Die European Association of Social Psychology (EASP), bis 2008 European Association of Experimental Social Psychology (EAESP), ist eine wissenschaftliche Fachvereinigung für Sozialpsychologen. Die EASP zählt derzeit weltweit mehr als 1300 Mitglieder und hat sich zum Ziel gesetzt, Spitzenleistungen der europäischen sozialpsychologischen Forschung zu fördern. Zu diesem Zweck organisiert sie vielfältige Forschungsaktivitäten sowie Fachtagungen und ist für eine Reihe von Fachzeitschriften verantwortlich. Durch diese Aktivitäten fördert sie den wissenschaftlichen Austausch unter europäischen Sozialpsychologen und vernetzt europäische Wissenschaftler mit der weltweiten Gemeinschaft der Sozialpsychologen.
Organisation Die EASP wird von einem siebenköpfigen Exekutivkomitee geleitet. Die Amtszeit der Mitglieder beträgt sechs Jahre; bei jeder Mitgliederversammlung werden drei oder vier neue Mitglieder gewählt. Zu den wichtigsten Amtsträgern gehören die Präsidentin (2026: Gülseli Baysu von der Queen’s University Belfast), der Schatzmeister (2026: Félice van Nunspeet von der Universität Utrecht), der Schriftführer (2026: Ana Figueiredo von der Universidad de O’Higgins) sowie die Geschäftsführerin (2026: Wendy Rulkens von der Rijksuniversiteit Groningen). Hinzu kommen noch die Verantwortliche für Zeitschriften (2026: Alexandra Vazquez von der Universidad Nacional de Educación a Distancia und die Verantwortliche für Diversität (2026: Claudia Manzi von der Università Cattolica del Sacro Cuore.
Zusätzlich gibt es noch einen Aufsichtsrat, der die Tätigkeit des Exekutivkomitees sowie die allgemeinen Angelegenheiten der Vereinigung überwacht. Das Exekutivkomitee berichtet zweimal jährlich dem Aufsichtsrat über seine Aktivitäten und Entscheidungen. Der Aufsichtsrat tagt zweimal im Jahr online. Es handelt sich um ein Ehrenamt mit einer Amtszeit von drei Jahren (der erste Aufsichtsrat wurde 2024 gewählt). Das Gremium besteht aus drei Mitgliedern. Dem aktuellen Aufsichtsrat gehören 2026 an: Fabrizio Butera von der Universität Lausanne, Monica Rubini von der Universität Bologna und Sabine Otten von der Universität Groningen.
Geschichte Zu Beginn der 1960er Jahre verbrachte John T. Lanzetta sein erstes Sabbatical in London. Er war dort als Verbindungswissenschaftler für die Abteilung für Gruppenpsychologie des Office of Naval Research (ONR) der USA tätig. Mit der aktiven Unterstützung von Luigi Petrullo ergriff er die Initiative, eine Reihe europäischer Wissenschaftler aus dem Bereich der experimentellen Sozialpsychologie zusammenzubringen. Ziel war es, informelle Gespräche über gemeinsame Probleme sowie persönlichen Austausch zu ermöglichen; beides sollte die Gründung eines „ständigen“ internationalen Gremiums erleichtern, das die Entwicklung der experimentellen Sozialpsychologie in Europa fördern und unterstützen sollte.
