Helena Korff genannt Schmising († 6. Juli 1648 im Stift Heerse) war von 1621 bis zu ihrem Tod Äbtissin des Stifts Heerse. mini|Grabplatte in der Kirche des Stifts Heerse Herkunft und Wahl zur Äbtissin Sie war eine Tochter des Heinrich Korff genannt Schmising zu Tatenhausen und seiner Frau Barbara von Fürstenberg. Ihre Schwester Agatha heiratete Kaspar von Wrede zu Amecke, Anna ehelichte Hunold von Plettenberg zu Nehlen. Ihr Bruder Heinrich, geboren 1583, wurde Erbherr zu Tatenhausen. Der 1580 geborene Bruder Theodorich war zunächst Kanoniker am Dom zu Osnabrück, verzichtete aber 1598 auf sein Kanonikat und trat als Franziskaner in das Kloster in Löwen ein. Er wirkte als Lektor, zeitweilig als Provinzial und verfasste mehrere theologische Schriften. Er starb am 22. Oktober 1626. Ein weiterer, namentlich nicht genannter Bruder war Deutschordensritter.

Über ihre Mutter Barbara von Fürstenberg war Helena eine Nichte der Heerser Äbtissin Ottilia von Fürstenberg. Seit 1595 war sie Stiftsdame in Heerse, wo sie durch ihre Tante eine Präbende erhielt. Später wurde sie zur Dechantin gewählt.

Nur etwa vierzehn Tage nach dem Tod Ottilias von Fürstenberg fand 1621 die Neuwahl statt. Helena wurde mit Mehrheit zur Äbtissin gewählt. Der Kölner Erzbischof Ferdinand von Bayern bestätigte als Bischof von Paderborn die Wahl am 15. Mai 1621. Die feierliche Einführung erfolgte am 5. September 1621.Anton Gemmeke: Geschichte des adeligen Damenstifts zu Neuenheerse. Bonifacius-Druckerei, Paderborn 1931 S. 299

Die Amtszeit im Dreißigjährigen Krieg Helenas lange Amtszeit wurde wesentlich durch die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges geprägt. Bereits 1621/22 waren das Hochstift Paderborn und damit auch das Stift Heerse vom Kriegszug Christian von Braunschweig-Wolfenbüttel betroffen. Nach der Stiftsrechnung musste Heerse in diesen beiden Jahren unter anderem 240 Scheffel Roggen, 454 Scheffel Gerste, 534 Scheffel Hafer und 24 Scheffel Weizen abgeben, insgesamt 1242 Scheffel Getreide.Anton Gemmeke: Geschichte des adeligen Damenstifts zu Neuenheerse. Bonifacius-Druckerei, Paderborn 1931 S. 302 Während des Krieges wurden die wichtigsten Urkunden und Akten des Archivs sowie wertvolle Kirchengeräte mehrfach nach Dringenberg oder Paderborn in Sicherheit gebracht. Zum Schutz vor Überfällen unterhielt man zeitweise außerdem eine kleine Schutzmannschaft von zwei oder drei Mann.Anton Gemmeke: Geschichte des adeligen Damenstifts zu Neuenheerse. Bonifacius-Druckerei, Paderborn 1931 S. 303

Besonders schwer waren die Ereignisse von 1631/32. In dieser Zeit operierten sowohl hessische als auch schwedische Truppen im Hochstift. Durch die schwedischen Truppen unter Generaloberstleutnant Baudissin wurde auch die Stiftskirche in Heerse schwer heimgesucht. Reliquienschreine wurden aufgebrochen und die darin befindlichen Gebeine auf den Fußboden geworfen. Zwar wurden sie später wieder eingesammelt, doch waren vielfach die Beschriftungen verloren gegangen, sodass einzelne Reliquien den jeweiligen Heiligen nicht mehr sicher zugeordnet werden konnten.Anton Gemmeke: Geschichte des adeligen Damenstifts zu Neuenheerse. Bonifacius-Druckerei, Paderborn 1931 S. 304

Auch in den folgenden Jahren blieb das Stift von militärischen Belastungen nicht verschont. Um 1639 verlangten kaiserliche Truppen erneut Kontributionen. In den 1640er Jahren wurde das Hochstift weiterhin von wechselnden Truppenverbänden belastet. Noch 1648 suchten schwedische Truppen die Gegend heim. Äcker blieben unbestellt, Häuser standen leer und die Einnahmen des Stifts gingen erheblich zurück. Mehrere Stiftsdamen und Geistliche hielten sich während der Kriegsjahre zumindest zeitweise außerhalb des Stifts auf.Anton Gemmeke: Geschichte des adeligen Damenstifts zu Neuenheerse. Bonifacius-Druckerei, Paderborn 1931 S. 306–309

