Miles Ahead (Tagline: If you gonna tell a story, come with some attitude) ist eine US-amerikanische Filmbiografie von und mit Don Cheadle aus dem Jahr 2015. Cheadle gab damit sein Regiedebüt, verfasste gemeinsam mit Steven Baigelman das Drehbuch und übernahm die Hauptrolle als legendärer Jazztrompeter Miles Davis. In weiteren Rollen sind Ewan McGregor, Emayatzy Corinealdi, Michael Stuhlbarg und Lakeith Stanfield zu sehen. Der Film mit fiktionalisierten Handlungselementen feierte seine Weltpremiere auf dem New York Film Festival und leitet seinen Titel vom gleichnamigen Album ab.

Handlung New York City Ende der 1970er Jahre: Miles Davis fristet seit fünf Jahren ein Leben abseits der Öffentlichkeit. Er verbringt die Tage in seinem abgedunkelten Haus an der Upper West Side, sieht sich Aufzeichnungen alter Boxkämpfe an, hört seine jüngsten Aufnahmen und kokst. Eines Tages erscheint der windige Journalist Dave Braden vor seiner Haustür. Braden, der für den Rolling Stone schreibt, plant eine Story über das angeblich bevorstehende Comeback des Jazztrompeters. Davis will davon nichts wissen und bedroht den Journalisten mit einem Revolver, nachdem dieser sich auf aufdringliche Weise Zutritt in sein Haus verschafft hat. Braden gibt an, im Auftrag von Columbia Records zu handeln, woraufhin die beiden dem Label einen Besuch abstatten.

Davis vermutet, dass Columbia ihm Braden vorbeigeschickt hat, um ihn zu einer Veröffentlichung seiner letzten Studioaufnahmen zu drängen. Wie sich nach Konfrontation des Plattenbosses George Butler herausstellt, handelt Braden jedoch auf eigene Faust. Als ein Manager Davis darüber aufklärt, dass seine Aufnahmen rechtlich gesehen der Plattenfirma gehören, zückt der Musiker den Revolver und nimmt dem Mann als „Anzahlung“ sein Bargeld ab. Der anwesende Musikproduzent Harper Hamilton stellt ihm den talentierten Nachwuchstrompeter Junior vor und lädt ihn zu dessen Konzertprobe sowie zu einem Boxkampf am nächsten Abend ein. Nachdem Davis den Raum verlassen hat, verspricht Braden Butler ungefragt, ihm die Aufnahmen zu besorgen.

Verärgert will Davis nach Hause fahren, lässt sich jedoch von Braden dazu überreden, ihm „das beste Koks der Stadt“ zu beschaffen. Die beiden fahren zur Columbia University und nehmen dem jazzbegeisterten Studenten Justin 250 Gramm für einen Spottpreis und einige halbherzig signierte Alben ab. Die LP Someday My Prince Will Come behält Davis allerdings für sich, weil die auf dem Cover abgebildete Frances Taylor bittersüße Erinnerungen in ihm weckt.

Zurück in Davis Haus veranstaltet eine seiner weiblichen Bekanntschaften, Janice, eine Party. Bevor er sich mit Braden in den Keller (samt Tonstudio) zurückzieht, verschließt er seine kostbaren unveröffentlichten Aufnahmebänder in einer Kommode. Als Braden in Folge einer Nase Koks nach einem Drink verlangt, gibt Davis ihm seinen Schlüsselbund. Der Journalist versucht, die Aufnahmen aus der Schublade zu stehlen, wird aber von den plötzlich aufgetauchten Hamilton und Junior überrascht. Nach kurzer Konversation geht er zurück in den Keller, wo er Davis am Klavier sitzend vorfindet. Die beiden öffnen sich einander und Davis bringt Braden, der vom neuen Partner seiner Exfrau für Alimente verprügelt wird, die Grundschläge des Boxens bei.

Immer wieder sinniert Miles Davis über seine mehr als zehn Jahre zurückliegende Ehe mit Frances Taylor. Nachdem er die attraktive Tänzerin 1959 geheiratet hatte, war sie ihm bei der Entstehung vieler seiner Alben, unter anderem an der Seite von Gil Evans, Inspiration und Muse. Obwohl er sie wiederholt mit anderen Frauen betrog und dazu bewog, ihre erfolgreiche Karriere als Ballerina auf Eis zu legen, stand sie ihm lange bei, begleitete ihn zu Live-Auftritten, und verteidigte ihn gegen rassistisch motivierte Polizeigewalt. Nach Anflügen häuslicher Gewalt und dem Auftreten von Wahnvorstellungen, die der an Sichelzellanämie erkrankte Davis in Folge seines Alkohol-, Drogen- und Tablettenkonsums entwickelt hatte, endete ihre Beziehung schließlich 1965 mit Taylors fluchtartigem Auszug.