Er leitete im März 1963 ein erstes Treffen in London, an dem Mauk Mulder, Robert Pagès und Henri Tajfel teilnahmen. Gemeinsam mit Ragnar Rommetveit und John Thibaut nahmen sie auch an einem zweiten Treffen im Mai 1963 in Paris teil. Diese sechs Personen fungierten als Planungskomitee und bereiteten sowohl die erste Europäische Konferenz für experimentelle Sozialpsychologie (vom 12. bis 16. Dezember 1963 in Sorrent) als auch die zweite Konferenz (vom 11. bis 15. Dezember 1964 in Frascati) vor. Auf der Konferenz in Frascati wurde beschlossen, die formale Planung einer europäischen Vereinigung zu konkretisieren. Zu diesem Zweck wählten die europäischen Teilnehmer ein europäisches Planungskomitee. Gewählt wurden die folgenden fünf Teilnehmer: Gustav Jahoda, Serge Moscovici, Mauk Mulder, Jozef M. Nuttin Jr. und Henri Tajfel. Die erste Sitzung des Europäischen Planungsausschusses fand vom 5. bis 7. Februar 1965 in Löwen statt; dabei wurden Serge Moscovici zum Vorsitzenden und Mauk Mulder zum Schriftführer ernannt. Dieser Ausschuss organisierte die dritte „Europäische Konferenz für experimentelle Sozialpsychologie“, die vom 27. März bis zum 1. April 1966 in Royaumont abgehalten wurde. Auf der Royaumont-Konferenz wurde beschlossen, einen formellen Exekutivausschuss zu wählen, der aus sieben Mitgliedern bestand. Die fünf Mitglieder des Planungsausschusses von Frascati wurden allesamt wiedergewählt; die beiden zusätzlichen Mitglieder waren Martin Irle und Ragnar Rommetveit.
Tagungen Die EASP organisiert verschiedene Tagungen, um Forschung und wissenschaftlichen Austausch zu fördern und zu verbreiten:
Generalversammlung (General Meeting): Diese findet alle drei Jahre statt und dauert vier Tage. Sie bietet den Mitgliedern die wichtigste Gelegenheit zusammenzukommen, um ihre Forschungsergebnisse zu präsentieren und zu diskutieren. Die letzte Generalversammlung der EASP fand in Straßburg vom 30. Juni bis 4. Juli 2026 statt.European Association of Social Psychology 2026 General Meeting abgerufen am 23. September 2026. Auf dieser Tagung war auch das ZPID vertreten.ZPID at the European Association of Social Psychology auf leibniz-psychology.org, abgerufen am 23. September 2026 2025 fand diese Tagung unter der Bezeichnung EASP Meeting on The Social Psychology of Gender Equality in the Digital Era in Cambridge an der Anglia Ruskin University statt.EASP Meeting on The Social Psychology of Gender Equality in the Digital Era, abgerufen am 23. September 2026. Summer School: Diese findet alle zwei Jahre statt und dauert zwei Wochen. Sie bietet Nachwuchswissenschaftlern die Möglichkeit, in einem kooperativen Lernumfeld intensiv mit erfahrenen Forschern zusammenzuarbeiten. Die EASP Summer School 2024 fand vom 8. Juli bis zum 19. Juli 2024 in Košice in der Slowakei statt.EASP Summer School 2024, abgerufen am 23. September 2026. Jährlich finden bis zu sechs Tagungen in kleinen Gruppen (Small Group Meetings) und zwei Tagungen in mittleren Gruppen (Medium Size Meetings) statt. Diese bieten Wissenschaftlern – von denen mindestens die Hälfte EASP-Mitglieder sein müssen – die Gelegenheit, zusammenzukommen, um Forschungsergebnisse zu präsentieren und die wissenschaftliche Arbeit in einem spezifischen Forschungsgebiet voranzubringen.
