Elisabeth Eberhardt (* 5. Februar 1875 in Lenzburg; † 2. Oktober 1966 ebenda) war eine Schweizer Keramikdesignerin und Keramikmalerin. Sie war eine der ersten Frauen mit einer kunstgewerblichen Ausbildung. Sie gehörte im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts, neben Nora Gross, Bertha Tappolet, Louise Strasser oder Martha Amata Good, zu den renommiertesten Keramikerinnen der Schweiz. Eberhardt schuf zeitlebens zweckgebundene Objekte, die in ihrer Formensprache und im Dekor der Zeit des Jugendstils verpflichtet blieben.Barbara von Orelli-Messerli: Elisabeth Eberhardt (1875–1966) und Walter Gebauer (1907–1989): Eine keramische Begegnung als verpasste Chance? In: ceramica.ch, abgerufen am 31. August 2026 (PDF)
Leben Margaritha Elisabeth Eberhardt war das jüngste von drei Kindern der Helene, geborene Landolt, und des Kaufmanns Fritz Eberhardt. Der Bruder ihrer Mutter war der bekannte Augenarzt Edmund Landolt. Nach der Lenzburger Schulzeit war Elisabeth Eberhardt möglicherweise einige Semester lang Schülerin der Handwerker- und Gewerbeschule in Zürich und danach in München. Belegt ist einzig der Besuch der Bernischen Handwerker- und Kunstgewerbeschule von Herbst 1903 bis April 1906. Ob sie dabei auch die 1905 gegründete keramische Fachklasse oder nur die allgemeinen Kunstgewerbekurse besuchte, ist unbekannt. In Bern hatte sie vermutlich auch Zeichenunterricht beim Kunstgewerbelehrer Paul Wyss, der dort von 1900 bis 1918 wirkte und das Design der Keramiker in Langnau, Heimberg und Steffisburg massgeblich beeinflusste.
Mit 28 Jahren begann sie in Steffisburg bei Thun in einer Töpferei zu arbeiten. Nach ihrer Ausbildung und weiteren Arbeitsjahren versuchte sie, eine eigene Werkstätte mit Brennofen aufzubauen. Weil dies nicht gelang, liess sie ihre Arbeiten nach ihren zeichnerischen Entwürfen oder durch direkte Anweisungen an die Dreher an der Scheibe in fremden Töpfereien ausführen. Zuerst liess sie in Langnau arbeiten, um 1914 in der Tonwarenfabrik von Karl Wespi in Aarau, später in der Blumen-Geschirr-Töpferei in Unterkulm im Wynental und in der Hafnerei von Hans Brunner in Lenzburg.
Ab 1915 war sie Mitglied des Schweizerischen Werkbundes, später trat sie der Sektion Zürich der Gesellschaft Schweizerischer Malerinnen, Bildhauerinnen und Kunstgewerblerinnen bei.
Werk Ihre keramischen Entwürfe hielt Elisabeth Eberhardt in vier Wachstuchheften fest. Die erste Schaffensperiode von 1906 bis ungefähr 1913 ist gekennzeichnet durch abstrahiert-florale oder geometrische Dekore. Teile ihrer ersten Arbeiten wurden 1906 in einer Druckbeilage der Schweizerischen Techniker-Zeitung denn auch als «Neue Bauernmajolika» bezeichnet. Auch die wenigen museal überlieferten frühen Keramiken von Elisabeth Eberhardt zeigen, dass sie bis etwa 1913 noch ganz im Stil der Keramikfachschule Geschirr und Vasen mit der regionaltypischen Malhornmalerei und Ritzdekoration versah. Nach einer Übergangszeit, in der die Herstellung von Keramiken der ersten und der zweiten Produktionsperiode parallel verlief, wird ab 1915 deutlich, dass das Schaffen mit farbigen Glasuren für Eberhardt immer wichtiger wurde und sie darin ihre Berufung als Keramikerin erkannte.
Die Künstlerin signierte ihre Keramiken in der Frühzeit mit den Buchstaben «EE..». Ausserdem gab es mindestens eine Blindmarke in Form eines Wappenschildes, halb Schweizerwappen, halb Wappen Lenzburgs. Hinzu kamen auch Signaturen mit ihrem vollen Namen «E. Eberhardt», auch in Kombination mit einer weiteren, leicht abgeänderten Blindmarke mit dem Wappen von Lenzburg.
Elisabeth Eberhardts Objekte sind im Kunstgewerbemuseum Zürich und im Museum Aargau zu finden. Der Nachlass im Museum Burghalde Lenzburg beinhaltet neben einigen Werken auch Skizzenhefte, Glasurmuster, Archivalien und weitere Dokumente. Ihre grafische Arbeiten flossen anlässlich ihres 150. Geburtstags in die Ausstellung im selben Museum ein und im Barocksaal wurde eine Auswahl an Keramikarbeiten gezeigt.
Ausstellungen 1912: Kunstgewerbemuseum Aarau 1913: «Salon d’automne» in Paris 1913/1914: Keramik für die Ausstellung «Der gedeckte Tisch» im Kunstgewerbemuseum Zürich 1915: Ausstellung der bernischen Malerinnen und Bildhauerinnen in Bern 1917: XIII. Schweizerische Kunstausstellung in Zürich 1918: Schweizerische Werkbund-Ausstellung in Zürich 1925: Aargauer Industrie- und Gewerbeausstellung in Baden 1928: Schweizerische Ausstellung für Frauenarbeit SAFFA 1937: Ausstellung der Gesellschaft Schweizer Malerinnen, Bildhauerinnen und Kunstgewerblerinnen in Bern
Ehrungen 1945 wurde Elisabeth Eberhardt von der Lenzburger Bibliotheksgesellschaft beim traditionellen Martini-Essen für ihr Schaffen geehrt. Zu diesem Anlass wurden auch einige ihrer Keramiken ausgestellt.
Literatur Barbara E. Messerli-Bolliger: Die Lenzburger Keramikerin Elisabeth Eberhardt (1875–1966) In: Keramik der Region. Museum Burghalde Lenzburg (Hrsg.), R+L Müller Druck, Lenzburg 1987, S. 20–81. Emmy Fischer: Zu den Töpfereien von Elisabeth Eberhardt. In: Das Werk : Architektur und Kunst, Band 10 (1923), Heft 10, S. 257.
Weblinks Elisabeth Eberhardt im Nationalen Keramikinventar der Schweiz CERAMICA CH
Keramiken von Elisabeth Eberhard in der ZHdK-Kunstgewerbesammlung
Einzelnachweise
Kategorie:Keramiker Kategorie:Person (Kanton Aargau) Kategorie:Schweizer Kategorie:Geboren 1875 Kategorie:Gestorben 1966 Kategorie:Frau Kategorie:Künstler des Jugendstils