Erwerb der Oberen Mühle Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage gelang Helena eine bedeutende Erweiterung des Stiftsbesitzes. Am 13. März 1631 kaufte sie von den Erben des ehemaligen Besitzers Wilhelm Ludewig das gesamte Besitztum der sogenannten Oberen Mühle. Der Kaufpreis betrug 3800 Reichstaler sowie weitere 60 Reichstaler Weinkauf. Auf dem Besitz lagen allerdings Schulden in Höhe von 3542 Reichstalern.Anton Gemmeke: Geschichte des adeligen Damenstifts zu Neuenheerse. Bonifacius-Druckerei, Paderborn 1931 S. 312ff.

Schule in Neuenheerse In Helenas Amtszeit fällt auch die erste bekannte Erwähnung einer Volksschule in Neuenheerse. In einer Verfügung von 1641 spricht die Äbtissin von der „neu angefangenen Schull“ und erklärt, sie habe diese „auf unser Kosten erbawen lassen“. Zugleich traf sie Regelungen über die Aufsicht über Lehrer und Schüler sowie über deren Teilnahme an Gottesdienst und religiöser Unterweisung. Gemmeke wertet dies als erste sichere Nachricht über die Volksschule in NeuenheerseAnton Gemmeke: Geschichte des adeligen Damenstifts zu Neuenheerse. Bonifacius-Druckerei, Paderborn 1931 S. 313–315.

Stiftsrechte und Gerichtsbarkeit Helena setzte sich auch für die überlieferten Rechte des Stifts ein. 1623 erinnerte sie den Landgrafen von Hessen-Kassel an die seit langer Zeit ausstehende Belehnung mit der Edelvogtei. Nachdem die hessische Seite 1629 zur Belehnung bereit war, machte Helena außerdem ältere Ansprüche des Stifts geltend.Anton Gemmeke: Geschichte des adeligen Damenstifts zu Neuenheerse. Bonifacius-Druckerei, Paderborn 1931 S. 315f. Bei diesen Verhandlungen erhob sie auch Beschwerde wegen Eingriffen in die Rechte des Stifts an der Pfarrstelle in Schachten. Dort beanspruchte das Stift das Präsentationsrecht, während die hessischen Behörden beziehungsweise die örtlichen Herren in die Besetzung der Pfarrstelle eingriffen. Daraus entwickelte sich ein längerer Konflikt.Anton Gemmeke: Geschichte des adeligen Damenstifts zu Neuenheerse. Bonifacius-Druckerei, Paderborn 1931 S. 316ff. Ein weiterer langwieriger Streit betraf die niedere Gerichtsbarkeit. Seit 1625 stritten das Stift und das Oberamt Dringenberg darüber, wie weit die Gerichtshoheit des Stifts innerhalb der Stiftsortschaften und der zugehörigen Feldmark reichte. Helena und das Kapitel verteidigten dabei den Anspruch des Stifts auf eine eigene niedere Gerichtsbarkeit gegenüber dem Oberamt.Anton Gemmeke: Geschichte des adeligen Damenstifts zu Neuenheerse. Bonifacius-Druckerei, Paderborn 1931 S. 322ff.

Tod und Grab In ihrem Testament bestimmte Helena außerdem für ihre jährliche Memorie 25 Taler Zinsen aus einem Kapital von 500 Talern, das in einem Salzwerk zu Salzkotten angelegt war. Helena Korff genannt Schmising starb am Montag, dem 6. Juli 1648, morgens um sechs Uhr. Sie wurde in der Stiftskirche am Ende des Mittelgangs unmittelbar vor der hohen Chortreppe beigesetzt. Bei einer Erneuerung des Kirchenfußbodens im Jahr 1913 wurde ihre Grabplatte aufgenommen und anschließend an der Nordwand des Chores neben dem Hochaltar aufgestellt. Die Platte zeigt unter anderem die elterlichen Wappen Schmising und Fürstenberg.Anton Gemmeke: Geschichte des adeligen Damenstifts zu Neuenheerse. Bonifacius-Druckerei, Paderborn 1931 S. 327

Einzelnachweise

Literatur Anton Gemmeke: Geschichte des adeligen Damenstifts zu Neuenheerse. Bonifacius-Druckerei, Paderborn 1931 () S. 299–327

Helena Kategorie:Äbtissin Kategorie:Person (Bad Driburg) Kategorie:Geboren im 16. Jahrhundert Kategorie:Gestorben 1648 Kategorie:Frau