Der Alternative Westfälische Friedenspreis ist eine 2026 in Münster vergebene Auszeichnung für friedenspolitisches Engagement. Träger ist der gemeinnützige Verein Alternativer Westfälischer Friedenspreis – Verein zur Würdigung und Förderung friedenspolitischer Initiativen e. V. Der Verein wurde am 15. Dezember 2025 in Münster gegründet.

Die Verleihung fand am 25. September 2026 im Historischen Rathaus Münster statt. Preisträger ist der Verein Connection e. V. aus Offenbach am Main, der sich unter anderem für Kriegsdienstverweigerer und Deserteure einsetzt. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und soll künftig alle zwei Jahre vergeben werden.

Geschichte

Gründung

Der Verein wurde am 15. Dezember 2025 in Münster gegründet. Zu den Gründungsmitgliedern gehören Juliane Brüggemann und Rüdiger Sagel, der als Initiator des Alternativen Westfälischen Friedenspreises gilt. Bei der Gründungsversammlung wurden Brüggemann zur ersten Vorsitzenden und Sagel zum zweiten Vorsitzenden gewählt. Ausgangspunkt für die Gründung war die Entscheidung der Wirtschaftlichen Gesellschaft für Westfalen und Lippe, den Internationalen Preis des Westfälischen Friedens 2026 an die NATO zu vergeben.

Die Initiatoren des Alternativen Westfälischen Friedenspreises wollten dieser Entscheidung eine eigenständige friedenspolitische Initiative gegenüberstellen. Im Mittelpunkt stehen nach Angaben des Vereins insbesondere Diplomatie, Völkerverständigung, Dialog und zivile Konfliktlösung.

Der Journalist und Publizist Heribert Prantl hatte die Entscheidung zur Auszeichnung der NATO bereits im November 2025 kritisch kommentiert. In seiner am 13. November 2025 zunächst in der Süddeutschen Zeitung erschienenen Kolumne schrieb er:

Prantl stellte die Auszeichnung der NATO dabei in den Zusammenhang mit der Frage, welche Rolle militärische Abschreckung und zivile Friedenspolitik für eine Friedensordnung spielen können.

Auch Rüdiger Sagel kritisierte die Entscheidung. Gegenüber der taz erklärte er:

Die taz bezeichnete die Gründung des Vereins als „Gegengründung“ und als „zivile Antwort“ auf die Entscheidung zur Auszeichnung der NATO.

Der Verein nahm mit dem Namen und seiner Zielsetzung Bezug auf den Westfälischen Frieden von 1648, der in Münster und Osnabrück ausgehandelt wurde. Nach Darstellung des Vereins steht dieser für Diplomatie, Verhandlungen, Kompromissbereitschaft und Verständigung.

Zielsetzung Nach seiner Satzung bezweckt der Verein die Verleihung des Alternativen Westfälischen Friedenspreises sowie die Anregung, Gestaltung und Unterstützung friedenspolitischer Aktivitäten. Der Verein versteht sich als Teil der Friedensbewegung.

Zu den in der Satzung genannten Zielen gehören die Auseinandersetzung mit Militarismus, Rassismus, Nationalismus, Faschismus und Ausländerfeindlichkeit sowie der Einsatz gegen die Ausgrenzung von Minderheiten.

Mit dem Preis sollen nach Angaben des Vereins Personen, Gruppen und Institutionen gewürdigt werden, die zur Verständigung zwischen Völkern und Menschen beitragen und Konflikte durch Dialog und Diplomatie lösen wollen. Weitere Schwerpunkte sind der Abbau von Feindbildern, Gerechtigkeit und Menschlichkeit sowie die Förderung von Brücken zwischen gesellschaftlichen Gruppen.

Der Verein fasst seinen Ansatz unter dem Leitgedanken „Frieden durch Dialog“ zusammen.

Organisation Der Verein ist als gemeinnützig anerkannt und im Vereinsregister eingetragen. Seine Mitglieder können Kandidaten für den Friedenspreis vorschlagen und wählen die Jury.

