Between Heaven and Earth ist ein Musikalbum von Conny Bauer, Peter Kowald und Günter Sommer. Die am 30. November und am 1. Dezember 2001 im Radio-Studio DRS, Zürich, entstandenen Aufnahmen erschienen 2003 auf Intakt Records.

Hintergrund Fünfzehn Jahre lang tourte das Trio Bauer-Kowald-Sommer und spielte auf zahlreichen Festivals in Europa und den USA, unter anderem beim Black Art Festival in Atlanta und beim Vision Festival in New York. Im Dezember 2001 begaben sich die drei Musiker ins Studio nach Zürich und nahmen innerhalb von zwei Tagen ein gemeinsames Album auf. Dies war die letzte Aufnahme des Trios mit Peter Kowald; nach dem unerwarteten Tod des Bassisten im September 2002 wurde diese Aufnahme zu einem Andenken an ihn und zugleich zu einem Ausdruck der Freundschaft zwischen Günter Sommer und Conrad Bauer, hieß es in den Liner Notes. „Dreißig Jahre lang hat diese Freundschaft zu Peter Kowald mein Leben bereichert“, schreibt Schlagzeuger Günter Sommer. „Er zeigte mir nicht nur weite Teile der Welt, sondern durch ihn verstand ich auch, was uns letztendlich antreibt: die Fähigkeit, etwas mit dem zu tun, was wir haben.“

Titelliste Conrad Bauer - Peter Kowald - Günter Sommer – Between Heaven and Earth (Intakt Records – Intakt CD 079) Being Born 3:30 Wondering 6:36 Waiting For 4:19 Fighting 3:01 Looking Out 4:02 Travelling 3:15 Loving 4:21 Suffering 2:18 Playing 7:04 And Playing Again 10:27 Travelling Again 3:08

Rezeption mini|Peter Kowald in den 1990er Jahren in Wuppertal Steve Loewy verlieh dem Album in Allmusic viereinhalb Sterne und schrieb, dieses hochkarätige Trio würde sich auf dieser letzten Studioaufnahme in Höchstform zeigen: „Intensiv wirbelnde Klangschichten durchziehen innovative, kreative Improvisationen“. Zum Zeitpunkt der Aufnahme habe diese bemerkenswert harmonische Formation mit einer einzigartigen, prägenden Vision gespielt, die ihr eine unverwechselbare Stimme verlieh. Conrad Bauer, als einziger Bläser, dominiere; seine voluminöse Posaune würde nie zu abstrakt klingen, sondern besteche durch erdige, kraftvolle Töne, die von einer hochentwickelten Technik mit Multiphonics, Zirkularatmung und sogenannten „falschen“ Tönen geprägt seien. Sein tiefes Register habe auf Platte noch nie so gut geklungen, wie beispielsweise in den wunderschön entwickelten Passagen von „Travelling“ und insbesondere „Loving“ beweisen würden. Von dem ätherischen, ja surrealen „Wondering“ bis zum aggressiveren und dynamischeren „Looking Out“ sei praktisch jeder Track von Staunen erfüllt. Peter Kowalds Bass glänze in seiner dreifachen Rolle: Er begleite Bauer, wirke an der kollektiven Improvisation mit und spiele Solo-Bass. Kowald, ein außergewöhnlich emotionaler Musiker, der sich ein beachtliches Können am Kontrabass angeeignet habe, besteche durch seinen Entdeckergeist, der sich nahtlos in die oft unterschätzten perkussiven Einwürfe des viel zu selten aufgenommenen Günter Sommer einfüge. Mit einer scheinbar endlosen Vielfalt an Instrumenten präge Sommers Musikalität fast jeden Moment und mache ihn zu einem gleichberechtigten Mitglied des Trios – sei es durch sein Marimbaspiel in „Suffering“ oder durch die an Gummibandklänge erinnernden, klagenden Effekte im Opener „Being Born“. Between Heaven and Earth sei ein ästhetisch und musikalisch wichtiges Album und erinnere daran, wie mitreißend dieses Trio sein konnte.

Dies sei nur eines der vielen Projekte, an denen der umtriebige Bassist beteiligt war, der im Laufe der Jahre seinen Wirkungskreis von einem deutschen Free-Jazz-Musiker zu jemandem erweitert hatte, der sich im Zusammenspiel mit traditionellen asiatischen Instrumentalisten ebenso wohlfühlte wie mit amerikanischen Downtown-Musikern, merkte Ken Waxman (JazzWord) an. Doch im wirren Mosaik der kontinentalen Politik sei dieses deutsche Trio eine Klasse für sich gewesen. Das habe daran gelegen, dass die beiden anderen Mitglieder – der Posaunist Conrad Bauer und der Schlagzeuger Günter Sommer – ostdeutsche Improvisationsmusiker waren. Lange vor dem Fall der Berliner Mauer habe Kowald nicht nur Wert darauf gelegt, mit seinen Landsleuten in der Deutschen Demokratischen Republik zu spielen, sondern sorgte mit seinen Anträgen auch dafür, dass der Schlagzeuger regelmäßig „importiert“ wurde, um bei seinen Auftritten in Europa und Japan Teil seiner Band zu sein.

Altruismus hätte sich [in diesem Fall] mit Realität verbunden, denn mit dem Posaunisten und dem Schlagzeuger hätte Kowald zwei der besten Musiker der DDR – und darüber hinaus – in seinen Reihen geholt, so Waxman weiter. Beide seien Mitglieder des experimentellen Zentralquartetts gewesen, und Bauer, der hier einen verschmitzten, rauen Ton mit anspruchsvolleren Stilelementen verbinde, sei zuvor auch Mitglied des London Jazz Composers Orchestra gewesen. Sommer würde einen Sinn für Humor und eine bisweilen unkonventionelle Instrumentalpalette besitzen, die an Han Bennink erinnere. Diese bittersüße Wiedervereinigung nach zehn Jahren Trennung, die in Zürich hervorragend aufgenommen worden sei, wirke beinahe angemessen zurückhaltend. Doch die gedämpfte Stimmung habe mehr mit dem kontrollierten Spiel des Schlagzeugers zu tun als mit irgendeiner Vorahnung dessen, was Monate später geschehen sollte. Zudem trage jeder der beiden Musiker maßgeblich zum Gelingen des Konzerts bei.

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Einzelnachweise

Kategorie:Album (Jazz) Kategorie:Album (Neue Improvisationsmusik) Kategorie:Album 2003 Kategorie:Peter Kowald