Nachdem Davis und Braden ihren Rausch ausgeschlafen haben, stellt der Musiker entsetzt fest, dass seine Aufnahmen verschwunden sind. Die beiden haben Hamilton und Junior im Verdacht und suchen den jungen Trompeter bei seiner Probe im Vanguard auf. Nach einem missglückten Fluchtversuch gesteht er, die Aufnahmen auf Druck Hamiltons in der Hoffnung auf eine Zusammenarbeit mit Miles Davis an sich genommen zu haben. Er führt sie in seine Wohnung, wo seine Frau ihm mitteilt, dass Hamilton die Bänder bereits abgeholt hat. Davis und Braden benutzten Junior, um an Hamilton heranzukommen. In dessen Büro macht Davis erneut Gebrauch von seinem Revolver und holt sich die Aufnahmen zurück. Außerhalb des Gebäudes kommt es zwischen ihm und Hamiltons Bodyguard Walter zu einem Schusswechsel, bei dem Davis verletzt wird. Der Musiker und der Journalist fliehen in Davis Jaguar XJS und liefern sich eine wilde Verfolgungsjagd mit dem Handlanger. Als sie ihre Flucht zu Fuß fortsetzen müssen, verliert Davis die Bänder und Walter verschwindet mit diesen.

Davis macht einen letzten Versuch, sein geistiges Eigentum zurückzuerobern, und stellt Hamilton während des nächtlichen Boxkampfes. Er streckt den Produzenten mit einem rechten Haken nieder, während Braden und Junior die Bänder sicherstellen. Zu dritt fahren sie zu Davis Haus, wo der Musiker sofort nach der Ankunft die Aufnahmen abspielt. Verblüfft erkennen seine beiden Begleiter, dass es sich dabei nicht um Trompeten-, sondern um Orgelaufnahmen handelt. Während ein Streit zwischen Davis und Braden zu eskalieren droht, beginnt Junior auf der Trompete zu dem Gedudel vom Band zu improvisieren. Wie von der Muse geküsst, mischt sich Davis ein und setzt sich ans Klavier. Nachdem er seine Inspiration wiedergefunden zu haben scheint, gewährt er Braden endlich ein Interview, das er jedoch nach wenigen Minuten abbricht. Das Comeback ist perfekt.

Produktion Vorproduktion und Besetzung

Im Rahmen der Aufnahme von Miles Davis in die Rock and Roll Hall of Fame wurde sein Neffe und Nachlassverwalter Vince Wilburn 2006 über eine mögliche Filmbiografie befragt und schlug für die Besetzung der Hauptrolle Don Cheadle vor. Cheadle hatte eine klare Vorstellung von einem „Non-Biopic“ und übernahm anders als ursprünglich vorgesehen nicht nur die Titelrolle, sondern auch die Regie und – gemeinsam mit Steven Baigelman – das Drehbuch:

Cheadle, der als Jugendlicher Saxophon gespielt und 1981 einen Auftritt von Miles Davis im Red Rocks Amphitheatre gesehen hatte, erlernte mithilfe des Lehrers Fernando Pullum das Spiel auf der Trompete.DVD commentary with Don Cheadle and Steven Baigelman. Sony Picture Classics/Kill the Trumpet Player 2016 (englisch). Weil er laut eigener Einschätzung nicht über das Niveau des 14-jährigen Miles Davis hinauskam, mussten die im Film zu hörenden Trompetenaufnahmen trotz authentischer Fingergriffe durch den professionellen Trompeter Keyon Harrold eingespielt werden. Sundance Film Festival Q&A. Sony Picture Classics/Kill the Trumpet Player 2016 (englisch). Schauspielerisch orientierte er sich an seiner eigenen Darstellung der Figur Raymond „Mouse“ Alexander aus Carl Franklins Thriller Teufel in Blau von 1995. Während Ewan McGregor, Lakeith Stanfield und Michael Stuhlbarg ihre fiktiven Filmfiguren einigermaßen frei interpretieren konnten, traf sich Emayatzy Corinealdi als Drehvorbereitung mit der von ihr verkörperten Frances Taylor. Wie Cheadle einige Jahre später in einem Interview verriet, bot er die Rolle des Junior zuerst dem Rapper Kendrick Lamar an.

