Der Bahnhof Braunschweig Nord (lokal auch als Nordbahnhof bezeichnet) ist ein ehemaliger Bahnhof im Nördlichen Ringgebiet von Braunschweig. Er war Betriebsmittelpunkt der Braunschweigischen Landes-Eisenbahn-Gesellschaft (BLE). Das Empfangsgebäude aus dem Jahr 1886 steht unter Denkmalschutz.
Geschichte
Die BLE errichtete den Bahnhof ab 1885. Das Empfangsgebäude war auch der Hauptsitz mit der Verwaltung. Der Kopfbahnhof war Ausgangspunkt der Bahnstrecke Braunschweig Nord–Lichtenberg Richtung Westen. Mit dem Bau der Schuntertalbahn nach Fallersleben 1901 wurde der Bahnhof zum Durchgangsbahnhof. Der anfangs vorhandene zweigleisige Lokomotivschuppen wurde 1902 aufgegeben und bis 1905 durch einen zwölfgleisigen Ringlokschuppen mit Drehscheibe ersetzt. Dieser Lokschuppen wurde 1922 um zwei Stände erweitert. Außerdem wurde eine viergleisige Werkstatt errichtet. Von 1902 bis 1920 begannen und endeten in Braunschweig Nord auch die Züge der Braunschweig-Schöninger Eisenbahn. Schon 1908 zog die Verwaltung in ein gegenüber dem Bahnhof errichtetes dreigeschossiges Verwaltungsgebäude um.
Der Bau des Bahnhofs gab den Impuls für die Entstehung eines Wohnquartieres um die Geyso- und Nordstraße.
Zur Verbindung zum 1934 eröffneten Hafen Braunschweig für den Güterverkehr wurde 1936 eine Verbindungskurve vom Bahnhof zur Bahnstrecke Celle–Braunschweig der Herzoglich Braunschweigischen Staatseisenbahn gebaut. Mit der Verstaatlichung der Braunschweigischen Landes-Eisenbahn-Gesellschaft 1938 kam der Bahnhof zur Deutschen Reichsbahn, die den Personenverkehr in Braunschweig Nord zum 2. Oktober 1938 einstellte und die Züge stattdessen nach Braunschweig Hauptbahnhof führte. Der Güterverkehr verblieb zunächst umfangreich, ging aber nach dem Zweiten Weltkrieg stark zurück. Das Bahnbetriebswerk Braunschweig Nord, das bei einem Luftangriff 1944 beschädigt wurde, wurde etwa 1946 geschlossen. mini|links|Verwaltungsgebäude der Stadtwerke Braunschweig mit Gebäudebrücke über das verbliebene Anschlussgleis (2016) Um 1973 wurden die beiden 1942 errichteten mechanischen Stellwerke, die die bisherigen Wärterbuden ersetzten, außer Betrieb genommen. 1983 war Braunschweig Nord noch ein Gütertarifpunkt ohne regelmäßigen Verkehr. 1985 wurde die Strecke zwischen Braunschweig Nord und Celler Straße stillgelegt und das Streckengleis zum Anschlussgleis des Drehstromwerkes. 1986 wurde die Güterabfertigung Nord in das Volkswagenwerk verlegt und der Bahnhof Braunschweig Nord damit funktionslos. Etwa 1992 endete die Bedienung des letzten Güterkunden auf dem Gelände.
1991 bauten die Stadtwerke Braunschweig ein Verwaltungsgebäude auf dem ehemaligen Bahngelände mit einer Gebäudebrücke über das einzige verbliebene Gleis. Auf weiteren Flächen der ehemaligen Gleisanlagen entstand der Nordpark.
Mit der Stilllegung der Kohleanlage im Heizkraftwerk Mitte endete am 6. Februar 2024 der Kohleverkehr auf dem Anschlussgleis durch den ehemaligen Bahnhof. Für mögliche Brennstofflieferungen per Bahn oder den optionalen Abtransport von Wasserstoff wird das Anschlussgleis weiter betrieben.
Empfangsgebäude
Das 1886 fertiggestellte Empfangsgebäude ist ein breitgelagerter, gestufter, symmetrischer Ziegelbau mit reichen und mehrfarbigen Ziegelgliederungen und überwiegend rundbogigen Fensteröffnungen. Es ist unterteilt in einen zweigeschossigen Mittelbau, der durch ein mehrstufiges Kranzgesims optisch verbunden jeweils beidseitig durch zweieinhalbgeschossige Eckrisalite mit Lisenengliederung unter flachem Dreiecksgiebel eingefasst ist. Den Abschluss des Gebäudes bilden kurze dreiachsige, eingeschossige Flügelbauten mit flachgeneigten Satteldächern, die 1901 im Osten und 1921 im Westen hinzugefügt wurden. Die Gestaltung von Straßen- und Gleisseite ist identisch.
Aus geschichtlichen und städtebaulichen Gründen wegen des orts-, bau-, wirtschafts- und technikgeschichtlichen und ortsbildprägenden Zeugniswerts wurde das Empfangsgebäude mit der Adresse Am Nordbahnhof 1 als Einzeldenkmal unter Denkmalschutz gestellt.
1988 ließ die Stadt Braunschweig als Eigentümer ließ das ehemalige Empfangsgebäude renovieren und zu einem Büro- und Tagungsgebäude umbauen. Im selben Jahre zogen die Stadtwerke ein und nutzten es als Kundenzentrum. Zudem diente es als Ausstellungs- und Seminarzentrum. Am 25. Mai 2013 wurde das Haus der Kulturen im Gebäude eröffnet. Zum 1. Januar 2026 beendete die Stadt Braunschweig den Mietvertrag mit dem Verein Haus der Kulturen Braunschweig und die Volkshochschule Braunschweig wurde neuer Mieter des Gebäudes und Träger des Hauses der Vielfalt.
Literatur
Norman-Mathias Pingel: Eisenbahnwesen. In:
Weblinks
Einzelnachweise
Nordbahnhof Braunschweig Nord Kategorie:Bauwerk des Rundbogenstils in Niedersachsen Nordbahnhof Nordbahnhof Kategorie:Erbaut 1886 Braunschweig Nord