Max Rausch (* 14. Oktober 1898 in Georgenthal; † 1. März 1947 in Brünn) war ein deutscher Kriminalbeamter und SS-Mann, zuletzt im Range eines SS-Obersturmbannführers. Er war Leiter der Weimarer Gestapo und während des Zweiten Weltkrieges Direktor der Kriminalpolizei Brünn.
Leben Max Rausch wurde als Sohn des Eisenbahnbeamten Ernst Rausch und seiner Frau Georgina Rausch (geb. Pruschild) geboren. Von 1904 bis 1908 ging er in Georgenthal zur Grundschule und anschließend bis 1913 auf eine weiterführende Schule in Ohrdruf. Ab dem Frühjahr 1913 begann er ein Studium an einer Musikschule in Ilmenau, unterbrach dieses jedoch wegen des ausbrechenden Ersten Weltkriegs, da das gesamte Lehrpersonal nach Mobilmachung eingezogen worden war.
Rausch meldete sich freiwillig zum Militärdienst und kämpfte ab dem 30. Mai 1915 im 6. Jäger-Regiment zu Pferde an der Ostfront. Im November 1915 wurde er zum 14. Dragoner-Regiment versetzt und war in Rumänien und Frankreich im Einsatz. Er diente außerdem im 2. Oberrheinischen Infanterieregiment Nr. 99 und im 4. Lothringischen Infanterieregiment Nr. 136. Er zog sich mehrere Verletzungen zu, darunter eine Kugel in den Unterschenkel und Querschläger in Bauch und Hand und erhielt dafür das Verwundetenabzeichen 3. Klasse. Zu Kriegsende tat er als Vizefeldwebel in Frankreich im 136. Regiment Dienst und war mit dem Eisernen Kreuz 1. sowie 2. Klasse dekoriert.
Anfang 1919 kehrte Rausch mittellos aus der Armee in seine Heimat zurück und war ein halbes Jahr in Schwabhausen in der Landwirtschaft tätig. Am 1. November des gleichen Jahres trat er 21-jährig in den Polizeidienst in Gotha ein. Am 1. April 1920 bestand er die Prüfung zur Kriminalpolizei und wurde im Zuge dessen zum Leiter der Gothaer Kripo befördert. Am 12. Februar 1921 heiratete er die 20-jährige Helene Seifarth, im Dezember kam die gemeinsame Tochter Ingeborg zur Welt.
Im Jahre 1923 wurde in Weimar unter dem Thüringischen Ministerium des Innern eine neue Landeskriminalbehörde, das Landeskriminalpolizeiamt, eingerichtet, zu dem Rausch am 1. Dezember 1923 versetzt wurde. Im Oktober 1924 wurde er dort zum Kriminalsekretär befördert. Das Thüringische LKA war aus der Abteilung K („Kriminalabteilung“) im Landesinnenministerium hervorgegangen und entsprach in Wesen und Auftrag einer Politischen Polizeibehörde, wie sie in den meisten Ländern des Deutschen Reiches existierte. Aufgabe des Landeskriminalamts war auch die Spionageabwehr, mit der sich Rausch insbesondere vertraut machte.
Ab 1925 begann er, sich den Nationalsozialisten anzunähern. Beeinflusst wurde diese Entscheidung durch einen Bekannten, den Gothaer Rechtsanwalt Walther Ortlepp, der beim Weimarer Landgericht als Hilfsrichter tätig war. Ortlepp war ein enger Vertrauter des späteren NS-Innenministers Wilhelm Frick. Rausch trat der NSDAP zum 1. Mai 1930 bei (Mitgliedsnummer 236.590).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/33871469 Dies war ihm als Beamter nur aufgrund der besonderen politischen Lage in Thüringen möglich, da die Partei dort seit Januar 1930 regierungsbeteiligt war (Kabinett Baum) und mit Frick auch den Innenminister und damit den obersten Dienstherren über die Landespolizei stellte.
Im September 1931 wurde Rausch auf Anordnung der Landesregierung als Kommissaranwärter zu einem Lehrgang für zukünftige Kriminalkommissare an der Polizeischule Sondershausen abkommandiert. Nach bestandener Abschlussprüfung wurde er im Dezember 1932 mit Wirkung zum 1. Januar 1933 zum Kriminalkommissar ernannt. Am 1. Mai 1933 trat er der SS bei, im Juli wurde er auch Mitglied des SD. Die Evangelische Kirche verließ er ein Jahr später. Ab September 1934 war er Referatsleiter und stellvertretender Chef der Gestapo-Leitstelle Weimar. Am 20. Februar 1935 erfolgte die Beförderung zum SS-Untersturmführer. Zusätzlich zu seiner regulären Polizeiarbeit begann er 1935 eine Lehrtätigkeit bei der Polizeischule Sondershausen und bei der Höheren Polizeischule Jena. Im Sommer 1936 wurde er zum Kriminalrat ernannt, wobei sein SS-Rang der polizeilichen Amtsbezeichnung angepasst und er deshalb auch zum SS-Obersturmführer befördert wurde. Im gleichen Jahr erhielt er den SS-Totenkopfring und wurde am 30. Januar 1937 erneut befördert, diesmal zum SS-Hauptsturmführer. Am 15. Juni 1937 ernannte man den Kriminalrat zum Leiter der Geheimen Staatspolizei-Leitstelle Weimar. Spätestens zum Ende des gleichen Jahres trat Rausch dem rassenideologischen „Lebensborn e.V.“ bei. Für seine Verdienste in Thüringen wurde er am 20. April 1939 zum SS-Sturmbannführer befördert und außerdem in Vorbereitung auf eine Versetzung zum Kriminaldirektor ernannt. Anfang August berief man ihn zum Reichskriminalpolizeiamt nach Berlin, wo SS-Gruppenführer und Reichskriminaldirektor Arthur Nebe seine Versetzung nach Brünn, in das am 16. März 1939 gegründete Reichsprotektorat Böhmen-Mähren, anordnete. Mitte August traf Rausch schließlich in Brünn ein und übernahm die Leitung der dortigen Kriminalpolizei-Leitstelle, die für das gesamte annektierte Mähren zuständig war. Er war dem SS-Oberführer Erwin Weinmann in Prag weisungspflichtig, der als Befehlshaber der Sipo und des SD für das gesamte Protektorat fungierte.
Anfang des Jahres 1945 wurde Rausch zum Oberregierungs- und Kriminalrat und SS-Obersturmbannführer befördert. Wegen des Vorrückens der Roten Armee verlegte er seine Behörde in den letzten Kriegswochen nach Jihlava. Dort geriet er in amerikanische Kriegsgefangenschaft, wurde im Februar 1946 aber an die Tschechoslowakei ausgeliefert und vor dem Außerordentlichen Volksgericht in Brünn wegen begangener Verbrechen in seiner Zeit als Polizeichef zum Tod durch den Strang verurteilt. Die Hinrichtung erfolgte am 1. März 1947.
Literatur Die Thüringer Polizei 1918 bis 1933. In: Sascha Münzel (Hrsg.): Quellen zur Geschichte Thüringens. Band 40, 2013. Martin-Petr Tlustoš: Max Rausch, Leiter der Sicherheitspolizei in Brünn 1944–1945. Bachelorarbeit, Masaryk-Universität (Philosophische Fakultät, Institut für Geschichte), Brünn 2020 (tschechisch).
Weblinks Enzyklopädischer Artikel über Max Rausch in tschechischer Sprache
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