Der Film endet mit einem fiktiven, am ehesten in den 1980er Jahren angesiedelten Konzert, bei dem Don Cheadle in seiner Rolle als Miles Davis mit den früheren Davis-Kollaborateuren Herbie Hancock und Wayne Shorter auftritt. Den Rest der Band bilden die zeitgenössischen Jazzmusiker Gary Clark junior, Robert Glasper, Antonio Sánchez und Esperanza Spalding. In der ersten Szene des Films hat der Radio-DJ Phil Schaap einen Gastauftritt.

Dreharbeiten und Postproduktion mini|hochkant=0.97|Der Boxkampf am Filmende wurde im Innern einer Kirche in Cincinnati gefilmt Während sich Vince Wilburn als Co-Produzent und Miles Davis jüngster Sohn Erin als Executive Producer an dem Projekt beteiligten, konnte Don Cheadle mithilfe der Crowdfunding-Website Indiegogo 325.000 US-Dollar für die Produktion einnehmen. Insgesamt blieb das Budget des von Sony Pictures Classics produzierten Films mit unter zehn Millionen Dollar jedoch gering. Nicht zuletzt deswegen fanden die Dreharbeiten von Juli bis August 2014 nicht an den Originalschauplätzen, sondern in Cincinnati und Dayton, Ohio, statt. Architektonisch sind die dortigen Häuserfassaden durchaus mit jenen der Townhouses im Manhattan der 1970er Jahre vergleichbar. Den klimaktischen Boxkampf am Ende des Films inszenierte Cheadle im Innern der Holy Cross Church im Stadtteil Mount Adams. Zwei weitere Innenszenen wurden in den Sony-Studios in Los Angeles gedreht. Aufgrund des knappen Budgets mussten sämtliche Szenen möglichst zügig abgedreht werden. Außerdem blieben keine Ressourcen für Nachaufnahmen.

Roberto Schaefers Kameraführung soll in einigen Szenen den Eindruck erwecken, Miles Davis sei ein „Gefangener“, etwa wenn die Kamera hinter dem Treppengeländer in seinem Haus entlangfährt und dabei Gitterstäbe symbolisiert. In der Postproduktion wurden zahlreiche Match Cuts erstellt, beispielsweise beim Schnitt von Taylors Sturz bei einer Tanzprobe zu Bradens Fall im Columbia-Treppenhaus oder Davis Arm um seine Schallplatten zu einer Umarmung Taylors. Durch das Platzieren verschiedener Gegenstände (etwa einer afrikanischen Stammesmaske) in beiden Zeitebenen, das von Filmen wie Hinter dem Rampenlicht, Lola rennt und Toto der Held inspiriert ist, wird dem Zuschauer verdeutlicht, dass es sich bei Miles Ahead um eine fortwährende Geschichte handelt.

Synchronisation Schauspieler Rollenname Synchronsprecher Don Cheadle Miles Davis Dietmar Wunder Ewan McGregor Dave Braden Philipp Moog Emayatzy Corinealdi Frances Taylor Rubina Nath Michael Stuhlbarg Harper Hamilton Axel Malzacher Lakeith Stanfield Junior Arne Stephan Ken Early George Butler Peter Flechtner Christina Karis Janice Magdalena Turba Austin Lyon Justin Henning Nöhren Mark Turkeltaub Polizist Hans Hohlbein Brian Bowman Walter Nick Forsberg

Hintergrund mini|hochkant|Miles Davis einige Jahre vor seiner Schaffenspause (1971) Don Cheadle und Steven Baigelman orientierten sich bei der Charakterisierung von Miles Davis stark an dessen 1989 erschienener Autobiografie. Als Anknüpfungspunkt für die Filmhandlung diente eine über vierjährige Schaffenspause, die der Künstler zwischen 1975 und Anfang 1980 eingelegt hatte. Die Beweggründe für diesen gänzlichen Rückzug aus der Öffentlichkeit werden im Film nicht direkt genannt, lagen laut Davis selbst aber in physischen und psychischen Problemen. Während jener Zeit fasste er sein Horn laut eigenen Angaben nicht an, hatte Sex mit wechselnden Partnerinnen, trank Alkohol und konsumierte harte Drogen. Den Zustand seines Hauses, das er oft monatelang nicht verließ, beschrieb er folgendermaßen: