Stein ist der Name dreier erloschener wappenähnlicher Adelsgeschlechter am Mittelrhein, in der Eifel und in der belgischen Provinz Luxemburg. Eine Stammesverwandtschaft ist aufgrund der Namensübereinstimmung und Wappenähnlichkeit anzunehmen. Beachtlich ist die Ähnlichkeit zum Wappen der Burggrafen von Rheineck,Blasonierung des Vollwappens der Burggrafen von Rheineck siehe Christian von Stramberg: Denkwürdiger und nützlicher Rheinischer Antiquarius, Band 5, Das Rheinufer von Coblenz bis Bonn. Koblenz 1858, S. 526. zu deren Burgmannschaft die Stein zu Kell im 14. und 15. Jahrhundert gehörten.Burgmannen übernahmen mitunter das Wappen ihres Herrn in leicht abgewandelter Form. Vgl. Felix Hauptmann: Zehn mittelrheinische Wappengruppen. In: Jahrbuch der k. k. heraldischen Gesellschaft „Adler“, N. F. Bd. 10, Wien 1900, S. 3 ff. (vgl. besonders „Ulmen“, „Rheineck“ und „Schweppenburg“, S. 16 ff.) (Digitalisat).
Diese Familie(n) sind von einer Reihe anderer Adelsgeschlechter namens Stein zu unterscheiden.
Stein zu Kell mini|hochkant|Wappen derer von Stein zu Kell Die Stein zu Kell (auch Steyn zu Kell, Kell(e) o. ä.) hatte seinen Beinamen nach dem Ort Kell, heute einer der vier Ortsbezirke der Stadt Andernach im Landkreis Mayen-Koblenz im nördlichen Rheinland-Pfalz. Zuerst erscheint das Geschlecht mit den Knappen Gerart vame Steyne, wohnhaft in Gunderstorf, und Arnold vame Steyne, wohnhaft in Brysge, die 1377 zusammen mit dem Ritter Jakob van Kreye und Johann Snellart, beide wohnhaft zu Gunderstorf, dem Lombarden Henrich und Johann Pallete, Bürger zu Ayst, eine Schuldurkunde über 225 Goldgulden ausstellten.Schleicher (1998), S. 243.
1380 erhielt der Knappe Johann vom Steyne sein Freieigengut zu Kell vom Abtei Brauweiler als Mannlehen gegen eine Jahresrente zurück. Dieser Johann vam Steine wohnte 1381 zu Breisig und war Burgmann zu Burg Rheineck. Zehn Jahre später, am 22. Januar 1391, resignierte derselbe der Abtei Brauweiler sein von ihr empfangenes Lehngut zu Kell, mit der Bitte, es seinem Neffen Arnold zu verleihen. Sein Siegel mit dem Familienwappen mit Turnierkragen zeigt den Namen Johan van de me steine. Ein weiteres Jahr später verkaufte Johann (Johann vom Stein, Wäpeling zu Breisig) einen Teil des Zehnts und ein Haus zu Andernach an Heinrich, Burggraf zu Rheineck.Christian von Stramberg: Denkwürdiger und nützlicher Rheinischer Antiquarius, Band 5, Das Rheinufer von Coblenz bis Bonn. Koblenz 1858, S. 510. 1397 verkaufte Jakob vom Stein in Breisig Haus Lützingen an den Burggrafen zu Rheineck. Derselbe Jakob van dem Stein erscheint 1402 als Burgmann zu Burg Rheineck, ebenso wie Gerhard vom Stein im Jahr 1486. Außerdem erscheinen die Brüder Gerlach von Kelle, Verwandter von Arnold von Schweppenburg, und Ruprecht von Kelle. Sie siegeln zwischen 1454 und 1459 mehrfach mit dem Familienwappen.Schleicher (1998), S. 244.
Das Wappen derer von Stein zu Kell wird wie folgt blasoniert: Unter einem Schildhaupt, worin ein Turnierkragen, geweckt. Auf dem Helm sind verschiedene Helmzieren belegt, u. a. ein Hundekopf und ein offener Flug. Die Tingierung ist nicht überliefert. Mitte des 15. Jahrhunderts siegelten Geirhart vame Steyne (1454), Verwandter von Arnold von Schweppenburg, und Wilhelm vame Steine (1457) mit dem Familienwappen ohne Turnierkragen.Schleicher (1998), S. 238 und 243 f. Nach Hauptmann führten die von Schweppenburg das Rheinecker Wappen (der Burggrafen von Rheineck), unbekannt in welchen Farben: so siegele 1366 Ritter Arnolt von Schweppenburg.Felix Hauptmann: Zehn mittelrheinische Wappengruppen. In: Jahrbuch der k. k. heraldischen Gesellschaft „Adler“, N. F. Bd. 10, Wien 1900, S. 18 „Schweppenburg“ (Digitalisat).
Stein zu Baasem mini|hochkant|Wappen derer von Stein zu Baasem Die Stein zu Baasem haben ihren Beinamen von Baasem (früher Basenheim), heute ein Ortsteil der Gemeinde Dahlem im Kreis Euskirchen in Nordrhein-Westfalen in der Eifel. Die Stein zu Baasem erscheinen zuerst mit Johann von Stein zu Baasem aus dem Hause Kyll, der 1481 einen Ehevertrag mit Eva Greyn von Rodenbusch, Tochter von Peter von Rodenbusch und einer von Junckerraide genannt Kyll, schloss und 1491 mit dem Familienwappen und einem offenen Flug als Helmzier siegelte. Johann wurde mit einem Burghaus zu Blankenheim und mit Gütern zu Alf und Buchet belehnt. Die Eheleute hatten fünf Kinder:Schleicher (1998), S. 239.
1509 schloss Wilhelm von Stein, Vater der Else von Stein, die mit Claus von Mirbach verheiratet war, einen Vergleich mit seinen Stiefsöhnen aus einer Ehe mit einer Witwe von Königsstetten genannt Polch. Zuvor war er mit Catharina von Daun verheiratet. Ferner war 1519 ein Paul von Steinen zu Weßenberge Zeuge bei dem Ankauf eines teils von Wischlingen durch Berthold von Plettenberg, dem Bruder der Ehefrau des o. g. Heinrich von Steinen. 1572 erscheint Maria von der Heyden (Nechtersheim) als Frau des Paul von Baßem.Schleicher (1998), S. 240.
Das Wappen derer von Stein zu Baasem wird wie folgt blasoniert: Unter silbernem Schildhaupt in Schwarz ein silbernes Gitter. Auf dem Helm mit schwarz-silbernen Helmdecken ein offener silberner Flug.
mini|hochkant|Wappen derer von Steinen zu Frömern im Wappenbuch des Westfälischen Adels Darüber hinaus liefert Schleicher zu den Herren von Stein zu Baasem auch die folgende Stammfolge der Pfarrerdynastie von Steinen in Frömern:
Die Zugehörigkeit dieser Pastorendynastie zu Frömern zu den Herren von Stein zu Baasem wurde jedoch verschiedentlich angezweifelt. Schon 1903 stellte Ernst von Oidtman die Zugehörigkeit in einem Briefwechsel in Frage. Sein Briefpartner war der Sohn von Julius Baedeker (1821–1898), Julius Baedeker (* 22. Mai 1855), der in seinen Schreiben verschiedene Gründe für eine Zugehörigkeit angab. Während im Wappenbuch des Westfälischen Adels von Max von Spiessen von 1901 bis 1903 das Wappen derer von Steinen zu Frömern in abweichender bunter Tingierung darstellt wird,Max von Spiessen: Wappenbuch des Westfälischen Adels, mit Wappengrafiken von Adolf Matthias Hildebrandt, Band 1, Görlitz 1901–1903, S. 121 (hhu.de); Band 2, Görlitz 1903, Tfl. 305 (hhu.de). beschreibt Baedeker das Wappen in einem Schreiben von 1903 als von Silber und Schwarz geteilt und unten schraffiert. Auf dem Helm fänden sich zwei Flügel, zwischen denen der Schild wiederholt würde.Schleicher (1998), S. 241. Diese Beschreibung entspricht genau dem Wappen derer von Stein zu Baasem. Aber auch in neuerer Zeit wurden Zweifel an der Zugehörigkeit geäußert. So sollen nach 1997 veröffentlichten Erkenntnissen die Pfarrer von Steinen vor dem Brand des Pfarrhauses im Jahr 1761 und der damit verbundenen Vernichtung des umfangreichen Archivs des Historikers Johann Dietrich von Steinen (1699–1759) einen Leuchter im Wappen geführt haben, wie er auch später noch bei den bäuerlichen Nebenlinien geführt worden sein soll. Damit schwände „die Wahrscheinlichkeit, dass jener erste von Steinen aus der Eifel stammt, insbesondere wenn man bedenkt, dass es nicht all zu weit von Frömern in Hemmerde einen Hof Schulte-Steinen gab und auch Nachkommen der Pastorenfamilie wieder auf große Schultenhöfe aufheirateten“ (siehe auch Heinrich Schulze-Steinen).Christian Loefke, Guido Schäferhoff: Die märkische Pfarrerfamilie von Steinen. Zum 200. Todestag des letzten Pfarrers von Steinen in Frömern am 26. Mai 1997. Zugleich ein Beitrag zur bäuerlichen Familiengeschichte des Hellweg-Raumes. In: Beiträge zur westfälischen Familienforschung, Nr. 55, 1997 S. 146–203 (PDF; 323 KB auf archive.org).
Stein zu Noville mini|hochkant|Wappen derer von Stein zu Noville Die Stein zu Noville führen ihren Beinamen nach dem Ort Noville in der heutigen belgischen Provinz Luxemburg. Folgende Stammfolge ist für die Herren von Stein zu Noville überliefert:Schleicher (1998), S. 250.
Philipp von Stein war 1676 Herr zu Noville und Hans Georg von Stein zu Falkenstein war 1678 unter den Edlen von Luxemburg. 1681 wurden Philipp von Stein, Herr zu Noville, und Theodor von Stein, Herr zu Falkenstein, zu La Rochette und zu Maersdorf, vom König von Frankreich mit dem Edelsitz Recogne belehnt. 1684 erscheint Johann Theodor von Stein, Herr zu Falkenstein, als Lehnrichter in der Grafschaft Vianden, der Herrschaften Dasburg, Sankt Vith und Bütgenbach.Schleicher (1998), S. 251.
Das Wappen derer von Stein zu Noville wird wie folgt blasoniert: Unter blauem Schildhaupt in Rot ein goldenes Gitter. Auf dem gekrönten Helm mit blau-goldenen Decken ein offener blauer Flug.Schleicher (1998), S. 249.
Literatur Herbert M. Schleicher: Ernst von Oidtman und seine genealogisch-heraldische Sammlung in der Universitäts-Bibliothek zu Köln, Band 15 (Mappe 1151–1236; Speckhewer – Waldbott von Ulmen) (= Veröffentlichungen der Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde, Nr. 94), Köln 1998, S. 238–251.
Einzelnachweise
Kategorie:Belgisches Adelsgeschlecht Kategorie:Luxemburgischer Adel Kategorie:Rheinländisches Adelsgeschlecht