Bei der Gründungsversammlung am 15. Dezember 2025 wurde folgender Vorstand gewählt:

Juliane Brüggemann, 1. Vorsitzende Rüdiger Sagel, 2. Vorsitzender Christel Rosendahl, Schriftführerin Joachim Kamp, Kassierer Brigitte Hornstein, Beisitzerin

Die Jury besteht aus neun Personen. Zu den Mitgliedern der ersten Jury gehörten unter anderem die Theologin Margot Käßmann, der Publizist Heribert Prantl und der Historiker Alfons Kenkmann.

Erster Preisträger Der Alternative Westfälische Friedenspreis wurde erstmals am 25. September 2026 an Connection e. V. aus Offenbach am Main verliehen.

Connection engagiert sich international für Menschen, die den Militärdienst verweigern oder desertieren, und für das Recht auf Kriegsdienstverweigerung.

Die Auszeichnung ist mit 10.000 Euro dotiert. Zusätzlich wird eine eigens für den Preis geschaffene Skulptur überreicht. Die Skulptur für die erste Preisverleihung wurde von dem Münsteraner Künstler Stefan Rosendahl geschaffen.

Preisverleihung 2026 Die erste Preisverleihung fand am 25. September 2026 im Historischen Rathaus Münster statt. Zu der Veranstaltung waren rund 240 geladene Gäste eingeladen. Die Begrüßung übernahm Oberbürgermeister Tilman Fuchs.

Die Laudationen für Connection e. V. hielten der Journalist und Publizist Heribert Prantl sowie die evangelische Theologin Margot Käßmann. Beide gehörten auch der ersten Jury des Alternativen Westfälischen Friedenspreises an.

Prantl stellte in seiner Würdigung insbesondere die Bedeutung des Rechts auf Kriegsdienstverweigerung heraus. Käßmann würdigte die Arbeit von Connection für Menschen, die sich aus Gewissensgründen dem Militärdienst verweigern.

Die Preisverleihung wurde von mehreren Medien im Zusammenhang mit der wenige Tage später vorgesehenen Verleihung des Internationalen Preises des Westfälischen Friedens an die NATO betrachtet. Der WDR berichtete über die unterschiedliche Zielsetzung der beiden Preise.

Verhältnis zum Internationalen Preis des Westfälischen Friedens Der Alternative Westfälische Friedenspreis entstand im Zusammenhang mit der Entscheidung der Wirtschaftlichen Gesellschaft für Westfalen und Lippe, den Internationalen Preis des Westfälischen Friedens 2026 an die NATO zu vergeben.

Beide Auszeichnungen werden von unterschiedlichen Organisationen vergeben. Der Alternative Westfälische Friedenspreis legt nach Angaben seines Trägervereins einen Schwerpunkt auf zivile Friedensarbeit, Diplomatie und Verständigung.

Der WDR bezeichnete den Alternativen Westfälischen Friedenspreis als einen friedenspolitischen Gegenentwurf zur NATO-Auszeichnung.

Rezeption Die Gründung des Vereins und die erste Preisverleihung führten in Münster zu einer öffentlichen Debatte. Im Mittelpunkt stand insbesondere der Zusammenhang mit der Verleihung des Internationalen Preises des Westfälischen Friedens an die NATO.

Die taz berichtete ausführlich über die Entstehung des Vereins und dessen ersten Preisträger. Dabei wurde insbesondere der Zusammenhang zwischen der NATO-Auszeichnung und der Gründung des Alternativen Friedenspreises dargestellt.

Namensgebung und historischer Bezug Der Name des Preises nimmt Bezug auf den Westfälischen Frieden von 1648, der in Münster und Osnabrück ausgehandelt und geschlossen wurde.

Der Verein bezeichnet den Westfälischen Frieden als historischen Meilenstein der Diplomatie und verweist auf die Bedeutung von Verhandlungen, Kompromissbereitschaft und Verständigung bei der Beendigung internationaler Konflikte.

Weblinks Offizielle Website des Alternativen Westfälischen Friedenspreises Der Verein WDR: Alternativer Westfälischer Friedenspreis wird verliehen taz: Münsters zweiter Friedenspreis Heribert Prantl: Wo Krieg aufhört und Frieden anfängt

Einzelnachweise

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