Herausgegebene Zeitschriften Der Verband ist für die folgenden Zeitschriften und Buchreihen verantwortlich:
„European Journal of Social Psychology“ (EJSP), erscheint zweimonatig bei Wiley-Blackwell „European Review of Social Psychology“, erscheint einmal jährlich bei Psychology Press „Social Psychological and Personality Science“ (SPPS), erscheint zweimonatig bei Sage Publications „Comprehensive Results in Social Psychology“ (CRSP), veröffentlicht pre-registered Beiträge bei Taylor & Francis „European Bulletin of Social Psychology“, offizieller Newsletter der Fachgesellschaft „European Studies in Social Psychology“, vormals „European Monographs in Social Psychology“, Ad-hoc-Veröffentlichungen, um weiterführende Forschungsergebnisse zu einem bestimmten Thema zu präsentieren
Ehrungen und Auszeichnungen Die EASP ehrt Mitglieder, die einen herausragenden Beitrag zur Fachdisziplin geleistet haben. Alle drei Jahre wird anlässlich der Mitgliederversammlung der „Lifetime Achievement Award“ verliehen. Zudem vergibt die Vereinigung den „Theory-Innovation Award“ an die Autorin oder den Autor (bzw. das Autorenteam) eines herausragenden theoretischen Beitrags zu diesem Fachgebiet. Darüber hinaus werden drei „Early-Career Awards“ an herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu Beginn ihrer Laufbahn sowie drei „Mid-Career Awards“ an Forschende in der mittleren Karrierephase vergeben, die bedeutende Forschungsleistungen erbracht haben, sowie ein Preis für herausragende Verdienste um das Fachgebiet der Sozialpsychologie. Im Einzelnen sind dies:
Lifetime Achievement Award Theory-Innovation Award Early-Career Awards Mid-Career Awards Outstanding Contribution to European Personality and Social Psychology Outstanding Service to the Field of Social Psychology
Bis 2020 wurden EASP-Medaillen vergeben, dies waren: Serge-Moscovici-Medaille, diese wurde zuletzt 2017 in Granada vergeben; Preisträger waren Andrea Abele-Brehm und Bogdan Wojciszke für die Arbeit Communal and agentic content. A dual perspective model. In: Advances in Experimental Social Psychology. 2014, 50, S. 198–255. Henri-Tajfel-Medaille und Lecture, zuletzt 2017 vergeben in Granada an Klaus Fiedler, der den dabei Vortrag Discovering Order in an Uncertain World: Anchoring a Tajfel Lecture in Henri Tajfel‘s Seminal Work hielt. Jos-Jaspars-Medaille, 2017 vergeben an Aleksandra Cichocka, Namkje Koudenburg und David Loschelder Kurt-Lewin-Medaille (später mid-career awards), 2017 vergeben an Fabrizio Butera, Pablo Brinol und Colin Leach Jean-Paul-Codol-Medaille (später Early-Career Awards), 2017 vergeben an Naomi Ellemers, Miguel Moya und Vincent Yzerbyt
Bewertungen Kritisch wurde zur Organisationsentwicklung der EASP bemerkt, dass die Ambitionen zur Entwicklung einer „europäischen Sozialpsychologie“ nur teilweise verwirklicht wurden, besonders die anfangs geplante Ost-West-Integration ist deutlich zurückgegangen, neben der eingeschränkten regionalen Vielfalt bzw. einer Dominanz von Personen, die in Westeuropa tätig sind, wird die Geschlechtervielfalt als verbesserungswürdiger Bereich angesehen, obwohl hier im Laufe der Jahre große Fortschritte erzielt wurden, Dennoch wird die Gründung dieser Gesellschaft als ein Erfolg bewertet, der sowohl durch einen „Top-down“-Ansatz (über Mitgliederversammlungen und Fachzeitschriften) als auch durch einen „Bottom-up“-Ansatz (durch die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, insbesondere im Rahmen der Summer Schools) erzielt wurde. Der Erfolg (gemessen an Teilnehmerzahlen an den Veranstaltungen und den Publikationen) ist jedoch nicht gleichmäßig verteilt; es gibt nach wie vor Regionen in Europa, auf die sich die EASP bei künftigen Entwicklungen konzentrieren sollte.
Weblinks European Association of Social Psychology, abgerufen am 23. September 2026. European Association of Social Psychology auf Scientify Research, abgerufen am 23. September 2026.
Einzelnachweise
Kategorie:Wissenschaftliche Gesellschaft Kategorie:Vereinsgründung 1966 Kategorie:Bildung und Forschung in Groningen Kategorie:Psychologische Organisation