ganz‘schen Schalttafel angebracht.

Lokomotiven mini|Elektrische Lok von Ganz & Co.

Die elektrischen Lokomotiven mit Mittelführerstand hatten ein Dienstgewicht von fünf Tonnen. Ihre beiden Achsen wurden durch ein doppeltes Zahnradvorgelege von einem Gleichstrommotor angetrieben. Die Motoren waren nicht in der sonst üblichen Weise zwischen die Laufräder in das Untergestell eingebaut, sondern direkt beim Führerstand im Wageninnern angeordnet und einerseits auf der Vorlegeachse, andererseits auf dem Untergestell der Lokomotive federnd gelagert. Ihre Instandhaltung und Reinigung wurde infolge dieser bequem zugänglichen Anordnung erleichtert. Die Motoren waren vierpolig. Das Magnetgestell war zweiteilig und aus Stahlguss konstruiert. Die Ringarmatur besaß einen Durchmesser von 400 mm. Die Stromzuführung zu den Motoren erfolgte durch zwei im Winkel von 90° zueinander angebrachte Kohlenbürsten. Die Übersetzung der Motorwelle auf die Laufradachse betrug 1:3,5. Die Räder waren aus Stahlguss und verschalt.

Jede Lokomotive war mit einem durch den Triebfahrzeugführer manuell zu bedienenden Fahrschalter, kurz Kontroller genannt, ausgerüstet. Durch einfache Drehung des betreffenden Hebels konnten die Motoren in Serie oder parallel geschaltet werden und Widerstände in den Stromkreis eingefügt werden, so dass wie bei einer elektrischen Straßenbahn mit verschiedenen Geschwindigkeiten vorwärts oder rückwärts gefahren und gebremst werden konnte. Überdies ermöglichte auch ein besonderer Umschalter die Vorwärts- oder Rückwärtssteuerung der Lokomotive.

Wagen mini|Pavillon von Roessemann & Kühnemann Die zweiachsigen Personenwagen wurden von Roessemann & Kühnemann beigestellt. Sie waren in Rücksicht auf den vorübergehenden Einsatz der Bahn im Sommer als offene Sommerwagen zum seitlichen Einsteigen konstruiert. Sie besaßen jeweils fünf Querbänke mit je drei Sitzen und umschlagbaren Lehnen. Ihr Achsstand betrug bei etwa 5 m Länge nur 1,3 m, so dass sie auch Bögen mit sehr kleinem Radius anstandslos durchlaufen konnten. Die Wagen waren leicht gebaut und hatten ein Gewicht von nur 1,5 t. Sie konnten wie die Lokomotiven durch drei in Reihe geschaltete Glühlampen von 100 V erhellt werden.

Betrieb Der Betrieb wurde ohne nennenswerte Störungen abgewickelt. Es verkehrten normalerweise zwei Umläufe im Zehn-Minuten-Takt. Jeder Zug bestand aus einer Lokomotive und drei Wagen. Er war voll besetzt, etwa 12 bis 13 t schwer. In einer Stunde konnten in beiden Richtungen zusammen 450 Personen befördert werden. Das Transportvolumen der Bahn betrug durchschnittlich 2000 Personen pro Tag. Es überschritt den Durchschnittswert an einzelnen Tagen des Monats Mai und Juni erheblich: Am 10. Mai transportierte die Bahn 4000, am 24. Mai 4500, am 7. Juni 6900, am 9. Juni 6500 Personen; in den letzten Tagen des Monats Juni sank das Transportaufkommen anhaltend unter den Durchschnittswert von 2000 Personen, was mit den an diesen Tagen im Vergleich zu den Festtagen schwächeren Besucherzahlen der Ausstellung zusammenhing.

Schmalspurbahnen anderer Aussteller Orenstein & Koppel Am Pavillon der Berliner Firma Orenstein & Koppel gab es eine Ausstellung von Feldbahnen, die auf Feldern, in Wäldern und auf Industriegeländen entweder von Hand, mit Zugtieren oder mit Lokomotiven betrieben wurden. Außer einer Lokomotive für allerlei Zwecke wurden Drahtseilbahnen nach eigener patentierter Bauweise ausgestellt.

Krauss & Cie. München Georg Krauß zeigte eine Schmalspurlokomotive der Bosnischen Staatsbahn (kkBB-Nummer 7, IDA) Sie wurde 1874 von der Lokomotivfabrik Krauss & Comp. München unter der Fabriknummer 404 gebaut (Spurweite 760 mm).

mini|hochkant=0.5|links|Lok-Nr. 7 IDA

Lokomotivfabrik Floridsdorf Die Lokomotive der Lokomotivfabrik Floridsdorf (Fabriknummer 1001/1896, Spurweite 760 mm) wurde für die Zahnradbahnen in Bosnien und Herzegowina (Sarajevo–Konjic und Travnik–Bugojno) gebaut. Sie trug die Betriebsnummer BHStB 705 und später JDŽ 97-005. Die erste Lokomotive dieses Typs war bereits 1894 gefertigt worden.

mini|hochkant=0.5|links|Werks-Nr. 1001/1896

Heinrich Herz Heinrich Herz (auch Henrik Herz), Bau- und Brennstoffhändler, Geschäftsführer der Heinrich Herz GmbH, Baumaterialien (gegründet 1924, liquidiert 1937, Berlin, Burggrafenstraße 11) zeigte die von ihm entwickelte Kletterweiche.Heinrich Herz GmbH, Bau- und Brennstoffe (Handel) in Datenbank jüdischer Gewerbebetriebe in Berlin

Einzelnachweise

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